Aristoteles und die doppelte Verneinung

Mein Corona-Tagebuch der schönen Gedanken – Teil 2

Na, wie läuft euer Social Distancing? Keine Sorge, ich spreche auch heute nicht über das Corona-Virus. Um euch die Tage etwas aufzuheitern, möchte ich euch stattdessen regelmäßig-unregelmäßig schöne, spannende und interessante Gedanken präsentieren. Heute geht es um Logik! Bei meinen Vorbereitungen zu Aristoteles bin ich mit Ari auf ein kleines aber feines logisches Problem gestoßen!

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Wesen, Familienähnlichkeit, Charakter

Ich hatte hier auf dem Blog mal eine Reihe angefangen: “50 Gedanken“. Das ist genauso schnell wieder versandet, wie ich es gestartet habe. Dies ist ein zweiter Versuch. Angedachte Fragmente, die mir durch den Kopf schwirren.

1. Gedanke

Aristoteles suchte in allem das Wesen, das, was ein Individuum im Innersten ausmacht. Das, wenn man es ändert, die Identität zum Verschwinden bringt. Wittgenstein zog in Zweifel, dass es dieses Wesen gibt. Er entwarf das Konzept der Familienähnlichkeit: Was, wenn die Dinge einer Kategorie kein Wesen gemeinsam haben, sondern sich ähneln wie die Mitglieder einer Familie?

Wenn man diesen Gedanken auf das Ich ausdehnt, dann gibt es kein Element, dass dich ausmacht, sondern nur ein Geflecht von Eigenschaften, die dich zu der Person machen, die du bist. Das heißt, dass du jede dieser Eigenschaften ändern kannst und dennoch der*die Gleiche bleibst. Lediglich wenn sich diese Eigenschaften rapide ändern, wie bei einem Unfall, einer Krankheit oder Demenz, erscheint es und, als ginge das Ich verloren.

Doch was sagt die Psychologie dazu? Was ist Charakter?

Roland Barthes – Der Tod des Autors

Ich habe ja auch noch einen Podcast: den Spätfilm. Wie der Name unschwer erraten lässt, sprechen wir dort über Filme. Und eine wiederkehrende Frage, der wir uns dort stellen müssen, lautet: Kann man das Werk vom Autor trennen? Konkret: Darf ich Filme von Hitchcock oder Kubrick gut finden, auch wenn ich weiß, dass diese Regisseure ihre Schauspieler*innen mitunter extrem schlecht behandelten? Darf ich Filme von und mit mutmaßlichen oder nachgewiesenen Sexualstraftätern wie Bryan Singer, Roman Polanski, Harvey Weinstein oder Kevin Spacey schauen? Und wie ist es mit Filmen, von Tom Cruise, die dazu beitragen Scientology zu finanzieren?

Es gibt gute moralische Gründe, derlei Filme nicht zu gucken. Das Argument dafür ist hingegen zumeist: Man muss Autor und Werk trennen. Wie soll das gehen? Nehme ich eine Schere und schneide einfach Woody Allen aus dem Vorspann all seiner Filme? Wie kommt man auf diese Idee?

Nun, ich kann mich irren, aber ich denke, alles geht zurück auf den berühmten Aufsatz von Roland Barthes: Der Tod des Autors. Doch was genau schrieb Barthes damals, im Jahr 1968 eigentlich? Lasst uns in den Text blicken!

Balzac und die Frauen: Wer spricht hier?

Barthes beginnt den nur acht Seiten und sieben Abschnitte langen, aber unglaublich dichten Aufsatz mit einem Zitat aus Balzacs Novelle ‚Sarrasine.‘ Honoré de Balzac war, auch wenn er aussah wie Sigmar Gabriel, ein französischer Autor der 19. Jahrhundert. In ‘Sarrasine’ heißt es, so Barthes, von einem als Frau verkleideten Kastraten:

„Es war das Weib mit seinem plötzlichen Ängsten, seinen grundlosen Launen, seinen instinktiven Verunsicherungen, seinen unwillkürlichen Kühnheiten, seinen Prahlereien und seinem köstlichen Zartgefühl.“

Roland fragt daraufhin: Wer zum Henker spricht so? Und er gibt uns mehrere Optionen zur Auswahl, als säßen wir bei Wer wird Millionär vor der alles entscheidenden Frage:

  • Spricht hier A) Der Held der Novelle?
  • Ist es B) das Individuum Balzac mit seiner persönlichen Philosophie der Frau?
  • Oder C) der Autor Balzac, der die literarische Idee der Weiblichkeit vorträgt?
  • Ist es D) eine universale Weisheit?
  • Oder, äh, irgendwie passt das nicht mehr ins WWM-Schema, egal: E) ist es die romantische Psychologie?

Roland Bartes meint nun – und das ist der Kern des gesamten Aufsatzes, also legt das Handy mal ganz kurz weg und passt auf –, es lässt sich nicht sagen, wer spricht. Denn

„Das Schreiben ist Zerstörung jeder Stimme, jedes Ursprungs. Das Schreiben ist Neutrum, zusammengesetzt, Schrägheit, der Identität verlorengeht.“

Das ist ein medientheoretisches Argument. Und zwar ein verdammt gutes! Die Frage, wer hier spricht, kann sich überhaupt erst im Medium der Schrift stellen. Denn sie trennt die Botschaft von der Stimme des Urhebers. Die Schrift macht aus einem Vollzug, der die gesprochene Sprache ist, etwas Stillstehendes. Auch die Idee, dass Sprache etwas zusammengesetztes ist, kommt erst so richtig mit dem Schriftbild auf, das Sätze, Wörter und Buchstaben segmentiert.

Dadurch, dass die Urheberin der Worte und die Worte selbst über Raum und Zeit getrennt sind, haftet der Schrift oft etwas Neutraleres an, als es bei der gesprochenen Sprache der Fall ist, die immer auch Emotionen transportiert, als wäre sie eine andauernde Diskussion, ob es die Nutella oder das Nutella ist. Nebenbei: Es ist DIE Nutella und jeden, der was anderes sagt den blocke ich!!! Anyway … Mit dieser Trennung geht eben auch die Identität von Autor und Werk zumindest ein Stück weit verloren.

So, jetzt könnt ihr euer Handy wieder zur Hand nehmen und weiter Candy Crush spielen. Spielt das heute überhaupt noch jemand?

Woher kommt der Autor eigentlich?

Schauen wir uns mal an, wie Roland Barthes im zweiten Abschnitt fortfährt. Er widmet sich ganz im Stile Indiana Jones‘ als nächstes der Geschichte, stellt sich die Frage, wie es überhaupt zu einem solchen Konzept wie dem Autor kommen konnte.

Denn zunächst einmal ist es ja eigentümlich für eine Erzählung, dass sie gerade keine andere Absicht verfolgt, als das Erzählen. Wodurch ja gerade der Autor dieser Geschichte in den Hintergrund tritt, unwichtig wird, oder wie Barthes es ausdrückt: stirbt. Nehmen wir demgegenüber zum Beispiel ein Versprechen, dann ist es bei diesem Spechakt von wesentlicher Bedeutung, wer die Autorin, die Versprecherin ist. Wenn ich euch verspreche, morgen hier einen Text über Heidegger zu veröffentlichen, dann könnt ihr mich und nur mich daran messen, ob ich das auch wirklich mache. Gut, eher würde ich mir ohne Narkose einen Zahn ziehen lassen, als euch so ein Versprechen zu geben, aber eine solche Rückbindung an den Autor gibt es bei einer Erzählung erst einmal nicht.

Barthes fragt sich also, wieso wir dem Autor dann paradoxerweise doch so eine wichtige Rolle zuschreiben. Seine Überlegungen zu diesem Punkt beginnen nicht ganz bei Adam und Eva aber kurz danach: In oralen Gesellschaften. Wie werden hier Geschichten weitergegeben? Sie werden erzählt. Das Interessante ist, dass der Autor dabei überhaupt keine Rolle spielt. Denn die Erzählung erfolgt durch einen Mittelsmann. Du kannst bei ihm vielleicht die Performanz des Vortragens bewundern. Nicht aber sein Genie. Denn die Geschichte hat er sich selbst ja gar nicht ausgedacht, ähnlich wie Karl-Theodor zu Guttenberg seine Doktorarbeit. Und oft wissen wir gar nicht mehr, wer sie sich ausgedacht hat. Ähnlich wie Karl-Theodor zu Guttenberg bei seiner Doktorarbeit.

Der Autor ist eine moderne Erfindung, folgert Barthes daraus. Philosophisch würden wir von einer neuzeitlichen Erfindung sprechen. Denn Barthes glaubt dass er im ausklingenden Mittelalter entstanden ist,  als (Zitat)

„mit dem Englischen Empirismus und dem Französischen Rationalismus und dem persönlichen Glauben der Reformation das Individuum entdeckt wurde.“

An dieser Stelle muss ich eine kleine Warnmeldung einbauen, denn die meisten Zitate von Barthes in dieser Folge habe ich radikal vereinfacht. Ich liebe die Art zu Schreiben des ollen Franzosen, aber sie ist komplizierter als die Position der Labour-Partei zum Brexit.

Zurück zum Text: Was Barthes hier anspricht, ist das zweite Paradigma der Philosophie. Schaut dazu gerne noch einmal in meinen Text zu den drei Paradigmen. Mit Beginn der philosophischen Neuzeit wurde die erkenntnistheoretische Frage ‘Was ist Die Welt?’ abgelöst durch die Frage ‘Was kann ich erkennen?’. Wittgenstein sagt an einer Stelle schön: Philosophische Problem werden eigentlich nie gelöst, sondern zum Verschwinden gebracht. Mit dem zweiten Paradigma der Philosophie kam das Individuum ins Blickfeld. In der Frage „was kann ich erkennen?“ steckt ja schon das Ich. So ist es nicht verwunderlich, dass der erste neuzeitliche Philosoph Descartes auch das Ich findet, als er sich fragte, wessen er sich gewiss sein kann: Ich denke, also bin ich.

Was mir an Barthes Satz beim ersten Lesen nicht klar war:  Inwiefern ist die Reformation individualistisch? Daher machte ich, was ich immer in einer solchen Situation mache, ich fragte Twitter und die Antworten zeigen, was ich an Twitter mag:

 

Die Konsequenz daraus ist, so Barthes,

„dass der Positivismus, diese Kurzfassung und Vollendung der kapitalistischen Ideologie, im Bereich der Literatur der “Person” des Autors die größte Bedeutung beigemessen hat.“

Was zum Millennium Falcon soll das denn schon wieder bedeuten? Damit spielt Barthes wohl auf Auguste Comte an, einen der Begründer der modernen Soziologie. Comte wollte alles metaphysische, alles geisteswissenschaftliche in der Sozialforschung loswerden und eine soziale Physik rein auf Beobachtbarem aufbauen. Wie Barthes es orakelt, als säße er in Delphi über einer Erdspalte, korrespondiert das stark mit dem Materialismus des Kapitalismus, in dem andere Werte als materielle keine Rolle mehr spielen. Okay, vielen Dank für diesen zusammenhangslosen Einwurf, alter Mann.

Wichtiger ist da schon: Dieser positivistische Ansatz wirkte sich Anfang des 20. Jahrhunderts auch auf die zeitgenössische Literaturwissenschaft aus. Hier versuchte der Positivismus ebenfalls kausale Gesetzmäßigkeiten auszumachen und konzentrierte sich daher auf die Beziehung zwischen Autoren und Publikum, um so aus der Entstehung von literarischen Werken ihre Wirkung zu folgern. Ob dies wirklich erst zur Erfindung des Autors führte oder zumindest zu seiner Erhöhung als entscheidend für die Interpretation, kann ich nicht beurteilen. Denn ich bin kein Literaturwissenschaftler. Ich habe von Literaturwissenschaft in etwa so viel Ahnung wie Trump von Staatsführung. Barthes aber glaubt, dass seine zeitgenössische Literatur, Kultur und Gesellschaft der 60er Jahre als Ergebnis der geschilderten Entwicklung auf den Autor fixiert ist.Er sagt:

„Die Kritik besteht meistens noch darin, zu sagen, das Werk Baudelaires sei das Scheitern des Menschen Baudelaire, das Van Goghs sein Wahnsinn, Tschaikowskys sein Laster: Die Erklärung des Werks wird immer auf Seiten desjenigen gesucht, der es hervorgebracht hat.“

Der Niedergang des Autors

Nachdem Roland Barthes uns nun gezeigt hat, was zum Aufbau des Autors geführt hat, beginnt er im dritten Abschnitt mit seinem Niedergang, als wäre der Autor ein Elb, der Mittelerde verlassen muss. In Frankreich habe Stéphane Mallarmé als erster versucht, weg vom Autor zu gehen und den Text selbst ins Zentrum zu stellen. Dieser Mallarmé war Symbolist, so verrät mir die Wikipedia. Ja, höher als die Wikipedia ist mein Niveau nicht. Schließlich bin ich ein Typ, der „die Nutella“ sagt.  Der Symbolismus war wiederum eine literarische Strömung, die sich gegen Realismus, Naturalismus und den schon erwähnten Positivismus stellte. In dieser steht wenig überraschend das Symbol im Zentrum. Statt – wie zum Beispiel der Realismus – sich mit gesellschaftlichen Problemen rumzuschlagen oder sich mit dem Innenleben zu beschäftigen, wie es Romantik und Impressionismus taten, war der Symbolismus … äh … Ja was? Irgendwie anders halt. Fragt da besser mal eine Literaturwissenschaftlerin als einen Philosophie-Dilletanten.

Kehren wir zu Roland Barthes zurück: Der sagt, die Sprache spreche, nicht der Autor. Schreiben ist unpersönlich, nicht ich sondern die Sprache allein agiert, performiert. Das ist wieder ein medientheoretisches Argument, da fühle ich mich wieder zuhause. Erst dadurch, dass die Schrift und die Schreiberin im Gegensatz zur oralen Sprache getrennt voneinander auftreten können, kann die Schrift alleine, aus sich heraus etwas bedeuten. Und, so Barthes, Wenn man den Autor ausblendet, erhält der Leser seinen Platz. Die Lesende muss anfangen, sich selbst Gedanken über die Bedeutung zu machen.

Der nächste Schritt zum Tod des Autors war dann Paul Valéry. Valéry verspottete den Autor und zweifelte ihn an, schreibt Barthes. Valéry trat für die verbale Voraussetzung der Literatur ein, ein Rückgriff auf die Innerlichkeit des Schriftstellers erschien ihm als reiner Aberglaube. Ich habe natürlich auch recherchiert, wer Paul Valéry war. Google und ich sind nach acht Seiten Roland Barthes so unzertrennlich, dass wir bald zusammen bei Ikea einkaufen gehen. Valéry war ebenfalls ein Französisch Schriftsteller, was euch wahrscheinlich wenig überrascht. Er stand wohl anfangs den Symbolisten nahe. Doch seine späteren Werke werden als „reine Poesie“ bezeichnet, sie verzichten auf die Darstellung von Gefühlen und äußerer Realität. Stattdessen streben sie formale Vollendung an. Es ist leicht zu sehen, dass hier nicht viel Raum für die Frage „Was will uns der Autor damit sagen?“ bleibt.

Als französischer Philosoph und Literaturwissenschaftler kommt Roland Barthes natürlich nicht an Marcel Proust vorbei. Und das stellt ihn vor ein argumentatives Problem, denn „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gilt wohl als Paradebeispiel für einen autobiografisch geprägten Roman. Plötzlich steht also der Autor wieder im Fokus. Doch Barthes leugnet das mit einem Twist, der unerwarteter kommt als der in Parasite: In Prousts Epos verwische die Beziehung zwischen dem Schriftsteller und seinen Figuren. Der Erzähler sei nicht der, der empfunden hat, nicht einmal der der schreibt, sondern der, der schreiben wird. Joa, ich lass das einfach mal so stehen, da ich die Bücher nicht gelesen habe und mir diesmal sogar der Wikipedia-Artikel zu lang ist. Doch dann wird es wieder spannend, denn Barthes schreibt:

Nicht Charlus imitiert Montesquiou sondern Montesquiou ist in seiner anekdotischen, historischen Wirklichkeit ein sekundäres, aus Charlus abgeleitetes Fragment.

Wissta bscheid! Robert de Montesquiou war ein Schriftsteller, der nicht zuletzt dadurch bekannt wurde, dass er als Vorbild für die Figur des Charlus aus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ fungierte. Was Barthes hier wohl sagen will, ist, dass wir uns die historische Person des Montesquiou nur über die Romanfigur erschließen können. Dass, was wir glauben, über Montesquiou zu wissen, wir letztlich nur aus Charlus ableiten können. Die literarische Figur hat das Primat.

In seinem historischen Abriss wendet sich Barthes als nächstes dem Surrealismus zu und urteilt: In diesem habe die Sprache keinen souveränen Stellenwert. Okay, das kam jetzt unerwartet wie der Tod von Snoke in Episode 8. WER WAR DENN NUN DIESER SNOKE?!?! Tschuldigung. Barthes sagt, die Sprache ist ein System und die romantische Bewegung des Surrealismus versuchte, dieses zu untergraben. Doch Barthes meint, dass das illusorisch sei, denn Code kann nicht zerstört, nur „gespielt“ werden. Ah, hier scheint die strukturalistische Schule des Franzosen durch. Der Strukturalismus ist eine ursprünglich sprachwissenschaftliche Strömung, die sich auf viele weitere Kulturwissenschaften ausdehnte. Ihr Begründer war Ferdinand de Saussure und die Grundidee ist, dass sich Bedeutung erst in einem System aus der Differenz zu anderen Bedeutungseinheiten auftut. Beispielsweise können wir nur sagen, was Rot ist, wenn wir wissen, was die Alternativen sind. Sind sie Grün und Blau, wird unsere Antwort anders ausfallen, als wenn wir ein System haben, in dem wir uns zwischen Rot, Weinrot, Zinnober, Purpur und Orange entscheiden müssen. Worauf Barthes hier abzielt, ist, dass du dem System nicht entkommen kannst. Selbst wenn du versuchst ganz neue, revolutionäre Verwendungsweisen von Sprache zu etablieren,  werden diese zwangsläufig nur in Differenz zu dem, was sie nicht sind, Bedeutung erhalten und so letztlich wieder Teil des Systems. Doch auch, wenn dieser Versuch des Surrealismus  gescheitert ist, so trug aber dazu bei, das Bild eines Autors zu profanisieren, diagnostiziert Barthes. Der Surrealismus empfahl, erwartete Bedeutung zu unterlaufen. Mit der Technik des automatischen Schreibens ignorierte die Hand den Kopf. Und das Schreiben zu zweit oder zu dritt trug dazu bei. So, so, interessant …

Da er schon beim Strukturalismus ist, kann Barthes gleich mit der Linguistik fortfahren: Diese trug ebenfalls dazu bei, den Autor zu zerstören, indem sie klarmachte, dass das Ich keine Person, sondern ein grammatisches Subjekt ist. Frei nach Wittgenstein könnte man hier ergänzen, dass Descartes Satz “Ich denke, also bin ich” Nicht die Existenz des Ichs beweist, sondern dass die Notwendigkeit eines grammatischen Subjekts für das Prädikat “denken” bewiesen wird. Ich habe in meinem philosophischen Adventskalender darüber geredet. Ihr findet das in der Folge zu „Cogito ergo sum“.

Schreiben ist eine flüchtige Performanz

Im 4. Abschnitt stellt Barthes die These auf, dass die Entfernung des Autors gleichbedeutend ist mit Verfremdung im Sinne Brechts. Bertold Brecht war nicht nur ein lustiger kleiner Mann mit Mütze. Er machte strange Theaterstücke. Brecht verfremdete dabei das Schauspiel absichtlich, um es als Schauspiel für das Publikum erkennbar zu machen. Er richtete also die Aufmerksamkeit auf die Bedingungen des Mediums, um so sein Publikum in die Lage zu versetzen, über das Medium zu reflektieren. Man kann leicht sehen, dass Ähnliches mit dem Text passiert, sobald ich aufhöre, ihn einfach als die Stimme des Autors zu verstehen. Denn dann muss ich anfangen, mir Gedanken zu machen, wie anders der Text denn Bedeutung erlangt.

Während klassisch der Autor als zeitlich vor dem Text betrachtet wurde, wie ein Vater zu seinem Kind. Entsteht der moderne Schreiber zeitgleich mit seinem Text, fährt Barthes fort.

 Er besitzt kein Sein, das vor oder über seinem Buch wäre. Er ist nicht das Subjekt, dessen Prädikat das Buch ist. Es gibt keine andere Zeit als die der Äußerung, und jeder Text ist ewig hier und jetzt geschrieben.

Das klingt ein bisschen, wie ein Song aus Frozen 2. Es ist aber ein Gedanke, den ich gut nachvollziehen kann. Ich habe ihnim Zusammenhang mit Platon schon geäußert: Ich kann Platon philosophiegeschichtlich betrachten als ein Produkt seiner Zeit. Dann kann ich mir Gedanken machen, wie er auf die Ideen kommen konnte, die er hatte. Aber das ist keine philosophische Betrachtung im eigentlichen Sinne. Wenn ich mich für Platons Philosophie interessiere, dann frage ich mich, was seine Texte zu den philosophischen Problemen unserer Zeit beitragen können. Wie ich sie verstehe und nicht wie Platon sie gemeint hat.

Als Nächstes nimmt Barthes Bezug auf die Sprechakttheorie insbesondere auf die von John L. Austin.

Schreiben ist ein Performativ. Eine seltene, verbale Form der Äußerung, die keinen anderen Inhalt besitzt als den Sprechakt selbst,

sagt Barthes. Austin unterscheidet in seiner Theorie der Sprechakte zunächst zwischen Konstativa und Performativa. Die Philosophie hat sich traditionell nur für erstere interessiert, die klassischen Aussagen über die Welt. Austin hingegen kümmert sich um die Performativa: Sprechakte, die eine Handlung darstellen. Etwa ein Versprechen geben, oder das Urteil eines Richters. Ws ist spannend, dass Barthes den Akt des Schreibens dazuzählt. Denn das Ergebnis, der Text ist im Normalfall wahrscheinlich das Paradebeispiel für ein Konstativum. Doch durch die Hervorhebung, dass das Schreiben eine Performanz ist, macht Barthes klar, dass der Akt etwas flüchtiges ist, das nur im Moment des Schreibens existiert. So wie ein Tanz nur in dem Moment existiert, in dem er ausgeführt wird. Folglich fährt Barthes fort:

Der moderne Schreiber kann nicht glauben, dass seine Hand zu langsam für sein Denken oder Fühlen sei. Sodass er nachträglich sein Werk kommentieren müsse.

Man merkt, dass der Text aus einer Zeit stammt, in der es Social Media noch nicht gab. Ich schaue dich an, J. K. Rowling. Und dich George R. R. Martin! Allerdings ist das Argument gut: Das Schreiben ist eine Handlung. Das Ergebnis dieser Handlung ist der Text. Die Idee, dass der Text selbst nicht ausreiche, sondern zu interpretieren sei, indem man sich um die Gedanken des Autors kümmert, ist unter diesem Aspekt fragwürdig. Man stelle sich vor, jedesmal wenn ein Richter jemanden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, müssten wir uns zunächst überlegen: Wie hat er das gemeint? Oder stellt euch vor, ich verspreche euch, nie wieder über Heidegger zu lästern – was ich nicht tue – und wenn ich dieses Versprechen breche, sage ich dann: Aber meine Intention war eine ganz andere! Austin selbst bringt das Beispiel, am Grab sein Beileid auszudrücken. Bei dieser Handlung ist es vollkommen egal, ob ich mich wirklich schlecht fühle oder dies nur sage, um den Hinterbliebenen irgendwas zu sagen. Die Handlung selbst bringt zum Ausdruck, was sie bedeutet.

Auch das Nächste, was Barthes schreibt, ist wieder spannend, denn er lenkt unsere Aufmerksamkeit wieder auf die medialen Bedingungen, die sich bei Rede und Text unterscheiden:

Die Hand zieht mit der Geste der Einschreibung ein Feld, das von der Stimme gelöst ist, das keinem Ursprung hat, zumindest keinen anderen als die Sprache selbst.

Während ich einem Sprecher Fragen stellen kann, muss der Text für sich alleine stehen. Dass ich überhaupt die Möglichkeit habe, den Autor zu fragen, wie er etwas gemeint hat, stellt beim Lesen die absolute Ausnahme dar und nicht die Regel. Der Autor kann im Normalfall nicht erläutern, was seine Intention war. Ich als Leser muss mir die Bedeutung selbst erschließen.

Everything is a Remix

Den 5. Absatz beginn Barthes mit:

Der Text ist nicht bloß eine Wortzeile, die nur dem Zweck dient, die Botschaft des Autors freizusetzen. Der Text ist stattdessen ein mehrdimensionaler Raum, in dem vielfältige Schreibweisen miteinander harmonieren und ringen. Keine davon ist vorrangig. Der Text ist ein Geflecht von Zitaten, die aus den Tausend Brennpunkten der Kultur stammen.

Im Studium habe ich die schöne Formulierung gelernt, dass der Autor nur ein Interpret seines Werkes ist, aber nicht der vorrangige. Wenn Beispielsweise Shakespeare über Liebe schreibt, dann basiert das auf einem Konzept der Liebe aus dem 16. Jh. Wenn ich das im 21. Jh. lese, bringe ich zwangsläufig ein ganz anderes Konzept der Liebe in den Text ein. Warum sollte die Idee, die Shakespeare von Liebe hatte vorrangig sein? Und wenn sie es ist, warum sollte ich den Text dann heute überhaupt noch lesen? Sind es nicht gerade die Texte, die zeitlos sind, welche wir als besonders wertvoll betrachten? Also gerade nicht diejenigen, die auf die konkreten Gedanken und Gefühle nur eines einzigen Menschen, der Autorin Bezug nehmen?

Barthes sagt, der Autor gleiche Bouvard und Pécuchet. Das sind die zwei Protagonisten des gleichnamigen unvollendeten Schelmenroman von Gustave Flaubert. Worauf Barthes anspielt, ist, dass die beiden Kopisten sind. Bevor es Kopierer gab, mussten Texte von Hand kopiert werden, das war der Job von Kopisten. Und der Autor, so Barthes, ist letztlich auch nur ein Kopist.

Der Schriftsteller kann nur eine frühere, aber niemals eine ursprüngliche Geste nachahmen. Seine einzige Macht besteht darin, frühere Schreibweisen zu mischen.

Das ist die “Everything is a Remix”-These, demnach gibt es keine genuine Originalität. Sondern alles, was wir kulturell erschaffen, ist letztlich durch Vorhergehendes beeinflusst. Als wären wir alle mitteltalentierte Rapper, können wir zwar kreativ neu zusammensetzen, aber nicht neu aus dem Nichts erschaffen. Wenn ihr wüsstet, bei wem ich überall für dieses Video geklaut habe, ihr wärt sehr enttäuscht von mir. Barthes fährt fort:

Sein Inneres kann der Autor nur insofern ausdrücken, wenn er sich bewusst ist, dass sein Inneres selbst ein zusammengesetztes Wörterbuch ist, dessen Wörter sich nur durch andere Wörter erklären lassen, und dies ad infinitum.

Das ist wieder Wittgenstein in Reinform. In seinem berühmten Privatsprachenargument legt er unter anderem dar, dass innere Zustände immer erst in sozialem Kontext gelernt werden müssen. Meinen inneren Schmerz kann ich erst benennen, wenn ich gelernt habe, was äußerer Schmerz ist. Das habe ich als Kleinkind gelernt, indem meine Eltern auf meine Verhaltensweisen mit dem Wort “Schmerz” reagiert haben. Erst Jahre später kann ich ein deprimierter Teenager werden. Der Autor steht selbstverständlich ebenso in einem solchen sozialen Kontext.

Dann kommen zwei Verweise auf Baudelaires „die künstlichen Paradiese“ und auf Thomas De Quincey, die sich mir nicht erschließen. Wenn ihr die erklären könnt, macht das gerne in den Kommentaren. Ich kann an dieser Stelle nur lächeln und winken. Barthes schließt den Abschnitt mit:

Der Schreiber, der Nachfolger des Autors hat keine Leidenschaften, Stimmungen, Gefühle oder Eindrücke mehr in sich, sondern jenes gewaltige Wörterbuch, aus dem er ein Schreiben schöpft, das keinen Stillstand kennen kann.

Das fasst noch einmal die vorhergehenden Thesen zusammen. Nicht die inneren Zustände der Schreibenden sind entscheidend. Sondern die Worte. Denn wie sollten wir auf diese inneren Zustände zugreifen? Letztlich geht das nur sprachlich. Aber die Sprache liegt uns in Form des Textes ja bereits vor. Und weiter noch: Sowohl die Interpretationsmöglichkeiten des Textes als auch die Autorin haben sich seit dem Schreiben weiterentwickelt, sie kennen keinen Stillstand.

Das Leben imitiert immer nur das Buch,

so Barthes.

Das Buch ist selbst nur ein Geflecht aus Zeichen, verlorene, endlos aufgeschobene Imitationen.

Er beschwört also noch einmal, dass es dem Medium immanent ist, dass der Text für sich selbst stehen muss und dass jedes neue Werk immer schon Inspirationsquellen hatte. Mal größere Inspirationsquellen und mal kleinere, möchte ich süffisant zur Spiegelbestsellerliste rüberschielend hinzufügen.

Was bleibt, wenn der Autor tot ist?

In Abschnitt 6 ist der Autor nun bereits zu Grabe getragen und Barthes stellt sich der Frage, was danach kommt:

Ist der Autor entfernt, wird der Anspruch, einen Text zu entziffern, völlig überflüssig.

Echt jetzt? Das schreibst ausgerechnet du? Hast du mal deine eigenen Texte gelesen? Ich meine, ich liebe sie, aber wenn man etwas entziffern muss, dann diesen Text! Anyway … Barthes fährt fort: Wenn man sagt, ein Text habe einen Autor, dann riegelt man ihn ab, versieht ihn mit einem letzten Signifikat. Damit verweist er wieder auf seine strukturalistische Tradition, insbesondere auf Saussure, den Gründer des Strukturalismus. Signifikat ist die Inhaltsseite, die Bedeutung eines Zeichens. Signifikant hingegen ist die Ausdrucksseite, die Zeichengestalt. Die Frage, was die Bedeutung ist, ist natürlich immer die entscheidende, bei einer Analyse. Und sie zu beantworten ist schwerer als einen Film von David Lynch zu verstehen. Wenn man jetzt sagt, die Bedeutung eines Textes ist die Intention des Autors, dann macht man es sich bei dieser schwierigen Frage sehr einfach.Das diagnostiziert auch Barthes, wenn er schreibt:

Der Buchkritik passt das sehr gut, die es sich zur Aufgabe macht, hinter dem Werk den Autor zu entdecken oder seine Hypostasen: die Gesellschaft, die Geschichte, die Psyche, die Freiheit.

Da frage ich mal ganz eloquent: Hä? Hypo-was? Hypostasen sind verschiedene Gesichtspunkte der gleichen Sache. Danke Wikipedia, was würde ich nur ohne dich machen! Unter diesem Gesichtspunkt ist der Satz ein ziemlich hemdsärmeliges draufschlagen von Barthes auf alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ich kann verstehen, wenn er den Autor zu Grabe tragen möchte, seine Argumente bis hierhin erschlossen sich mir, die Psyche schenke ich ihm auch noch. Aber Gesellschaft und Geschichte? Das ist doch ein Widerspruch zu seiner „Everything is a Remix“-These weiter oben im Text. Denn wovon sollen denn Texte Remix sein, wenn nicht von anderen Texten, die wiederum Teil von Gesellschaft und Geschichte sind. Was es wiederum heißen soll, dass die Buchkritik hinter dem Werk die Freiheit entdecken will, erschließt sich mir überhaupt nicht. Ein weiteres Mal stehe ich hier, ich armer Tor und bin so schlau als wie zuvor.

Schauen wir mal weiter. Barthes greift nun die Autorität der Literaturkritik an:

Ist der Autor gefunden, dann ist der Text erklärt und der Kritiker hat gesiegt. Daher ist historisch mit der Herrschaft des Autors auch die  des Kritikers verbunden. Und mit  dem Autor gerät auch der Kritiker ins Wanken.

Wenn es keine letztendlich gültige Interpretation mehr gibt, weil die Autorität des Autors sie nicht mehr abnicken kann, dann gerät damit auch die Stellung des Kritikers ins Wanken. Was mir zunächst kontraintuitiv erscheint, macht aber vielleicht doch Sinn, wenn ich mir die Entwicklung der Filmkritik ansehe, denn sie geht immer weiter weg von einem kleinen Kreis von Kritikern, die in Feuilletons über einen Film urteilen, hin zu einem vielstimmigen Chor aus Bloggern, Podcasterinnen, Youtuberinnen und Fans, die Filme kritisieren und interpretieren und dabei ganz eigene Beurteilungsschemata anlegen. Die Frage ist, für was davon ist der tote Autor verantwortlich und wie viel geht auf das Konto des Internets? Barthes sah die Entwicklung aber voraus, als er schrieb:

Indem die Literatur oder das Schreiben sich weigert dem Text (und der Welt als Text) ein Geheimnis, einen letzten Sinn, zuzuweisen, setzt sie eine Tätigkeit frei, die man als kontratheologisch oder revolutionär bezeichnen kann.

Und:

Die Weigerung den Sinn festzulegen, ist gleichbedeutend mit der Ablehnung Gottes und seiner Hypostasen Vernunft, Wissenschaft, Gesetz.

Ah, da sind sie wieder, die Hypostasen. Das sind große Worte und der Strukturalist wirkt hier schon sehr poststrukturalistisch. Aber inhaltlich hat er einen Punkt: In unserer atheistischen, Post-vernünftigen und mit Verschwörungstheorien und Esoterik flirtenden Zeit sind uns so manche ehemals gewisse Autoritäten abhanden gekommen. Man möchte fast den Autor wieder exhumieren.

Die Geburt des Lesers

Kommen wir zum letzten Absatz und kehren in ihm mit Barthes zu Balsacs Satz am Anfang zurück. Wer sagte ihn denn jetzt? Barthes schließt:

Niemand, keine Person sagt ihn. Sein Ursprung liegt im Lesen nicht im Schreiben.

Die lesende Person selbst muss sich also erschließen, was dieser Satz zu bedeuten hat. Barthes schreibt, dass der Altphilologe Jean-Pierre Vernant gesagt habe:

Die griechische Tragödie ist konstitutiv doppelsinnig. Ihr Text ist aus doppeldeutigen Worten gesponnen, die jede Figur einseitig versteht. Dieses ständige Missverstehen ist das Tragische. Es gibt aber jemanden, der die Doppeldeutigkeit versteht und das Missverstehen der Figuren: der Leser.

Mit anderen Worten, schon in der Antike lag die Autorität gar nicht beim Autor sondern bei der Leserin eines Textes. Barthes fast zusammen:

 Der Text besteht aus vielfachen, mehreren Kulturen entstammenden Schreibweisen, die untereinander in einen Dialog, eine Parodie, ein Gefecht eintreten. Der Ort, der diese Vielfalt sammelt, ist nicht der Autor sondern der Leser. Die Einheitlichkeit des Textes liegt nicht an seinem Ursprung sondern an seinem Bestimmungsort. Aber dieser Bestimmungsort kann nicht mehr personal sein.

Okay Boomer, aber warum jetzt noch gleich?

Der Leser ist ein Mensch ohne Geschichte, Biographie, Psychologie. Ein jemand, der alle Spuren zusammenhält, aus denen das Geschriebene besteht.

Ähm, erschließt sich mir jetzt nicht 100%-ig ich bin Leser und habe all das. Ich vermute eher, dass Barthes darauf hinaus will, dass es viele verschiedene Leserinnen gibt, die alle verschiedene Geschichten, Biographien, Psychologien haben. Somit gibt es am Ende auch viele verschiedene Signifikate des Textes und nicht mehr die eine kanonische Interpretation, die auf den Autor zurückzuführen ist. Auch bin ich notwendig beim Lesen immer an einem ganz bestimmten Zeitpunkt in meiner Geschichte, Biografie und Psychologie. Wenn ich heute noch einmal die weirde Kindersex-Stelle in Steven Kings ‚Es‘ lesen würde, würde sie für mich mit Sicherheit eine ganz andere Bedeutung haben als für mein 12-Jähriges Ich. So kann ich mir da zumindest einen Reim draus machen und dann auch mit Barthes zusammen schließen:

Die Geburt des Lesers muss mit dem Tod des Autors bezahlt werden.

Das war er! Der berühmte Essay über den Tod des Autors, vielleicht seid ihr jetzt in eurer Urteilsfindung ein Stück weiter, ob sich das Werk vom Autor trennen lässt. Ich möchte euch abschließend noch mit auf den Weg geben, dass ich hier gerade über weite Strecken versucht habe, die Frage zu beantworten, was uns der Autor Roland Barthes mit seinem Text eigentlich sagen will. Vielleicht habe ich aber auch beim Schreiben die Bedeutung des Textes überhaupt erst erzeugt. Und ihr erzeugt gerade beim Lesen eine ganz andere. Denkt mal darüber nach …

Qualia

avatar Daniel
sieht nach dem dritten Joint rot

Adventskalender Türchen 17

In diesem Advent präsentiere ich euch einen kleinen philosophischen Adventskalender. Jeden Tag stelle ich einen philosophischen Begriff vor und mache mir ein paar Gedanken dazu.

Heute geht es um Qualia.

Über Privatsprache und den Käfer in der Schachtel habe ich hier schon einmal geschrieben.

 

 

Neopositivismus

avatar Daniel
verifiziert diese Theorie

Adventskalender Türchen 14

In diesem Advent präsentiere ich euch einen kleinen philosophischen Adventskalender. Jeden Tag stelle ich einen philosophischen Begriff vor und mache mir ein paar Gedanken dazu.

Heute geht es um Neopositivismus.

Hier geht es zur erwähnten YouTube-Folge.

Sprachanalyse

avatar Daniel
denkt über Sprache nach

Du studierst Philosophie? Und was willst du damit später mal machen?

Anhand von vier kleinen Beispielen lege ich dar, was man mit Philosophie machen kann. Nämlich Sprachanalyse.

Dabei nehme ich Bezug auf:

Konstruktivismus, Gewissheit und Existentialistische Angst

avatar Daniel
hat Angst

Eine allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Sprechen

Ich habe eine E-Mail von M. erhalten, der sich Sorgen um den Konstruktivismus macht. Das habe ich zum Anlass genommen, über die Vorzüge des Konstruktivismus zu sprechen. Ich habe dargelegt, warum es dennoch gewiss ist, dass die Realität existiert. Und zum Schluss lege ich dar, dass das, was M. erlebt, existentialistische Angst ist, dass ich dieses Gefühl kenne und warum das okay ist.

Im Gegensatz zu einer regulären Folge habe ich diese nicht geskriptet, sondern mir nur grobe Notizen gemacht, worüber ich sprechen möchte. Meine Gedanken haben sich dann – ganz im Sinne Kleists – allmählich beim Sprechen verfertig. Wenn diese Folge also nicht so stringent und bis zum Ende durchargumentiert ist, dann bitte ich das zu entschuldigen. Es war ein Experiment, gebt mir gerne Rückmeldung, ob ich so etwas mal wieder machen oder besser lassen soll.

Die Vorsokratiker und Metaphysik

avatar Daniel
ist ein bisschen gelangweilt

Podcast-Spezial zu den Vorsokratikern

Dank meiner ersten iTunes-Rezension habe ich eine Sonderfolge eingeschoben um mein Verhältnis zu den Vorsokratikern und zur Metaphysik zu klären. Ich spreche über meine Einstellung zu den Philosophen vor Sokrates, das Buch ‘Die Vorsokratiker’ von Wilhelm Capelle und was mich an ihnen stört.

 

Platons Sprachphilosophie

Meine Platon-Reihe nähert sich nun wirklich ihrem Ende. Bevor ich noch einmal abschließend zurück- und dann nach vorne blicke, wenden wir uns noch Platons Ansichten zu Sprache und Schrift zu. Beginnen werde ich heute mit Platons Sprachphilosophie. Entweder im Video oder darunter in Schriftform

Mir ist klar, dass der Spruch nach nunmehr 30 Folgen einfach nur noch nervt, dennoch: Auch in der Sprachphilosophie war Platon bahnbrechend. Allerdings hat er definitiv die falschen Antworten gegeben, seine Sprachphilosophie war in etwa so sinnvoll wie die Strategie der Bundesregierung zum Breitbandausbau. Aber Platon hat doch – was nicht zu unterschätzen ist – die richtigen Fragen gestellt und so die Sprachphilosophie erfunden, aus der später dann die Sprachwissenschaft hervorging.

Der entscheidende Dialog für Platons Sprachphilosophie ist der ‘Kratylos’ und er beschäftigt sich dort mit der Ur-Frage, die diese Disziplin umtreiben sollte, bis Ferdinand de Saussure sie wohl abschließend beantwortete: Ist die Bedeutung von Wörtern rein konventionell, also von Menschen gemacht, oder gibt es natürliche Bedeutungen?

Da die Theorien, die Platon uns unterbreitet, in etwa so unzutreffend sind, wie die These, dass das Dschungelcamp eine gute Fernsehshow ist, werde ich nicht darauf eingehen. Aber ich werde euch erzählen, welche Themen allesamt angerissen werden. Blicken wir in den Text!

Arbiträre Bedeutung und Wahrheit von Sätzen

Die erste, wichtige Erkenntnis im Kratylos ist, dass die Bedeutung von Wörtern nicht in gleicher weise konventionell sein kann wie andere Konventionen, zum Beispiel die von Markennamen. Ich kann meine Marke nennen, wie es mir passt und ich kann den Namen sogar ändern, wenn ich Spaß daran habe und aus Raider Twix machen. Aber gleiches kann ich, wenn ich verstanden werden will, nicht mit einem Wort wie „Haus“ machen. Wir können heute mit Sicherheit sagen, dass die Bedeutung von Wörtern konventionell oder besser arbiträr ist, wie die Sprachwissenschaft sagt. Aber sie ist nicht willkürlich.

Der nächste Punkt führt uns zurück zum Verhältnis vom Ganzen zu seinen Teilen. Eine Frage, die Platon wiederholt beschäftigte: Wir rissen sie schon einmal in der Folge zum Sinn des Lebens an und im Zusammenhang mit der Frage, was Wissen ist, hatten wir gesagt, dass das Ganze nur wahr sein kann, wenn auch seine Teile wahr sind.

Platon will diese These von der Wahrheit vom Ganzen und seinen Teilen hier auch für Sätze und Wörter geltend machen. Das ist allerdings kompletter Bullshit. Ungefähr so hanebüchen wie zu behaupten, dass der Klimawandel nicht menschengemachten ist, obwohl all unsere Messdaten das Gegenteil sagen. Der Satz „Der aktuelle Klimawandel ist nicht von Menschen gemacht“ ist falsch. Aber die darin vorkommenden Wörter wie zum Beispiel „Klimawandel“ oder „Menschen“ sind deshalb nicht falsch. Die Rede von falschen Wörtern ist komplett unangebracht. Aber auch diese falsche These hatte etwas Gutes an sich: Sie war der Ausgangspunkt für Aristoteles, Platons Schüler, ein für alle Mal zu klären, was denn überhaupt die kleinste Einheit ist, die wahr oder falsch sein kann. Und die Antwort lautet: Der Satz.

Verschiedene Sprachen und treffende Wörter

Weiter stellt sich Platon die Frage, wie es denn sein kann, dass es verschiedene Sprachen gibt. Wörter dienen doch dazu “das Wesen von Dingen zu bezeichnen“, wie er es nennt. Wie können denn zwei verschiedene Wörter das gleiche Ding bezeichnen? Platon gibt auf diese Frage eine schön links-grün-versiffte Multi-Kulti-Antwort. Um die Existenz verschiedener Sprachen zu erklären, benutzt er die Werkzeug-Metapher für die Sprache, die zum Beispiel auch Ludwig Wittgenstein später oft verwenden sollte: Demnach sind Wörter wie Werkzeuge. Und dass es verschiedene Sprachen gibt, braucht uns nicht zu wundern, man kann ja auch Werkzeuge aus verschiedenen Materialien und auf verschiedene Art und Weise herstellen. Dennoch erfüllen sie den gleichen Zweck.

Der nächste Punkt, der angerissen wird, ist die Frage, ob es treffendere Wörter gibt und solche, die weniger geeignet sind, um die Dinge zu bezeichnen. Auch hier stecken zwei Aspekte drin, die so wegweisend sind wie Google bei der Suche im Internet. Zum einen wird hier die Fixierung auf die Benennungsfunktion der Sprache sichtbar, die sich auch bis ins 20. Jahrhundert fortsetzen sollte. Die Sprachphilosophie kümmerte sich lange nur darum, wie genau das Verhältnis von Sprache und den Dingen ist, die sie benennt. Erst so Philosophen wie Wittgenstein, Austin und Searle setzten dieser verengte Perspektiveiv ein Ende und fingen an, sich mit anderen Funktionen von Sprache auseinanderzusetzen. Aber der zweite spannende Aspekt ist, ob die Wörter im Besonderen und die Sprache im Allgemeinen sich verbessern lässt, um die Welt besser darzustellen.

Taxonomie und Idealsprache

Dies ist ein Gedanke, der sich auf die Taxonomien der Wissenschaften ausgewirkt hat. Zum Beispiel lauten die Fachbezeichnungen für Tiger und Löwen: Panthera tigris und Panthera leo. Das sind fraglos geeignetere Namen als unsere umganssprachlichen, da durch sie schon die Verwandtschaft der Großkatzen klar wird.

Neben den Taxonomien war das Projekt der Idealsprache in der analytischen Philosophie des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des frühen 20. Jahrhunderts ein Versuch, eine geeignetere Sprache zu erzeugen und so die Welt besser abzubilden. Und aus diesem Projekt ging die Formale Logik hervor, die wiederum zur Grundlage aller Programmiersprachen und somit des Computerzeitalters wurde. Ohne Platon gäbe es also kein iPhone!

Etymologie und Onomatopoetika

Im Kratylos beginnt Platon weiterhin mit der Etymologie, also der Untersuchung der ursprünglichen Bedeutung von Wörtern, dies wurde in Form der Philologien zur nerdigsten aller Teildisziplinen der Sprachwissenschaft. Genauso streift Platon das Phänomen der Onomatopoetika – einem spannenden Grenzfall sprachlicher Laute. Wie gesagt, gehen wir heute davon aus, dass Sprache arbiträr ist, es also keine natürliche Bedeutung gibt, sondern diese menschengemacht ist. Aber Onomatopoetika scheinen ihre Bedeutung aufgrund von Ähnlichkeiten zu bekommen: Der Schrei des Hahns wird mir „Kikeriki“ bezeichnet, „weil es sich eben so anhört“. Zugleich hört er sich in verschiedenen Sprachen anscheinend unterschiedlich an. Englische Hähne schreien demnach “cock-a-doodle-doo” und portugiesische “cocorocó”!

Linguistic Turn

Und zu guter letzt stellt Platon die Frage, die später, im 20. Jahrhundert zum sogenannten Linguistic Turn der Philosophie führen sollte: Stellt die Sprache die Welt richtig dar? Der Linguistic Turn, der oft falsch mit „Linguistische Wende der Philosophie“ übersetzt wird und der eigentlich die Sprachkritische Wende der Philosophie ist, ist eine große Strömung in der Philosophie, die besagt: Dass unsere Sprache die Welt nicht nur abbildet sondern unsere Wahrnehmung von der Welt entscheidend prägt. Es ist die heute größte und wichtigste Strömung der Philosophie und auch sie findet letztlich ihren Ausgangspunkt bei Platon. Wir sind eben alles nur Fußnoten.

Platon – Das Wesen der Seele

Wir hatten beim letzten Mal Sokrates und seine Freunde kurz vor Sokrates’ Tod hoffnungslos zurückgelassen. Die Analogie vom Instrument und den Tönen, die es erzeugt, zum menschlichen Körper und seiner Seele hatte ihnen so sehr eingeleuchtet, dass sie nun schon fast von der Sterblichkeit überzeugt sind. Sie waren so enttäuscht, dass sie fragten, ob man sich denn nie sicher sein kann und ob dann das Philosophieren überhaupt Sinn macht.

Platon nutzt diesen emotionalen Tiefpunkt, um das Wesen der Philosophie zu diskutieren und an dieser Stelle wollen wir mit der Untersuchung fortfahren und schauen, ob wir nicht doch Grund zur Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod haben.

Das Sprachspiel des Beweisens

Platon betont noch einmal, das sokratische Credo, dass ein Irrtum in der Philosophie nie ausgeschlossen ist. Doch daran schließt er ein glühendes Plädoyer für die Philosophie an: Denn auch wenn mit dem Philosophieren einhergeht, dass wir immer wieder lieb gewonnene Wahrheiten zu Fall bringen, sollen wir nicht daran Zweifeln, dass es DIE WAHRHEIT ™ gibt. Alle Widerlegungen liegen nur daran, dass wir kleine Menschen fehlbar sind. Das Scheitern eines Beweises bedeutet nicht, dass das “Sprachspiel des Beweisens“ wie Wittgenstein sagen würde, an sich scheitert.

Das ist wieder ein ebenso schöner wie wichtiger Gedanke. Besonders in unseren Tagen wird das wissenschaftlich-logische Denken aus esoterischen Kreisen immer wieder angegriffen mit dem Hamlet-Zitat:

“Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt,“

Dieser Satz ist zweifelsfrei wahr, das sagt uns Platon hier im Phaidon. Aber er ist nicht deshalb wahr, weil die Logik an sich in irgend einer Form falsch wäre, sondern weil wir Menschen unwissend und fehlbar sind.

In diesem Gedanken steckt die Hoffnung, die Sokrates’ Freunden verloren ging allerdings auf ganz andere Art und Weise: Es besteht die Chance, dass wir Menschen eines fernen Tages die Welt wirklich verstehen werden.

Schon wieder Anamnesislehre

Als Platon dann mit der unsterblichen Seele fortfährt ist sein Beweis leider nicht mehr so überzeugend wie sein Plädoyer für die Logik. Als Gegenargument gegen die These, dass die Seele der Stimme der Gitarre gleicht, bringt er wieder seine Anamnesis-Lehre vor. Wenn die Seele schon vor der Geburt existiert hat, dann kann die Analogie zur Gitarre nicht stimmen, denn deren Stimme hat nicht vor dem Bau des Instruments existiert. Das ist ein sehr schwaches Argument, da es auf sehr wackeligen Beinen steht. Erinnert euch: Die Anamnesislehre sollte erklären, woher wir implizites Wissen haben. Ich habe aber beim letzten Mal bereits eine alternative Erklärung dafür gegeben, warum wir über implizites Wissen verfügen.

Allerdings bringt Platon noch ein weiteres Argument gegen die Analogie vom Instrument: Ein Instrument kann schlecht gearbeitet sein, dann wird es nicht gut klingen, eine weniger starke Stimme haben. Aber ein Mensch kann nicht weniger beseelt sein. Für die Seele gibt es nur zwei Werte: Entweder hat ein Ding eine Seele oder nicht.

Absurderweise gräbt sich Platon dann selbst das Wasser ab, indem er der Seele dann doch wieder ein Spektrum zuweist: Sie kann mehr oder weniger gut sein. Die Stimme könne das nicht. Ääähm …? Hat er nicht eben buchstäblich das Gegenteil behauptet? Ich frage mich, ob er nur wissen wollte, ob wir noch aufpassen. Anyway …

Platon fährt fort, dass die Stimme vom Instrument beherrscht werde, wie wir ja eben schon sahen: Ist das Instrument schlecht gearbeitet, dann ist die Stimme schlecht. Aber bei der Seele sei es umgekehrt: Sie herrscht über den Körper. Wenn wir bedenken, dass Platon natürlich noch keine Ahnung von den Prozessen im Gehirn haben konnte, dann ist diese Gegenüberstellung ziemlich einleuchtend: Ich muss die Saiten einer Gitarre anschlagen, um den Ton zu erzeugen. Aber meine Seele, (oder moderner) mein Denken veranlasst meinen Arm überhaupt erst zum Anschlagen der Saite. Mein Denken kontrolliert also meinen Körper. Das Bild vom Instrument würde aber nur passen, wenn die Töne gleichsam spontan entstünden und so die Stimme der Gitarre die Saiten zum Klingen bringt.

Die Deduktion der Unsterblichkeit

Schließlich kommt Platon aber zu seinem finalen und größten Argument für die Unsterblichkeit der Seele. Dafür führt er den nächsten Hammerbegriff ein, der in der Philosophiegeschichte bis heute immer wieder diskutiert werden wird, er baut quasi den nächsten Todesstern. Dieser Begriff ist der des Wesens. Platon sagt, dass Dinge ein Wesen haben im Gegensatz zu wechselnden und nur zufälligen Eigenschaften. Sein Beispiel ist der Schnee: Schnee kann uns in den verschiedensten wechselnden Erscheinungsformen begegnen: Er kann pappig sein oder pulverig, er kann in großen Flocken oder kleinen fallen, er kann schneeweiß sein, bläulich, sogar schwarz und manchmal leider auch gelb. Das sind alles zufällige Eigenschaften von Schnee, aber der Schnee hat im Gegensatz zu diesen zufälligen Eigenschaften auch ein Wesen: Er ist gefroren. Es kann keinen Schnee geben, der nicht gefroren ist.

Platon folgert daraus, dass das Wesen eines Dinges nicht in sein Gegenteil verwandelt werden kann. Dann fragt er weiter: Was ist denn nun das Wesen der Seele? Die Antwort lautet ganz klar: Sie lebt. Erinnert euch an die Unterscheidung von Anaxagoras, wir lernten sie bei Sokrates kennen: Beseelte Dinge sind solche, die leben. Unbeseelte Dinge hingegen leben nicht.

Nun braucht Platon nichts weiter zu tun als das, was wir bei Aristoteles als den Syllogismus kennenlernen werden. Er geht von drei Prämissen aus:

Das Wesen eines Dinges lässt sich nicht in sein Gegenteil verkehren.
Das Wesen der Seele ist das Leben.
Das Gegenteil von Leben ist der Tod.
Daraus folgt zwingend: Die Seele ist unsterblich.

Lasst die Sektkorken knallen! Wir sind unsterblich! Oder besser nicht? Vielleicht ist Alkohol eine Sünde und wir müssen im Jenseits dafür büßen …? Egal, wir sind unsterblich!

Ohne Witz: Diese Schlussfolgerung ist brillant und ein schlagender Beweis. Ist damit das Thema durch? Warum gibt es trotzdem Atheisten? Sind die nur dumm? Nun, auch wenn dieser Schluss zwingend ist, also nicht falsch sein kann, so kann trotzdem etwas anderes falsch sein: Platons Definition von Seele, Wesen, Leben und Tod. Wer partout beweisen will, dass wir alle verdammt sind, der muss beweisen, dass Platon wenigstens einen dieser vier Begriffe falsch definiert hat.

Aber das ist mir zu düster, das überlasse ich anderen, die wir in späteren Folgen dieser Serie noch zu Wort kommen lassen. Hier ende ich lieber auf dem schönen Akkord, den die Seelenstimme von Platons Gitarrenkörper angeschlagen hat.