Kafkaeske Klassenräume mit gesunden Einstellungen zu Godot – die Tweets der Woche

Die vergangene Woche war wieder etwas schöner nur dank eurer Tweets! <3

Montag

Der Montag brachte die Erkenntnis, dass die deutsche Politik Kafka geschlagen hat, eine wagemutige Feuerwehr und es gab viiiiiel Spott für Seehofer.

Dienstag

Eine verspätete Rezension von Keinohrhase eröffnet den Dienstag, außerdem gab es einen typischen deutschen Klassenraum und goldenes Schweigen.

Mittwoch

Am Mittwoch jaulte ein Hund bei seinem Lieblingsfilm mit, ein Kind hatte eine gesunde Einstellung zu seinem Zeugnis. Der Tag brachte das Rätsel der Pinguine, Lager auf deutschem Boden und ein Reh spielte Fangen mit einem Hund.

Donnerstag

Am Donnerstag wurde mal wieder auf Godot gewartet. Es gab einen Catnap, und das EU-Parlament entschied gegen Uploadfilter.

Freitag

Am Freitag gab Lucy uns eine Entscheidungshilfe für den Fall, dass wir alle planen, ein Hochbett anzuschaffen, die deutsche Sprache verlor die Lust und Brasilien hatte ein Dejavu.

Samstag

Der Samstag stand vor allem im Scheinwerferlicht der Demos für die #Seebrücke. Außerdem gab es mal wieder Fußball und den eindeutigen Hinweis, dass du mal wieder Fahrradfahren solltest.

Sonntag

Am Sonntag schließlich gab es eine Zeitschleife auf deutschen Autobahnen und die Erklärung des Internets.

Als Bonus außerdem mein erfolgreichster Tweet der Woche:

Meine Tweets der Woche 26 im Jahr 2018

Kennt ihr Favstar? Das waren die inoffiziellen Twitter-Charts. Eine nette Seite, um Tweets zum Lachen und Schmunzeln zu finden. Leider hat Favstar den Laden dicht machen müssen, da Twitter ihr die Programmierschnittstelle dichtgemacht hat. Ein weiterer Schritt im unsäglichen Versuch von Twitter, sich einzumauern. Aber wo die Technik versagt, da müssen wir Menschen die Lücke füllen. Damit all die kleinen Kunstwerke unseres liebsten Netzwerks nicht verloren gehen, möchte ich nun wieder anfangen, regelmäßig zu zeigen, was mich diese Woche zum Lachen, Nachdenken oder zum Herzschmerz führte.

Montag

Die Woche begann mit Arbeit, gut gelaunten Senegalesen und Introvertierten.

Dienstag

Am Dienstag gab es Horror-Hühner und grazile Hyänen …

Mittwoch

Am Mittwoch ein Kamel mit Appetit und Eltern mit den falschen Präferenzen. Außerdem noch Denken in der Box und Liebe!

Donnerstag

Am Donnerstag machten Bezemas Worte klar, was falsch ist am ekeligen Özil-Bashing seit dem Ausscheiden der Mannschaft. Außerdem gab es Hoffnung auf das Schweigen der Bild.

Freitag

Am Freitag fand jemand die richtige Antwort … Es gab die schlechteste Uni-Werbung der Welt und zu guter Letzt gab es auch noch Söder.

Samstag

Am Samstag gab es Sommer, Christiano Ronaldo und noch die Freuden der Masturbation. o.O

Sonntag

Am Sonntag gab es die Freuden der Elternschaft und Spott für Seehofer …

Bis nächste Woche!

Gaulands Badehose

Kennt ihr den Gauland? Klar kennt ihr den! Das ist so ein unangenehm brauner Politiker und alle normalen Menschen schämen sich, dass der durch einen Verkehrsunfall, der sich Bundestagswahl nennt ins Parlament gekommen ist.

Also dem Gauland, dem sind die Klamotten geklaut worden, als er baden war. Und das Internet hat das mit sehr viel Häme abgefeiert. Kostprobe gefällig?

Wie immer, wenn etwas moralisch nicht astreines von mutmaßlich eher linken Menschen gemacht wird, wird das dann im Anschluss von ebenfalls mutmaßlich linken Menschen scharf kritisiert: Wenn du das gut findest, darfst du in Zukunft es auch nicht kritisieren, sobald Gauland in Zukunft mal wieder was Menschenverachtendes sagt. Kostprobe gefällig?

Das ganze ist sowas wie ein ethisches Spannungsfeld, daher möchte ich meine 5 Cent dazugeben. Okay: Es ist ein seeeeeeeeeeeeehr kleines ethisches Spannungsfeld. Das ist quasi die vorweggenommene Pointe dieses Blogposts.

Also: Ist das, was Gauland widerfahren ist, ein Angriff auf seine Menschenwürde? Nein. Es war ein Streich. Bedenkt mal wie “Streich” im Deutschen verwendet wird. Man “spielt Streiche”! Ist es die Rettung der liberalen Demokratie? Nein. Es war ein Streich. Der macht nichts besser, nichts ungeschehen! Aber darf ich denn darüber lachen, dass Gaulands Badehose nun Republik-weit bekannt ist? Nun, Streiche sind lustig. Gebt einfach mal “Prank” auf YouTube ein. Kostprobe gefällig?

Streiche sie besonders lustig, wenn sie zwar nicht gegen eine Autoritätsperson aber zumindest gegen eine autoritäre Person gerichtet wurden. Das wusste schon Pepe Nietnagel. Für die Jüngeren: Das war der eigentlich recht spießige Protagonist einer eigentlich recht spießigen Spielfilmreihe über Schulbuben, die ihre autoritären Lehrern Streiche spielen.

Aber ist es denn nicht kindisch, darüber zu lachen, dass Gauland in Badehose nach Hause gehen musste? Jepp! Es ist Schadenfreude. Aber wisst ihr was? Das ist nicht schlimm. Im Gegenteil: Bei der ganzen rassistischen Plörre, die wir uns tagtäglich von Herrn Gauland und seiner Partei anhören müssen, fühlen wir liberal und mitfühlend denkenden Menschen tagtäglich ein schlechtes Gefühl. Dass wir uns ein einziges Mal darüber freuen dürfen, dass Gauland ein Streich gespielt wurde, ist schlichtweg Psychohygiene. Es hilft, uns mal ganz kurz besser zu fühlen, in einem Land, das – mal wieder – unangenehm rechts geworden ist. Hinzu kommt, das schöne Meme “Karma is a bitch“. Denn wer hätte es mehr verdient, das ihm ein harmloser Streich gespielt wird, als Gauland und seine Badehose?

Wie nah bin ich noch an der Popkultur?

50 Gedanken – Gedanke 7

 

Ich freue mich jedes Jahr auf YouTube Rewind. Denn in dem wenige Minuten langen MasUp stecken unzählige Referenzen an YouTubes Blickwinkel auf die Popkultur. Ich zähle dann immer wie viele Referenzen oder Personen ich erkannt habe. 2017 waren es 10. Und bei euch? Ich frage mich auch, was das jetzt über mein popkulturelles Alter aussagt …

 

Ein dialektisches Meisterwerk

50 Gedanken – Gedanke 4

In den Replies dieses Tweets von Margarete Stokowski …

… fand sich ein dialektisches Meisterwerk:

 

Dieser Tweet ist ein kleines Kunstwerk. Warum? Das möchte ich kurz erläutern:

Reiner Wein beginnt mit einer klassischen These: “der Kampf gg vermeintliche Frauenfeindlichkeit”. Es gibt gar keine Misogynie. Das ist alles eine Unterstellung.

Doch dann bringt Reiner eine überraschende Antithese: “untervögelte irre Feministinnen”. Potzblitz! Wer hätte das erwartet? Er exemplifiziert gnadenlos, dass es Misogynie gibt, indem er sie hinschreibt. Geschickter Schachtzug, hatte ich ihn doch zuerst für einen Sexisten gehalten!

Doch, dass er das nicht ist, beweist schließlich seine dialektische Synthese: “vollends diskreditiert”. Ja, was wird hier denn vollends diskreditiert? Genau! Der Kampf gegen vermeintliche Frauenfeindlichkeit. Herr Wein macht damit klar, wie ungemein wichtig der Kampf gegen echte Frauenfeindlichkeit ist!!! Etwa gegen Typen, die auf Twitter hinter jedem Argument, das eine Frau vorbringt, eine vermeintliche sexuelle Unbefriedigtheit vermuten …

Well played, Mr. Wein, well played …

Kuscheln in der Opferrolle

50 Gedanken – Gedanke 3

Ich fuhr heute Morgen auf meinem Rad am Main entlang zur Arbeit. Über dem Fluß hingen noch vereinzelte Nebelschwaden und die Sonne brach am Horizont durch die rissige Wolkendecke. Ich hörte derweil eine wirklich aufschlussreiche Folge von „This American Life“, die sich um die Neue Rechte in Amerika drehte. Nicht zuletzt weil seit zwei Tagen wieder eine rechtsextreme Partei im deutschen Bundestag sitzt, ist das ein Thema, das mir keine Ruhe lässt. Wie kommt es, dass die Feinde der offenen Gesellschaft überall im Westen auf dem Vormarsch sind? Nach wie vor glaube ich, dass unsere mediale Besessenheit von islamistischem Terror seit 2001 der wichtigste Grund ist. Doch darüber schreibe ein anderes Mal …

… Denn am oben erwähnten Podcast war am allerspannendsten ein Interview mit einem Initiator der rechtsradikalen Demo in Charlottesville – Jason Kessler. In diesem Gespräch kam irgendwann zur Sprache, was ihn denn zu einem White Supremacist hat werden lassen. Und die Antwort ist nahezu unglaublich: Er hat mal eine Stelle nicht bekommen, auf die er sich beworben hat. Stattdessen wurde eine Frau eingestellt. Er ist der Meinung, dass diese Frau weniger qualifiziert war als er und nur genommen wurde, weil sie eine Frau war. Das ließ ihn zu der Überzeugung kommen, dass weiße Männer in den USA unterdrückt werden.

WTF!?! Was für ein erbärmliches Gejammer! Ich kann nicht zählen, wie viele Absagen auf Bewerbungen ich in meinem Leben bekommen habe. Aber ich bin nie auf die absurde Idee gekommen, dass es daran liegt, dass ich ein weißer Mann bin. Wie widerlich diese Haltung ist, zu glauben, die Welt schulde einem etwas und nur weil man das nicht kriegt, mit Hass auf Schwächere zu reagieren! Allein, die unglaubliche Ignoranz dieser Aussage ist verblüffend, denn es gibt ja durchaus Statistiken zur Vergabe von Arbeitsplätzen. Uns diese sagen klipp und klar, dass es sich gerade andersherum verhält. Dass wir weißen Männer eben gerade auf dem Arbeitsmarkt bevorzugt werden! Doch der Typ stellt den Einzelfall seiner narzisstischen Kränkung über die objektiv erhobenen Fakten, die zeigen, wie die Welt wirklich ist.

Was er macht ist eine beliebte Strategie unter Rechtsextremen: Ich habe dies schon früher „Kuscheln in der Opferrolle“ genannt. Der Rechtsextremist verdreht die Fakten so, dass er nicht mehr Täter (geistiger Brandstifter, der anderen Menschenrechte aberkennt) ist, sondern Opfer – weil wir anderen seine persönliche Sonderstellung nicht anerkennen. Achtet mal darauf, es ist wirklich ein beliebter Sophismus in der Neuen Rechten.

 

50 Gedanken

Gedanke 1 – die Leichtigkeit beim Bloggen

Ich habe gerade die neuste Folge Leitmotiv gehört. Nach neun Monaten hat Caspar Clemens Mierau endlich mal wieder eine Folge veröffentlicht. Ich merke jetzt erst, wie sehr ich seine Interviews vermisst habe.

Dieses Mal sprach er mit Kübra Gümüşay. Neben vielen anderen Themen ging es um die Leichtigkeit beim Bloggen und wie sie Kübra im Laufe der Jahre abhanden gekommen ist. Da fiel mir auf, dass das bei mir genauso ist. Früher habe ich aufgeschrieben, was mir durch den Kopf ging. Das konnte vom Elternsein genauso handeln, wie vom Sein-Sollen-Fehlschluss. Ich habe über Kassetentapes geschrieben oder über Überwachungsbefürworter. Es waren mal kurze, mal längere Stücke, die ich einfach so heruntergeschrieben habe.

Heute mache ich das gar nicht mehr. Heute verblogge ich wohldurchdachte, langgeplante Essays oder institutionalisierte Stücke. Aber einfach aufschreiben, was mir durch den Kopf geht …? Eigentlich ist das etwas sehr schönes und genau dafür ist doch so ein Blog (auch) da!

Zum Glück hatte Kübra Gümüşay auch gleich eine Abhilfe: Nur lose zusammenhängend zur Leichtigkeit beim Bloggen erzählte sie von einer Aktion, bei der sie mal 50 Gedanken in 50 Wochen verbloggte. Das möchte ich mir aneignen. Und ich will die Schlagzahl sogar noch erhöhen! 50 Gedanken bis Jahresende, das habe ich mir vorgenommen.

Ein Social-Media-Putsch

Was an sozialen Medien latent ekelhaft ist, ist die Tatsache, dass die gleichen Dynamiken am Start sind, egal ob Germany’s Next Top Model läuft, das neue iPhone vorgestellt wird, in Nizza ein Verrückter durch eine Menschenmasse fährt oder das Militär in der Türkei versucht, zu putschen.

Die Dame und ich hatten gestern einen schönen Abend ohne Nachrichtenkonsum verbracht. Als die Dame dann um 23 Uhr ins Bett ging, sagte sie: “Krass, in der Türkei hat das Militär versucht zu putschen.” Wäre ich ihr in Bett gefolgt, hätte ich heute morgen diesen Wissensstand gehabt, der – so sieht es derzeit aus – den Tatsachen entspricht.

Stattdessen machte ich den Fehler, Twitter aufzurufen und den Putsch “live” zu verfolgen. Die Anführungszeichen habe ich gesetzt, weil mir heute nacht ganz schnell klar wurde, dass die “Liveberichterstattung” auf Twitter eine Illusion war. Zwar gab es viele Nachrichten und Menschen, die gut und gewissenhaft informierten aber genauso wurde dort einem Gerücht nach dem anderen hinterher gehetzt. Und dabei zeigten sich das gleiche Schauspiel, das bei jedem Großereignis aufgeführt wird. Die immer gleichen Reaktionen. Einige Beispiele.

Die allermeisten User trugen Informationen weiter:

Es gab einige, die anfangs die Propaganda des Militärs ohne jedes Geschichtsbewusstsein abfeierten:

Zum Glück gab es auch andere, die aus der Geschichte gelernt haben:

Es gab viele ikonische Bilder:

Und Einordnungsversuche dieser Bilder:

Dabei kam es zu Fehleinschätzungen:

Und treffenderen Prognosen:

Natürlich gab es die, die meinten, dass die Medien nicht schnell genug berichten:

Andere waren besonnener:

https://twitter.com/dieKadda/status/754067269832048640

Dann sendete das Fernsehen doch:

Andere fanden, dass die Bundesregierung nicht schnell genug reagiert:

https://twitter.com/ennolenze/status/754068345264214017

Klar ist auf Twitter, dass es jede Menge Leute gibt, die Witze machen. Von unterschiedlicher Qualität:

Und Kritik an diesen Witzen:

https://twitter.com/stadtkindFFM/status/754069731330629632

Natürlich durften die üblichen Meme nicht fehlen:

In den sozialen Netzwerken gibt es aber auch immer viel Anteilnahme:

https://twitter.com/fraudiener/status/754064036539559936

https://twitter.com/ismail_kupeli/status/754052787080728576

Und Verdrängung:

Manche sorgten sich um Touristen:

Und viele Länder, fragten sich, was das für ihr Selbstverständnis bedeutet:

Es gab Einordnungen in die weltpolitische Lage:

Und Gerüchte kamen auf:

https://twitter.com/Politico_Daily/status/754073517881163776

Bei denen manche ihren Humanismus vergaßen:

Und dann war es irgendwann vorbei:

Dumm gelaufen, dieser Brexit …

John Oliver widmet sich gewohnt brillant dem Brexit. Besonders lustig wie zutreffend ist seine Analyse, dass sich durch den Brexit für die Briten quasi nichts ändern wird, außer dass sie nicht mehr mitbestimmen dürfen.^^ Die Kosten, die sie jetzt haben, werden nicht eingespart, sondern durch die entstehenden Handelshemmnisse ausgeglichen. Die Grenzen können sie nicht dicht machen, da es zu viele Pendler zwischen der Insel und dem Festland gibt. Aber vor allem werden sie auch der berüchtigten Überregulierung von Produkten durch die EU nicht entkommen. Denn britische Händler werden ja nicht aufhören, ihre Ware nach Europa zu verkaufen, bloß weil ein paar Nationalisten hohen Puls haben. Aber was müssen die Händler machen, wenn sie in die EU exportieren wollen? Richtig! Sich an die Regulierungen halten … Hier das Video in voller Schönheit:

Passend dazu auch dieser schöne Tweet: