12 von 12 im April 2017

Es war der Mittwoch vor Ostern im Jahre 2017 des Herrn, als es sich begab, dass ich meinen Tag in 12 Bildern zu dokumentieren suchte. Ich hoffe, ihr findet diesen biblischen Einstieg genauso angemessen, wie ich.

Der Tag begann unbiblisch-profan mit Routine: Aufstehen, …

Kinder wecken, …

Kaffee kochen und Milch trinken, …

Anziehen, …

Frühstücken.

Das erste wirklich spannende Foto ist dieses: Meine Tochter (9) verlässt das Haus, um zu den Ferienspielen in den Hort zu gehen. Heute ist Skating-Tag.

Ich muss euch warnen, es folgt nun ein „Sie werden so schnell groß“-Erinnerungsklischee. Aber sie werden so schnell groß! Komischerweise denke ich immer an Kinderkrankheiten, wenn ich mich zurückerinnere, wie sehr meine Tochter (9) schon gewachsen. Vielleicht, weil sie in jenen Phasen am verletzlichsten war. Wenn ich dieses toughe Mädchen mit seinem Skateboard sehe, dann sehe ich in Gedanken den Wurm, dessen Krankheitsverlauf ich mit einer Fieberkurve dokumentierte – immer zweifelnd, ob hier noch ein Fiebersenker angemessen ist oder ob wir nicht doch lieber gleich ins Krankenhaus fahren sollten. Ach, irgendwie lesen sich diese Zeilen unangenehm. Schließlich habe ich auch schöne Erinnerungen. Daher lieber gleich weiter zum nächsten Foto.

Das entstand in unserem Keller, wo mein Fahrrad steht. Ich glaube, ich habe in dieser Reihe schon darüber geschrieben, dass mir in meinem Leben bereits drei Fahrräder gestohlen wurden.  Daher übernachtet der Drahtesel hinter drei verschlossenen Türen und ist zusätzlich an ein Regal gekettet.

Nun begann mein Arbeitstag. Mein Teamleiter hat darum gebeten, dass wir nicht mehr während der Arbeit instagrammen. Ich arbeite in einer Agentur, die Social Media für einen sehr großen Kunden macht und der „soll nicht denken, dass wir nicht ausgelastet sind“ – so mein Chef. Na, diesen Gefallen kann ich ihm tun. Schließlich habe ich wahrlich genug Arbeit. Daher unterbreche ich meine 12 von 12 an dieser Tür.

Allerdings endete mein Arbeitstag an jenem Mittwoch schon nach vier Stunden. Ich hatte noch einen Termin. Dieser ging schon wieder mit dem Thema „sie werden ja so schnell groß“ einher. Denn meine Tochter (2) kommt im Sommer in den Kindergarten. Dafür unterschrieben wir am Mittwoch den Betreuungsvertrag. Wir waren schon sehr nervös.

In Frankfurt erfolgt die Kindergartenplatzvergabe seit einem Jahr online über ein zentrales Portal. Die Idee dahinter ist gut: So sollen Doppeltanmeldungen vermieden werden und jedes Kind soll schneller und sicherer einen Platz bekommen. Aus Elternsicht war der Prozess aber nervenaufreibend, da das System eine Blackbox ist. Wenn du einmal die Daten in die Maske eingetippt hast, fehlt dir jeder Einblick darüber, an welchem Punkt im Vergabeprozess du dich befindest. Wie viele Mitbewerber gibt es? An welchem Platz der Warteliste stehen wir? Wurde schon entschieden?

Wir meldeten uns bei den Kitas im Viertel an, die wir gut fanden und von diesem Moment an hieß es warten. Ohne eine Info. Im Februar bekamen wir eine Zusage. Leider war sie von dem Kindergarten, den wir von den sechs oder sieben ausgewählten am wenigsten mochten. Am liebsten wäre uns gewesen, dass unsere Tochter in den Garten gekommen wäre, in dessen Krippe sie schon geht. Daher lehnten wir das Angebot im Februar ab. Mit Magengrummeln. Dann kam der März und mit ihm die offizielle Deadline für die Vergabe. Das bekamen wir vor allem dadurch zu spüren, dass unsere Krippe uns absagte – wir hatten keinen der begehrten Plätze bekommen.

Der März ging und keine weitere Zusage kam. Wir schliefen immer schlechter. Was sollten wir tun, wenn wir auch im April nichts bekommen? Unsere Krippe bot uns an, dass die kleine noch ein halbes Jahr über den dritten Geburtstag hinaus bleiben darf. Sollten wir auch Kindergärten außerhalb unseres Viertels mit in die Auswahl nehmen? Abgesehen davon, dass die Kleine dann aus ihrem sozialen Umfeld gerissen würde, sind wir schon einmal mit der Großen ein halbes Jahr zum Kindergarten mit der S-Bahn gependelt, weil wir innerhalb Frankfurts umgezogen waren. Das war eine sehr stressige Zeit für die ganze Familie. Daher fiel sowohl der Dame als auch mir ein riesiger Stein vom Herzen, als vor einer Woche die E-Mail ankam: „Es liegt ein Betreuungsangebot vor“. Ich habe so laut aufgeatmet, dass sich gleich mehrere Kollegen in meinem Büro umdrehten und sich erkundigten, was los war.

Die Dame hatte in der Nacht noch Albträume gehabt, dass auf den letzten Drücker uns etwas im Betreuungskonzept der Kita in die Augen springt, weswegen wir doch wieder absagen müssen. Aber letzten Endes war alles im grünen Bereich und unsere Tochter (2) ließ sich nur mit Mühe und Not von der Rutsche  ablösen und aus ihrem zukünftigen Kindergarten fortlocken. Da hatten wir uns wirklich ein Eis verdient! Für mich das erste des Jahres. Es war kalt, aber lecker.

Dann ging es nach Hause …

… und erschöpft, wie wir waren, gingen wir auch bald ins Bett. Bis nächsten Monat!

Iste lieb?

Meine Tochter (2): “ Vorlesen?“
Ich: „Nur wenn du lieb bist.“
Sie schmeißt den Zahnputzbecher runter: „Iste lieb?“
Das erste Mal keimt mir der Verdacht, dass sie nicht weiß, was das Wort bedeutet: „Nein, so bekommst du nichts vorgelesen.“
Schnell hebt sie den Becher auf und spült sich den Mund aus: „Vorlesen?“
„Nur wenn du lieb bist.“
Sie rennt davon.
Okay, das war ein veritables Indiz. Wir reden eindeutig aneinander vorbei. Als ich sie wieder eingefangen und zur Wickelkommode verfrachtet habe, fragt sie erneut: „Vorlesen?“
„Nur wenn du lieb bist.“
Sie beginnt Taschentücher aus dem Spender zu reißen, bis das Kinderzimmer wie eine Winterlandschaft mit geringem Budget aussieht.
„Iste lieb?“
„Tochter (2), mich dünkt, du weißt nicht, was ‚lieb‘ bedeutet!“
„Lieb?“
„Ja ‚lieb‘. Nenn mir bitte mal eine Sache, die du zu machen bereit bist und die unter den Weisen gemeinhin als lieb angesehen wird?“
„Vorlesen?“

Diese Diskussion hat sie mit einem knappen Netzball nochmal gerade so gewonnen.

Warum brauchen wir Platons Ideenlehre?

Nachdem ich beim letzten Mal die Probleme der Ideenlehre thematisiert habe, möchte ich diesmal erklären, warum die Ideenlehre bei allen Problemen dennoch keine ganz dumme Idee war. Ihr könnt euch das hier als Video ansehen oder darunter das Transkript lesen:

Ist das wirklich alles notwendig?

Wir haben die Ideenlehre kennengelernt. Und ich hoffe, ihr habt zumindest ein wenig die Probleme nachvollziehen können, die ich aufgezeigt habe und habt euch daher zumindest einmal gefragt: WHAT THE FUCK?!?! Ist das wirklich alles notwendig? Gibt es das nicht einfacher? Lebensnäher? Oder wenigstens mit Bluetooth? Daher möchte ich euch heute erzählen, warum die Ideenlehre – obwohl sie ein metaphysischer Mindfuck ist – keine ganz dumme Idee war.

Wir haben ja bei der Suche nach sicherem Wissen gesehen, wie Platon überhaupt auf die Idee kam, dass es Ideen gibt. Er wollte wissen, was das Wesen eines Begriffs ist. Was die wahre Bedeutung von etwas ist. Die Antwort auf Sokrates‘ berühmte „Was ist …?“-Frage. Aber ist es da wirklich nötig, so ein verschachteltes Luftschloss zu errichten? Kann man die „Was ist …?“-Frage nicht einfacher beantworten?

Wie wäre es zum Beispiel damit: Wir hatten zwischen der Extension eines Begriffes, also dem Begriffsumfang und der Intension, also der Begriffsbedeutung unterschieden. Aber müssen wir das überhaupt? Können wir nicht einfach sagen: Die Bedeutung eines Begriffs ist einfach alles, was der Begriff umfasst? Also die Extension ist gleich der Intension eines Begriffs. Klar, können wir das! Natürlich wurde dieser Gedanke in 2.500 Jahren Philosophiegeschichte auch schon gedacht. Ich habe das sogar schon selbst schon gemacht: Beim letzten Mal, als ich sagte, dass die DVD Inglourious Basterds die Bedeutung des Wortes „Inglourious Basterds“ ist. Das ist eine Sichtweise, die wir vertreten können. Aber wenn wir das machen, dann entstehen uns neue Probleme…

Morgenstern und Abendstern

Ich will euch ein Beispiel geben: Wir haben in unserer Sprache viele Begriffe, die den gleichen Begriffsumfang haben, aber verschiedene Bedeutungen. Ein klassisches Beispiel in der Philosophie, das jede Bachelor-Studentin lernt, sind der Morgenstern und der Abendstern. Beide haben die gleiche Extension: den Planeten Venus. Aber die Bedeutung unterscheidet sich: Der Morgenstern ist der letzte Stern, den ich morgens am Himmel sehe. Und der Abendstern ist eben der erste Stern, den ich Abends am Himmel sehe. Gut, da könntet ihr jetzt rufen: Das ist doch Kokolores! Das sind doch komplett konventionelle Bezeichnungen, die nur darauf zurückgehen, dass die Menschen ursprünglich nicht rafften, dass das der gleiche Himmelskörper ist.

In diesem Fall hättet ihr recht, aber es gibt andere Beispiele, die weniger trivial sind: „Alle Tiere mit Leber“ und „Alle Tiere mit Niere“ ist das nächste klassische Beispiel in der Philosophie. Diese beiden Begriffe haben die gleiche Extension – Es gibt keine Tiere, die zwar eine Leber aber keine Niere haben. Trotzdem macht es für eine Ärztin oder einen Biologen mitunter einen großen Unterschied, ob sie sich mit Lebern oder Nieren auseinandersetzen.

Scheinkorrelation

Die Wissenschaftstheorie kennt ein Problem, dass aus der Deckungsgleichheit von Extensionen entsteht: Die Scheinkorrelation. Durch Begriffe, die in ihrem Begriffsumfang deckungsgleich sind, entstehen vermeintliche Zusammenhänge, die aber keine sind. Und erst wenn wir uns um die Intension, die Bedeutung eines Begriffs kümmern, erkennen wir diese Scheinkorrelationen.

Folgendes Beispiel lernen diesmal alle Soziologie-Studenten im ersten Semester: Die Begriffe: „Landstriche mit vielen Störchen“ und „Landstriche mit hoher Geburtenrate“ haben (mehr oder weniger) den gleichen Umfang. Können wir daraus den Schluss ziehen, dass der Storch die Kinder bringt? Wohl kaum …

Das Universalienproblem

Ich stelle das alles hier grob verkürzt dar und je nachdem, mit was ihr euch sonst so beschäftigt, sind euch diese Probleme sicher auch schon einmal in einem anderen Gewand begegnet. Aber eines liegt für uns Philosophen am Grunde all dieser Fragestellungen. Quasi die unterste Schicht bildet immer: Das Universalienproblem. Und für dieses Universalienproblem stellt die Ideenlehre eben eine verdammt clevere Lösung dar – wenn auch keine unproblematische Lösung, wie wir sahen. Doch was genau das Universalienproblem ist, das erzähle ich beim nächsten Mal.

Literatur

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12 von 12 im März 2017

Nachdem ich im letzten Monat nicht dazu kam, sind hier wieder 12 Bilder von meiner 12. des Monats!

Erstmal einen Kaffee

Um sieben Uhr begann der Tag. Meine Tochter (2) war schon am Abend zuvor in unser Bett gekrochen – sie sieht zurzeit nicht ein, allein in ihrem kalten Bett zu pennen, wo es bei Mama und Papa doch viel schöner ist! Um 6 Uhr kam dann auch die Neunjährige und kuschelte sich zu uns, woraufhin es doch recht eng wurde. Daher meine Bettflucht.

Aber mit dem Kaffee kehrte ich dann aber noch einmal zurück.

Die Dame ging joggen und anschließend frühstückten wir. Beziehungsweise die anderen drei – ich versuche noch immer ein paar Weihnachtsplätzchen wieder loszuwerden und verzichtete daher auf Frühstück. Gut, zwei angefangene Joghurts wollten die kleinen Feinschmeckerinnen nicht aufessen, weswegen ich mich erbarmte. So ging ich dann doch nicht ganz leer aus.

Putzen und Waschen

Ganz unchristlich machte der Agnostiker, der ich bin, dann erst einmal den Haushalt an einem Sonntag. Die Dame war gestern den ganzen Tag mit Freundinnen unterwegs, weswegen ich mit den Töchtern das schöne Wetter nutzte und auf den Spielplatz am Hafenpark an der EZB ging – auf jeden Fall eine Empfehlung.

Da die Dame und ich aber beide berufstätig sind, blieb mir nichts anderes übrig, als meine liegengebliebenen Haushaltspflichten am heiligen Sonntag zu erledigen!

Mittagsschlaf

Meine Tochter (2) hat eigentlich gerade eine absolute Mama-Phase: Wickeln, am Tisch neben ihr sitzen oder zu Bett bringen – alles soll die Mama machen. Aber das kommt bei uns nicht in die Tüte. Die Dame und ich wechseln uns ab, ob das der Kleinen gefällt oder nicht, so lautet nun einmal unser Familienvertrag. Nach anfänglichen verhaltenen Protesten ging dann der Mittagsschlaf auch ganz easy.

Die Dame ging mit unserer Tochter (9) ins Kino – es gab den Lego-Batman-Film. Er war wohl ganz lustig. Ich nutzte die Kinderpause hingegen, um eine Podcastfolge vorzubereiten. Ausnahmensweise war es keine Spätfilm-Folge. Ich bespreche mit Christian von der Second Unit alle Harry-Potter-Filme. Das machen wir in seinem Podcast. Angelangt sind wir beim fünften Film: Der Orden des Phoenix (Link zu meiner Besprechung des Buchs).

Irgendwann entschloss sich meine Tochter dann aufzustehen … nur um noch ein zweites Nickerchen auf meinem Schoß einzulegen.

Eiszeit und Badezeit

Aber früher oder später ist auch der längste Mittagsschlaf vorbei. Für mich gab es Kaffee und …

… die anderen Drei aßen Eis. Mit Waffel! Das war meiner Tochter (2) ganz wichtig. Ich verzichtete – ihr wisst schon: die Weihnachtsplätzchen.

So ein Kleinkind ist so ein Eis ja nicht nur mit dem Mund sondern mit Leib und Seele. Daher war es nach dem Eis an der Zeit für eine Ganzkörperreinigung. Auch wenn die Kleine natürlich nach der Mama verlangte, übernahm ich den Job. Das Waschen der Kinder erst kürzlich in meinen Haushaltsaufgabenkatalog eingetragen worden. Außerdem lässt die Kleine sich von mir die Haare waschen, ohne zu schreien. Normalerweise … Nach ihr ließ ich mir selbst noch ein Bad ein und las Neil Gaimans siebten Sandman-Band „Brief Lives“ zu Ende – neben dem vierten Teil der bislang beste.

Netflix and chill

 

Nach dem Abendessen brachte die Dame ihre Tochter (2) ins Bett, während ich die Zeit, die meine Tochter (9) im Bad brauchte, nutzte, um eine Folge der Serie Love auf Netflix zu gucken. Die Serie ist ganz nett, aber nicht überragend. Wie es der Titel schon verrät, geht es um die Liebe und ihre Tücken jenseits der ausgetretenen Rom-Com-Pfade: Alles ist etwas komplizierter und weniger perfekt. Das mag ich.

Wir lesen uns hoffentlich nächsten Monat wieder.

Probleme von Platons Ideenlehre

Der Titel spoilert schon ganz heftig. Heute soll es um die Probleme von Platons Ideenlehre gehen. Nachdem wir in den Posts zu Metaphysik und der Suche nach dem sicheren Wissen erfahren haben, warum die Ideenlehre notwendig erscheint und nachdem wir sie kennengelernt haben, zeige ich diesmal, dass die Ideenlehre eben auch nicht eitel Sonnenschein ist, sondern den Philosophen einiges Kopfzerbrechen bereitet. Daher sollten wir sie noch nicht mit dem Stempel „Wahrheit“ versehen.

Ich widme mich zunächst einem Argument, das Platon selbst in seinem Dialog Parmenides vorträgt. Dann gehe ich aber zu allgemeineren Problemen über mit mathematischen Figuren, der Idee der Schönheit und jenen Ideen von konkreten Gegenständen. Am Ende betrachte ich noch kurz den Unterschied zwischen Eigenschaften und Relationen. Ihr kennt das Spiel, hier gibt es das Video, darunter das Transkript:

Die Argumente aus dem Parmenides

 

Wir hatten beim letzten Mal die Ideenlehre kennengelernt sowie ein paar gute Gründe, um an die Existenz von Ideen zu glauben. Aber zugleich hatte ich auch immer mal wieder angedeutet, dass ich persönlich nicht unbedingt der größte Fan des Platonismus bin. Daher möchte ich euch heute mal einige Probleme im Zusammenhang mit dieser Theorie aufzeigen.

Platon nennt in seinen späten Dialogen selbst einige Argumente gegen die Ideenlehre. Allerdings bekomme ich bei diesen Beispielen von Platon oft einen Knoten ins Gehirn, daher will ich von Platons Punkten nur einen Aufgreifen und mich eher auf allgemeinere Probleme konzentrieren.

Im Dialog Parmenides lässt Platon eben diesen berühmten Vorsokratiker das Argument gegen die Ideenlehre vortragen, über das ich sprechen möchte. Eine interessante Randnotiz ist hier übrigens, dass der Parmenides einer der wenigen Dialoge ist, in dem Sokrates mal nicht am Ende Recht behält.

Parmenides‘ Argument geht so: Einer Idee stehen jeweils viele Erscheinungen gegenüber. Daraus folgt entweder, dass jede Erscheinung an der gesamten Idee teilhat oder dass jede Erscheinung nur an einem Teil der Idee teilhat. Soweit, so logisch: Es gibt nur diese beiden Möglichkeiten. Ich kann nur behaupten, dass ich „Der Marsianer“ gelesen habe, wenn ich entweder das gesamte Buch oder einen Teil gelesen habe, nicht jedoch wenn ich es gar nicht gelesen habe. Klar?

Aber Parmenides fährt fort, dass egal welche der beiden Möglichkeiten wir annehmen, beide führen dazu, dass man die Einheit der Idee aufgeben muss. Es sei nicht möglich, dass die gesamte Idee an vielen verschiedenen Dingen teilhabe. Entsprechend müsse man viele verschiedene Ideen annehmen. Das ist mir schon nicht mehr klar: Wenn wir uns erinnern, dass Platon das Verhältnis von Idee und Erscheinung als Abbildverhältnis beschreibt, dann haben wir schon ein perfektes Gegenbeispiel, in dem ein Urbild zu unzähligen Abbildern führen kann. Gebt einfach mal „Eifelturm“ in die Google-Bildersuche ein. Selbst wenn wir nur auf natürlich Abbilder gucken, so kann ein Ding mehrere Schatten werfen oder mehrere Spiegelbilder haben.

Anyway … Der zweite Teil von Parmenides‘ Gegenargument ist einleuchtender: Wenn jede Erscheinung nur an einem Teil der Idee teilhat, dann kann die Idee nicht unteilbar sein. Teilt ihr diesen Teil der Argumentation? Übrigens lässt Platon Parmenides hierfür als Beispiel das Bild eines Segeltuches verwenden, dass über viele Menschen geworfen wird und auf sie fällt. Ich habe mal gehört, dass unsere Redewendungen „etwas ist der Fall“ und „etwas fällt darunter“ auf dieses Bild von Platon zurückgeht. Allerdings habe ich keinen Beleg dafür finden können, weswegen ich das hier mal einfach als Legende stehen lasse.

Im Dialog Parmenides finden sich noch viele Argumente, er ist also auf jeden Fall eine Lektüre wert, aber ich will jetzt, wie gesagt, etwas allgemeiner über die Probleme der Ideenlehre sprechen.

Eine metaphysische Unterstellung

Meine größte Schwierigkeit mit der Ideenlehre ist, dass sie eine metaphysische Unterstellung ist. Lasst mich das erklären: Wir können mit unserer Sprache einerseits auf konkrete Einzeldinge verweisen, wie beispielsweise auf eine DVD von Inglourious Basterds. Andererseits haben wir aber auch Allgemeinbegriffe wie „Film“. Auf was verweisen die? Gute Frage …  Eine mögliche Antwort sorgt dafür, dass es gute logische Gründe gibt, von der Existenz von Ideen auszugehen. Wenn ich über die DVD von Inglourious Basterds spreche, dann ist (verkürzt gesprochen) Der Gegenstand Inglourious Basterds die Bedeutung des des Wortes „Inglourious Basterds“. Wenn wir jetzt versuchen, dazu analog einen Gegenstand zu finden, der die Bedeutung des Allgemeinbegriffs ist, dann gibt es diesen nicht in der Welt. Entsprechend ist es nicht ganz unplausibel, zu sagen, dass die Bedeutung von „Film“ die Idee des Films ist.

Soweit, so gut. Aber da wir sie per Definition nicht wahrnehmen können, ist jede Spekulation darüber, was eine Idee ist und welche Eigenschaften sie hat, komplett unbegründet. Platon kann natürlich hingehen, und die Idee des Schönen definieren, wie wir das letzte Mal sahen, aber was wenn ich jetzt eine andere Definition für die Idee des Schönen gebe? Was zum Beispiel, wenn ich wieder sage, die Idee des Schönen sieht aus wie Brokkoli? Wie können wir dann entscheiden, wer Recht hat? Der Witz ist ja, dass wir auf nichts in der Welt als Argument verweisen können, da sich die Idee nicht in der Welt zeigt.

Ich finde, der Begriff des Schönen ist sehr gut geeignet, um dieses Problem zu veranschaulichen, da alle Menschen anderer Meinung sind, was schön ist. Ich finde zum Beispiel Streetart sehr schön, von vielen wird sie aber nur als Schmiererei angesehen.

Mathematische Begriffe und Gegenstände

Das Problem wird komplexer, wenn wir von abstrakten Begriffen wie „Schönheit“ zu mathematischen Begriffen übergehen. Eben sagte ich ja, dass Platon annimmt, dass es zu jeder Erscheinung nur genau eine Idee gibt: Nehmen wir an, es gibt die eine Idee der perfekten Geraden. Sicher gibt es dann auch die Idee des perfekten Schittpunkts. Oder? Aber wie soll das möglich sein, wenn wir nur EINE Idee der Geraden haben? Platons These ist also nicht haltbar. Wir brauchen für den Schnittpunkt schon zwei Ideen für Geraden. Das Problem potentiert sich, wenn wir anfangen, zu überlegen, welche verschieden Schnittpunkte es gibt. Statt zwei Geraden, kann eine Gerade auch einen Kreis schneiden, zwei Kreise können sich schneiden, Kurven können sich schneiden, etc.

Gibt es für jede denkbare Kombination von geometrischen Figuren eigene Ideen? Aber es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Kann es unendlich viele Ideen geben?

Doch richtig schlimm wird es, wenn wir uns den von Menschen gemachten Gegenständen zuwenden: Hat die Idee des Stuhls drei oder vier Beine, hat sie Armlehnen und eine durchgehende Rückenlehne? Ich bin stark dafür, dass sie eine durchgehende Rückenlehne haben sollte! Gibt es nur die Idee des perfekten Smartphones oder gibt es die Idee des iPhones, des Android Handys, des Blackberrys und am Ende sogar die Idee des Windows Phone?!?! Und wenn es die Idee des iPhones gibt, ist dann das iPhone 7 näher an der Idee als das iPhone SE?

Und was ist mit Dingen, die an sich schon einfach nur scheiße sind? Gibt es von denen dennoch Ideen? Gibt es die Idee von Google Glasses? Vom Selfie-Stick? Vom Tamagotchi? Der Atombombe? Gibt es am Ende sogar die Idee des perfekten Haufens Scheiße?

Eigenschaften und Relationen

Schließlich kommen wir noch zum Problem, dass Platon auch von relationalen Begriffen annimmt, dass es von ihnen Ideen gibt. So sagt er zum Beispiel, dass es die Idee der Größe gibt. Etwas, das groß ist, etwa Dirk Nowitzki, hat demnach viel Anteil an der Idee der Größe. Die Idee der Größe aber ist per Definition die absolute Größe, die nicht größer sein könnte. Das Problem daran ist, dass Platon damit alle Begriffe über einen Kamm schert. Aber es gibt verschiedene Formen von Begriffen. Es gibt nicht nur Eigenschaften, wie zum Beispiel „gestreift sein“, es gibt zum Beispiel auch so etwas wie Relationen und genau das ist der Begriff „groß“. Etwas ist immer nur groß in Bezug auf etwas anderes. Dirk Nowitzki ist verglichen mit mir groß. Aber verglichen mit einem Sternenzerstörer ist er superklein. Die Größe an sich unabhängig von einer konkreten Relation anzunehmen, ist vollkommen unsinnig.

Ihr seht, die Ideenlehre hat viele Probleme. Was machen wir also damit? Schmeißen wir sie auf den Müllhaufen der Philosophiegeschichte? Nun, das wäre vielleicht nicht das Schlauste. Denn obwohl sie so viele Probleme hat, löst sie uns auch genauso viele. Das ist der Grund, warum wir sie nach 2.300 Jahren noch immer diskutieren. Und welche Probleme genau gelöst werden, davon werde ich euch ab dem nächsten Mal erzählen.

Literatur

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Politische Aufmerksamkeit

Ich habe neulich, als Bernd [sic!] Höcke sein Weltbild vollends entblößt hat, hier geschrieben, dass wir Rechtspopulisten keine Aufmerksamkeit schenken dürfen. Aufmerksamkeit ist in der Mediendemokratie ein kostbares Gut, denn am Ende bleibt bei den Zuschauern und Zuschauerinnen meist nicht die Botschaft hängen, sondern, dass die Meinung relevant genug war, um gesendet zu werden. Um Marshall McLuhan unverantwortlich aus dem Kontext zu reißen: The media is the message.

Rechtspopulisten nutzen genau das aus, indem sie bewusst provokante Äußerungen tätigen, damit Medienpräsenz erlangen und dann im nächsten Schritt auf eine vermeintlich gemäßigtere Position zurückrudern („wir wurden falsch zitiert“, „das wurde aus dem Kontext gerissen“ oder „meine Maus ist ausgerutscht“). Neben der Tatsache, dass sie sich ins Gespräch gebracht haben, schaffen sie mit diesem Spiel noch etwas zweites: Sie verschieben den Diskurs weiter nach rechts, indem sie bislang „unsagbare“ Thesen aufstellen und so überhaupt erst einmal ins Gespräch bringen. Unter diesem Gesichtspunkt ist es übrigens – um kurz abzuschweifen – schön, dass die SPD mit Martin Schulz anscheinend endlich einen starken Kamzlerkandidaten gefunden hat und so den öffentlichen Diskurs endlich wieder weiter nach links rückt.

Auch bei Höckes vollkommen bekloppten Äußerungen über das Holocaust-Mahnmal ließ sich das Spiel der Rechtspopulisten beobachten. Das geschah dahingehend, dass zum Beispiel der Versuch gestartet wurde, sie zu legitimieren, indem gesagt wurde, dass ja Rudolf Augstein quasiiiiiiii schon mal genau das gleiche gesagt hat. Es handelt sich hierbei um den beliebten Sophismus des Namedroppings. Wenn schon Augstein das gesagt hat, dann kann es doch gar nicht so schlimm sein! Es handelt sich hierbei um einen Sophismus, also eine manipulative Argumentationsfigur, weil der Name Rudolf Augstein nichts über den Inhalt des Satzes aussagt. Was Höcke und Augstein gesagt haben, war antisemitisch und nicht mit unseren Werten vereinbar.

Höcke, Augstein und das „Denkmal der Schande“

Auch die Diskussion über das Aleppo-Mahnmal in Dresden, schlägt hier übrigens in die gleich Kerbe. Zeigt Sie doch den gleichen Trend auf: Ein Kunstwerk, das Pazifismus exemplifiziert und sich gegen das Verdrängen eines Krieges vor den Toren Europas ausspricht, wird vollkommen irrational scharf angegriffen. Der Diskurs wurde erneut erfolgreich nach rechts verschoben.

Dennoch habe ich mich geirrt! Die Reaktionen auf Höcke waren erfreulich anders, als ich es erwartet hatte. Die Zustimmungswerte für die AfD fallen in den Umfragen, Höcke droht sogar der Parteiausschluss und das Land Hessen überlegt, wie es verhindern kann, dass dieser Revisionist weiter als Geschichtslehrer arbeiten darf. Offensichtlich hatte Sascha Lobo recht, dass Höckes Rede einfach zu entlarvend war. Allerdings prognostiziere ich, dass Höckes Rede noch nicht die letzte Provokation im Wahljahr war. Stattdessen können wir immer wieder damit rechnen, dass die AfD so oder ähnlich agieren wird. Sie selbst haben dies verraten.

Diesmal ist ihr Spiel nicht aufgegangen. Der Skandal war zu groß, sodass sie die Empörung nicht mehr einfangen konnten. Aber auf Dauer wird dieses Rezept nicht funktionieren. Empörung nutzt sich zu schnell ab. Was uns gestern noch unerhört schien, ist für uns heute schon Normalität

Also was tun? Wie ich das sehe gibt es zwei Strategien. Zum einen ist es – dabei bleibe ich – schlau, den Provokateuren einfach keine Aufmerksamkeit zu schenken und die Provokation so ins leere laufen zu lassen. Wir dürfen nicht über ihre Themen reden sondern über unsere! Lasst uns die Agenda setzen und nicht anderen hinterherlaufen!

Doch in den letzten Wochen wurde mir ein zweiter Weg vor Augen geführt, den ich wunderbar effektiv finde: Humor. Das ist natürlich weder ein Geheimnis noch ist es neu. Aber sich über Rechtspopulisten lustig zu machen, scheint tatsächlich zu funktionieren, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Wenn die Witze gut sind, dann nutzen sie sich nicht so ab, wie es die Empörung tut. Und ein rechter Populist wird sich immer wohler fühlen, wenn er dämonisiert wird, als wenn er zum Hampelmann verkommt.

Der Beweis dafür muss natürlich noch erbracht werden, aber was in den letzten Wochen in Amerika abgeht, stimmt mich positiv. Saturday Night Live, Last Week Tonight und Co. sowie der Spott des gesamten Netzes wie zuletzt bei #lastnightinsweden heizen Trump schön ein und dessen Tweets und Äußerungen zeigen genauso wie seine Beliebtheitswerte, dass das an ihm nagt.

Mein Aufruf im Wahljahr ist: Lasst uns die AfD entweder ignorieren oder über sie lachen.

Platons Ideenlehre

Nun ist es endlich soweit! Nachdem es beim letzten Mal um die Suche nach sicherem Wissen ging, bin ich in meiner kleinen Reise durch Platons Philosophie bei seiner Ideenlehre angelangt. Hier gibt es das Ganze wie gehabt als Video oder darunter als Transkript:

 

Vorbemerkungen zur Ideenlehre

Nachdem ich bis jetzt nur um den heißen Brei herum geredet habe, will ich genau damit weitermachen! Denn zunächst ist es wichtig zu erwähnen, dass es DIE Ideenlehre bei Platon genau genommen nicht gibt. Es gibt von Platon Dialoge über Staatsführung, über das Gute, über richtige Argumentation, über Erkenntnis und sogar über die Liebe. Aber es gibt nicht den einen Ideendialog, in dem Platon dann sagt: Hallo Leute, was ich euch schon immer mal erzählen wollte – ich hab da dieses tolle metaphysische System, das sich die Ideenlehre nennt.

Nein, das, was wir ‚die Ideenlehre‘ nennen, muss aus vielen verschiedenen Dialogen zusammengesucht werden und durch Schlussfolgerungen und womöglich sogar Spekulationen ergänzt werden. Es gibt bei Platon nicht das eine zusammenhängende System, das mit dem Stempel ‚Ideenlehre‘ versehen ist. Im Gegenteil! In seinen späten Dialogen lässt Platon seine Dialogpartner des Öfteren gegen die Ideenlehre argumentieren und auf Ungereimtheiten verweisen. Das führt dazu, dass verschiedene Platon-Experten meinen, man sollte komplett auf den Begriff Ideen-„Lehre“ verzichten.

An dieser Stelle muss ich außerdem erwähnen, dass Platon eigentlich zwischen Ideen und mathematischen Gegenständen unterscheidet. Wir sahen dies bereits im Liniengleichnis. Allerdings leuchtet mir diese Unterscheidung nicht zu 100% ein. Zum einen sind die mathematischen Gegenstände eines der besten Argumente für den Platonismus, wie wir sehen werden. Zum anderen schreibt Platon den mathematischen Gegenständen so ziemlich alle Eigenschaften zu, die er auch den Ideen zuschreibt. Daher werde ich im Folgenden nur von Ideen sprechen und ihr könnt euch „und die mathematischen Gegenstände“ dann immer dazu denken.

Die Ideenlehre

Aber jetzt kommen wir endlich zur berühmten Ideenlehre, nachdem ich mich solange nicht auf sie festlegen wollte, als wäre ich auf der Suche nach einem SPD-Kanzlerkandidaten.

Platons Grundthese lautet folgendermaßen: Zusätzlich zu unserer Welt – die er die Welt der Erscheinungen nennt – gibt es noch eine zweite Welt, die Welt der Ideen. Die Erscheinungen stehen zu den Ideen in einem Abbildverhältnis. Platon stellt sich das so ähnlich wie das Verhältnis von Schatten oder Spiegelbildern zu Gegenständen vor. Gäbe es die Idee eines Gegenstandes nicht, dann gäbe es auch nicht seine Erscheinungen in unserer Welt. Ferner gibt es eine doppelte Abhängigkeit unserer Welt von der Welt der Ideen: Erstens ist die Idee der Grund für die Existenz einer Erscheinung und zweitens ist sie der Grund für die Erkennbarkeit der Erscheinung.

Puh, das ist schon wieder so ein Satz, der mir einen Knoten ins Gehirn macht. Auf mich wirkt es nämlich doppelgemoppelt, dass Platon diese beiden Aspekte betont. Folgt denn die Erkennbarkeit nicht aus der Existenz? Nun, die Erkennbarkeit ist Platon zumindest ziemlich wichtig, mindestens so wichtig, wie sein Apfelkuchenrezept. Wahrscheinlich, weil er sie braucht, um seine These von der Unsterblichkeit der Seele zu begründen. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Die Begründung für die Ideenlehre

Okay, das ist also Platons These: Es gibt Ideen und Erscheinungen und Erscheinungen sind die Abbilder von Ideen. Ideen ermöglichen sowohl die Existenz als auch die Erkennbarkeit von Erscheinungen. Aber wie ich beim letzten Mal schon sagte, Thesen reichen uns nicht, denn wir sind Philosophen! Was wollen wir? Richtig: Begründungen! Welches Argument hat denn Platon für die Existenz von Ideen?

Eines der besten Argumente ist der Status von geometrischen Figuren. Ein Kreis lässt sich beispielsweise so definieren: Eine zweidimensionale geometrische Figur, bei der alle Punkte gleich weit vom Mittelpunkt entfernt sind. Das Problem ist nur: Wir werden in der Welt (also in unserer Welt der Erscheinungen) nie einen echten Kreis finden. Die kleinste Unebenheit des Untergrundes oder der kleinste Fehler beim Ziehen können ja schon dafür sorgen, dass nur ein einziger Punkt näher am Mittelpunkt ist oder eben weiter weg. Daraus können wir zwei Schlüsse ziehen: Entweder gibt es keine Kreise in der Welt oder die Definition des Kreises ist falsch. Beides ist ziemlich abwegig, denn wenngleich ein gezogener Kreis nie perfekt ist, wird euch jede Ingenieurin bezeugen können, dass unsere unperfekten Kreise ziemlich gute Arbeit leisten. Genauso wird euch jede Mathematikerin bestätigen, dass man mit der Formel Pi x Durchmesser ganz Spitze den Umfang eines Kreises berechnen kann. Also kann hier etwas nicht stimmen: Wir haben irgendwo einen Fehler gemacht. Unsere Schlussfolgerung, dass es entweder keine Kreise gibt oder die Definitionen, die wir von Kreisen haben, falsch sind, muss fehlerhaft sein. Gibt es vielleicht noch einen dritten Schluss, den wir aus den beiden Erkenntnissen ziehen können? Ja, den gibt es: Unsere Definition bezieht sich auf die Idee des Kreises. Und all die fehlerhaften Kreise in der Welt sind eben nur Abbilder dieser Idee.

Platon nimmt aber nicht nur für mathematische Figuren an, dass sie Abbilder von Ideen sind. Er nimmt dies zum Beispiel auch für Werte an, wie zum Beispiel die Idee des Guten, die ja in den drei Gleichnissen die zentrale Rolle spielte. Wenn wir beurteilen wollen, ob ein Mensch gut ist, dann müssen wir ihn oder sie an der Idee des Guten messen, genauso wie wir den Kreis in der Erscheinungswelt an der Idee des Kreises messen müssen. Und genau wie der Kreis so wird in der Erscheinungswelt auch das Gute nie in Perfektion erscheinen, sondern immer nur ein mehr oder weniger fehlerhaftes Abbild sein. Ich werde das in meinen Folgen zur Ethik von Platon noch weiter begründen. Hier nur so viel: Wenn es keine objektive Idee des Guten gäbe, dann würde daraus folgen, dass jeder Mensch sich seine eigene Ethik machen kann. Das heißt, es würde uns jedes Argument fehlen, um darzulegen, dass etwas Mord, Kindesmissbrauch oder sogar der Holocaust eine schlechte Sache sind beziehungsweise waren. Unser Gegenüber könnte immer sagen: Nun, das ist vielleicht deine Meinung, aber ich sehe das anders.

Wie gesagt, zur Ethik kommen wir noch ausführlich. Nun zurück zur Ideenlehre, denn Platon geht noch weiter, indem er sagt, dass es von allen physischen Gegenständen ebenfalls Ideen gibt. Und zwar sowohl von natürlichen Dingen wie Steine, Berge, Pflanzen, Seen etc. als auch von artifiziellen Gegenständen, also solchen, die von uns Menschen geschaffen wurden.

Also das ist doch wirklich crazy shit! Das klingt für mich viel unglaubwürdiger als die Annahme von der Idee des Kreises. Es soll von menschengemachten Dingen Ideen geben? Denn ihr müsst bedenken, für Platon sind die Ideen ewig und schon immer dagewesen. Sie können weder werden noch vergehen. Das heißt, sie existieren zwangsläufig schon bevor die entsprechenden Dinge in der Erscheinungswelt erfunden wurden.

Das klingt total durchgeknallt, ist aber auch gar nicht sooo doof wie es zunächst wirkt, da es ein vieldiskutiertes Erkenntnisproblem löst: Denkt mal an alle Stühle, die ihr in eurem Leben je gesehen habt. Ihr werdet mir sicher zugestehen, dass sie höchst unterschiedlich waren. Aber dennoch konntet ihr sie in der Regel als Stühle erkennen. Oder? Warum ist das so? Was ist all diesen Stühlen gemeinsam? Nicht alle Stühle haben vier Beine. Nicht alle Stühle haben eine Rückenlehne. Es gibt sogar Stühle, die nicht einmal eine richtige Sitzfläche haben. Wieso können wir dann Stühle immer als Stühle erkennen? Platon sagt: Alle diese Stühle sind Abbilder der Idee des Stuhles. Und wir können sie in der Erscheinungswelt überhaupt nur deshalb erkennen, weil es auch die Idee des Stuhls gibt. Die Idee des Stuhls ermöglicht uns seine Erkenntnis. Merkt ihr jetzt, warum er die Erkennbarkeit so betont hat?

Im Dialog Symposion definiert Platon ferner die Idee des Schönen. Er schreibt dort, dass die Idee des Schönen göttlich ist. Sie entsteht nicht und vergeht nicht, sie wächst und schwindet nicht, sie ist immer mit sich identisch und unvergänglich. Sie ist nicht nur in einer Hinsicht schön aber in einer anderen nicht, nicht jetzt schön, aber später nicht mehr. Die Idee ist nicht im Vergleich zu etwas anderem schön, sondern an sich. Sie ist auch nicht bloß die Eigenschaft von etwas anderem, sondern ist an und für sich und für immer schön.

Was fällt euch auf an dieser Definition? Augenscheinlich ist, dass Platon die Idee vor allem darüber definiert, was sie nicht ist: nicht vergänglich, nicht veränderlich, nicht vergleichbar mit etwas anderem und so weiter. Viele ihrer Eigenschaften sind Negationen von Eigenschaften wahrnehmbarer Gegenstände der Erscheinungswelt. Allerdings ist diese negative Charakterisierung der Idee des Schönen auch nicht verwunderlich, denn unsere Sprache entstand ja dadurch, dass wir mit ihr auf Dinge in unserer Welt der Erscheinungen referenzierten. Und diese Welt ist nun einmal dadurch charakterisiert, dass in ihr alles am Werden und Vergehen ist, alles relational und graduell ist.

Aber aus Platons Aufzählung negativer Eigenschaften wird noch etwas anderes deutlich: Wir haben eigentlich keine Ahnung, was Ideen sind. Und das führt uns zu unserem nächsten Punkt: Den Problemen der Ideenlehre. Allerdings werden wir den dann erst beim nächsten Mal besprechen.

Literatur

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Aufmerksamkeit

Etwas, das Sie rechtspopulistischen und rechtsextremen Politikern und Politikerinnen in Sozialen Netzwerken auf keinen Fall schenken dürfen. Egal, wie menschenverachtend, rassistisch oder extrem ihre Forderungen und Thesen sind!

Es handelt sich um einen instrumentalisierten Tabubruch, um Ihre Empörung hervorzurufen. Damit erreicht der oder die rechtsextreme Politiker/in eine Aufmerksamkeitsspirale, die sie oder ihn in die Massenmedien bringt. Anschließend wird die These von jemandem relativiert und abgeschwächt: „Das ist falsch rüber gekommen“, „Ich bin falsch zitiert worden“, „Ich wollte provozieren, um in Bewusstsein zu holen, dass es einen anderen Missstand gibt“ oder „Ich bin auf der Maus ausgerutscht“.

Die bittere Wahrheit ist, dass die Äußerung, die Sie so empört hat, in zwei Wochen niemanden mehr interessiert. Aber die rechtsextreme oder rechtpopulistische Partei im Nachgang dieser Äußerung noch mehr Sendezeit gewonnen hat, um noch mehr Menschen dazu zu bringen, im September das Kreuzchen an die entsprechende Stelle zu setzen.

Dieses Spiel werden die Rechstextremen und Rechtspopulisten im Wahljahr 2017 immer und immer wieder spielen. Spielen Sie nicht mit! Sprechen Sie statt dessen über etwas anderes. Wenn es sein muss, über das Wetter. Am besten aber über ihre eigenen Werte und Visionen.

Und wenn Sie schon über den Rechtsextremen sprechen müssen, dann nennen Sie ihn wenigstens „Bernd“.

12 von 12 im Januar 2017

Im Dezember musste ich meine 12 von ausfallen lassen, da ich zu sehr im Vorweihnachtsstress steckte. Aber jetzt sind sie wieder da – mit etwas Verspätung.

Aufstehen

Tja, ja, so ist das: Nachts will meine Tochter (2) nicht schlafen. Es sei denn, sie darf ins Bett von Mama und Papa kommen. Aber wenn wir morgens um 6:45 Uhr dann aufstehen müssen, ja, dann schläft sie wie ein Murmeltier!

Sofa

 

Unser altes Sofa war durch. Am Lattenrost waren zwei Latten gebrochen, die Polster waren durchgesessen und die ehemalige Farbe nur noch zu erahnen. Daher haben wir den Plan gefasst, dass wir am Samstag O.o zum berühmten nordeuropäischen Möbelhaus fahren und ein neues Sofa bestellen. Der Sperrmüll wurde aber bereits vorgestern abgeholt, daher haben wir nun diese improvisierte „Simplify Your Life“ Variante im Wohnzimmer. Sie hat ja was … aber es ist nicht unbedingt Komfort.

Kaffee

… ist morgens überlebensnotwendig. Nicht zuletzt weil auch meine Tochter (9) in letzter Zeit an starker Morgenmuffeligkeit leidet und auf das Wecken nicht sooooo freudig reagiert, wie ich mir das wünschen würde.

Fahrradpendler

Auf geht’s zur Arbeit! Am besten komme ich dahin mit dem Fahrrad. Im Winter hat mein Arbeitsweg dafür dann die erhöhten Schwierigkeitsgrade Kälte und Nässe. Aber mit der richtigen Kleidung geht alles!

Der Weg zur Arbeit

Aber dafür werde ich jeden Tag mit diesem Anblick belohnt! Ich kann mir kaum einen schöneren Arbeitsweg in Frankfurt vorstellen, als morgens am Main entlangzuradeln.

Schlucht

Hier parke ich mein Fahrrad übrigens. Auch nicht schlecht, oder?

Mittagspause

Mittags gehe ich selbst beim Schmuddelwetter der letzten Tage mal kurz raus, einen Salat im Supermarkt kaufen, ein bisschen Pokemon spielen und frische Luft schnappen. Gestern hatte ich Glück: Die Sonne kam raus und am Wasser war es kurz sehr schön …

… Doch dann ging es zurück ins Warme. Ich lese noch immer „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace. Das hat aber auch 1.600 Seiten und ist nicht unbedingt leichte Kost. Seit 2003 notiere ich mir alle Bücher, die ich gelesen habe. Seitdem ich ein Smartphone besitze, wurden die jährlichen Leselisten immer kürzer. Ich habe zwar effektiv mehr gelesen als früher. Aber eben hauptsächlich Online-Publikationen. Doch Ende 2014 beschloss ich, dass ich das nicht möchte. Das Lesen von Büchern ist eine Kulturtechnik, die ich gerne weiterhin praktizieren möchte. Online-Texte benötigen selten mehr als eine halbe Stunde zum Lesen. Ein Buch verlangt wochen- oder monatelange Aufmerksamkeit. Die aufrechtzuerhalten möchte ich nicht verlernen. Mein Plan ging auch auf: Meine jährlichen Listen wurden wieder länger.

Feierabend

Noch ein bisschen arbeiten, dann hatte ich auch schon Feierabend …

… Das Wetter hielt und so glitzerte Frankfurt in der Nacht.

Aber eigentlich hatte ich noch gar nicht Feierabend. Ihr kennt das: Zuhause warteten zwei kleine Mädchen, deren Bäuche gefüllt werden mussten und die anschließend ins Bett gehörten. Anschließend schrieben die Dame und ich noch einen Text für eine Filmzeitschrift. Dazu wurden wir eingeladen und die Deadline rückt näher. Doch dann hatten wir endlich Elternfeierabend!

Schlafenszeit

Dann rief auch uns das Bett. Ich schaute noch ein paar Minuten von Fahrraddiebe  von Vittorio De Sica – Ich versuche mich einmal von hinten nach vorne durch die Filmgeschichte zu gucken und bin mittlerweile im Jahr 1948 angekommen. Fahrraddiebe kann ich sehr empfehlen (hier meine Kurzrezension auf Letterboxd): Der Film ist zurückhaltend inszeniert aber sehr dramatisch. Stark!

Die 16 besten Meine-Tochter-Tweets 2016

Ich habe noch einen Jahresrückblick nachzureichen … Ich mache jedes Jahr für meine Mutter einen Kalender mit Bildern und Sprüchen ihrer Eneklinnen. Die Sprüche sammele ich das Jahr über auf Twitter. Und dort – auf Twitter – habt ihr auch immer eure Favoriten. Die ich euch hier und jetzt präsentieren kann:

Auf Platz 16: Krokotil

Auf Platz 15: Der Mond

Auf Platz 14: Achtung!

Auf Platz 13: Zauberzucker

Auf Platz 12: Meine Gene

Auf Platz 11: CDs brennen

Auf Platz 10: Der Museumsbesuch

Auf Platz 9: Da! Ein dreiköpfiger Affe!

Auf Platz 8: Guten Morgen!

Auf Platz 7: Die Pubertät

Auf Platz 6: Kulturpessimismus

Auf Platz 5: Gähnen

Auf Platz 4: Der Negativ-Hamster

Auf Platz 3: Goethe

Auf Platz 2: Das Mittelalter

And the Winner is …

Auf Platz 1: Darth Vader