Platons Liniengleichnis

Nach der ungeplant langen Pause geht es hier weiter mit Platons Gleichnissen. Nach dem Sonnengleichnis kommt nun das Liniengleichnis. Wir finden viel Metaphysik aber noch immer nicht das Gute. Wie gehabt könnt ihr euch das ganze als Video ansehen oder darunter das Transkript lesen. Am Ende des Artikels gibt es dann noch Quellenangaben.

Die Vorgeschichte in etwa fünf Sätzen

Beim letzten Mal erzählte ich, dass Platon im Dialog „Der Staat“ Sokrates mit ein paar Typen die Frage diskutieren lässt, was Gerechtigkeit ist. Über diese Frage kommen sie zur nächsten Frage, was einen gerechten Staat ausmacht. Platon hatte Sokrates darlegen lassen, dass in einem gerechten Staat die Philosophen herrschen sollen, obwohl sie auf den ersten Blick total plemplem wirken. Denn Philosophen streben nicht nach Macht sondern suchen nach dem Guten. Was das Gute schließlich ist, versuchte Platon mit dem Sonnengleichnis zu umschreiben. Im Sonnengleichnis stellt er das Gute als die Ursache für Erkenntnis dar. Mich hatte das beim letzten Mal nicht sonderlich überzeugt, denn Platon begründet das weder, noch beantwortet es die Frage, was es bedeutet, gut zu sein.

Das Lininegleichnis

Aber natürlich ist Platon nicht der Trottel, als den ich ihn dargestellt habe. Daher lautet sein Motto: Nach dem Gleichnis ist vor dem Gleichnis. Er fährt mit dem Liniengleichnis fort. Allerdings hatte Platon vielleicht schon das eine oder andere Glas Rotwein zuviel intus, als er das Liniengleichnis niederschrieb, denn mittlerweile hat er anscheinend komplett vergessen, dass es ihm eigentlich um das Gute ging.

Lehnt euch mal entspannt zurück und stellt euch eine Linie vor. Links von dieser Linie liegt die Welt, rechts von der Linie liegt unsere Erkenntnis. Diese Linie unterteilen wir jetzt in vier Abschnitte. Im untersten Abschnitt der Linie liegen in der Welt die Bilder, Spiegelungen und Schatten und auf der Seite der Erkenntnis das Vermuten. Etwas darüber liegen auf der Seite der Welt die wahrnehmbaren Gegenstände, auf der Seite der Erkenntnis hingegen das Glauben. Im nächsten Abschnitt liegen jetzt auf Seiten der Welt die mathematischen Gegenstände und auf Seiten der Erkenntnis das voraussetzungsvolle Denken. Im obersten Abschnitt schließlich finden wir bei der Welt die Ideen und bei der Erkenntnis das voraussetzungsfreie Denken.

Die beiden spannendsten Aspekte des Liniengleichnis’ sind für mich das voraussetzungsreiche- und das voraussetzungsfreie Denken. Voraussetzungsreiches Denken oder Verstand, wie oft gesagt wird, ist zum Beispiel das Betreiben von Mathematik, die auf Axiomen aufbaut und in der Geometrie als Hilfsmittel auf sinnlich erfahrbare Figuren zurückgreift.

Was ist ein Axiom?

An dieser Stelle sollte ich mal wieder einen philosophischen Grundbegriff erklären, nämlich den des Axioms. Axiome sind – so behauptet es zumindest mein kleinen philosophischen Wörterbuch – „grundlegende Sätze, die selbst nicht beweisbar sind, sondern die unhintergehbare Basis für andere Sätze oder Folgerungen bilden“. Zum Beispiel gibt es in der Mathematik das berühmt gewordene Parallelaxiom, das da lautet:

„Ist a eine Gerade und P ein nicht auf a liegender Punkt, so gibt es in der Ebene, in der a und P liegen, genau eine Gerade durch P, die a nicht schneidet, nämlich die Parallele.“

Dieses Axiom ist berühmt, weil Mathematiker und Philosophen sich nicht damit abfinden wollten, dass dieser Satz sich nicht beweisen lässt und es immer wieder versuchten. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es sowohl Nikolai Lobatschewski als auch János Bolyai zu beweisen, dass sich das Parallelaxiom nicht beweisen lässt, weil man es nicht aus anderen Axiomen herleiten kann. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Kehren wir zurück zu Platon: Das voraussetzungslose Denken ist, im Gegensatz zum voraussetzungsvollen, jenes Denken, das nach den letzten Gründen, nach den Ideen fragt. Und das ist natürlich – da ist Platon unbescheiden – die Dialektik, also die dialogisch betriebene Philosophie.

Versteht mich nicht falsch, wenn ich sage, Platon hat hierbei zu tief ins Glas geschaut! Das soll den Gehalt dieser Sätze nicht leugnen, denn die haben es in sich. Das, was Platon hier darlegt, ist nicht weniger als die Eckdaten der schon erwähnte Ideenlehre. Und es steckt noch viel mehr im Liniengleichnis, etwa die Abbildtheorie, die noch tausende Jahre diskutiert werden wird und über die so manche unbedeutende Privatsprache ihre Magisterarbeit geschrieben hat. Die Unterscheidung von voraussetzungsfreiem und voraussetzungsreichem Denken war nicht weniger wirkungsvoll. So wurde zum Beispiel die analytische Philosophie im 19. Jahrhundert nicht zuletzt gegründet, um die Mathematik auf eine sichere Grundlage zu stellen – mit anderen Worten: vom voraussetzungsvollen zum voraussetzungsfeien Denken zu führen. Was Platon hier entlang dieser Linie in wenigen Sätzen entwirft, ist ein komplettes metaphysisches System. Kant braucht dafür mehr als 850 Seiten in der Kritik der reinen Vernunft.

Was ist Metaphysik?

Hier ist die nächste Erklärung für einen Grundbegriff der Philosophie fällig! Ich hatte ihn schon ein paar Mal erwähnt aber noch nicht erklärt: Metaphysik. Der Begriff geht auf Aristoteles zurück und der Legende nach ist er zufällig entstanden, da so einfach das Buch genannt wurde, das im Regal hinter Aristoteles‘ Buch über Physik stand. Wenn die Geschichte wahr ist, dann ist das ein wirklich ungewöhnlich großer Zufall. Denn der Begriff ist zugleich sehr passend für diese philosophische Disziplin. Aristoteles nannte die Metaphysik „die Lehre von den ersten Prinzipien oder Ursachen“. Die Metaphysik ist die Lehre von allem, was sich nicht in der physischen Welt beweisen lässt. So Fragen wie: „Warum gibt es die Welt?“, „Was war vor dem Urknall?“, „Was ist das Sein und was das Nichts?“ oder „Gibt es einen Gott?“ sind typische metaphysische Fragen. Wenn Platon also lehrt, dass es in der Welt quasi eine Hierarchie davon gibt, wie cool die verschiedenen Existenzmodi sind und die bei äußerst uncoolen Bildern, Spiegelungen und Schatten anfängt über semi-coole wahrnehmbare Gegenstände und schon ganz coole mathematische Gegenstände bis zu den extrem coolen Ideen reicht, dann ist das eine metaphysische Lehre. Und es erklärt nebenbei auch, warum man die platonische Akademie erst betreten durfte, wenn man Geometrie beherrschte. Denn in der Akademie ging es nur um die Ideen, um das voraussetzungsfeie Denken. Um dafür bereit zu sein, sollten die angehenden Philosophen schon die Linie entlanggeschritten sein.

Das fehlende Gute

Insgesamt ist das Liniengleichnis also enorm beeindruckend. Warum habe ich also behauptet, dass Platon besoffen war, als er es niederschrieb? Na, weil er uns eigentlich erzählen wollte, was das Gute ist! Aber alles, was ich euch erzählt habe, hat überhaupt nichts mit dem Guten zu tun!

Bei Platoninterpreten gibt es die weit verbreitete Theorie, dass Platon das Gute zum voraussetzungsfreien Denken zählt. Das ist schön und gut, aber das schreibt er hier erstens nicht, sondern deutet es allenfalls über den Kontext an und zweitens ersetzt er damit schon wieder nur eine begriffliche Seifenblase durch eine andere. Also lasst uns dieses Gleichnis einfach hinter uns lassen und an der Linie weiter entlanggehen. Dies allerdings erst in der nächsten Folge, wenn wir dann endlich zum berühmten Höhlengleichnis kommen und dort vielleicht erfahren, wie wir die drei Gleichnisse doch noch unter einen guten Hut bekommen.

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Literatur

Bilderquellen

Alle Bilder, die hier nicht angegeben sind, stammen entweder von mir oder sind gemeinfrei.

 

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12 von 12 im August 2016

Ehrlich? Schon wieder ein Monat vorbei? Als die Erinnerung auf meinem Handy aufploppte, war ich doch ziemlich überrascht. Daher weiß ich nicht, ob das hier besonders lesenwert wird. Na ja, schauen wir mal. Wir waren gerade erst im Urlaub, den habt ihr verpasst. Tja. Warum heißt diese Aktion auch nicht 5von5 …?

Spätschicht

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Seit dieser Woche ist bei uns also wieder der Alltag eingekehrt. Dazu gehört natürlich auch die Grundimmunisierung meiner Tochter (1). Genau drei Tage war sie in der Grippe. Am Tag Nummer 4 kam dann wieder der Anruf der Erzieherinnen. Die Dame erklärte sich bereit, zum Arzt zu fahren und der entdeckte einen derart roten Hals und rote Ohren, dass er gleich beschloss, mit einem Antibiotikum draufzuschießen.

Glück im Unglück war, dass ich heute „Spät“ hatte. Ich arbeite bei einer Agentur und wir betreuen die Social-Media-Kanäle einer großen Firma. Da auf der Facebookseite des Kunden offiziell verkündet wird, dass wir bis 19:00 Uhr auf Fragen antworten, muss immer eine/r aus dem Team bis dann bleiben, braucht aber auch erst um 10:00 Uhr zu kommen. Heute war ich dran. Da die Dame und beide Töchter nicht früh raus mussten, haben wir also schön unsere Wecker ausgeschaltet. Dachten wir zumindest …

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Die Dame hat ein neues Handy und um 6:30 Uhr hörte ich dann das alte klingeln. Da sie nachts viel am Bett des fiebrigen Kindes gesessen hatte, stand ich auf, löschte den Alarm, kochte Kaffee und setzte mich aufs Sofa, um die Shownotes für unsere letzte Podcastfolge zu Reservoir Dogs zu schreiben. Als die beiden Kinder dann wach waren, gab es Frühstück. Aber … Bieberkacke! Ich hatte dann doch zu sehr getrödelt und musste mich sputen, noch rechtzeitig zur Arbeit zu kommen.

Arbeit

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Von wegen Social-Media! Ich saß heute fast den ganzen Tag an einem internen Newsletter für unseren Kunden. Da der Kollege, der die Endredaktion machte, mit meinen Inhalten lange nicht zufrieden war, konnte ich erst auf „Abschicken“ klicken, als die anderen sich schon alle ins Wochenende verabschiedet hatten.

Pokestop

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Zwischendurch gab es aber auch die Mittagspause. Die verbrachte ich natürlich wieder auf „meinem“ Platz am Frankfurter Osthafen. Hauptsächlich lesend. Aber diese Woche habe ich entdeckt, dass sich auf dem Platz gleich drei Pokestops befinden. Ich spiele Pokemon Go nicht wirklich aktiv, sondern nur von Zeit zu Zeit, um zu sehen, „was die Jugend von heute bewegt“. Aber jetzt hole ich immer mal wieder mein Handy raus und sammle Pokebälle ein. Kann ich die Unmengen irgendwo verkaufen?

Kranballett

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Da die Agentur mir noch keine eigene Kopie der Creative Suite gegönnt hat, musste ich zum Setzen des Newsletters in InDesign rüber in das Büro von ein paar Kolleginnen. Da die Grafikdesignerin in diesem Team halbtags arbeitet, kann ich am Nachmittag dort den Newsletter setzen. Die Aussicht ist spektakulär aber laut.

Hören

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Let’s talk about Podcasts! Ich mache nicht nur einen Podcast, ich höre sie auch total gerne: Auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen, beim Wäscheaufhängen und bei allen Tätigkeiten, die mein Großhirn nicht sonderlich beschäftigen, sind sie ein toller Begleiter. Und man baut sich einen enormen Wissensschatz auf! Ich habe derzeit über 100 – mehr oder weniger aktive – Podcasts abonniert. Hauptsächlich deutschsprachige Indie-Produktionen, wenige öffentlich-rechtliche und britisch/amerikanische Podcasts. Podcasts gibt es buchstäblich zu jedem Thema und neben Büchern gibt es kein weiteres Medium, das so tief über die jeweilige Materie berichtet. Da ich selbst einen Filmpodcast mache, höre ich die natürlich sehr gern. Einen guten Einstieg bildet hier die Second Unit, eher unbekannt unter den Filmpodcasts ist der Flachbereich, den ich aber immer mehr ins Herz schließe. Ausführliche Interviews zu wissenschaftlichen Themen liefert Forschergeist, eher Newscharakter zur Wissenschaft hat KonScience. In der Podcastszene ist die Qualität von sogenannten Laberpodcasts umstritten, ich halte das für eine hohe Kunst, die zum Beispiel [Der Weisheit] beherrrscht. Kurze prägnante Casts bilden das Gegenteil, meine Empfehlung ist hier Anerzählt, der in unter 10 Minuten jeden Tag etwas zu einer Zahl zu berichten weiß. Literatur & Kunst findet man im E&U-Gespräch, Geschichte bei Zeitsprung und Fernsehserien bei zwanzichfuffzehn. Diese Liste könnte ich fast ewig so fortsetzen. Wenn ihr noch mehr Empfehlungen wünscht, dann fragt in den Kommentaren! =)

Der Sessel

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Meine Tochter (9) hat heute entdeckt, dass man bei unserem großen Ohrensessel eine Liegeposition einstellen kann. Ich musste lange diskutieren, bis ich sie davon abgebracht hatte, auf dem Sessel die Nacht zu verbringen. Der Sessel stammt noch aus meinem Elternhaus. Damals hatte er einen braunen Bezug und war von mehreren Katzen- und Kindergenerationen enorm abgewetzt. Mein großartiger Papa hat ihn vor einigen Jahren neu beziehen lassen und dann mir geschenkt. Ein Geschenk, über das ich mich noch immer jeden Tag freue!

Vorlesen

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Meine Aufgabe war es heute, meine Tochter (9) ins Bett zu bringen. Dazu gehört traditionell das Vorlesen. Wir stecken mitten in Cornelia Funkes Tintenblut, dem zweiten Teil der Tintenwelt-Trilogie. Er gefällt mir besser als der erste Band, ist aber auch düsterer. Ein Kind sollte schon eine gewisse Reife und Erfahrung mit dramatischen Themen haben, bevor es sich an dieses Buch wagt. Über Kinderliteratur, Kinderfilme, Vorlesen und gemeinsam gucken wurde ich übrigens neulich in der schon erwähnten Second Unit interviewt.

Sicario

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Da die Dame noch etwas erledigen musste, fing ich an, Sicario zu gucken. Sie war dann aber doch schnell fertig, weshalb ich den Film unterbrach. Das ist der Grund. Nicht böse sein, Mojo! 😉

Modern Family

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Stattdessen sahen wir dann die Sitcom Modern Family. Leichte Kost, keine große Kunst, aber ich war auch platt vom Tag und der ersten Arbeitswoche nach drei Wochen Ferien. Dazu gab es das eine oder andere Bier …

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… bevor ich dann ins Bett krabbelte. Ich lese noch immer Unendlicher Spaß von David Foster Wallace, wie gesagt: 1.600 Seiten. Aber ich habe es mir noch einmal für den Kindle gekauft. So kann ich den Schinken besser mitnehmen und auch in der Mittagspause lesen. Ich werde zunehmend in Wallaces dunkle und zugleich skurril-satirische Welt gesogen.

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Bis nächsten Monat!

Ein Social-Media-Putsch

Was an sozialen Medien latent ekelhaft ist, ist die Tatsache, dass die gleichen Dynamiken am Start sind, egal ob Germany’s Next Top Model läuft, das neue iPhone vorgestellt wird, in Nizza ein Verrückter durch eine Menschenmasse fährt oder das Militär in der Türkei versucht, zu putschen.

Die Dame und ich hatten gestern einen schönen Abend ohne Nachrichtenkonsum verbracht. Als die Dame dann um 23 Uhr ins Bett ging, sagte sie: „Krass, in der Türkei hat das Militär versucht zu putschen.“ Wäre ich ihr in Bett gefolgt, hätte ich heute morgen diesen Wissensstand gehabt, der – so sieht es derzeit aus – den Tatsachen entspricht.

Stattdessen machte ich den Fehler, Twitter aufzurufen und den Putsch „live“ zu verfolgen. Die Anführungszeichen habe ich gesetzt, weil mir heute nacht ganz schnell klar wurde, dass die „Liveberichterstattung“ auf Twitter eine Illusion war. Zwar gab es viele Nachrichten und Menschen, die gut und gewissenhaft informierten aber genauso wurde dort einem Gerücht nach dem anderen hinterher gehetzt. Und dabei zeigten sich das gleiche Schauspiel, das bei jedem Großereignis aufgeführt wird. Die immer gleichen Reaktionen. Einige Beispiele.

Die allermeisten User trugen Informationen weiter:

Es gab einige, die anfangs die Propaganda des Militärs ohne jedes Geschichtsbewusstsein abfeierten:

Zum Glück gab es auch andere, die aus der Geschichte gelernt haben:

Es gab viele ikonische Bilder:

Und Einordnungsversuche dieser Bilder:

Dabei kam es zu Fehleinschätzungen:

Und treffenderen Prognosen:

Natürlich gab es die, die meinten, dass die Medien nicht schnell genug berichten:

Andere waren besonnener:

Dann sendete das Fernsehen doch:

Andere fanden, dass die Bundesregierung nicht schnell genug reagiert:

Klar ist auf Twitter, dass es jede Menge Leute gibt, die Witze machen. Von unterschiedlicher Qualität:

Und Kritik an diesen Witzen:

Natürlich durften die üblichen Meme nicht fehlen:

In den sozialen Netzwerken gibt es aber auch immer viel Anteilnahme:

Und Verdrängung:

Manche sorgten sich um Touristen:

Und viele Länder, fragten sich, was das für ihr Selbstverständnis bedeutet:

Es gab Einordnungen in die weltpolitische Lage:

Und Gerüchte kamen auf:

Bei denen manche ihren Humanismus vergaßen:

Und dann war es irgendwann vorbei:

12 von 12 im Juli 2016

Wieder ein Monat um. Hier kommen meine 12 von 12, diesmal mit der tollen App Prisma bearbeitet. Happy Birthday, du! Du weißt schon, wen ich meine. 😉

Kontraintuitive Morgenlektüre

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Eine unserer Morgenroutinen ist das Vorlesen. Während die Dame sich für den Tag vorbereitet, lesen meine Tochter (1) und ich „Buch“. Bei ihrer Wahl ist sie ganz offensichtlich noch nicht von so Nebensächlichkeiten wie gesellschaftlichen Konventionen oder gar Semantik beeinflusst.

Kellergewölbe

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Ich möchte diesen Monat ein wenig übers Fahrradfahren schreiben. Ich wohne nun seit 15 Jahren in mehr oder weniger großen Städten und betrachte das Fahrrad als das beste Fortbewegungsmittel für die Stadt. Zunächst ist es gesund – solange du nicht überfahren wirst. Du sparst dir die schwitzige Enge der Öffis und kannst deine Lieblingspodcasts dabei hören. Aber vor allem ist das Fahrrad schneller als die Alternativen. In der Rushhour fahre ich an jedem Stau vorbei, ich muss keine Parkplätze suchen, nicht Umsteigen oder auf verspätete Bahnen warten.

Eines der Probleme, die das Radfahren allerdings mit sich bringen, ist der leidige Fahrraddiebstahl. In meinem Leben wurden mir bereits drei Räder gestohlen. Das erste – noch in dem mittelhessischen Kaff, in dem ich aufwuchs – hatte sich ein Freund ausgeliehen. Es wurde ihm aus dem Garten hinterm Haus gestohlen. Zur gleichen Zeit fuhr ein Besoffener nachts in mein erstes Auto – das ich wiederum vorm Haus geparkt hatte – und beging Fahrerflucht. Es war ein goldener Toyota Starlet, Baujahr 1987. von dem Geld, das mir mein Freund für das gestohlene Fahrrad gab (es war ein sehr teures Rad), kaufte ich mir das gleiche Auto noch einmal (es war ein sehr billiges Auto).

Mein zweites geklautes Rad war wieder recht teuer. Während meines Studiums in Aachen hatte ich bei einem Studentenjob genug verdient, dass ich mir ein Rad in einem schnieken Radladen „maßschneidern“ ließ. Ich hatte 10 Tage Spaß daran, dann knockte mich ein Autofahrer aus und beging Fahrerflucht. Ich brach mir den Daumen und meinem Rad verzog es den Rahmen. Ein paar Tage später wurde dann das kaputte Rad aus dem Hof meiner Altbauwohnung gestohlen. Hoftor und Fahrradschloss waren kein Hindernis gewesen.

Das dritte Rad war ein vollkommen banales Stadtrad mit mehreren kleinen Defekten. Trotzdem schnitt jemand mein Schloss durch, befreite es vom Fahrradständer und mich vom Drahtesel. Als ich mir dann auch noch während des Studiums ein Rennrad kaufte, wanderte es in meine Wohnung. Dort bewahrte ich es sicher auf. Mit zwei Kindern und drei Stockwerken habe ich mich mittlerweile für den Keller entschieden. Drei Türen und ein Fahrradschloss sind hoffentlich Sicherheit genug.

Der Tunnel unterm Hauptbahnhof

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Das größte Problem am Fahrradfahren sind die Auotfahrer. Besonders im stressigen Morgenverkehr checken die meisten nicht, dass ein „Ach, da passe ich noch durch!“ für uns Radfahrer ohne die tonnenschwere Rüstung eines Autos gleichbedeutend mit einem fahrlässigen Angriff auf unsere Gesundheit ist. Und wofür? Für die 300 Meter bis zu nächsten roten Ampel? Daher versuche ich meine Routen so zu optimieren, dass ich möglichst wenig gemeinsame Fahrbahn mit Autos habe. Dieser wenig attraktive Tunnel unterm Frankfurter Hauptbahnhof schaffte es so auf meinen Arbeitsweg.

Das Gerippte

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Attraktiver wird es kurz darauf am Westhafen. Die Frankfurter nennen den Westhafentower das Gerippte, weil die rautenförmigen Fenster das Muster des traditionellen Apfelweinglases aufgreifen. Bei der Brücke da vorne rechts hatte ich dafür gleich wieder eine unangenehme Begegnung mit einem Auto. Die Brücke ist so schmal, dass zwei Autos nur mit Mühe aneinander vorbeikommen. Dennoch hielt eine Fahrerin es für eine gute Idee, sich zwischen mir und einem entgegenkommenden Rad durchzuquetschen. Na, herzlichen Dank!

Der Main

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Aber dann bin ich die Autos los und kann den Rest des Weges an der Mainpromenade entlang zur Arbeit fahren. Bei gutem Wetter ist die allerdings schon morgens recht voll. Besonders weil die Flusskreuzfahrtschiffe (wie das da vorne links) morgens Touristenladungen ausspucken, die dann auf dem Weg in fetten Trauben rumstehen, um den richtigen Regenschirm zum Hinterherdackeln zu suchen. Wenn ich mich da durchquetschen muss, schwanke ich immer zwischen dem misanthropen Wunsch, die alle umzufahren und der Erkenntnis, dass ich dann nicht besser bin als die Autos, die mich so nerven.

Fahrradtouristen

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Nur zwei Plätze waren gestern an den Radständern unserer Agentur noch frei! Sonst steht hier nur eine Handvoll Räder. Einerseits ist es ja erfreulich, dass die Menschen bei gutem Wetter radfahren, andererseits sind Fahrradtouristen die Pest! Dadurch, dass wir alle Radfahren schon als Kind gelernt haben, vergessen die meisten, dass im Straßenverkehr mehr Kompetenz dazu gehört, als in die Pedale zu treten. Menschen, die nur ein- oder zweimal im Jahr fahren, machen dann so Blödsinn wie im Schritttempo nebeneinanderfahren oder auf dem Radweg mit Gegenverkehr links fahren. Sie wissen offenbar nicht dass sie auf den Gegenverkehr achten müssen, wenn auf ihrer Bahn ein Hindernis ist und nicht einfach rüberziehen können. Sie biegen ohne jeden Hinweis plötzlich ab oder bleiben mitten auf dem Weg stehen, am besten noch, um mit einem Entgegenkommenden einen Plausch zu halten, sodass dann der gesamte Radweg blockiert ist. Nein, nein, nein, Fahrradtouristen sind wirklich nervig.

Arbeitsplatz

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Jetzt aber schnell zur Arbeit! Ich habe mich so verquatscht, dass ich schon ein bisschen spät dran bin. Schickes Treppenhaus, oder?

Kranke Kinder sind krank

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Die Dame schickte mir das Foto von diesem Gipsarm. 🙁 Das Problem ist, dass meine Tochter (8) gerade im „der Junge und der Wolf“-Alter ist. Sie hat entdeckt, dass Krankheiten helfen, um bestimmten Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Ich kenne das Phänomen noch aus meiner Kindheit und glaube nicht, dass meine Tochter bewusst oder gar intrigant Krankheiten vorspielt. Aber Psychosomatik is a bitch! Und wenn du dich nur lange genug auf deinen Bauch konzentrierst, wirst du den Schmerz entdecken. Jedenfalls habe ich das Kind schon mehr als einmal wegen Bauch- oder Kopfweh aus der Schule abgeholt, um dann festzustellen, dass die Schmerzen kurz darauf verflogen waren. Auch dieser Gips ist bereits der zweite, bei der die Ärztin sagte, dass sie nichts auf den Röntgenaufnahmen finden kann, aber das meine Tochter Schmerzen hat, bekommt sie halt einen Gips. Dass gerade aufgrund der letzten Schulwoche die Motivation morgens das Haus zu verlassen nicht die höchste ist und dass die Dame derzeit zu Hause ist, um unsere fiebrige Tochter (1) zu hüten, passt eben ins Bild … Andererseits sagte die Ärztin auch, dass Kinder vorsichtshalber mit geringerer Intensität geröntgt werden. Entsprechend kann da ein feiner Bruch sein, der unentdeckt bleibt …

Mittagspause

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Mittagspause im Sommer sind schön. 🙂 Am Main sitzend, gute Musik auf den Ohren und ein gutes Buch auf dem Kindle. Was willst du mehr? Besonders wenn du, so wie ich, einen „Irgendwas mit Social Media“-Job hast, liest du tagtäglich Texte von Menschen, die nur latent literalisiert wurden. Dann in der Pause ein paar wirklich geschliffene Sätze zu lesen, ist wie ein Urlaub fürs Gehirn.

Skyline

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Auf dem Heimweg ist das Mainufer noch voller, aber jetzt habe ich ja Zeit. Der gecrosste Ailan Kurdi wurde mittlerweile übrigens durch ein neues Bild ersetzt: Ein kleiner Junge im Himmel mit lauter Teddybären um sich herum. Die schwarzen Haare und das rote T-Shirt sind für alle Wissenden Hinweis genug, wer dort dargestellt ist. Ich finde allerdings: Es ist leider nur gut gemeint, nicht gut gemacht und lege euch noch einmal meinen Text über das alte Graffito ans Herz.

Abendessen

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Supergesundes Abendessen! Mit Salat, Tomaten, Gurken … Nun gut, auch mit Frikadellen, Burgerbrötchen, Pommes und Ketchup. 😉

Hermine Granger

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Ich habe mir offensichtlich (und völlig zurecht!^^) den Ruf als Harry-Potter-Experte erarbeitet. Denn Christian von der Second Unit hat mich eingeladen, ihm die Reihe zu erklären. Demnächst dann auf dem sehr hörenswerten „Kanal“ der Unit. Dafür musste ich natürlich Hausaufgaben machen … Hier findet ihr zur Zeit mindestens fünf gute Gründe für meinen guten Ruf in Bezug auf Potter.

Basketballer sind eitel

Was ich heute gelernt habe #5

Anscheinend ist die beste Methode, im Basketball Freiwürfe auszuführen, der Unterhand-Freiwurf, da man bei ihm am meisten Feingefühl für den Wurf hat. Warum verwenden ihn dann nicht alle Spieler? Weil er scheiße aussieht! Anscheinend ist das tatsächlich der einzige Grund. Hier eines der seltenen Beispiele auf Video:

Offenbar war die NBA-Legende Wilt Chamberlain ein miserabler Freiwerfer, bis er anfing von unten zu werfen. Mit dieser Technik stellte er den bislang ungebrochenen Rekord von 100 Punkten in einem Spiel auf (insgesamt, nicht nur die Freiwürfe). Dennoch ließ Chamberlain diese Technik später wieder sein, kehrte zum konventionellen Wurf zurück und war wieder schlecht von der Linie! Warum? Weil die anderen Spieler sich immer über ihn lustig machten.

Quelle: This American Life.

Wie die Seven Nation Army ins Fußballstadion kam

Was ich heute gelernt habe #4

Richtig angefangen hat alles mit einem Verhörer von Jack White. Als Kind verstand er statt „Salvation Army“ immer „Seven Nation Army“. Schön, oder? Weiter ging es dann bei einem Konzert der White Stripes in Melbourne. Während des Soundchecks griff Jack den berühmten Riff, der heute durch alle Fußballstadien schallt.

2003 hörten dann Fans des FC Brügge vor einem Auswärtsspiel in Mailand den Song in einer Kneipe beim Vorglühen. Wahrscheinlich nicht zuletzt weil der FC gegen den AC gewann, brachten sie den Song mit zurück nach Belgien. Dort hörten ihn dann 2006 die Fans des AC Mailand und reimportierten ihn nach Italien. Dort breitete er sich in der Liga aus und landete letztlich auch bei den Fans der Nationalmannschaft, die ihn 2006 bei der WM in Deutschland anstimmten. Seitdem ist er nicht mehr wegzudenken aus den Stadien dieser Welt …

Ist das nicht eine schön europäische Geschichte am Tag des #Brexit?

Und weil Seven Nation Army so schön ist, gibt es ihn hier noch einmal in voller Länge:

Quelle: Schott Pop.

Ailan Kurdi wurde gecrosst. Von der Macht der Bilder

Meer. Strand. Ein Junge liegt dort. Noch ganz deutlich im Kleinkindalter mit hoher Stirn und pausigen Backen. Er liegt auf dem Bauch. Er schläft. Er trägt eine kurze blaue Hose. Das rote T-Shirt ist ein wenig hochgerutscht. Ein Bild, das wir jungen Eltern im nahen Sommerurlaub dutzendfach sehen werden, wenn unsere Kinder am Strand schlafen. Doch etwas ist schief an diesem Bild. Der Kleine ruht nicht auf einem Handtuch, ist in keine Decke gehüllt. Nein, er liegt direkt an der Wasserkante. Er schläft nicht. Er wird nie wieder schlafen …

Ihr alle kennt das Bild. Es ist das Bild des toten Ailan Kurdi, der auf der Flucht nach Europa ertrunken ist. Es ist ein Bild von maximaler Traurigkeit und Schönheit. Ich weiß, diese Worte klingen unerhört: „Das Bild des toten Ailan Kurdi ist schön.“ Aber klickt diesen Text bitte noch nicht empört weg. Bestürmt mich nicht schon jetzt mit Scheiße, sondern lasst mich erklären.

Seit März fuhr ich fast täglich an diesem Bild vorbei. Denn es war hier in Frankfurt überlebensgroß an einen Brückenpfeiler gesprüht. Dort, wo der Osthafen vom Main abzweigt. Ich bewunderte oft die Kunstfähigkeit der mir unbekannten Streetartists, die Ailan an einer Stelle platziert hatten, an der jeder und jede, die den Main hinaufkam, ihn sehen musste. Aber zugleich war das Grafitto so angebracht, dass mit dem beginnenden Frühling ein austreibender Busch Ailans Gesicht verbarg, wenn man sich an der Mainpromenade ihm näherte. Als wollte die Natur Ailan im Tod die Würde zurückgeben, die wir Menschen ihm im Leben versagt haben. So habe ich Ailan Tag für Tag gesehen. Mal habe ich ihm mehr Beachtung geschenkt, mal weniger. Dies ist das einzige Foto, das ich je von dem Graffito gemacht habe:

Das Bild des toten Ailan Kurdi

Das Bild des toten Ailan Kurdi

Zumeist eilte ich nur vorüber, denn ich hatte es eilig. Musste zur Arbeit. Musste zu meinen eigenen Kindern. Dabei habe ich mir oft vorgenommen, stehenzubleiben. Ein Foto zu machen. Es euch auf Instagram zu zeigen. #Frankfurt #Streetart. Aber nicht heute. Nicht jetzt. Ich muss weiter. Ich nahm Ailans Bild für gegeben. Es war da. Garantiert. Bis gestern. Gestern wurde Ailan Kurdi gecrosst.

Ailan Kurdi wurde gecrosst

Ailan Kurdi wurde gecrosst

Dort, wo noch vor zwei Tagen sein Gesicht zu sehen war, steht jetzt „Grenzen retten Leben!“ Ich war geschockt. Aber nur ganz kurz. Dann dachte ich: „Ja, so ist es richtig“. Versteht mich bitte nicht falsch! Nicht der Spruch ist richtig, der ist total bekloppt. Ich komme gleich darauf zurück. Nein, dass dieses riesige, wunderschöne und unendlich traurige Graffito gecrosst wurde, das ist richtig. Denn es sagt ebenso viel über diese Kunstform aus, wie über das, was das Bild repräsentierte.

Erinnert ihr noch als „Deutschland einziger Banksy!!!“ gecrosst wurde? An den Aufschrei, der durch die Medien ging: Dass ein Vandale unseren(!) einziegen(!!) Banksy(!!!) gecrosst hat!!!! Keiner der Feuilletonisten, die sich damals aufregten, hat Streetart verstanden. Die Vergänglichkeit ist Teil der Streetart. Das Crossen eines Graffitos ist schon bei seiner Entstehung mitgedacht. Der oder die Unbekannte, die den hinter Plexiglas „geschützten“ Banksy crosste, war kein bloßer Vandale. Es war exakt der Punkt, den sie machen wollte. Das Medienspektakel, dass einem Stoß aus der Sprühdose folgte, war das eigentliche Kunstwerk. Eine Performanz, die Beuys nicht entlarvender hätte inszenieren können.

Diese der Streetart inhärente Vergänglichkeit haben auch die Künstler beim Sprühen mitgedacht, die Ailan an einem Brückenpfeiler und eben nicht im Museum gerade nicht verewigt haben. Das Crossen des Grafittos war von Anfang an intendiert. Denn so drückt Ailans Bild noch etwas aus, dass es in den vergangenen Monaten noch nicht zum Ausdruck brachte: Vergänglichkeit. Streetart ist so flüchtig wie das Leben eines kleinen Kindes, das wir dem Mittelmeer überlassen.

Und noch mehr drückt das neue Kunstwerk aus: Die Macht der Bilder. Ihr alle kennt die Phrase „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ und allzu oft ist sie bloß hohl. Je konventieller ein Bild ist, desto weniger sagt es. Die Piktogramme an Toiletten sagen genau ein Wort: „Frau“ beziehungsweise „Mann“. Aber es gibt Bilder, die stark sind. Bilder, die Macht haben. Das Bild des toten Ailan Kurdi ist ein solches Bild. Das zeigt nichts besser als der Spruch, der da jetzt verkündet: „Grenzen retten Leben!“

Da stehen diese drei Worte auf dem verstümmelten Kunstwerk und sind doch so viel jämmerlicher. Sie bringen keine Argumente. Jeder und jede, die vorbeigeht, fragt sich zwangsläufig: Warum? Dort ist doch sofort der Gegenbeweis zu sehen! Das Bild wiederum hatte es nicht nötig, so eine plumpe Botschaft hinauszukrakelen. Dort stand nicht unter dem gesprühten toten Körper „Öffnet alle Grenzen“. Nicht einmal „Refugees welcome“ stand dort. Das Bild war nur da. Es war nur das Bild eines toten Jungen. Keine Forderung, keine These war damit verbunden. Und doch war es so stark, dass es irgendjemand nicht mehr ausgehalten hat, diesen schönen toten Körper zu sehen. Irgendjemand fühlte sich so provoziert, dass er bei Nacht und Nebel auf die Landzunge hinunterkletterte und dort seine jämmerliche Botschaft platzierte.

Er wusste es vielleicht nicht, als er es machte. Doch als er den kläglichen Versuch, sein Weltbild zu verkünden, von Land aus betrachtete, muss ihm aufgefallen sein, wie verloren sein Sprüchlein war. Denn um so vieles stärker war, nein, ist das Bild: Ohne These, ohne dumme Forderung erzählt das Bild vom Scheitern Europas. Mit dem kläglichen Sprüchlein auf dem Gesicht ist es nur noch stärker. In seiner stummen Repräsentation entlarvt es, gerade weil es nie mit einer Botschaft verbunden war, den Spruch „Grenzen retten Leben!“.

Das Bild des toten Ailan Kurdi ist und bleibt ein stummer Vorwurf. Ohne Worte erzählt es die Geschichte eines Kindes, das vor Krieg und vor dem IS floh. Jenem IS, der uns so furchtbare Angst macht, wenn er mal eine Bombe in einer unserer Städte zündet. Es ist der gleiche IS, der täglich Ailans Heimat bombardiert. Doch weil wir zu kleingeistig, zu kleinherzig, zu mutlos, zu angstvoll sind, musste Ailan Kurdi sterben. Keine Worte können überpinseln, dass wir für Ailans Tod die Verantwortung tragen. Mit dieser ihm inneliegenden Macht ist das Bild vom toten Ailan Kurdi zugleich unendlich traurig und doch so schön.

Der Erdbeermond war ein Hoax

Was ich heute gelernt habe #3

Auch ich habe gestern die Geschichte vom seltenen astronomischen Ereignis „Erdebeermond“ weiterverbreitet. Stellt sich raus: Ist alles Blödsinn!

Die Sternwarte Hannover klärte auf, dass der Mond immer bei Auf- und Untergang rötlich ist, wegen der sogenannten „atmosphärischen Extinktion“ – das hat auch nix mit Vollmond zu tun. „Erdbeermond“ ist ferner einfach nur der Name für einen Vollmond im Juni. Vermutlich, weil da Erdbeeren wachsen … Aber vor allem:

Sommeranfang 2016 ist am 21. Juni um 00:34 MESZ, Vollmond war aber am 20. Juni 2016 um 13:03 MESZ – das ist nicht mal am selben Tag!

Quelle: Sternwarte Hannover

Für wen das keine Neuigkeit war, der oder die freut sich vielleicht über diesen Tweet:

Dumm gelaufen, dieser Brexit …

John Oliver widmet sich gewohnt brillant dem Brexit. Besonders lustig wie zutreffend ist seine Analyse, dass sich durch den Brexit für die Briten quasi nichts ändern wird, außer dass sie nicht mehr mitbestimmen dürfen.^^ Die Kosten, die sie jetzt haben, werden nicht eingespart, sondern durch die entstehenden Handelshemmnisse ausgeglichen. Die Grenzen können sie nicht dicht machen, da es zu viele Pendler zwischen der Insel und dem Festland gibt. Aber vor allem werden sie auch der berüchtigten Überregulierung von Produkten durch die EU nicht entkommen. Denn britische Händler werden ja nicht aufhören, ihre Ware nach Europa zu verkaufen, bloß weil ein paar Nationalisten hohen Puls haben. Aber was müssen die Händler machen, wenn sie in die EU exportieren wollen? Richtig! Sich an die Regulierungen halten … Hier das Video in voller Schönheit:

Passend dazu auch dieser schöne Tweet:

It’s not about dick, it’s about love …

Was ich heute gelernt habe #2

Ihr alle kennt den Auftakt von Reservoir Dogs mit der berühmten Diskussion über „Like a Virgin“:

Ich habe just gelernt, dass Madonna Quentin Tarantino später eine handsignierte Single von „Like a Virgin“ geschenkt hat. Die Widmung lautete:

„To Quentin. It’s not about dick, it’s about love. Madonna“

Quelle: Indiewire.