12 von 12 im März 2017

Nachdem ich im letzten Monat nicht dazu kam, sind hier wieder 12 Bilder von meiner 12. des Monats!

Erstmal einen Kaffee

Um sieben Uhr begann der Tag. Meine Tochter (2) war schon am Abend zuvor in unser Bett gekrochen – sie sieht zurzeit nicht ein, allein in ihrem kalten Bett zu pennen, wo es bei Mama und Papa doch viel schöner ist! Um 6 Uhr kam dann auch die Neunjährige und kuschelte sich zu uns, woraufhin es doch recht eng wurde. Daher meine Bettflucht.

Aber mit dem Kaffee kehrte ich dann aber noch einmal zurück.

Die Dame ging joggen und anschließend frühstückten wir. Beziehungsweise die anderen drei – ich versuche noch immer ein paar Weihnachtsplätzchen wieder loszuwerden und verzichtete daher auf Frühstück. Gut, zwei angefangene Joghurts wollten die kleinen Feinschmeckerinnen nicht aufessen, weswegen ich mich erbarmte. So ging ich dann doch nicht ganz leer aus.

Putzen und Waschen

Ganz unchristlich machte der Agnostiker, der ich bin, dann erst einmal den Haushalt an einem Sonntag. Die Dame war gestern den ganzen Tag mit Freundinnen unterwegs, weswegen ich mit den Töchtern das schöne Wetter nutzte und auf den Spielplatz am Hafenpark an der EZB ging – auf jeden Fall eine Empfehlung.

Da die Dame und ich aber beide berufstätig sind, blieb mir nichts anderes übrig, als meine liegengebliebenen Haushaltspflichten am heiligen Sonntag zu erledigen!

Mittagsschlaf

Meine Tochter (2) hat eigentlich gerade eine absolute Mama-Phase: Wickeln, am Tisch neben ihr sitzen oder zu Bett bringen – alles soll die Mama machen. Aber das kommt bei uns nicht in die Tüte. Die Dame und ich wechseln uns ab, ob das der Kleinen gefällt oder nicht, so lautet nun einmal unser Familienvertrag. Nach anfänglichen verhaltenen Protesten ging dann der Mittagsschlaf auch ganz easy.

Die Dame ging mit unserer Tochter (9) ins Kino – es gab den Lego-Batman-Film. Er war wohl ganz lustig. Ich nutzte die Kinderpause hingegen, um eine Podcastfolge vorzubereiten. Ausnahmensweise war es keine Spätfilm-Folge. Ich bespreche mit Christian von der Second Unit alle Harry-Potter-Filme. Das machen wir in seinem Podcast. Angelangt sind wir beim fünften Film: Der Orden des Phoenix (Link zu meiner Besprechung des Buchs).

Irgendwann entschloss sich meine Tochter dann aufzustehen … nur um noch ein zweites Nickerchen auf meinem Schoß einzulegen.

Eiszeit und Badezeit

Aber früher oder später ist auch der längste Mittagsschlaf vorbei. Für mich gab es Kaffee und …

… die anderen Drei aßen Eis. Mit Waffel! Das war meiner Tochter (2) ganz wichtig. Ich verzichtete – ihr wisst schon: die Weihnachtsplätzchen.

So ein Kleinkind ist so ein Eis ja nicht nur mit dem Mund sondern mit Leib und Seele. Daher war es nach dem Eis an der Zeit für eine Ganzkörperreinigung. Auch wenn die Kleine natürlich nach der Mama verlangte, übernahm ich den Job. Das Waschen der Kinder erst kürzlich in meinen Haushaltsaufgabenkatalog eingetragen worden. Außerdem lässt die Kleine sich von mir die Haare waschen, ohne zu schreien. Normalerweise … Nach ihr ließ ich mir selbst noch ein Bad ein und las Neil Gaimans siebten Sandman-Band „Brief Lives“ zu Ende – neben dem vierten Teil der bislang beste.

Netflix and chill

 

Nach dem Abendessen brachte die Dame ihre Tochter (2) ins Bett, während ich die Zeit, die meine Tochter (9) im Bad brauchte, nutzte, um eine Folge der Serie Love auf Netflix zu gucken. Die Serie ist ganz nett, aber nicht überragend. Wie es der Titel schon verrät, geht es um die Liebe und ihre Tücken jenseits der ausgetretenen Rom-Com-Pfade: Alles ist etwas komplizierter und weniger perfekt. Das mag ich.

Wir lesen uns hoffentlich nächsten Monat wieder.

Probleme von Platons Ideenlehre

Der Titel spoilert schon ganz heftig. Heute soll es um die Probleme von Platons Ideenlehre gehen. Nachdem wir in den Posts zu Metaphysik und der Suche nach dem sicheren Wissen erfahren haben, warum die Ideenlehre notwendig erscheint und nachdem wir sie kennengelernt haben, zeige ich diesmal, dass die Ideenlehre eben auch nicht eitel Sonnenschein ist, sondern den Philosophen einiges Kopfzerbrechen bereitet. Daher sollten wir sie noch nicht mit dem Stempel „Wahrheit“ versehen.

Ich widme mich zunächst einem Argument, das Platon selbst in seinem Dialog Parmenides vorträgt. Dann gehe ich aber zu allgemeineren Problemen über mit mathematischen Figuren, der Idee der Schönheit und jenen Ideen von konkreten Gegenständen. Am Ende betrachte ich noch kurz den Unterschied zwischen Eigenschaften und Relationen. Ihr kennt das Spiel, hier gibt es das Video, darunter das Transkript:

Die Argumente aus dem Parmenides

 

Wir hatten beim letzten Mal die Ideenlehre kennengelernt sowie ein paar gute Gründe, um an die Existenz von Ideen zu glauben. Aber zugleich hatte ich auch immer mal wieder angedeutet, dass ich persönlich nicht unbedingt der größte Fan des Platonismus bin. Daher möchte ich euch heute mal einige Probleme im Zusammenhang mit dieser Theorie aufzeigen.

Platon nennt in seinen späten Dialogen selbst einige Argumente gegen die Ideenlehre. Allerdings bekomme ich bei diesen Beispielen von Platon oft einen Knoten ins Gehirn, daher will ich von Platons Punkten nur einen Aufgreifen und mich eher auf allgemeinere Probleme konzentrieren.

Im Dialog Parmenides lässt Platon eben diesen berühmten Vorsokratiker das Argument gegen die Ideenlehre vortragen, über das ich sprechen möchte. Eine interessante Randnotiz ist hier übrigens, dass der Parmenides einer der wenigen Dialoge ist, in dem Sokrates mal nicht am Ende Recht behält.

Parmenides‘ Argument geht so: Einer Idee stehen jeweils viele Erscheinungen gegenüber. Daraus folgt entweder, dass jede Erscheinung an der gesamten Idee teilhat oder dass jede Erscheinung nur an einem Teil der Idee teilhat. Soweit, so logisch: Es gibt nur diese beiden Möglichkeiten. Ich kann nur behaupten, dass ich „Der Marsianer“ gelesen habe, wenn ich entweder das gesamte Buch oder einen Teil gelesen habe, nicht jedoch wenn ich es gar nicht gelesen habe. Klar?

Aber Parmenides fährt fort, dass egal welche der beiden Möglichkeiten wir annehmen, beide führen dazu, dass man die Einheit der Idee aufgeben muss. Es sei nicht möglich, dass die gesamte Idee an vielen verschiedenen Dingen teilhabe. Entsprechend müsse man viele verschiedene Ideen annehmen. Das ist mir schon nicht mehr klar: Wenn wir uns erinnern, dass Platon das Verhältnis von Idee und Erscheinung als Abbildverhältnis beschreibt, dann haben wir schon ein perfektes Gegenbeispiel, in dem ein Urbild zu unzähligen Abbildern führen kann. Gebt einfach mal „Eifelturm“ in die Google-Bildersuche ein. Selbst wenn wir nur auf natürlich Abbilder gucken, so kann ein Ding mehrere Schatten werfen oder mehrere Spiegelbilder haben.

Anyway … Der zweite Teil von Parmenides‘ Gegenargument ist einleuchtender: Wenn jede Erscheinung nur an einem Teil der Idee teilhat, dann kann die Idee nicht unteilbar sein. Teilt ihr diesen Teil der Argumentation? Übrigens lässt Platon Parmenides hierfür als Beispiel das Bild eines Segeltuches verwenden, dass über viele Menschen geworfen wird und auf sie fällt. Ich habe mal gehört, dass unsere Redewendungen „etwas ist der Fall“ und „etwas fällt darunter“ auf dieses Bild von Platon zurückgeht. Allerdings habe ich keinen Beleg dafür finden können, weswegen ich das hier mal einfach als Legende stehen lasse.

Im Dialog Parmenides finden sich noch viele Argumente, er ist also auf jeden Fall eine Lektüre wert, aber ich will jetzt, wie gesagt, etwas allgemeiner über die Probleme der Ideenlehre sprechen.

Eine metaphysische Unterstellung

Meine größte Schwierigkeit mit der Ideenlehre ist, dass sie eine metaphysische Unterstellung ist. Lasst mich das erklären: Wir können mit unserer Sprache einerseits auf konkrete Einzeldinge verweisen, wie beispielsweise auf eine DVD von Inglourious Basterds. Andererseits haben wir aber auch Allgemeinbegriffe wie „Film“. Auf was verweisen die? Gute Frage …  Eine mögliche Antwort sorgt dafür, dass es gute logische Gründe gibt, von der Existenz von Ideen auszugehen. Wenn ich über die DVD von Inglourious Basterds spreche, dann ist (verkürzt gesprochen) Der Gegenstand Inglourious Basterds die Bedeutung des des Wortes „Inglourious Basterds“. Wenn wir jetzt versuchen, dazu analog einen Gegenstand zu finden, der die Bedeutung des Allgemeinbegriffs ist, dann gibt es diesen nicht in der Welt. Entsprechend ist es nicht ganz unplausibel, zu sagen, dass die Bedeutung von „Film“ die Idee des Films ist.

Soweit, so gut. Aber da wir sie per Definition nicht wahrnehmen können, ist jede Spekulation darüber, was eine Idee ist und welche Eigenschaften sie hat, komplett unbegründet. Platon kann natürlich hingehen, und die Idee des Schönen definieren, wie wir das letzte Mal sahen, aber was wenn ich jetzt eine andere Definition für die Idee des Schönen gebe? Was zum Beispiel, wenn ich wieder sage, die Idee des Schönen sieht aus wie Brokkoli? Wie können wir dann entscheiden, wer Recht hat? Der Witz ist ja, dass wir auf nichts in der Welt als Argument verweisen können, da sich die Idee nicht in der Welt zeigt.

Ich finde, der Begriff des Schönen ist sehr gut geeignet, um dieses Problem zu veranschaulichen, da alle Menschen anderer Meinung sind, was schön ist. Ich finde zum Beispiel Streetart sehr schön, von vielen wird sie aber nur als Schmiererei angesehen.

Mathematische Begriffe und Gegenstände

Das Problem wird komplexer, wenn wir von abstrakten Begriffen wie „Schönheit“ zu mathematischen Begriffen übergehen. Eben sagte ich ja, dass Platon annimmt, dass es zu jeder Erscheinung nur genau eine Idee gibt: Nehmen wir an, es gibt die eine Idee der perfekten Geraden. Sicher gibt es dann auch die Idee des perfekten Schittpunkts. Oder? Aber wie soll das möglich sein, wenn wir nur EINE Idee der Geraden haben? Platons These ist also nicht haltbar. Wir brauchen für den Schnittpunkt schon zwei Ideen für Geraden. Das Problem potentiert sich, wenn wir anfangen, zu überlegen, welche verschieden Schnittpunkte es gibt. Statt zwei Geraden, kann eine Gerade auch einen Kreis schneiden, zwei Kreise können sich schneiden, Kurven können sich schneiden, etc.

Gibt es für jede denkbare Kombination von geometrischen Figuren eigene Ideen? Aber es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Kann es unendlich viele Ideen geben?

Doch richtig schlimm wird es, wenn wir uns den von Menschen gemachten Gegenständen zuwenden: Hat die Idee des Stuhls drei oder vier Beine, hat sie Armlehnen und eine durchgehende Rückenlehne? Ich bin stark dafür, dass sie eine durchgehende Rückenlehne haben sollte! Gibt es nur die Idee des perfekten Smartphones oder gibt es die Idee des iPhones, des Android Handys, des Blackberrys und am Ende sogar die Idee des Windows Phone?!?! Und wenn es die Idee des iPhones gibt, ist dann das iPhone 7 näher an der Idee als das iPhone SE?

Und was ist mit Dingen, die an sich schon einfach nur scheiße sind? Gibt es von denen dennoch Ideen? Gibt es die Idee von Google Glasses? Vom Selfie-Stick? Vom Tamagotchi? Der Atombombe? Gibt es am Ende sogar die Idee des perfekten Haufens Scheiße?

Eigenschaften und Relationen

Schließlich kommen wir noch zum Problem, dass Platon auch von relationalen Begriffen annimmt, dass es von ihnen Ideen gibt. So sagt er zum Beispiel, dass es die Idee der Größe gibt. Etwas, das groß ist, etwa Dirk Nowitzki, hat demnach viel Anteil an der Idee der Größe. Die Idee der Größe aber ist per Definition die absolute Größe, die nicht größer sein könnte. Das Problem daran ist, dass Platon damit alle Begriffe über einen Kamm schert. Aber es gibt verschiedene Formen von Begriffen. Es gibt nicht nur Eigenschaften, wie zum Beispiel „gestreift sein“, es gibt zum Beispiel auch so etwas wie Relationen und genau das ist der Begriff „groß“. Etwas ist immer nur groß in Bezug auf etwas anderes. Dirk Nowitzki ist verglichen mit mir groß. Aber verglichen mit einem Sternenzerstörer ist er superklein. Die Größe an sich unabhängig von einer konkreten Relation anzunehmen, ist vollkommen unsinnig.

Ihr seht, die Ideenlehre hat viele Probleme. Was machen wir also damit? Schmeißen wir sie auf den Müllhaufen der Philosophiegeschichte? Nun, das wäre vielleicht nicht das Schlauste. Denn obwohl sie so viele Probleme hat, löst sie uns auch genauso viele. Das ist der Grund, warum wir sie nach 2.300 Jahren noch immer diskutieren. Und welche Probleme genau gelöst werden, davon werde ich euch ab dem nächsten Mal erzählen.

Literatur

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Politische Aufmerksamkeit

Ich habe neulich, als Bernd [sic!] Höcke sein Weltbild vollends entblößt hat, hier geschrieben, dass wir Rechtspopulisten keine Aufmerksamkeit schenken dürfen. Aufmerksamkeit ist in der Mediendemokratie ein kostbares Gut, denn am Ende bleibt bei den Zuschauern und Zuschauerinnen meist nicht die Botschaft hängen, sondern, dass die Meinung relevant genug war, um gesendet zu werden. Um Marshall McLuhan unverantwortlich aus dem Kontext zu reißen: The media is the message.

Rechtspopulisten nutzen genau das aus, indem sie bewusst provokante Äußerungen tätigen, damit Medienpräsenz erlangen und dann im nächsten Schritt auf eine vermeintlich gemäßigtere Position zurückrudern („wir wurden falsch zitiert“, „das wurde aus dem Kontext gerissen“ oder „meine Maus ist ausgerutscht“). Neben der Tatsache, dass sie sich ins Gespräch gebracht haben, schaffen sie mit diesem Spiel noch etwas zweites: Sie verschieben den Diskurs weiter nach rechts, indem sie bislang „unsagbare“ Thesen aufstellen und so überhaupt erst einmal ins Gespräch bringen. Unter diesem Gesichtspunkt ist es übrigens – um kurz abzuschweifen – schön, dass die SPD mit Martin Schulz anscheinend endlich einen starken Kamzlerkandidaten gefunden hat und so den öffentlichen Diskurs endlich wieder weiter nach links rückt.

Auch bei Höckes vollkommen bekloppten Äußerungen über das Holocaust-Mahnmal ließ sich das Spiel der Rechtspopulisten beobachten. Das geschah dahingehend, dass zum Beispiel der Versuch gestartet wurde, sie zu legitimieren, indem gesagt wurde, dass ja Rudolf Augstein quasiiiiiiii schon mal genau das gleiche gesagt hat. Es handelt sich hierbei um den beliebten Sophismus des Namedroppings. Wenn schon Augstein das gesagt hat, dann kann es doch gar nicht so schlimm sein! Es handelt sich hierbei um einen Sophismus, also eine manipulative Argumentationsfigur, weil der Name Rudolf Augstein nichts über den Inhalt des Satzes aussagt. Was Höcke und Augstein gesagt haben, war antisemitisch und nicht mit unseren Werten vereinbar.

Höcke, Augstein und das „Denkmal der Schande“

Auch die Diskussion über das Aleppo-Mahnmal in Dresden, schlägt hier übrigens in die gleich Kerbe. Zeigt Sie doch den gleichen Trend auf: Ein Kunstwerk, das Pazifismus exemplifiziert und sich gegen das Verdrängen eines Krieges vor den Toren Europas ausspricht, wird vollkommen irrational scharf angegriffen. Der Diskurs wurde erneut erfolgreich nach rechts verschoben.

Dennoch habe ich mich geirrt! Die Reaktionen auf Höcke waren erfreulich anders, als ich es erwartet hatte. Die Zustimmungswerte für die AfD fallen in den Umfragen, Höcke droht sogar der Parteiausschluss und das Land Hessen überlegt, wie es verhindern kann, dass dieser Revisionist weiter als Geschichtslehrer arbeiten darf. Offensichtlich hatte Sascha Lobo recht, dass Höckes Rede einfach zu entlarvend war. Allerdings prognostiziere ich, dass Höckes Rede noch nicht die letzte Provokation im Wahljahr war. Stattdessen können wir immer wieder damit rechnen, dass die AfD so oder ähnlich agieren wird. Sie selbst haben dies verraten.

Diesmal ist ihr Spiel nicht aufgegangen. Der Skandal war zu groß, sodass sie die Empörung nicht mehr einfangen konnten. Aber auf Dauer wird dieses Rezept nicht funktionieren. Empörung nutzt sich zu schnell ab. Was uns gestern noch unerhört schien, ist für uns heute schon Normalität

Also was tun? Wie ich das sehe gibt es zwei Strategien. Zum einen ist es – dabei bleibe ich – schlau, den Provokateuren einfach keine Aufmerksamkeit zu schenken und die Provokation so ins leere laufen zu lassen. Wir dürfen nicht über ihre Themen reden sondern über unsere! Lasst uns die Agenda setzen und nicht anderen hinterherlaufen!

Doch in den letzten Wochen wurde mir ein zweiter Weg vor Augen geführt, den ich wunderbar effektiv finde: Humor. Das ist natürlich weder ein Geheimnis noch ist es neu. Aber sich über Rechtspopulisten lustig zu machen, scheint tatsächlich zu funktionieren, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Wenn die Witze gut sind, dann nutzen sie sich nicht so ab, wie es die Empörung tut. Und ein rechter Populist wird sich immer wohler fühlen, wenn er dämonisiert wird, als wenn er zum Hampelmann verkommt.

Der Beweis dafür muss natürlich noch erbracht werden, aber was in den letzten Wochen in Amerika abgeht, stimmt mich positiv. Saturday Night Live, Last Week Tonight und Co. sowie der Spott des gesamten Netzes wie zuletzt bei #lastnightinsweden heizen Trump schön ein und dessen Tweets und Äußerungen zeigen genauso wie seine Beliebtheitswerte, dass das an ihm nagt.

Mein Aufruf im Wahljahr ist: Lasst uns die AfD entweder ignorieren oder über sie lachen.

Platons Ideenlehre

Nun ist es endlich soweit! Nachdem es beim letzten Mal um die Suche nach sicherem Wissen ging, bin ich in meiner kleinen Reise durch Platons Philosophie bei seiner Ideenlehre angelangt. Hier gibt es das Ganze wie gehabt als Video oder darunter als Transkript:

 

Vorbemerkungen zur Ideenlehre

Nachdem ich bis jetzt nur um den heißen Brei herum geredet habe, will ich genau damit weitermachen! Denn zunächst ist es wichtig zu erwähnen, dass es DIE Ideenlehre bei Platon genau genommen nicht gibt. Es gibt von Platon Dialoge über Staatsführung, über das Gute, über richtige Argumentation, über Erkenntnis und sogar über die Liebe. Aber es gibt nicht den einen Ideendialog, in dem Platon dann sagt: Hallo Leute, was ich euch schon immer mal erzählen wollte – ich hab da dieses tolle metaphysische System, das sich die Ideenlehre nennt.

Nein, das, was wir ‚die Ideenlehre‘ nennen, muss aus vielen verschiedenen Dialogen zusammengesucht werden und durch Schlussfolgerungen und womöglich sogar Spekulationen ergänzt werden. Es gibt bei Platon nicht das eine zusammenhängende System, das mit dem Stempel ‚Ideenlehre‘ versehen ist. Im Gegenteil! In seinen späten Dialogen lässt Platon seine Dialogpartner des Öfteren gegen die Ideenlehre argumentieren und auf Ungereimtheiten verweisen. Das führt dazu, dass verschiedene Platon-Experten meinen, man sollte komplett auf den Begriff Ideen-„Lehre“ verzichten.

An dieser Stelle muss ich außerdem erwähnen, dass Platon eigentlich zwischen Ideen und mathematischen Gegenständen unterscheidet. Wir sahen dies bereits im Liniengleichnis. Allerdings leuchtet mir diese Unterscheidung nicht zu 100% ein. Zum einen sind die mathematischen Gegenstände eines der besten Argumente für den Platonismus, wie wir sehen werden. Zum anderen schreibt Platon den mathematischen Gegenständen so ziemlich alle Eigenschaften zu, die er auch den Ideen zuschreibt. Daher werde ich im Folgenden nur von Ideen sprechen und ihr könnt euch „und die mathematischen Gegenstände“ dann immer dazu denken.

Die Ideenlehre

Aber jetzt kommen wir endlich zur berühmten Ideenlehre, nachdem ich mich solange nicht auf sie festlegen wollte, als wäre ich auf der Suche nach einem SPD-Kanzlerkandidaten.

Platons Grundthese lautet folgendermaßen: Zusätzlich zu unserer Welt – die er die Welt der Erscheinungen nennt – gibt es noch eine zweite Welt, die Welt der Ideen. Die Erscheinungen stehen zu den Ideen in einem Abbildverhältnis. Platon stellt sich das so ähnlich wie das Verhältnis von Schatten oder Spiegelbildern zu Gegenständen vor. Gäbe es die Idee eines Gegenstandes nicht, dann gäbe es auch nicht seine Erscheinungen in unserer Welt. Ferner gibt es eine doppelte Abhängigkeit unserer Welt von der Welt der Ideen: Erstens ist die Idee der Grund für die Existenz einer Erscheinung und zweitens ist sie der Grund für die Erkennbarkeit der Erscheinung.

Puh, das ist schon wieder so ein Satz, der mir einen Knoten ins Gehirn macht. Auf mich wirkt es nämlich doppelgemoppelt, dass Platon diese beiden Aspekte betont. Folgt denn die Erkennbarkeit nicht aus der Existenz? Nun, die Erkennbarkeit ist Platon zumindest ziemlich wichtig, mindestens so wichtig, wie sein Apfelkuchenrezept. Wahrscheinlich, weil er sie braucht, um seine These von der Unsterblichkeit der Seele zu begründen. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Die Begründung für die Ideenlehre

Okay, das ist also Platons These: Es gibt Ideen und Erscheinungen und Erscheinungen sind die Abbilder von Ideen. Ideen ermöglichen sowohl die Existenz als auch die Erkennbarkeit von Erscheinungen. Aber wie ich beim letzten Mal schon sagte, Thesen reichen uns nicht, denn wir sind Philosophen! Was wollen wir? Richtig: Begründungen! Welches Argument hat denn Platon für die Existenz von Ideen?

Eines der besten Argumente ist der Status von geometrischen Figuren. Ein Kreis lässt sich beispielsweise so definieren: Eine zweidimensionale geometrische Figur, bei der alle Punkte gleich weit vom Mittelpunkt entfernt sind. Das Problem ist nur: Wir werden in der Welt (also in unserer Welt der Erscheinungen) nie einen echten Kreis finden. Die kleinste Unebenheit des Untergrundes oder der kleinste Fehler beim Ziehen können ja schon dafür sorgen, dass nur ein einziger Punkt näher am Mittelpunkt ist oder eben weiter weg. Daraus können wir zwei Schlüsse ziehen: Entweder gibt es keine Kreise in der Welt oder die Definition des Kreises ist falsch. Beides ist ziemlich abwegig, denn wenngleich ein gezogener Kreis nie perfekt ist, wird euch jede Ingenieurin bezeugen können, dass unsere unperfekten Kreise ziemlich gute Arbeit leisten. Genauso wird euch jede Mathematikerin bestätigen, dass man mit der Formel Pi x Durchmesser ganz Spitze den Umfang eines Kreises berechnen kann. Also kann hier etwas nicht stimmen: Wir haben irgendwo einen Fehler gemacht. Unsere Schlussfolgerung, dass es entweder keine Kreise gibt oder die Definitionen, die wir von Kreisen haben, falsch sind, muss fehlerhaft sein. Gibt es vielleicht noch einen dritten Schluss, den wir aus den beiden Erkenntnissen ziehen können? Ja, den gibt es: Unsere Definition bezieht sich auf die Idee des Kreises. Und all die fehlerhaften Kreise in der Welt sind eben nur Abbilder dieser Idee.

Platon nimmt aber nicht nur für mathematische Figuren an, dass sie Abbilder von Ideen sind. Er nimmt dies zum Beispiel auch für Werte an, wie zum Beispiel die Idee des Guten, die ja in den drei Gleichnissen die zentrale Rolle spielte. Wenn wir beurteilen wollen, ob ein Mensch gut ist, dann müssen wir ihn oder sie an der Idee des Guten messen, genauso wie wir den Kreis in der Erscheinungswelt an der Idee des Kreises messen müssen. Und genau wie der Kreis so wird in der Erscheinungswelt auch das Gute nie in Perfektion erscheinen, sondern immer nur ein mehr oder weniger fehlerhaftes Abbild sein. Ich werde das in meinen Folgen zur Ethik von Platon noch weiter begründen. Hier nur so viel: Wenn es keine objektive Idee des Guten gäbe, dann würde daraus folgen, dass jeder Mensch sich seine eigene Ethik machen kann. Das heißt, es würde uns jedes Argument fehlen, um darzulegen, dass etwas Mord, Kindesmissbrauch oder sogar der Holocaust eine schlechte Sache sind beziehungsweise waren. Unser Gegenüber könnte immer sagen: Nun, das ist vielleicht deine Meinung, aber ich sehe das anders.

Wie gesagt, zur Ethik kommen wir noch ausführlich. Nun zurück zur Ideenlehre, denn Platon geht noch weiter, indem er sagt, dass es von allen physischen Gegenständen ebenfalls Ideen gibt. Und zwar sowohl von natürlichen Dingen wie Steine, Berge, Pflanzen, Seen etc. als auch von artifiziellen Gegenständen, also solchen, die von uns Menschen geschaffen wurden.

Also das ist doch wirklich crazy shit! Das klingt für mich viel unglaubwürdiger als die Annahme von der Idee des Kreises. Es soll von menschengemachten Dingen Ideen geben? Denn ihr müsst bedenken, für Platon sind die Ideen ewig und schon immer dagewesen. Sie können weder werden noch vergehen. Das heißt, sie existieren zwangsläufig schon bevor die entsprechenden Dinge in der Erscheinungswelt erfunden wurden.

Das klingt total durchgeknallt, ist aber auch gar nicht sooo doof wie es zunächst wirkt, da es ein vieldiskutiertes Erkenntnisproblem löst: Denkt mal an alle Stühle, die ihr in eurem Leben je gesehen habt. Ihr werdet mir sicher zugestehen, dass sie höchst unterschiedlich waren. Aber dennoch konntet ihr sie in der Regel als Stühle erkennen. Oder? Warum ist das so? Was ist all diesen Stühlen gemeinsam? Nicht alle Stühle haben vier Beine. Nicht alle Stühle haben eine Rückenlehne. Es gibt sogar Stühle, die nicht einmal eine richtige Sitzfläche haben. Wieso können wir dann Stühle immer als Stühle erkennen? Platon sagt: Alle diese Stühle sind Abbilder der Idee des Stuhles. Und wir können sie in der Erscheinungswelt überhaupt nur deshalb erkennen, weil es auch die Idee des Stuhls gibt. Die Idee des Stuhls ermöglicht uns seine Erkenntnis. Merkt ihr jetzt, warum er die Erkennbarkeit so betont hat?

Im Dialog Symposion definiert Platon ferner die Idee des Schönen. Er schreibt dort, dass die Idee des Schönen göttlich ist. Sie entsteht nicht und vergeht nicht, sie wächst und schwindet nicht, sie ist immer mit sich identisch und unvergänglich. Sie ist nicht nur in einer Hinsicht schön aber in einer anderen nicht, nicht jetzt schön, aber später nicht mehr. Die Idee ist nicht im Vergleich zu etwas anderem schön, sondern an sich. Sie ist auch nicht bloß die Eigenschaft von etwas anderem, sondern ist an und für sich und für immer schön.

Was fällt euch auf an dieser Definition? Augenscheinlich ist, dass Platon die Idee vor allem darüber definiert, was sie nicht ist: nicht vergänglich, nicht veränderlich, nicht vergleichbar mit etwas anderem und so weiter. Viele ihrer Eigenschaften sind Negationen von Eigenschaften wahrnehmbarer Gegenstände der Erscheinungswelt. Allerdings ist diese negative Charakterisierung der Idee des Schönen auch nicht verwunderlich, denn unsere Sprache entstand ja dadurch, dass wir mit ihr auf Dinge in unserer Welt der Erscheinungen referenzierten. Und diese Welt ist nun einmal dadurch charakterisiert, dass in ihr alles am Werden und Vergehen ist, alles relational und graduell ist.

Aber aus Platons Aufzählung negativer Eigenschaften wird noch etwas anderes deutlich: Wir haben eigentlich keine Ahnung, was Ideen sind. Und das führt uns zu unserem nächsten Punkt: Den Problemen der Ideenlehre. Allerdings werden wir den dann erst beim nächsten Mal besprechen.

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Aufmerksamkeit

Etwas, das Sie rechtspopulistischen und rechtsextremen Politikern und Politikerinnen in Sozialen Netzwerken auf keinen Fall schenken dürfen. Egal, wie menschenverachtend, rassistisch oder extrem ihre Forderungen und Thesen sind!

Es handelt sich um einen instrumentalisierten Tabubruch, um Ihre Empörung hervorzurufen. Damit erreicht der oder die rechtsextreme Politiker/in eine Aufmerksamkeitsspirale, die sie oder ihn in die Massenmedien bringt. Anschließend wird die These von jemandem relativiert und abgeschwächt: „Das ist falsch rüber gekommen“, „Ich bin falsch zitiert worden“, „Ich wollte provozieren, um in Bewusstsein zu holen, dass es einen anderen Missstand gibt“ oder „Ich bin auf der Maus ausgerutscht“.

Die bittere Wahrheit ist, dass die Äußerung, die Sie so empört hat, in zwei Wochen niemanden mehr interessiert. Aber die rechtsextreme oder rechtpopulistische Partei im Nachgang dieser Äußerung noch mehr Sendezeit gewonnen hat, um noch mehr Menschen dazu zu bringen, im September das Kreuzchen an die entsprechende Stelle zu setzen.

Dieses Spiel werden die Rechstextremen und Rechtspopulisten im Wahljahr 2017 immer und immer wieder spielen. Spielen Sie nicht mit! Sprechen Sie statt dessen über etwas anderes. Wenn es sein muss, über das Wetter. Am besten aber über ihre eigenen Werte und Visionen.

Und wenn Sie schon über den Rechtsextremen sprechen müssen, dann nennen Sie ihn wenigstens „Bernd“.

12 von 12 im Januar 2017

Im Dezember musste ich meine 12 von ausfallen lassen, da ich zu sehr im Vorweihnachtsstress steckte. Aber jetzt sind sie wieder da – mit etwas Verspätung.

Aufstehen

Tja, ja, so ist das: Nachts will meine Tochter (2) nicht schlafen. Es sei denn, sie darf ins Bett von Mama und Papa kommen. Aber wenn wir morgens um 6:45 Uhr dann aufstehen müssen, ja, dann schläft sie wie ein Murmeltier!

Sofa

 

Unser altes Sofa war durch. Am Lattenrost waren zwei Latten gebrochen, die Polster waren durchgesessen und die ehemalige Farbe nur noch zu erahnen. Daher haben wir den Plan gefasst, dass wir am Samstag O.o zum berühmten nordeuropäischen Möbelhaus fahren und ein neues Sofa bestellen. Der Sperrmüll wurde aber bereits vorgestern abgeholt, daher haben wir nun diese improvisierte „Simplify Your Life“ Variante im Wohnzimmer. Sie hat ja was … aber es ist nicht unbedingt Komfort.

Kaffee

… ist morgens überlebensnotwendig. Nicht zuletzt weil auch meine Tochter (9) in letzter Zeit an starker Morgenmuffeligkeit leidet und auf das Wecken nicht sooooo freudig reagiert, wie ich mir das wünschen würde.

Fahrradpendler

Auf geht’s zur Arbeit! Am besten komme ich dahin mit dem Fahrrad. Im Winter hat mein Arbeitsweg dafür dann die erhöhten Schwierigkeitsgrade Kälte und Nässe. Aber mit der richtigen Kleidung geht alles!

Der Weg zur Arbeit

Aber dafür werde ich jeden Tag mit diesem Anblick belohnt! Ich kann mir kaum einen schöneren Arbeitsweg in Frankfurt vorstellen, als morgens am Main entlangzuradeln.

Schlucht

Hier parke ich mein Fahrrad übrigens. Auch nicht schlecht, oder?

Mittagspause

Mittags gehe ich selbst beim Schmuddelwetter der letzten Tage mal kurz raus, einen Salat im Supermarkt kaufen, ein bisschen Pokemon spielen und frische Luft schnappen. Gestern hatte ich Glück: Die Sonne kam raus und am Wasser war es kurz sehr schön …

… Doch dann ging es zurück ins Warme. Ich lese noch immer „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace. Das hat aber auch 1.600 Seiten und ist nicht unbedingt leichte Kost. Seit 2003 notiere ich mir alle Bücher, die ich gelesen habe. Seitdem ich ein Smartphone besitze, wurden die jährlichen Leselisten immer kürzer. Ich habe zwar effektiv mehr gelesen als früher. Aber eben hauptsächlich Online-Publikationen. Doch Ende 2014 beschloss ich, dass ich das nicht möchte. Das Lesen von Büchern ist eine Kulturtechnik, die ich gerne weiterhin praktizieren möchte. Online-Texte benötigen selten mehr als eine halbe Stunde zum Lesen. Ein Buch verlangt wochen- oder monatelange Aufmerksamkeit. Die aufrechtzuerhalten möchte ich nicht verlernen. Mein Plan ging auch auf: Meine jährlichen Listen wurden wieder länger.

Feierabend

Noch ein bisschen arbeiten, dann hatte ich auch schon Feierabend …

… Das Wetter hielt und so glitzerte Frankfurt in der Nacht.

Aber eigentlich hatte ich noch gar nicht Feierabend. Ihr kennt das: Zuhause warteten zwei kleine Mädchen, deren Bäuche gefüllt werden mussten und die anschließend ins Bett gehörten. Anschließend schrieben die Dame und ich noch einen Text für eine Filmzeitschrift. Dazu wurden wir eingeladen und die Deadline rückt näher. Doch dann hatten wir endlich Elternfeierabend!

Schlafenszeit

Dann rief auch uns das Bett. Ich schaute noch ein paar Minuten von Fahrraddiebe  von Vittorio De Sica – Ich versuche mich einmal von hinten nach vorne durch die Filmgeschichte zu gucken und bin mittlerweile im Jahr 1948 angekommen. Fahrraddiebe kann ich sehr empfehlen (hier meine Kurzrezension auf Letterboxd): Der Film ist zurückhaltend inszeniert aber sehr dramatisch. Stark!

Die 16 besten Meine-Tochter-Tweets 2016

Ich habe noch einen Jahresrückblick nachzureichen … Ich mache jedes Jahr für meine Mutter einen Kalender mit Bildern und Sprüchen ihrer Eneklinnen. Die Sprüche sammele ich das Jahr über auf Twitter. Und dort – auf Twitter – habt ihr auch immer eure Favoriten. Die ich euch hier und jetzt präsentieren kann:

Auf Platz 16: Krokotil

Auf Platz 15: Der Mond

Auf Platz 14: Achtung!

Auf Platz 13: Zauberzucker

Auf Platz 12: Meine Gene

Auf Platz 11: CDs brennen

Auf Platz 10: Der Museumsbesuch

Auf Platz 9: Da! Ein dreiköpfiger Affe!

Auf Platz 8: Guten Morgen!

Auf Platz 7: Die Pubertät

Auf Platz 6: Kulturpessimismus

Auf Platz 5: Gähnen

Auf Platz 4: Der Negativ-Hamster

Auf Platz 3: Goethe

Auf Platz 2: Das Mittelalter

And the Winner is …

Auf Platz 1: Darth Vader

Die Suche nach sicherem Wissen

Endlich geht es hier mit Platon weiter! Nachdem wir beim letzten Mal geklärt haben, was Metaphysik ist, gehen wir heute auf die Suche nach gesichertem Wissen. Wie immer könnt ihr euch hier das Video anschauen oder daurunter das Transkript lesen:

Platon – Der Philosophenkönig – Teil 8

Auf die Suche nach sicherem Wissen begeben wir uns, um die Frage zu beantworten, warum Platon überhaupt versucht hat, seine Ideenlehre aufzustellen. Und die Antwort und damit der Beginn unserer Suche nach dem sicheren Wissen lautet: Platon tat dies aus logischen Gründen.

Denkt noch einmal zurück an Sokrates. Sokrates, der Platons Lehrer war, war sehr skeptisch, ob menschliche Erkenntnis überhaupt möglich ist. Dies kam zum Beispiel in der Apologie zum Ausdruck, als das Orakel von Delphi ihn den weisesten Menschen auf Erden nannte und Sokrates erkannte, dass seine Weisheit darin bestand, sich nicht einzubilden, irgendetwas zu wissen.

Die frühen platonischen Dialoge, die noch stark von Sokrates beeinflusst sind, enden zumeist aporetisch, das heißt, sie werden ohne Ergebnis abgebrochen, weil die Probleme unlösbar erscheinen. Platons Ideenlehre war ein Versuch, diese unlösbaren Probleme zu lösen. Dafür versuchte Platon das menschliche Wissen auf eine solide Grundlage zu stellen und das war ein so brillanter Versuch, dass er noch heute ernsthaft diskutiert wird.

Das Letzbegründungsproblem

In der Philosophie im Besonderen und der Wissenschaft im Allgemeinen gibt es das sogenannte Letztbegründungsproblem. Wir schmieden Ketten aus Argumenten. Aber diese Ketten können noch so stabil sein, wenn sie nicht irgendwo festgeschmiedet sind, ziehen wir sie einfach hinter uns her, sobald wir einmal losgehen. Die Wissenschaft löst dieses Letztbegründungsproblem mit Definitionen. Beispielsweise kann ich beweisen, dass die Lichtgeschwindigkeit 299.792.458 m/s beträgt. Aber ich kann nicht beweisen, dass ein Meter auch wirklich einen Meter lang ist. Die Wikipedia sagt dazu:

„Ein Meter ist definiert als die Länge der Strecke, die das Licht im Vakuum während der Dauer von 1/299 792 458 Sekunde zurücklegt.“

Das ist kein Beweis, da es ein sogenannter Zirkelschluss ist: Ich messe die Geschwindigkeit des Lichts mit der Einheit Meter pro Sekunde und  definiere einen Meter wiederum anhand der Lichtgeschwindigkeit. Mein kleines philosophisches Wörterbuch sagt, dass so ein Zirkelschluss ein fehlerhafter Beweis ist, weil das schon voraussetzt, was er eigentlich beweisen will.

In der Physik spielt das erst einmal keine große Rolle, denn die Scientific Community hat sich darauf geeinigt, wie lang ein Meter ist. Eine Definition ist nichts anderes als eine Übereinstimmung, etwas so und nicht anders zu nennen. In der Philosophie nennen wir soetwas ein Dogma: Ein Satz, den wir benutzen, um andere Sätze zu beweisen, den wir selbst aber als gegeben annehmen.

Aber ein Dogma ist gerade deshalb auch eine sehr schwache Letztbegründung. Denn was, wenn jemand kommt und sagt: „Ich glaube aber, dass ein Meter definiert ist durch die Länge meines Unterarms“? Wir hätten nur schwache Argumente dagegen: „Wir haben uns aber darauf geeinigt“ ist jetzt nicht unbedingt der heilige Kral der Begründungen.

Natürlich ist dieses Beispiel Blödsinn, niemand würde das tun. Das wäre ja, als würde ein Mann amerikanischer Präsident werden, der behauptet, dass es keinen Klimawandel gibt, obwohl Kalifornien buchstäblich austrocknet. Als würde er behaupten, die USA würden von Immigranten überrannt, obwohl die Zahl der Einwanderer auf einem historischen Tiefstand ist. Als würde er sagen, Sein Vorgänger hat nichts gegen illegale Einwanderer getan, obwohl Obama mehr Menschen abgeschoben hat als jeder seiner Vorgänger. Oder als würde dieser Mensch behaupten, Mexiko werde für eine Mauer zahlen, die die USA an der Grenze bauen wollen, obwohl die mexikanische Bevölkerung nur kollektiv den Kopf schüttelt. Wenn jemand sich soweit von der Wahrheit entfernt hätte, würde ihn doch niemand mehr zum Präsidenten wählen. Oder?

Die Frage nach dem Wesen der Dinge

Platons Ideenlehre ist der Versuch unsere Wahrheit auf ein stabiles Fundament zu stellen. Sie ist eine konsequente Weiterentwicklung von Sokrates’ „Was ist …?“-Frage, der Frage nach dem Wesen der Dinge. Erinnert euch: Wir hatten auch schon bei Sokrates gesehen, dass dieser und mit ihm natürlich auch sein Schüler Platon zwischen dem Begriffsumfang und der Begriffsbedeutung unterscheidet. In der Philosophie nennen wir diese Unterscheidung auch die von Sinn und Bedeutung oder die Unterscheidung von Intension und Extension.

Die „Was ist …?“-Frage wird in den platonischen Dialogen oft zunächst extensional beantwortet. Also: Was fällt denn alles unter den Begriff? Auf welche Dinge in der Welt trifft der Begriff zu?

Zum Beispiel: Was ist gerecht? Gerecht ist, wenn alle ein gleich großes Stück Kuchen bekommen. Gerecht ist, wenn jemand, der ein Flüchtlingswohnheim anzündet, dafür verurteilt wird, genauso wie jemand, der eine junge Frau in Freiburg umgebracht hat. Gerecht ist, wenn meine Tochter (9) genauso oft Pfannkuchen wie Brokkoli zum Abendessen bekommt. Das sind alles Einzelfälle, die unter den Begriff der Gerechtigkeit fallen. Es ist die Extension oder Begriffsumfang von „Gerechtigkeit“.

Wenn aber Sokrates und Platon fragen „Was ist Gerechtigkeit?“, dann geht es ihnen nicht um diese Einzelfälle, stattdessen wollen sie wissen, was all diesen Fällen gemeinsam ist. Was ist der Sinn von Gerechtigkeit? Was ist die Intension des Ausdrucks?

Die Idee als Antwort

Und diese Frage ist verdammt schwer zu beantworten, daher werden die frühen platonischen Dialoge immer ohne Ergebnis abgebrochen. Gegen Ende seiner frühen Phase und dann besonders in seinen mittleren Dialogen findet Platon schließlich die Antwort: Die Bedeutung von Gerechtigkeit ist die Idee der Gerechtigkeit. Die eine perfekte, wahre, unkorrumpierte Gerechtigkeit. Und alle unsere alltäglichen Vorstellungen von Gerechtigkeit sind bloß unperfekte, immer fehlerhafte Abbilder der Idee der Gerechtigkeit.

Zwei Kuchenstücke können immer nur mehr oder weniger gleich groß sein. Ein Gericht, das einen rechtsradikalen Brandstifter verurteilt, müsste eigentlich auch die geistigen Brandstifter mitverurteilen. Wenn die Tagesschau über den Mord durch einen Geflüchteten in Freiburg berichten soll, dann müsste sie auch über alle 300 Mordfälle berichten, die jedes Jahr von Deutschen verübt werden. Und meine Tochter und ich werden uns niemals darüber einig werden, wann wer wie oft Pfannkuchen oder Brokkoli essen soll. Doch auch wenn wir vielleicht nie wahre Gerechtigkeit erleben, glauben wir daran, dass es so etwas wie echte, objektive Gerechtigkeit gibt, denn sonst könnten wir nicht darüber sprechen, Gerechtigkeit nicht zum Maßstab unseres Handelns machen. Platon war der Meinung, dass diese echte, objektive Gerechtigkeit nichts anderes ist als die Idee der Gerechtigkeit. Und genauso, wie dieser ethische Begriff, so haben alle unsere Konzepte und alle Dinge in der Welt eine Idee, die ihnen zugrunde liegt.

Ausblick

Damit haben wir jetzt geklärt, was der Status oder die Aufgabe einer Idee ist, aber wir haben noch nicht daran gerührt, was denn nun die Eigenschaften der Ideen sind. Was ist eine Idee?  Um diese Frage werde ich mich beim nächsten Mal kümmern. Ich danke euch, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt.

Literatur

 

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Was Erwachsene falsch machen!

Es gibt einige Dinge im Leben, die verstehen Erwachsene einfach nicht. Zum Glück gibt es kleine Kinder, die ihnen zeigen, wie es richtig geht:

Essen

Es ist ein grundlegendes Missverständnis von Erwachsenen, dass sie Brot mit Belag essen. Jedes Kind weiß, dass zuerst der Belag gegessen wird und dann das Brot!

Außerdem vergessen Erwachsene immer, dass nicht nur das Auge mitisst. Richtiges Essen will auch anständig gefühlt werden!

Schränke

Diese Sache mit den Schränken ist auch so ein Ding, das Erwachsene nicht verstehen. Wie soll ein Kind Spaß an all seinen Klamotten haben, wenn die kleingefaltet in dieser Holzkiste liegen. Nein! Klamotten gehören großflächig auf dem Kinderzimmerboden ausgebreitet!

Und dieser Badezimmerboden, der ist viel zu kalt! Zum Glück gibt es in der kleinen Holzbox unter dem Waschbecken jede Menge Teppiche, die den Boden schön warm machen!

Aufbewahrung

Warum liegen diese feuchten Tücher neben der Toilette? Die sind nass – die Badewanne ist nass! Logisch, dass das zusammengehört …

Und warum muss ein Kind eigentlich immer die Milch aus dem Regal holen? Verstehen die Erwachsenen nicht, dass sie sich nicht draufstellen können, solange die in ihrem Fach ist? Oder wissen die Erwachsenen am Ende gar nicht, dass Milchpackungen dafür da sind, dass du dich draufstellen kannst?

Verwendungszweck

Überhaupt scheinen Erwachsene für die meisten ihrer Besitztümer überhaupt nicht den eigentlichen Verwendungszweck zu kennen! Sie wissen zum Beispiel nicht, dass Töpfe dafür da sind, sich reinzustellen:

Und wofür dieses Türstopperding ist, das wissen nicht einmal Kinder. Aber eines ist klar: die Erwachsenen stellen es immer verkehrtherum auf! Nur so wackelt es richtig schön:

Kunst

Außerdem haben Erwachsene überhauptkeinen Sinn für Ästhetik! Warum werfen die diese tollen Papierbahnen immer in den komischen Topf? Den kann man doch total toll damit schmücken!

 

Zum Glück gibt es Kinder, die die Welt verstehen!

 

Heiligabend

Ich bin kein gläubiger Mensch. Aber an Heiligabend gehen wir in die Christmesse. Das Christentum hat einen großen Einfluss auf unsere Kultur und ich versuche meinen Töchtern diesen nahezubringen – das beste Mittel dagegen, dass sie eines Tages irgendeinen Abendlandblödsinn von sich geben.

Besonders leicht wird mir mein pädagogisches Anliegen dadurch gemacht, dass die Kirche in unserem Viertel so angenehm modern ist, dass ihr Pfarrer zum Beispiel demonstrativ schwul ist und während der Christmesse schon mal  Marilyn Monroes Version von „Happy Birthday“ anstimmt.

So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass ein Programmpunkt des Gottesdienstes war, dass ein muslimischer Nachbar (wie er sich nannte) sprach, den Christen zu ihrem Fest gratulierte und für Liebe und Interreligiöses Verständnis plädierte.

Während dieser Rede spürte ich in mir eine leider vertraut gewordene Furcht, die mich mittlerweile immer ergreift, wenn der Islam in der Öffentlichkeit thematisiert wird: Hoffentlich sagt niemand aus dem Publikum etwas Dummes. Ich hatte Angst, dass – während auf der Bühne ein Mensch über Liebe sprach und seine Trauer über den Anschlag in Berlin zum Ausdruck brachte – jemand in meiner Nähe etwas hasserfülltes raunt oder gar laut hinaus schreit…

Aber das geschah nicht. Das Gegenteil trat ein: Als der Gast zu Ende geredet hatte, applaudierte die Gemeinde. Mir stiegen die Tränen in die Augen und es wurde mir sehr weihnachtlich ums Herz.