„Da, ein dreiköpfiger Affe!“

Dass du alt wirst, merkst du daran, dass deine Wegbegleiter wegsterben, heißt es. Stimmt schon, was mich aber wundert, ist 1. dass das so früh schon losgeht und 2. dass die ersten Opfer der Popkultur entstammen.
Nachdem ich hier vor einigen Wochen bereits das Requiem auf die Kassette geschrieben habe, folgte nun eine weitere Koryphäe meiner Kindheit: Disney hat angekündigt, Lucas Arts dichtzumachen. Mit anderen Worten: Guybrush Threepwood, der mächtige Pirat wird sich wohl nie wieder versuchen, in ein Gebäude einzuschleichen mit der Begründung: „Ich verkaufe diese feinen Lederjacken“ und er wird nie wieder versuchen, seinen Antagonisten abzulenken mit: „Da, ein dreiköpfiger Affe!“

Guybrush Threepwood war der Held meiner ersten Schritte ins Computerspieleuniversum. Seines Zeichens der Protagonist der legendären Computerspielreihe „Monkey Island“, die mittlerweile fünf Teile zählt (Remakes und Special Editions nicht mitgezählt). Ich habe die Teile 1 bis 3 durchgespielt, den missratenen 3D-Versuch Monkey Island 4 aber abgebrochen und der fünfte Teil der Reihe ging dann ganz an mir vorbei. Man wird halt älter.

Ursprünglich getroffen hat mich Armors Pfeil mit Monkey Island 2: LeChucks Revenge. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, aber ich war mit meinen Eltern und zusammen mit Herrn Dürüm irgendwo im tiefsten Bayern bei Freunden meiner Eltern. Und dort spielte der pubertierende Sohn jener Freunde gerade den zweiten Teil des Epos’ um den jungen Guybrush, der so gerne ein mächtiger Pirat wäre und sich im dauerhaften Widerstreit mit LeChuck befand. Ich war sofort verliebt in ihn – Guybrush, nicht den pubertierenden Sohn der Freunde meiner Eltern! – und ich halte die Reihe noch immer für eine der intelligentesten in Sachen Story Telling, die die erzählerisch sonst allzu oft maulfaule Computerspielwelt hervorgebracht hat.

Aber, eine Sache ist noch viel wichtiger, denn sie blieb mir im Geist haften, auch nachdem die groben Pixel mit 32 Farben schon längst vor meinen Augen verblasst waren: Mr. Threepwood hat sich in mein Phrasengedächtnis eingegraben neben so vielen anderen Vertretern der Popkultur. Wann immer mich die Frage trifft: „Was machst denn du hier?“, kann ich nicht anders als zu antworten: „Ich verkaufe diese feinen Lederjacken“. Wenn meine Tochter ein Eis ist und ich nicht naschen darf, bringe ich jedes Mal das klassische Ablenkungsmanöver: „Da, ein dreiköpfiger Affe!“ und lange genug hat das tatsächlich funktioniert. Mit mittlerweile fünf Jahren beginnt sie leider an der Existenz dieses Dreiköpfers zu Zweifeln, der immer nur auftaucht, wenn sie gerade nicht hinblickt.

Mögest du in Frieden ruhen, Guybrush. Und sei dir eines gewiss: in mein Walhalla der Popkultur hast du es geschafft, der dreiköpfige Affe, der mächtige Pirat und die schönen Lederjacken stehen direkt neben all den großen und kleinen anderen Zitaten, die sich in mein Gedächtnis gefressen haben. Sei es: „Möge die Macht mit dir sein“, „Ich habe ihm ein Angebot gemacht, dass er nicht ablehnen kann“ oder „Ich habe das Gefühl, wir sind gar nicht mehr in Kansas, Toto“.

Es ist schon bemerkenswert, wie die Popkultur mein Gedächtnis okkupiert hat und dies noch fortwährend tut. Wann immer mir jemand Curry anbietet, kann ich nicht anders, als mit Alf zu entgegnen: „Curry ist gut, da wachsen dir die Haare in den Ohren.“, immer wenn mich jemand „und warum?“ fragt, antworte ich unheilig: „nur für den Kick für den Augenblick“. Wenn ich eine Arbeit erfolgreich vollbracht habe, folgt obligatorisch: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“. Auf die Plattitüde meines Gesprächspartners: „Nichts ist unmöglich“, plärre ich unvermeidlich: „Toyota!“

Und während Guybrush Threepwood in meinem Kopf mit dem dreiköpfigen Affen immer noch Paris bleibt, fährt Harry für den, dessen Name nicht genannt werden darf, schon einmal den Wagen vor, während die Telefonlawine in Rocky Beach kein anderes Ergebnis erbrachte, als, dass Karl, der Computer ein Berliner ist. Ich will so bleiben wie ich bin und darf es auch, denn nicht alle Tränen sind von übel und manche die sterben, verdienen zu leben, kannst du es ihnen geben? Nein? You say „good bye, and I say hello!“

42.

Ich bin raus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.