Vegetarier

Eines vorweg: ich bin kein Vegetarier sondern esse Fleisch. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen möchte ich ein bis zwei Zeilen schreiben über deinen Spott, liebes Internet. Deinen Spott über Menschen die kein Fleisch essen, oder schlimmer noch, Menschen, die überhaupt keine tierischen Produkte essen, aka. Veganer.

Ein Rind

Ein Rind

Doch bevor Vegetarier und Veganer nun mit allzu breiter moralischer Brust diese Zeilen hier lesen, zwei frustrierende „Funfacts“ vorweg:

  1. Niemand verbringt 60 bis 80 – ach was – auch nur fünf Jahre, auf diesem Planeten, ohne zu töten. Dafür müsst ihr im Sommer nur einen einzigen Blick auf einen Mähdrescher werfen. Auch wenn ihr kein Fleisch esst, sterben Tiere, die bei der Kornernte für euer täglich Brot einfach mit kleingedroschen werden. Und es gibt zum Töten keine Alternative: Denn wenn wir wieder anfingen, Felder von Hand zu sensen, könnten wir den Hunger der westlichen Welt nicht mehr stillen und statt Tieren würden hier wieder Menschen sterben, so wie es derzeit schon in weiten Teilen der restlichen Welt der Fall ist.
  2. Würden wir den Vegetarismus oder gar den Veganismus gemäß des kategorischen Imperativs zum allgemeinen Gesetz erheben, würde dies bedeuten, dass Kühe, Schweine und Hühner aussterben würden. Glaubt ihr nicht? Dann beachtet folgenden Präzedenzfall: Wann habt ihr zuletzt in Europa einen Esel außerhalb eines Tierparks gesehen? Durch die Einführung des Traktors ist der Esel in Mitteleuropa faktisch ausgestorben. Würden wir keine tierischen Produkte mehr essen und trinken, würde das gleiche Schicksal Schweine, Kühe und Hühner erwarten.

Aber ich will Vegetarier und Veganer hier nicht schlecht machen. Im Gegenteil, ich, als Todesser, will hier mal aufzeigen, dass sie uns moralisch überlegen sind und dass du, liebes Internet, das weißt und mit deinem Spott und deiner Häme versuchst, das zu verbergen. Lese ich auf Twitter über die V-Esser, dann meist derlei:

So amüsierten sich drei Herren des CCC erst kürzlich königlich über den Begriff „Speziesismus“. Möglicherweise äußerten sie diesen Spott sogar mit den richtigen Intentionen, wie man aus dem Kontext des Podcasts erahnen konnte, aber da sie das nicht ausführten, sondern die Idee schon belachenswert fanden, konnte ich das nicht erschließen. Aber was ist so lustig am Speziesismus? Oder zunächst einmal: Was ist Speziesismus? Der Begriff „Speziesismus“ ist analog zu „Rassismus“ oder „Sexsismus“ gebildet. Die Idee ist, dass es keinen apriorischen Grund gibt, zu behaupten, der Mensch sei Tieren überlegen. Klar kannst du im Christentum rechtfertigen, dass Menschen den Tieren überlegen sind. Gott sagte ja, dass wir uns die Erde untertan machen sollen. Aber wenn wir das religiöse Dogma als Begründung ablehnen, dann ergibt sich für uns ein Problem, wenn wir versuchen, zu rechtfertigen, warum Menschen den Tieren überlegen sein sollen.

Bleiben wir mal beim Töten um den Speziesismus zu erläutern. Ich behaupte einfach mal, dass jede, die diesen Text liest die ehtische Norm „Du sollst nicht töten“ akzeptiert. Im Normalfall beschränken wir das Tötungsverbot allerdings auf Menschen. Doch warum tun wir dies? Nun, das kommt jetzt auf die Begründung an. Ich kann das Tötungsverbot natürlich wieder religiös begründen: Steht in der Bibel. Aber für viele ist das kein Argument, wie wir am Sex vor der Ehe sehen.

Eine alternative Begründung wäre etwa, dass das Tötungsverbot eine notwendige Voraussetzung für die Bildung menschlicher Gemeinschaften ist. Als Mängelwesen ist der Mensch auf das Leben in der Gruppe angewiesen. Aber so ein Leben in der Gruppe ist äußerst ekelig, wenn du dir nicht sicher sein kann, ob du morgen wieder aufwachst. Die Prävention dagegen: Du sollst nicht töten. Alles klar. Aber warum haben wir dann etwas gegen die Todesstrafe oder gegen Krieg? Beides ist argumentativ in einer solchen Stammesethik eigentlich kein Problem: Wenn jemand die Gruppe von innen heraus bedroht, ist seine Strafe der Tod und wenn jemand die Gruppe von außen bedroht, ist die Antwort darauf Krieg.

Und dennoch, so unterstelle ich wieder, haben viele Leserinnen und Leser dieses Blogs ein Problem mit Todesstrafe und Krieg. Das liegt daran, dass wir unsere Ethik anders begründen. Beispielsweise mit dem oben erwähnten kategorischen Imperativ: Handle stets nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie zum allgemeinen Gesetz werde. Oder volkstümisch-biblischer ausgedrückt: Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Mit so einem ethischen Baukasten, lassen sich Todesstrafe und Krieg schon nicht mehr so leicht rechtfertigen, wie mit einer Stammesethik.

Die spannende Frage, die die Theorie vom Speziesismus nun stellt, ist: Für wen sollte denn das Tötungsverbot alles gelten? Lassen wir die biblische Begründung beiseite, kommen ein paar andere Begründungskandidaten in Frage:

  1. Nichts, das lebt, sollte getötet werden.
    – Nun das ist schlechtweg unpraktikabel, da wir Menschen nur organisches Material verdauen können, müssen wir selbst entweder sterben oder etwas, das lebt, essen. Also müssen wir notwendigerweise zumindest Pflanzen essen.
  2. Nur Lebewesen, die ein Konzept von Leben und Tod oder die ein Bewusstsein ihrer selbst haben, sollten nicht getötet werden.
    – Klingt zunächst einmal gut, wird aber problematisch, wenn wir an Kinder oder Schwerbehinderte denken. Die haben nicht unbedingt ein Bewusstsein ihrer selbst oder in Konzept von Leben und Tod. Sollten wir sie deshalb töten dürfen? Ich für meinen Teil bin jedenfalls dagegen!
  3. Kein empfindungsfähiges Lebewesen sollte getötet werden.
    – Das ist der heißeste Kandidat. Nichts und niemand, das, der oder die Schmerz oder Angst verspürt, sollte getötet werden. Das schließt nämlich alle nötigen Kandidaten – alle Menschen – ein.

Zu dumm nur für uns Todesser, dass dies auch eine ganze Reihe von Tieren mit einschließt. Ich bin kein Verhaltens- oder Neurobiologe, aber ich bin ziemlich sicher, dass Kühe, Schweine und Hühner Schmerz und Angst empfinden können. Selbst bei Fischen glaube ich ganz sicher an Schmerz, nur bei Angst bin ich mir in diesem Fall nicht sicher. Die Frage ist also, liebe Mittodesser, warum wir dann diese empfindungsfähigen Wesen von unserem Tötungsverbot ausschließen?

Das Argument, das ich am häufigsten zu hören bekomme, ist: Weil wir Menschen von Natur aus Fleischfresser sind. Klingt plausibel ist aber ein Logikfehler. Und zwar der Sein-Sollen-Fehlschluss, den ich in diesem Blog schon des öfteren behandelt habe: Aus der Tatsache, dass wir Menschen Fleischfresser sind, folgt nicht, dass wir es auch sein sollten. Wir Menschen haben in vielerlei Hinsicht weit von unserer Natur entfernt. So sitze ich, während ich diese Zeilen schreibe in einem Zug, der über 100 km/h fährt, und schreibe auf einem Computer, während ich Kleidung trage, die teilweise aus Kunstfasern bestehen. Alles Dinge, die nicht gerade natürlich sind. Wir haben etwa die natürlich Art zu reisen (per Fuß) schon lange hinter uns gelassen, warum sollte uns das im Fall des Essens von Tieren nicht möglich sein? Im Gegenteil: Vegetarierinnen leben uns täglich vor, dass wir den Speziesismus hinter uns lassen können und so moralisch eine Ebene aufsteigen können.

Und ich glaube, du liebes Internet, weißt tief in dir drinnen, dass es so ist, und dass du im Unrecht bist, dass dein Fleischessen nichts anderes als eine traditionell vermittlete Lebensform ist. Deshalb sähst du Spott und regst dich auf, wenn Veganer „predigen“. Dabei würde niemand den Satz

kritisieren. Warum sollte es bei

anders sein?

Ich bin raus.

Comments

  1. Jan sagt:

    Hallo,

    ich bin über den Trackback hierher gekommen und kommentiere mal hier an Ort und Stelle, statt das Thema auf noch eine weitere Seite zu tragen.

    Danke für die gute Absicht!

    Da das Feld der Vegetarier und Veganer genauso wenig homogen ist wie das der Karnisten (dazu unten mehr) oder das liebe Internet in Gänze, spreche ich vorwiegend für mich als Einzelperson, auch wenn ich zu den Veganern gehöre.

    Zu den Funfacts, für die ich ein spezielles Verständnis von Fun verwenden muss:

    1. Der Veganismus ist ein Ideal, gewinnt also nicht erst bei vollständigem Ereichen an Wert, sondern schon auf dem Weg dorthin. Das Anliegen ist es also wo und wann immer es geht Leid und Tod zu vermeiden. Das mag eine ständige Kompromisfindung sein, die bei jedem anders ausgeht.

    Es ist fehleranfällig ein Gegenargument anzubringen, dass nicht zwangsläufig und in allen Fällen eins ist. Kein Fleisch zu essen bedeutet nicht stattdessen Getreide/Brot zu essen. Selbst bei der Annahme, dass wir alle Brotesser wären und die Karnisten zusätzlich noch Fleisch äßen, wäre die Anzahl der Tode reduziert. Dass es beim ersten Nachdenken keine Alternativen zu Mähdrescher und handbetriebener Sense geben mag, sehe ich grundsätzlich auch erst mal nicht als Hindernis an. Wir sind ja gescheite, einfallsreiche Wesen.

    2. Es mag überheblich klingen, aber dieses Aussterbeargument finde ich auf so vielen Ebenen absurd, dass es mir komisch vorkommt darauf einzugehen. Es besteht nicht der Anspruch den Lauf der Welt aufzuhalten und alles und jeden vom Aussterben zu bewahren, höchstens nicht dazu beizutragen. Also in Spanien kenne ich mehrere Esel außerhalb von Tierparks, wenn auch nicht in freier Wildbahn. Ich weiß allerdings nicht wie die tatsächliche Lage ist, also ob er sowohl faktisch als auch offiziel (in Europa) als ausgestorben gilt.

    Aber mal ganz ab davon. Selbst wenn wir uns von der Massentierhaltung verabschieden würden, sollten wir dann weiterhin die gewohnten Arten verwerten, damit wir einen Grund für die Nachzucht haben? Ich plädiere nicht für ein vermeintlich höheres Ziel der Arterhaltung, wenn der Preis dafür ist, dass wir Individuen einsperren und kontrollieren, künstlich schwängern, Nachwuchs von Eltern trennen, mit Ersatzfutter aufziehen, mästen, zusammenferchen, transportieren, schlachten. Wäre dann die Schlussfolgerung zulässig Wale, Tiger, Elefanten, Pandas usw. in unsere Menüs aufzunehmen, damit deren Arterhaltung gesichert ist?

    Das Aussterben der Arten ist nicht in der mangelnden Be- oder eher Ausnutzung des Menschen begründet, sondern in seiner fehlenden Bereitschaft Lebensraum mit Tieren zu teilen und sich selber maßlos auszubreiten.

    Der Häme mangelt es wirklich an Kreativität und Neuheit und in der Regel auch an Selbstreflektion und Verständnis. Verständnis im Sinne des Verstehens der Motivation und der Absicht zum veganen Leben.

    Der erwähnte, kurze Ausreisser bei Alternativlos war auch mir unangenehm aufgefallen, aber viel Beachtung habe ich dem nicht geschenkt. Vielleicht weil mir wohl der Rest der Episode so gut gefallen hat.

    Was die Bibelstelle betrifft, stelle ich die Frage, ob das Untertan machen auch bedeutet willkürlich über Leben und Tod zu entscheiden. Und was den Speziesismus betrifft, stelle ich die Frage, ob Überlegenheit rechtfertigt diese auch zu eigenem Vorteil und zum Nachteil des Unterlegenen zu nutzen. Ich behaupte einfach mal, dass sich die Überlegenheit dadurch beweist, dass die überlegene Gruppe die zu bewertenden Kriterien aufstellt und die Unterlegenen nicht in der Lage sind dies zu ändern.

    Ich tendiere dazu vielen Menschen zu unterstellen, dass sie sich andere Menschen vorstellen können, auf die sie Du sollst nicht töten nicht anwenden würden. Genauso haben eben auch nicht alle etwas gegen Todesstrafe und Kriege. Für mich erklärt sich die Frage danach warum Tiere und zwar eben nur manche bedenkenlos getötet werden allein durch den Kulturkreis. Entscheidend ist in welche Welt du hineingeboren wirst, auch wenn du dein Leben später ändern kannst. Es ist Brauch, Tradition, Gewohnheit, Norm. Damit komme ich auch auf den Begriff Karnismus zurück, der den Sachverhalt beschreiben soll, dass wir beispielsweise in unserer Gesellschaft die Kuh essen, das Pferd streicheln und den Hund ins Bett lassen. Das folgt keiner Logik, sondern erlernten Verhaltensmustern. Hier ein kleiner Einblick.

    Der Sein-Sollen-Fehlschluss ist interessant. Ich sehe den Fehlschluss noch weiter vorne, denn die Behauptung wie wären Fleisch- oder Allesfresser kommt meist daher, dass wir es einfach tun und nicht das wir es sind. Ich will jetzt nicht darauf eingehen welche Kriterien bestimmen und notwendig sind, um überhaupt die Nahrungsklasse zu definieren, aber auch Kühe werden nicht zu Maisfressern statt Grasfressern, nur weil wir sie damit füttern.

    Aber auch an anderen Stellen hat das Steinzeitargument seine Schwächen. Genauso wäre nämlich einen Blick wert was der Mensch vorm Jagen gegessen hat und wie stark seine anatomische Prägung darauf noch vorhanden ist. Ebenso ist die Art und Weise wie der viel herauf beschworene Jäger und Sammler seine Tiere zubereitet und was er davon gegessen hat deutlich anders zu der Art wie es heute getan wird. Beweist also entweder, dass wir uns falsch ernähren oder eben doch anders ernähren können, jedenfalls kein Grund für panierte Schnitzel aus der Pfanne.

    Ich habe wie du ebenfalls den Eindruck, dass Angriffe auch auf zurückhaltende Fleisch- und Tierproduktvermeider durch das eigene schlechte Gewissen geprägt sind. Das Wissen darüber unter welchen Umständen produziert wird und das Entschwinden des gesellschaftlichen Konsenz darüber, dass das in Ordnung wäre. Wer lässt sich schon gerne vor Augen halten, dass er falsch handelt oder lebt.

    • Privatsprache sagt:

      Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Da waren einige Denkanstöße für mich dabei. Aber bei meinen beiden einführenden Punkten bleibe ich… 😉

      1. war nur ein Beispiel: Selbst wenn du auf Brot verzichten würdest, du kannst nicht auf alles verzichten, bei dem als „Kollateralschaden“ Tiere sterben: Nahrungsmittel-, Kleidungsproduktion, Förderung von Rohstoffen, etc. Du kannst nur versuchen deinen Fußstapfen so klein zu machen wie irgend möglich.

      2. Weißt du, warum du in Spanien mal Esel gesehen hast? Weil sie dort noch teilweise als Nutztiere gehalten werden. In Deutschland und anderen reicheren Ländern nicht. Klar gibt es sie in Zoos und ein paar Liebhaber haben sie auf der Weide. Aber ihr „natürlicher“ Lebensraum war seit etlichen tausend Jahren der menschliche Hof. Ich sag nicht, dass Tiere essen besser ist, als sie aussterben zu lassen. Ich sage nur: Es ist kompliziert.

      • Jan sagt:

        Danke, freut mich, dass noch was dabei war 🙂

        1. Definitiv, zum Leben gehört das Sterben dazu, nicht nur das eigene. Eine Interaktion mit der Welt führt zwangsläufig dazu, dass eine Lebensform zum Nachteil für eine andere werden kann. Das Ideal ist wie du sagst, den eigenen Abdruck klein zu halten und ihn vorallem nicht unnötigerweise und rücksichtslos zu vergrößern.

        Deiner ersten Ausführung entnahm ich aber die Tendenz wenn ich nicht alles verhindern kann, dann brauche ich gar nichts verhindern.

        2. Ja, die Esel gehören Leuten, die sie halten wie ihre Hunde, also als Haustiere. Ok, auch als Nutztiere, indem sie Unkraut in Dünger verwandeln 😉
        Ich sehe nicht, was kompliziert ist und eben auch nicht, dass das Argument gegen Veganismus spricht, weshalb du es also angebracht hast. Es ist auch nur eine Behauptung, denn wer weiß wie unser Umgang mit Tieren seien würde, wenn wir wirklich alle vegan wären. Vielleicht würden die Nutztiere zu Haustieren.

        Die durch Menschenhand sterbenden Arten sind die, deren Lebensraum wir vernichten. (Funfact: z. B. durch Rodung von Regenwald um Weideland zu haben und Viehfutter anbauen zu können). Um Hausrind, Hausschwein, Haushuhn, die es ja auch alle kaum noch gibt, weil sie durch ihre industrialisierten Züchtungen ersetzt wurden, vorm Aussterben zu retten, muss also einmal in der Woche Fleisch auf den Teller? Die Arten haben wir ja im Prinzip sogar erst geschaffen. Wir schaffen künstlich Leben, dass nur durch unsere Nutzung lebensfähig ist und müssen es dann fortführen, um die Art nicht aussterben zu lassen. Der Logik folgend wären wir verpflichtet Arten zu schaffen und zu vermehren. Mir fallen noch weitere absurde Gedanken zu diesem Punkt ein, aber vielleicht ist mein Einwand bereits noch klarer geworden.

  2. Codric sagt:

    Damit wurde anfangs sehr schön das Thema – Spott über Veganer – genannt, dann kamen ein paar Beispiele, und zum Schluss wurde es auch noch erwähnt. Schade, dass es im Mittelteil komplett übergangen wurde. Stattdessen wurde die moralische Überlegenheit von Veganern ins Augenmerk genommen, um so darzulegen, dass Veganer heilige Persönlichkeiten sind, über die man kein spöttisches Wort verlieren darf.

    Ich denke, bei diesem „Spott“ geht es weniger darum, sich über Veganer im Allgemeinen lustig zu machen, einfach nur, weil sie vegan leben. Es gibt sicher durchaus Leute, die das tun, aber ich nehme an, wenn Du die gemeint hättest, hättest Du auch entsprechende Beispiele genommen. Stattdessen werden hier (existierende) Klischees aufgegriffen und übertrieben. Es geht hier also nicht um „Haha, guck mal, die essen kein Fleisch, sind die doof!“, wie Du es hier darstellst, sondern beispielsweise um das Klischee des arroganten Veganers, der seinen Lebensstil unbedingt allen anderen Menschen auf die Nase binden muss. Es ist schon ein Unterschied, ob man sich über Veganer, oder über nervige Veganer lustig macht.

    • Privatsprache sagt:

      Stattdessen wurde die moralische Überlegenheit von Veganern ins Augenmerk genommen, um so darzulegen, dass Veganer heilige Persönlichkeiten sind, über die man kein spöttisches Wort verlieren darf.

      Du darfst dich über alles lustig machen, was du willst. Die Frage ist nur: wie sinnvoll und nachhaltig ist das. Ich habe nie geschrieben, dass Veganer heilig sind sondern im Gegenteil oben erst einmal ihrem moralischen Anspruch klare Grenzen gesetzt. Anschließend habe ich schlüssig dargelegt, warum sie von einem moralischen Standpunkt aus richtig handeln. Du gibst kein Gegenargument, sondern beschwerst dich nur, dass du nicht mehr den Bully spielen darfst, dafür habe ich kein Verständnis…

      Stattdessen werden hier (existierende) Klischees aufgegriffen und übertrieben. Es geht hier also nicht um „Haha, guck mal, die essen kein Fleisch, sind die doof!“, wie Du es hier darstellst, sondern beispielsweise um das Klischee des arroganten Veganers, der seinen Lebensstil unbedingt allen anderen Menschen auf die Nase binden muss.

      Der entscheidende Punkt meines Blogposts ist, dass du das Bild, vom nervigen Veganer nur bemühst, weil du eigentlich weißt, dass er Recht hat 😉

      • Codric sagt:

        Du darfst dich über alles lustig machen, was du willst.
        […]
        Du gibst kein Gegenargument, sondern beschwerst dich nur, dass du nicht mehr den Bully spielen darfst, dafür habe ich kein Verständnis…

        Es geht mir nicht darum, Veganer für ihren Veganismus herunterzumachen, falls Du das damit meinst. Ein Gegenargument gegen die moralische Überlegenheit fällt deswegen nicht, weil ich sie keineswegs verneine. Die Frage danach ist aber gar nicht der Punkt, auf den ich hinausmöchte.
        Mein Problem ist, dass Du oben Beispiele anführst, wo sich Leute über Veganer lustig machen, ohne dabei ihren Veganismus an sich zu kritisieren, und dies offenbar als Abwehrreaktion gegen die moralische Überlegenheit des Veganers interpretierst – für mich klingt das so, als würdest Du es generell verteufeln, wenn man sich über Veganer mockiert.
        (Ich muss allerdings zurücknehmen, dass Du keine Beispiele angeführt hättest, in denen Veganismus/Vegetarismus an sich kritisiert würde; das zweite Beispiel wurde mir am Freitag nicht angezeigt (oder ich habe es übersehen).)

  3. falkenberg sagt:

    Ich bin selber kein Veganer sondern „nur“ Vegetarier, aber das Thema mit den nervigen Veganern die einem ihren Lebensstil aufzwängen wollen (ich kenne persönlich keine aber das Klischee gibt es) ist, dass sie streng genommen keine andere Wahl haben.

    Wenn man die hier im Blogeintrag gedachten Gedankengänge weitergeht kommt man mit dem kategorischen Imperativ schnell zu der Frage, ob ich es tolerieren darf wenn andere Menschen Tiere töten.

    Aufgrund der Annahme, dass die Maxime „du sollst nicht töten“ für Menschen aber auch für die meisten Tiere gilt, muss man sich Fragen warum wir es tolerieren sollen wenn Andere Tiere töten.

    Würde ich sehe wie ein Mensch getötet wird denke ich, dass ich ethisch und moralisch dazu verpflichtet bin einzuschreiten und etwas dagegen zu tun.
    Wenn man nun aber davon ausgeht, dass Tiere und Menschen gleichermaßen ein Recht auf Leben haben, ist man ebenso ethisch verpflichtet einzugreifen wenn andere Tiere töten.
    Veganismus verpflichtet also wenn man ihn konsequent weiterdenkt auch dazu Carnivoren vom Fleischessen abzuhalten, da Carnivorismus nach der konsequenten Logik des Speziezismus kein Lifestyle und keine persönliche Entscheidung, sondern ein Verbrechen ist, so hart es klingt.

    Das ergibt sich ganz einfach daraus den Gedanken des Speziezismus weiterzudenken.

    • Privatsprache sagt:

      Ziemlich guter Punkt, den hatte ich so noch nicht zu Ende gedacht. Man müsste natürlich berücksichtigen, dass es auch widerstreitende Werte geben kann, die es dann zu berücksichtigen gilt…

      • falkenberg sagt:

        Völlig richtig, ich bin ja auch kein Hardliner.

        Ich denke, dass man als Vegetarier/Veganer die Gesellschaft langsam transformieren sollte, nicht radikal sondern open minded.
        Wenn ich unterdurchschnittlich viel Fleisch konsumiere trage ich dazu bei, dass die Nachfrage nach Fleisch sinkt und der Anreiz für Unternehmen vegetarische oder vegane Alternativen anzubieten steigt. Dadurch wird es langsam aber sicher immer einfacher auf Fleisch zu verzichten, denn wie es hier schon jemand geschrieben hat ist der Aufwand vegetarisch zu leben direkt verbunden mit der Gesellschaft und je einfacher es wird auf Fleisch zu verzichten, desto mehr Menschen werden es tun. Ich bin jetzt 27 Jahre und zum damaligen Entsetzen meiner gesamten Familie habe ich mit 6 Jahren aufgehört Fleisch zu essen. Ich habe in diesen 21 Jahren gemerkt, wie es in Deutschland immer einfacher wurde vegetarisch zu Leben. Ich war früher bei Ärzten die sämtliche Leiden die ich hatte auf meinen Verzicht auf Fleisch zurückführten. Ich war in etlichen Restaurants die nicht ein einziges vegetarisches Gericht auf der Karte hatten. Heute ist alles viel leichter und viele Menschen sind sogar aus gesundheitlichen Gründen Vegetarier. Seit es einfacher ist sehe ich auch immer mehr Menschen um mich herum Vegetarier und Veganer werden. In Frankreich und Spanien ist das bis heute noch schwerer. Restaurants machen sich dort selten Gedanken über vegetarische Gerichte und in Supermärkten findet man auch deutlich weniger Sojaprodukte. Aber auch da fängt langsam ein Wandel an. Dieses Jahr habe ich das erste Mal in einem spanischen Mainstreamsupermarkt ein Angebot an vegetarischen Produkten entdeckt.

        Ich versuche eigentlich niemanden zu bekehren und binde meine Einstellungen auch niemandem ungefragt auf die Nase, aber ich finde, dass es auch schon ein Schritt in die richtige Richtung ist seinen Fleischkonsum erstmal zu reduzieren und drauf zu achten, dass man nur noch sehr hochwertiges Fleisch isst wenn man (noch) nicht darauf verzichten kann.

  1. […] hat Privatsprache einen sehr schönen Text zu Vegetariern und Veganerinnen im Internet veröffentlicht. Was ihn, ohne selbst davon betroffen zu sein, motiviert hat, diesen Post zu […]

  2. […] Was ich sagen möchte, könnt ihr in der Perspektiefe nachlesen. […]

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