Aristoteles – Sophistische Widerlegungen – Kapitel 1 (Bonusfolge)

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Daniel
widerlegt

Aristoteles – Der Logiker – Podcast-exklusive Bonusfolge 1

Als Dankeschön für Apple-Podcasts-Rezensionen oder ausgegebene Kaffees, lese und bespreche ich für euch Kapitel aus Aristoteles‘ Buch: Sophistische Widerlegungen.

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Aristoteles – Erste Analytik

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Daniel
analysiert

Aristoteles – Der Logiker – Folge 9

Heute gehen wir von De Interpretatione zur ersten Analytik über und fragen uns, was Schlüsse sind, was sie zwingend macht und wie man sie umformen kann. Wie immer als Podcast, Video oder Text – wie ihr wollt.

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Von De Interpretatione zur Analytica Priora

Die zwei kleinen Büchlein „Kategorien“ und „De Interpretatione“ kommen zusammen gerade mal auf 65 Seiten und dennoch habe ich ihnen schon fünf Teile gewidmet.

Wenn wir so weitermachen, dann bin ich in nicht einmal 10 Jahren oder so, mit dem kompletten Organon, also den logischen Schriften durch. Scherz beiseite, heute gehen wir von De Interpretatione zur ersten Analytik über und in den Analytiken spielt Ari dann Seite nach Seite verschieden Schlussfolgen durch, die müssen wir nicht alle einzeln hier besprechen. Die ganzen Vorüberlegungen sind spannender und in der Philosophiegeschichte auch heißer diskutiert. Bestimmt weil die Leute alle irgendwann nicht weitergelesen haben.^^

Kombination von Prädikaten

Aber gestattet mir noch einen letzten kleinen Punkt aus „De Interpretationen“ aufzugreifen, bevor wir die Analytica priora aufschlagen, denn er dreht sich schon um das richtige Schließen, worum es dann im Folgenden gehen wird.

Dieser Punkt, auf den Ari hinweist, ist, dass sich bejahend Aussagen nicht beliebig kombinieren lassen. Dass aus einzelnen Aussagen, die man mit „und“ verbindet, nicht zwangsläufig die Summe dieser Aussagen wird. Sondern, dass es gewisse Kompositionsregeln zu beachten gilt. So wie man auch nicht einfach Vodka und Red Bull zusammenkippen sollte um dann zu behaupten, das wäre ein leckerer Drink.

Wenn wir beispielsweise sagen: ‚Hugo ist gut‘ (Hugo ist in diesem Beispiel eine Person und nicht das nächste fragwürdige Mischgetränk) und wir ferner sagen: ‚Hugo ist Gitarrenspieler‘. Dann können wir daraus nicht einfach machen: ‚Hugo ist ein guter Gitarrenspieler‘.

 

Was wir hier gemacht haben, ist, dem Subjekt „Hugo“ mehrere bejahende Prädikate zuzuordnen. (Ist gut) und (ist Gitarrenspieler). Aber diese zu einem bejahenden Prädikat zusammenzufassen, ist ein Fehlschluss: (ist guter Gitarrenspieler).

Um diesen Fehler zu verstehen, springen wir jetzt endlich in die Prior Analytica.

Art der Untersuchung

Hier legt Ari in seiner typischen Gründlichkeit zu Beginn dieses Buches noch einmal seine komplette Terminologie dar. Aber nicht,  bevor er fragt, was für eine Untersuchung die erste Analytik eigentlich ist.

Seine Antwort: Die Untersuchung gilt dem Beweis und der beweisenden Wissenschaft. Hmm, ich denke, das müssen wir weiter präzisieren: Denn die Analytica priora wird uns sicher nicht beweisen, dass Schokoladen-Eis das beste Eis ist, das es gibt. Was ich persönlich sehr schade finde. Ja, sie wird nicht einmal beweisen können können, dass Morgen wieder die Sonne aufgehen wird, was Kant sehr schade findet. Es geht um eine andere Art von Beweis. Wir können ihn den logischen Beweis nennen. In der Philosophie unterscheiden wir zwischen induktiven und deduktiven Beweisen. Sonnenaufgänge und die beste Eissorte können wir nur beweisen,  indem wir von einer Reihe von Einzelfällen (gute Eis-Ess-Erlebnisse) auf etwas Allgemeines schließen: Schokoladen-Eis ist gut! Wir schließen vom Besonderen aufs Allgemeine. Das nennen wir eine Induktion. In der Analytik hingegen ist der Beweisweg andersherum, wie wir sehen werden: Vom Allgemeinen zum Besonderen. Es geht um deduktive Beweise.

Satz, Prädikat, Allgemein oder Partikular

Ari spezifiziert daraufhin noch einmal den Satz als etwas, das wahr oder falsch sein kann. Wir würden heute sagen, dass das auf Aussagesätze zutrifft. Ari ignoriert andere Satzformen wie Fragen, Bitten oder Befehle.

Ein Satz ist nach Ari eine Rede, die etwas von etwas bejaht oder verneint. Das heißt: Einem Subjekt wird ein Prädikat zu- oder abgesprochen. Dies kann allgemein, partikulär oder – wie Aristoteles meint – unbestimmt geschehen. Zunächst kann etwas von etwas anderem ausgesagt werden. Das ist die Partikular-Aussage, die wir schon im logischen Quadrat kennenlernten: Die Ortschaft Eiterfeld hat hat einen  unappetitlichen Namen. Ferner gibt es Allaussagen, es kann über alle Dinge einer Art etwas ausgesagt werden. Mit dem 9 Euro Ticket kann man in allen Regional-Expressen fahren. Oh.

Ari nennt als Beispiel für den letzten, recht speziellen Fall der unbestimmten Prädikation: „Die Lust ist kein Gut“. Nach Aristoteles‘ Auffassung kann man sich damit auf jede Art von Lust beziehen oder nur auf bestimmte Arten, es ist unbestimmt. Diese Unterscheidung spielt meines Wissens in der jüngeren Philosophie keine Rolle mehr. In der Logik gehen wir davon aus, dass hinreichend klar ist, worüber wir sprechen, sonst können wir keine zwingenden Schlüsse ziehen. Und wenn es nicht klar ist, dann können wir es durch Fragen und Definitionen spezifizieren.

Apodiktisch, dialektisch und Begriffe

Ari unterscheidet als nächstes zwischen apodiktischen Sätzen und dialektischen. Bei ersteren nehmen wir die Prämisse als gegeben an. Bei der Dialektik kommt Platons Schule durch. In ihr fragen wir, ob die Prämissen selbst wahr sind. Wir stellen einer gegebenen Prämisse Alternativen gegenüber. Also: Wenn Redbull nicht schmeckt, dann ist auch Redbull mit Wodka auch ziemlich ungeil. Bei der apodiktischen Rede akzeptieren wir einfach, dass Redbull schlecht ist. Bei der dialektischen fragen wir hingegen: Ist Redbull wirklich schlecht? Oder ist das Gesöff nicht viel mehr absolut widerlich?

Aristoteles zurrt weiter seine Begriffe fest, indem er fragt, was ein Begriff ist. Begriffe sind, was im Satz als Subjekt oder Prädikat fungieren kann. Ein Begriff kann bejaht oder verneint werden. Soweit klar, oder? Der Tankrabatt ist eine schlechte Idee. In diesem Fall ist der Begriff „Tankrabatt“ das Subjekt des Satzes. Klientelpolitik der FDP ist (unter anderem) der Tankrabatt. Hier ist der Begriff Tankrabatt das Prädikat des Satzes. Ich könnte beide Sätze auch noch verneinen, aber das ist mir zu weit hergeholt.

Schlussfolgerungen

Aristoteles definiert jetzt den Schluss: Ein Schluss ist eine Rede, bei der etwas als gegeben angenommen wird. Daraus folgt dann etwas anderes notwendig. Alles klar. Wenn wir die beiden folgenden Sätze als gegeben annehmen:

  • 1. dass politische Parteien das Grundgesetz akzeptieren müssen, um demokratische Parteien zu sein
  • Und 2. dass die AfD das Grundgesetz ablehnt.

Dann folgt nach Ari daraus jetzt „etwas anderes“ notwendig. Wir werden darauf zurückkommen, was genau daraus folgt.

Aber zunächst möchte ich euch auf zwei spannende Aspekte aufmerksam machen, die in dieser Definition stecken. Zum einen, dass wir etwas als gegeben annehmen. Das, was wir als gegeben annehmen, sind unsere Prämissen. Und die Logik fragt nicht, ob diese Prämissen wahr sind. Wie wir hörten, ist das Aufgabe der Dialektik – so Aristoteles. Alles was die Logik macht, und das ist schon sehr viel, ist die Frage zu stellen, ob mit den Prämissen im weiteren Verlauf richtig umgegangen wurde oder ob in der Schlussfolgerung Fehler gemacht wurden.

Der andere wichtig Aspekt ist die Aussage, dass aus den Prämissen etwas anderes notwendig folgt. Was ist das für ein Folgen und worin besteht die Notwendigkeit? Es ist eine andere Notwendigkeit als zum Beispiel jene, dass Dinge immer zu Boden fallen. Aristoteles sagt, dass dieses Folgen daraus besteht, dass ein Begriff in einem anderen schon ganz drinsteckt. Wenn wir noch einmal das Beispiel aus der letzten Folge betrachten: Homer Simpson ist eine gelbe Comic-Figur mit Überbiss und Glatze, die „Doh“ ruft. Dann können wir sagen, dass das „Gelbsein“ im Begriff „Homer Simpson“ schon ganz enthalten ist. Dass wir den Begriff „Homer Simpson“ eben so umformen können, dass die Begriffe „gelb“, „Comic-Figur“, „Überbiss“, „Glatze“ und „Doh“ zum Vorschein kommen. Oder, dass wir mit den Begriffen Sätze bilden können, ohne dass sich Widersprüche ergeben. Das bedeutet notwendiges Folgen in diesem Fall.

Ari fährt damit fort, zwischen vollkommenen und unvollkommenen Schlüssen zu unterscheiden. Vollkommen ist ein Schluss, der keine anderen Voraussetzungen als die Prämissen benötigt, um zwingend zu sein. Wenn Wodka Redbull widerlich ist und widerliche Getränke nur mit 9 Euro Ticket auf dem Weg nach Sylt getrunken werden dürfen, dann darf Wodka Redbull nur im Zug nach Sylt getrunken werden. Aber was bedeutet dass denn schon wieder, dass ein Schluss zwingend ist? Nun, dass ich aus den Prämissen auf die zwingende Konklusion schließen kann, ohne dass sich ein Widerspruch ergibt. Und dass die Negation der Konklusion mit den Prämissen in Widerspruch stünde. Benötigt der Schluss neben den Prämissen noch eine oder mehrere weitere Bestimmungen, dann ist er hingegen unvollkommen. Wir kommen darauf zurück.

Modalität und Konversion

Der nächste Aspekt, dem sich der Philosoph widmet, ist die Modalität, die Art der Zuschreibung von Prädikaten, wie wir in der letzten Folge lernten: Jeder Satz ist entweder eine Aussage über tatsächlich Existierendes, über potentiell Existierendes oder notwendig Existierendes. Hier sehen wir eine der vielen Varianten in der Terminologie, die Aris Philosophie etwas tricky machen. In De Interpretatione unterschied Aristoteles nur zwischen Kontingenz und Notwendigkeit. Jetzt fächert er die Unterscheidung weiter auf: Redbull ist möglicherweise widerlich. Es kann tatsächlich so sein, dass Redbull widerlich ist. Oder es ist gar notwendig, dass Redbull widerlich ist. Das lässt sich dann alles noch verneinen.  Redbull ist unmöglich widerlich, es ist faktisch nicht widerlich oder notwendig nicht widerlich. Kleine Randnotiz: Achtet auf den Unterschied zwischen notwendig nicht (das ist unmöglich) und nicht notwendig (das ist möglich).

Eine Allaussage, die verneint wird, nennt Ari, einen allgemein verneinenden Satz. Allgemein verneinende Sätze sind allgemein konvertibel (also umkehrbar). Wenn kein Energy Drink gut ist, dann ist auch kein guter Drink ein Energydrink. Hingegen sind allgemein bejahende Sätze nur partikular konvertibel. Wenn alle Energydrinks gut sind (ja, ich weiß, weit hergeholt, aber lasst uns das mal einen Augenblick zugunsten des Arguments annehmen), dann bedeutet das nicht, dass alle guten Drinks ausschließlich Energydrinks sind. Stattdessen ist die Konversion dann, dass einige gute Drinks Energydrinks sind. Partikulare Sätze wiederum sind auch partikular konvertibel. Einige Energydrinks sind gut? Dann sind einige gute Drinks Energydrinks. Bei verneinenden partikularen Aussagen meint Ari hingegen, dass sie nicht konvertibel sind.

Wenn einige gute Drinks keine Energydrinks sind, dann bedeutet das nicht, dass Energydrinks gut sind. Das eine sagt einfach nichts über das andere aus.

Venndiagramme

Und bevor ihr jetzt Schnappatmung bekommt, weil ich schon wieder wie beim logischen Quadrat in meinem logischen Fitnessstudio rumflexe, höre ich auch schon wieder auf und zeige euch nur noch eine kleine Hilfe, die euch in der Logik immer wieder begegnen wird, das Venndiagramm.

John Venn Junior war ein englischer Mathematiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Und er hat diese wunderbar anschaulichen Diagramme zur Visualisierung der Mengenlehre erfunden, die – da Mengenlehre und formale Logik eng verwandt sind – sich auch ganz hervorragend für unsere Zwecke eignen.

Das Video startet direkt bei den Venndiagrammen:

Nachdem er das alles geklärt hat, geht Aristoteles endlich zu Schlüssen und Beweisen über, also dem eigentlichen Kerngeschäft der Logik. Und damit kommen wir nach all den Vorüberlegungen endlich zum klassischen Syllogismus. Aber – ihr ahnt es sicher – das schauen wir uns beim nächsten Mal an. Bis hierhin danke ich euch erst einmal, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt.

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