Theodor Adorno – Es gibt kein richtiges Leben im falschen

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Daniel
lebt falsch

Mein Corona-Tagebuch der schönen Gedanken – Teil 30

Heute geht es um Adornos berühmtes Zitat. Was bedeutet es? Und verwenden wir es richtig? Wird es womöglich aus dem Kontext gerissen? Denn es stammt aus dem Aphorismus „Asyl für Obdachlose“ aus der Minima Moralia. Geht es also nur ums Wohnen? Außerdem ist es nur ein Teil eines Satzes, der insgesamt viel ambivalenter ist und zudem die Antithese zu einer These ist. Erfahrt selbst, was es damit auf sich hat und warum ich heute mal nicht über Hegel lästere. Unten findet ihr nach langer Zeit mal wieder das Transkript zum Lesen.

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Theodor Adorno – Es gibt kein richtiges Leben im falschen (Transkript)

Heute geht es um das berühmte Zitat „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Das Zitat geht auf meinen liebsten Kulturpessimisten zurück: Theodor Adorno. Es findet sich in seinem Buch „Minima Moralia – Reflexionen aus dem beschädigten Leben“. Wenn das mal kein geiler Titel für ein Buch ist, dann weiß ich nicht, was einer sein soll.

Es gibt kein richtiges Leben im falschen, ist ein geflügeltes Wort geworden, mit dem ich hervorragend rechtfertigen kann, warum ich bei Amazon bestelle, obwohl ich doch weiß, was dieser Konzern alles für schlimme Dinge macht. Wo ich gerade dabei bin: Bitte kauft die Minima Moralia über meinen Amazon-Affiliate Link. 😉

Ein anderes Beispiel: Ich habe vor Jahren aus ethischen Gründen aufgehört, Fleisch zu essen. Ich will einfach nicht, dass fühlende Lebewesen für mich sterben müssen, wenn ich auch leben kann, ohne dass das geschieht. Dennoch werfe ich niemanden seinen Fleischkonsum vor. Das Maskulinum habe ich absichtlich gewählt, lieber Grillmeister. Ich kann Fleischessern keinen Vorwurf machen, denn ich weiß genau, dass zum Beispiel das Korn aus meinem Brot von einem Mähdrescher geerntet wurde, der ziemlich viele Tiere auf dem Gewissen hat. Es gibt eben kein richtiges Leben im falschen.

Der Kontext des Zitats

Die Frage, der ich mich heute widmen will, ist: Hat denn Adorno den Satz auch so gemeint, wie wir ihn heute verwenden? Oder ist er aus dem Kontext gerissen, wie beispielsweise Robert Frosts berühmtes Zitat aus ‚The Road Not Taken‘, wo er schreibt:

„Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.“

Das wird heute oft so verwendet, dass der weniger betretene Pfad das Leben des Erzählers veränderte. Aber wenn du das ganze Gedicht liest, wirst du feststellen, dass Frost das genaue Gegenteil meint: Der einzige Unterschied zwischen den beiden Pfaden war halt, dass der eine weniger betreten war. That has made all the difference.

Könnte es sich mit Adornos Zitat genauso verhalten? Denn – kleiner Spoiler an dieser Stelle – Das Leben, von dem Adorno hier schreibt, verwendet er synonym für „wohnen“. Das Zitat stammt aus einem Aphorismus mit dem Titel „Asyl für Obdachlose“. Die  Minima Moralia ist keine Abhandlung, sondern eine Aphorismen-Sammlung.

Ein Aphorismus ist ein eigenständiger, abgeschlossener Gedanke. Der kurze Text steht zwar thematisch in einem Kontext mit den anderen Aphorismen, er baut aber argumentativ nicht auf den vorhergehenden Abschnitten auf, noch wird er in direkter Weise im Rest des Buches weiter verfolgt.

Die Zeit und der Ort, wo Adorno diese Worte schrieb

Doch bevor ich richtig in den Text einsteige, möchte ich noch einmal einen Schritt zurücktreten. Denn so manches wird erst verständlich, wenn wir uns klarmachen, in welchem zeitlichen Kontext das Buch entstanden ist. Adorno ist hier in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Der große Philosoph studierte in Frankfurt und Wien. Er hatte Anfang der 1930er Jahre gerade angefangen, Philosophie an der Frankfurter Uni zu lehren.

Dann kam 1933 und Hitler kam an die Macht. Nach der Machtergreifung der Nazis entwickelte sich die Situation für Adorno schlecht. Er war zwar katholisch erzogen worden, aber sein Vater war Jude genau wie es seine Verlobte war. Daher emigrierte Adorno mit seiner Frau, die er 1937 heiratete, über Oxford nach New York, wo sein Freund und Kollege Max Horkheimer im Exil verweilte. In New York schloss Adorno sich dem ins Exil gegangen Institut für Sozialforschung an.

1940 zogen die Horkheimers aus gesundheitlichen Gründen nach Kalifornien und 1941 folgten die Adornos ihnen. Sie zogen in die Pacific Palisades, einen Stadtteil von L. A., in dem viele intellektuell Exildeutsche lebten. Dort lernte Adorno unter anderem auch Thomas Mann kennen und soll keinen kleinen Einfluss auf dessen Buch Doktor Faustus gehabt haben. Hier schrieb Adorno zusammen mit Horkheimer die Dialektik der Aufklärung und alleine schließlich auch die Minima Moralia. In der Minima Moralia versucht Adorno die kritische Theorie auf (Zitat) „den engsten privaten Bereich, de[n] des Intellektuellen in der Emigration“ anzuwenden.

Wichtig ist, dass Adorno beim Schreiben unter dem direkten Eindruck des zweiten Weltkrieges stand, mit Sicherheit kannte er das Ausmaß des Holocausts noch nicht, aber Judenhass und Vertreibung hatte er am eigenen Leib erfahren.

Blick in die Minima Moralia

So, jetzt aber rein in den Text! Aphorismus 18 heißt also „Asyl für Obdachlose“. Dem Ansatz folgend seine Theorie auf das Private anwenden zu wollen, stellt Adorno zunächst fest, dass sich dieses Privatleben gut in seinem Schauplatz zeige: Der Art, wie wir wohnen. Ganz der Kulturpessimist, der er ist, steigt er gleich ein mit „Eigentlich kann man überhaupt nicht mehr wohnen“. Aber wer wollte ihm diesen Kulturpessimismus vergällen zur dunkelsten Stunde der Menschheit?

Adorno widmet sich zunächst den traditionellen Wohnungen, in denen seine Generation groß geworden ist.  Das Behagen, das diese Wohnungen einst ausströmten, sei mit Verrat an der Erkenntnis bezahlt. Mit der muffigen Interessengemeinschaft der Familie. Das ist natürlich eine direkte Kritik an das Vorkriegsdeutschland, das den Faschismus hervorgebracht hat.

Entsprechend hält sich Adorno nicht lange damit auf, sondern wendet sich den „neusachlichen“ Wohnungen zu, bei denen „tabula rasa“ gemacht wurde. Die bringen für den Ampelbefürworter nur den Kapitalismus zum Ausdruck, den er auch nicht gutheißen kann. Er nennt sie, „Für Banausen angefertigte Etuis“ und „Fabrikstätten“. Sie haben keine Beziehung zum Bewohner. Menschen haben eine Sehnsucht nach unabhängiger Existenz, doch der schlagen diese Wohnungen ins Gesicht.

Mir rollen sich zwar die Zehennägel auf, wenn ich Kulturpessimismus zustimmen muss, aber wenn er von Adorno kommt, dann mache ich eine Ausnahme. Denn der kritische Theoretiker hat natürlich einen Punkt. Wir leben in einer Welt, in der unsere Möbel industriell gefertigt werden. Entsprechend habe ich zwar das Bedürfnis, individuell zu wohnen. Doch am Ende habe ich in meiner Sehnsucht nach unabhängiger Existenz die Wahl zwischen Ikea-Regal Billy oder Kallax.

Als nächstes zitiert er ein ungenanntes deutsches Magazin, das vor Hitlers Machtergreifung mal „prophetisch masochistisch“ nicht bloß geschrieben, sondern „dekretiert“ also angeordnet habe, der moderne Mensch wünscht nahe dem Boden zu schlafen, wie ein Tier.

Ich erinnere mich noch, dass in meiner Schule ein kanadischer Austauschschüler auch mal perplex angemerkt hat, dass in Deutschland die Betten so niedrig sind. Ich weiß aber nicht, ob ich daraus tatsächlich auf die Psychologie der Gesellschaft schließen würde. Wenn wir uns aber die Satzstruktur angucken, dann fällt ja auf, dass Adorno das selbst in Zweifel zieht. Das Magazin hat das nicht festgestellt oder analysiert, sondern angeordnet. Was, wie der im Exil sitzende Frankfurter wohl schmerzhaft feststellt: prophetisch masochistisch war. Denn die Schwelle zwischen Wachen und Traum wurde so abgeschafft und „Die Übernächtigen [sic!] sind allezeit verfügbar und widerstandslos zu allem bereit, alert und bewußtlos zugleich.“

Die nächste Wohnung, die Adorno auseinandernimmt, ist die „echte aber zusammengekaufte Stilwohnung“. Die sei, wie Einbalsamieren bei lebendigem Leibe. Er spart sich hier leider die Begründung. Was schade ist, denn: Was sind wir? Philosophen! Und was wollen wir? Begründungen!

Aber im Rahmen eines Aphorismus lass ich das dem knorrigen Klavierspieler mal durchgehen und liefere die Begründung meinerseits: Wenn ich einen einschlägigen Hashtag auf Instagram, etwa #apartmentstyle durchscrolle, dann sind die Wohnung durchaus fancy. Bei 90% frage ich mich aber auch: Wer wohnt so? Wer hält diese Sterilität aus? Wo ist das Lebendige, das Chaotische, auch mal Dreckige, das irritierende Moment, das eine echte Wohnung lebenswert macht? Die Bilder sehen eben aus, als seien die Bewohner einbalsamiert bei lebendigem Leibe. Das Einbalsamieren hat ja einen Aspekt des Starren, unbewegt bewahrenden. Das springt mir auf Insta regelmäßig entgegen.

Das Persönliche, um das es Adorno in der Minima Moralia geht, kommt in der nächsten Option zum Ausdruck, auch wenn sie heftig bourgeois für einen Marxisten ist: Man könne sich der Verantwortung dafür, wie die eigene Wohnung aussieht, ja auch entziehen, indem man in ein Hotel oder möbliertes Appartement zieht. Adorno schließt, das hieße – und darin liegt das Persönliche – die aufgezwungenen Bedingungen der Emigration zur lebensklugen Norm zu machen. Dieses Urteil hat etwas schön ambivalentes. Einerseits kannst du den Satz so lesen, dass Adorno das Hotel als lebenskluge Norm bevorzugt. Andererseits ist die Emigration eben eine aufgezwungene und diese zu akzeptieren, hat etwas bitteres an sich.

Der olle Marx-Fan findet jedenfalls im nächsten Aspekt zu sich zurück, denn er urteilt ganz richtig, dass es am ärgsten die trifft, die nicht wählen können. Sie leben in Slums, Bungalows, Laubhütten, Autos, Trailern oder haben gar kein Dach über dem Kopf. Aus dieser Aufzählung fällt der Bungalow seltsam heraus. Ich bin in einem klassischen 50er-Jahre-Flachdachbungalow aufgewachsen und das war auf jeden Fall Mittelschicht. Auch der ehemalige Kanzlerbungalow in Bonn gibt dieser Art zu wohnen eine andere Geschmacksrichtung als sie sie für den Adorno der 40er Jahre hatte. Ein Bungalow ist definiert als ein eingeschossiges Haus. Ich kann jetzt nur spekulieren, aber ich vermute, dass Adorno im amerikanischen Exil die Kleinsthäuser aus Holz vor Augen hat, in denen die ärmere Bevölkerung auf dem Land untergebracht ist. Entsprechend hätte ich wohl eher von Hütten geschrieben, als von Bungalows. Aber diese Analyse ist wackelig wie die Hütte von Charlie Chaplin in Goldrausch. Wenn ihr eine andere Interpretation habt, freue ich mich auf einen Kommentar.

Adorno schließt jedenfalls, dass das Haus vergangen ist und kehrt mit seinem Blick nach Europa zurück: Durch den wütenden Krieg ist es in den europäischen Städten buchstäblich vergangen. Aber auch die Arbeits- und Konzentrationslager sorgen für den Untergang des Hauses. Wobei, so Adorno, das eine Entwicklung ist, die schon lange vor dem Krieg einsetzte.

Letzteres meint natürlich wieder den geistigen Untergang des Hauses. Die Entwicklung der Technik habe vor dem Krieg zum Untergang der Häuser geführt. Adorno argumentiert also, dass einerseits die Entfremdung des Menschen von der Welt durch Technik dazu geführt hat, dass wir Häuser nicht mehr als etwas irgendwie erhabenes oder schönes betrachten können, zum anderen, dass durch den Zwang des Wohnens in Konzentrations- und Arbeitslagern, diese Entwicklung verstärkt wurde.

Wir müssen uns bei diesen Sätzen ins Gedächtnis rufen, dass Adorno zum Zeitpunkt, als er sie schrieb, noch nichts vom Ausmaß des Holocausts wusste. Es war bekannt, dass die Nazis Juden in Lager zwangen. Aber im Rest der Welt war der Vernichtungscharakter dieser Lager noch unbekannt. Chaplin drehte zur gleichen Zeit „Der große Diktator“, in dem er alberne Witze auch über das Leben in Konzentrationslagern machte. Wofür er sich später entschuldigte, als er von der industriellen Vernichtung von Millionen von Menschen erfuhr.

Das Entfremdungsargument auf der anderen Seite ist ein klassisch kulturpessimistisches: Es gab mal eine ursprüngliche, natürliche Beziehung der Menschen zu ihren Häusern, die durch Technik nicht mehr gegeben ist. Normalerweise reagiere ich allergisch auf solche Argumente. Ich möchte behaupten, heutzutage haben wir wieder ein vertrauteres Verhältnis zur Technik in unseren Behausungen. Aber erneut kann ich nur sagen: Der Mann steht unter dem direkten Eindruck der größten Katastrophe der Menschheit. Wer will ihm da solch düstere Schlussfolgerungen krumm nehmen?

Als nächstes trauert Adorno dem Sozialismus nach. Die Möglichkeit des Wohnens ist genauso versäumt worden wie die sozialistische Gesellschaft, was der bürgerlichen Gesellschaft zum Unheil gerät. Joa, ich könnte jetzt tausend Sätze zum Sozialismus sagen oder keinen. Ich entscheide mich mit Blick auf die Uhr für letzteres. Das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Adorno analysiert aber ganz richtig, dass ich als Individuum kaum eine Chance habe, etwas gegen all die falschen Arten zu wohnen zu tun. Ich kann ja nur Möbel kaufen, die irgendwo als Massenware hergestellt wurden. Aber selbst wenn ich Schreinerin wäre, wäre ich beim Entwurf meiner Möbel ja nicht frei, sondern würde mich immer an Trends des „Kunstgewerbes“ orientieren, selbst wenn ich dieses ablehne, wären meine Entwürfe als Opposition wieder Teil des Systems. Was er damit genau meint, wird sogleich klar:

Aus der Ferne könne man keinen Unterschied zwischen Bauhaus und Wiener Werkstätten ausmachen. Bauhaus und Wiener Werkstätten waren beides Ansätze zu Beginn des 20. Jahrhundert, das Kunstgewerbe neu zu denken. Sie wehrten sich gegen den Neoklassizismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Was moderne Großstadt-Hipster heute so lieben, verachteten sie: Die Altbauten in den deutschen und österreichischen Innenstädten, mit ihrem Stuck und Kronleuchtern. Ein Design längst vergangener Tage, das in ihren Augen noch immer mitgeschleppt wurde. Diesen Schnörkeln und Ornamenten wollten sie eine neue, klare Formsprache entgegensetzen, die den Geist der Moderne atmet.

Doch Adorno sagt zurecht, dass die Kurve der Zweckform oder der Kubismus ihrerseits auch nur wieder Ornamente werden, wenn sie im Mainstream angekommen sind. Mode und Trends sind etwas, dem du nicht entkommen kannst.

Bitter folgert Adorno, eigentlich bleibt nur der Rückzug ins Private. Halt irgendwie leben, sich den gesellschaftlichen Zwängen und eigenen Bedürfnissen unterwerfen. Aber wir dürften dann nicht glauben, dieses Leben wäre „substantiell oder individuell angemessen“. Er zitiert Nietzsches Fröhliche Wissenschaft:

„Es gehört selbst zu meinem Glücke, kein Hausbesitzer zu sein“.

Adorno ergänzt das mit:

„Es gehört zur Moral, nicht bei sich selber zu Hause zu sein.“

Denn der Einzelne befinde sich in einem schwierigen Verhältnis zu seinem Eigentum – sofern er überhaupt etwas besitzt. Auf der einen Seite ist die Fülle der Konsumgüter so groß geworden, dass ich eigentlich nicht mehr wirklich von Besitz sprechen könne. Oh da klingelt gerade der Amazon-Bote. Einen Moment bitte. Im Deutschen gibt es ja die Redewendung „meine Siebensachen“ für Besitz, da schwingt ja die Idee mit von Habseligkeiten, wenige Dinge, die mir gehören, und die dadurch einen ideellen Wert haben. Dieses Verhältnis geht verloren in einer Zeit, in der Konsum im Überfluss möglich ist. Das gilt für unsere Ecke der Welt heutzutage sicher noch mehr als es für Adornos Zeit der Fall war.

Andererseits – so Adorno – ist auch der Verzicht auf Besitz keine Option, denn dadurch gerate ich in Abhängigkeit und Not. Werde ein Baustein im Fortbestand der Besitzverhältnisse. Die Reichen und Mächtigen bleiben also reich und mächtig, ob ich als Individuum nun am Konsum-Spiel des Kapitalismus teilnehme oder nicht.

Und so geht Adorno abschließend mit Hegelscher Dialektik an das Problem heran: Aus der eben formulierten Paradoxie folgt die These, dass eine lieblose Nichtachtung der Dinge, die wir besitzen, sich letztlich auch gegen Menschen wendet. Wir also auch anfangen Menschen lieblos nicht zu achten.

Die Antithese dazu ist dann – vielleicht ahnt ihr es schon: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Doch gewissermaßen als letzten Twist, der beim Wiedergeben dieses Zitats immer unter den Tisch gefallen lassen wird, sagt Adorno, dass diese Antithese eine Ideologie ist für diejenigen, die mit schlechtem Gewissen ihren Besitz behalten wollen.

Aber, was machen wir jetzt mit Adornos Geschwafel?

Puh, das waren jetzt eine Menge hart orakelnder Worte. Kehren wir zu den Ausgangsüberlegungen zurück: Zunächst einmal war die Frage, ob wir „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ auf einen größeren Kontext anwenden können, oder ob das Zitat streng genommen nur fürs Wohnen gilt. Da Adorno diesen größeren Kontext selbst aufmacht und am Ende über Besitz und Konsum schreibt, können wir diese Frage getrost bejahen.

Dann ist bemerkenswert, dass Adorno sagt: Es gibt kein richtiges Leben im falschen, ist die Ideologie derjenigen, die mit schlechtem Gewissen nichts an ihrem Leben ändern wollen. Denn, wenn wir uns diesen vollständigen Satz angucken, wirkt er viel negativer, rät ja fast schon davon ab, die Redewendung zu benutzen.

Aber wenn wir den Blick weiten, dann müssen wir eben auch sehen, dass dieser Satz die Antithese ist zu: Wenn wir unsere Habseligkeiten nicht achten, wird diese Ignoranz sich irgendwann auf Menschen übertragen, und wir werden auch sie nicht mehr achten. Und auch das ist ja nichts, für dass du dich entscheiden willst. Den Schritt, den Adorno uns überlässt, ist, jetzt, entsprechend der Hegelschen Dialektik eine Synthese herzustellen.

Ja, ich habe mich eben tatsächlich auf Hegel bezogen. Ernsthaft und ohne einen dummen Spruch zu machen. Bitte streicht euch den heutigen Tag im Kalender an!

Anyway … Die Synthese könnte sein, dass „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ einerseits wahr ist. Denn gerade in unserer Spät-Neoliberalen Zeit wird Verantwortung gerne auf das Individuum abgewälzt anstatt systemische Lösungen zu finden: Ernähre dich gesund, sorge privat für die Rente vor, fahr mit deinem Lastenrad zum Biobauernhof vor der Grenze der Stadt und schlachte dort dein Schwein selbst.

Aber ich kann mich noch so gesund ernähren, wenn die Feinstaubbelastung in der Frankfurter Innenstadt mich krank macht. Ich kann für die Rente vorsorgen und dann kommt die nächste Finanzkrise und alles ist futsch. Und wie sind eigentlich die Arbeits- und Umweltbedingungen im Werk, das mein Lastenrad gebaut hat und in der Eisenhütte, aus der der Stahl für den Rahmen kam. Musste Regenwald für den Kautschuk weichen, aus dem die Reifen meines Rads gefertigt sind? Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Zugleich ist das Bonmot natürlich eine Ausrede! Ich bestelle nicht bei Amazon, weil ich mir der Fatalität des Systemfehlers bewusst bin. Okay, ich bin mir dessen schon bewusst, aber bei Amazon bestelle ich, weil es verdammt nochmal bequem ist. Weil ich nie Problem mit dem Umtausch habe. Weil ich nicht in die Hölle der Frankfurter Zeil hinabsteigen muss, weil der Amazonbote immer kommt und ich nicht am Ende zwei Stunden anstehen muss, um das Paket von der einen Kilometer entfernten Postfiliale abzuholen, obwohl buchstäblich um die Ecke von meiner Wohnung ein DHL-Kiosk ist, lieber DHL-Bote!

So bleibt das Zitat in einem ambivalenten Spannungsverhältnis, wir können es weder vollends unterschreiben, noch können wir es mit Bausch und Bogen verdammen. Es ist zugleich wahr und eine Ausrede. Es gibt eben kein richtiges Leben im falschen.

‚Was vom Tage übrig blieb‘ – eine philosophische Analyse

Mein Corona-Tagebuch der schönen Gedanken – Teil 24

 

Heute gibt es hier mal was Neues. Eine Analyse des Romans ‚Was vom Tage übrig blieb‘ von Kazuo Ishiguro. Allerdings ist es eine philosophische Analyse. Es geht um den Begriff der Würde und wie man ihn als Habitus oder als Menschenwürde auslegen kann. Außerdem stellen wir mit Protagonist Stevens der Demokratie kritische Fragen

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Kant, Aristoteles und die selbstlose gute Tat

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handelt selbstlos

Das ist der Podcast zur YouTube-Folge über die selbstlose gute Tat.

Platon – Was ist das Gute?

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ist nicht das Maß aller Dinge

Platon – Der Philosophenkönig – Folge 18

Wir stecken noch immer mitten in Platons Ethik. Nachdem Platon schon das Recht des Stärkeren abgelehnt hatte und darlegte, dass der Sinn des Lebens ist, gut zu handeln. Aber was wir bis heute noch nicht geklärt haben: Was ist denn das Gute? Was ist es nicht? Gibt es überhaupt objektives, gemeingültig Gutes?

Das Transkript zur Folge gibt es hier.

Platon – Das Recht des Stärkeren

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hat sonst keine Hobbys

Platon – Der Philosophenkönig – Folge 16

Heute beginne ich mit dem nächsten großen Themenblock: Platons Ethik, die uns zu seiner politischen Philosophie führen wird. Ich blicke in den berühmten Dialog „Der Staat“ und wir sehen, wie Platon verschiedene Theorien der Gerechtigkeit prüft, bis er beim Recht des Stärkeren landet. Ist das Recht des Stärkeren gerecht?

Das Transkript zur Folge findet ihr hier.

Kant, Aristoteles und die selbstlose gute Tat

Mein Corona-Tagebuch der schönen Gedanken – Teil 12

Beim Vorbereiten auf Aristoteles kam mir ein Thema in den Sinn, mit dem ich mich vor ein paar Jahren schon einmal in meinem Blog auseinandergesetzt habe: Die selbstlose gute Tat. Nach Kant gibt es sie quasi nicht. Mit Aristoteles kann man das anders sehen. Zu Recht, wie ich finde.

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Das Dilemma von ‚Terror – Ihr Urteil‘

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Daniel
steuert ein Flugzeug-Dilemma

Welches ethische Problem macht ‚Terror – Ihr Urteil‘ auf?

Im Oktober 2016 lief das Theaterstück ‚Terror – Ihr Urteil‘ von Ferdinand von Schirach als Fernsehspiel in der ARD. Es wurde ausgiebig und kontrovers diskutiert. Ich habe das zum Anlass genommen, um über die Philosophie von ‚Terror – Ihr Urteil‘ zu sprechen.

Die Philosophie von Fridays for Future

Heute geht es hier um ein Thema, das in aller Munde ist: Friday for Futures. Im Augenblick kann ich ja noch darüber sprechen, so lange uns AKK das noch machen lässt. Aber weil es mir hier um Philosophie geht, möchte ich nicht nur blöd meine Meinung zu FFF rausposaunen, sondern die Philosophie von Fridays for Future ergründen.

Unter philosophischer Betrachtung ist die Bewegung nämlich durchaus spannend. Denn interessant wird Ethik (was Friday for Futures zugrunde liegt) immer dann, wenn ein Wertekonflikt existiert. Dann muss man eine Güterabwägung vornehmen und sich überlegen, welchen Wert man höher einstuft als welchen anderen. Und je nachdem, welchen Wert ich wie gewichte, komme ich zu meinem Urteil über FFF.

Moralisch eindeutige Fragen sind ethisch betrachtet zumeist recht langweilig. Niemand wird ernsthaft diskutieren wollen, ob Danaerys im Recht war, die Bevölkerung von Kings Landing abzufackeln, nachdem diese bereits kapituliert hatte. Hingegen ist es interessanter, ob ich das Recht hatte, eben GoT zu spoilern, um hier ein philosophisches Argument zu machen.

Also wie ist das bei FFF? Was spricht dafür und was dagegen? Oder sollte ich noch einmal einen Schritt zurückgehen und erklären, was FFF überhaupt ist?

Was ist Fridays for Future?

Alles fing an mit Greta Thunberg, die jeden Freitag die Schule bestreikte, um auf die Gefahren des Klimawandels und unser aller Untätigkeit im Klimaschutz aufmerksam zu machen. Das hat sich mittlerweile zu einer internationalen Bewegung gemausert, bei der Schüler*innen Freitags blau machen und für Klimaschutz demonstrieren.

Man könnte sich sehr ausführlich damit beschäftigen, mit welcher Rhetorik FFF in der Öffentlichkeit begegnet wird. Aber das würde hier zu weit führen. Wir wollen das lieber den Experten überlassen. Jedenfalls muss sich Fridays for Future eine ganze Menge Kritik anhören und darunter sind auch ein paar inhaltliche Argumente. Um die geht es mir hier und heute. Eigentlich sollte es doch eine super Sache sein, dass sich Schüler*innen für Umweltschutz engagieren. Also: Was spricht dagegen?

Die Kritik an Fridays for Future

Der Hauptkritikpunkt ist zumeist, dass dieser Protest während der Schulzeit stattfindet. Dass die Kinder doch nur die Schule schwänzen wollen. Aber was ist eigentlich so schlimm daran? Ist die Schule nicht dafür gemacht, geschwänzt zu werden? Nun, dass das so viele Menschen stört, hängt mit der Schulpflicht zusammen.

Schulpflicht? Was ist denn das nun wieder? A long time ago in a galaxy far far away… Beziehungsweise vor ein paar Jahrhunderten auf diesem Kontinent. Im Zuge von Reformation und Aufklärung entstand der Gedanke, dass der Staat dafür zu sorgen habe, allen Kindern eine Grundbildung zu verschaffen. Diese Entwicklung beschleunigte sich durch die Industrialisierung und führte in Deutschland dazu, dass es seit der Weimarer Republik eine allgemeine Schulpflicht gibt.

Doch warum gibt es die, was soll das? Zunächst einmal hat eine Gesellschaft ein generelles Interesse daran, dass ihre Mitglieder Zugang zu Bildung haben. Wenn es niemand gäbe, die Ärztin werden könnte, wäre das schön doof, oder? Der Aufklärungsphilosoph Jean-Jacques Rousseau brachte die Idee hervor, dass es so etwas, wie einen Gesellschaftsvertrag gibt. Menschen leben in Gesellschaften zusammen, da sie sich davon versprechen, dass diese Gesellschaft das Wohl aller vergrößert. Die Details von Rousseaus Philosophie können wir außer Acht lassen, wichtig ist hier, dass so ein Gesellschaftsvertrag nur funktioniert, wenn sich mehr oder weniger alle mehr oder weniger an ihn halten.

Und hier kommt dann erstmals die Schulpflicht ins Spiel. Denn es gibt zu ihr noch ein Gegenstück. Alle Schüler*innen haben die Pflicht zur Schule zu gehen. Dies ist ihr Beitrag zur Einhaltung des Gesellschaftsvertrags. Doch auch der Staat hat eine Pflicht: Die Beschulungspflicht. Diese resultiert darin, dass Bildungseinrichtungen zu den größten Institutionen des Staates gehören. Egal, ob du in einer Großstadt wohnst, in einem Dorf in der Eifel, auf einer Alm in den Alpen, auf einer Nordseeinsel oder sogar in Katzenelnbogen. Der Staat sorgt dafür, dass du Zugang zu schulischer Bildung hast und möchte im Gegenzug, dass du diese auch wahrnimmst.

Okay, soviel zu den Pflichten. Aber niemand würde die Einhalten, wenn er oder sie nicht auch etwas davon hätte. Was spricht denn für die Schulpflicht? Was macht sie zu einer nicht ganz doofen Idee? Dafür müssen wir noch einmal zum Ziel von Rousseaus Gesellschaftsvertrags zurückkehren: Er soll das Wohl aller vergrößern. Damit das geschehen kann, muss es eine weitere Grundbedingung geben: Es muss Gerechtigkeit herrschen. Die Menschen müssen das Gefühl haben, dass sich wirklich für alle das Wohl mehr oder weniger vergrößert, sonst haben sie keine Veranlassung, den Gesellschaftsvertrag einzuhalten.

Das ist nun wieder ein riiiiiiiiesiges Fass, das ich gar nicht richtig aufmachen will, aber eine kleine Tasse möchte ich zumindest daraus schöpfen: Denn eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für Gerechtigkeit ist Chancengleichheit. Und an dieser Stelle kommt wieder die Schulpflicht ins Spiel. Die Idee dahinter ist, dass es egal ist, ob deine Eltern Millionäre oder Hartzer sind: Alle sollen die gleiche Ausgangssituation haben. Durch den gleichen Zugang zu Bildung soll ihnen ermöglicht werden, als Erwachsene den Beruf zu ergreifen, den sie möchten und so ihr persönliches Wohl zu mehren. Selbst wenn sie sich am Ende entscheiden, SPD-Spitzenkandidaten zu werden.

Aber würde es hier nicht reichen, dass der Staat einfach die Schulen hinstellt? Wer Lust hat, später fett Kohle zu verdienen, geht halt hin und wem das egal ist, lässt es bleiben? Nun, ohne jemanden hier zu nahe treten zu wollen: Schüler*innen wissen vielleicht nicht immer, was das Beste für sie ist und leben im hier und jetzt. Und Ja: Mir ist klar, wie absurd dieses Argument ist gegen Demonstrationen, die sich nur um die Zukunft drehen. Aber ich zumindest habe die Schule allzu oft lieber geschwänzt und mit Freunden rumgehangen als dass ich dem Unterricht aufmerksam gefolgt bin. Und seht, was aus mir geworden ist! Darüber hinaus spielt das Elternhaus hier eine große Rolle: Wenn deinen Eltern wichtig ist, dass du dich in der Schule anstrengst, wirst du es wahrscheinlicher tun, als wenn deine Eltern eher für „Netflix & chill“ sind.

Damit die Menschen unabhängig vom Engagement ihrer Eltern Chancengleichheit haben, gibt es die Schulpflicht. Es gibt sogar noch einen anderen Grund für die Schulpflicht. Früher gab es den Feudalismus, das war das Gesellschaftssystem vor der Aufklärung. Damals gab es Grundbesitzer – den Adel – die den ganzen Tag rumhingen, chillten und andere für sich arbeiten ließen. Diese Anderen waren die Leibeigenen und wie der Name schon sagt gehörten die buchstäblich dem Adel. Damals war es vollkommen Normal, dass Kinder mitarbeiteten, sobald sie dazu in der Lage waren. Mit der Industrialisierung verschärfte sich dieser Zustand sogar noch, als mehr und mehr Menschen, in die Städte zogen, um für einen Hungerlohn in Fabriken zu arbeiten. Damals war es total normal, dass Kinder mitarbeiten, um die Familie zu ernähren. Den Menschen blieb schlichtweg nichts anderes übrig.

Die Schulpflicht hat jetzt den äußerst wünschenswerten Nebeneffekt, dass sie Kinderarbeit faktisch ausschließt. Denn wer zur Schule gehen muss, kann nicht gleichzeitig arbeiten. Und wir Gutmenschen glauben heute, dass die Kindheit etwas Besonderes und Schützenswertes ist. Dass jedes Kind ein Recht auf eine Kindheit frei von Arbeit hat. Das spricht also gegen FFF. Wobei ich gleich dazu sagen muss, dass meine Darstellung hier äußerst idealisiert und vom Geist der Aufklärung geprägt ist. Michel Foucault zum Beispiel sah das eher so:

„Schulen haben die gleichen sozialen Funktionen wie Gefängnisse und Irrenhäuser – sie definieren, klassifizieren, verwalten und regulieren Menschen.“

Michel Foucault – Überwachen und Strafen.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Denn nachdem ich euch nun erzählt habe, was gegen Fridays for Future spricht,  muss ich natürlich auch noch darüber reden, was dafür spricht. Und das möchte ich aufspalten. In zwei Fragen. Denn einerseits ist interessant, was die Motive für FFF sind. Andererseits muss aber auch ein Blick darauf geworfen werden, ob die jungen Leute ™ die richtigen Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele ergriffen haben.

Es gibt den menschengemachten Klimawandel

Auch wenn es mich traurig macht, so muss ich doch zunächst einmal klarstellen, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt, selbst wenn ein paar Lunatics das bezweifeln. Wenn ihr mir das nicht glaubt, dann fragt einfach mal bei Scientists for Future nach oder lutscht an eurem Diesel oder was euch sonst feuchte Träume beschert.

Wen also unsere Prämissen sind, dass es dem Klimawandel gibt und dass wir ihn beeinflussen können, dann folgt daraus aber noch nicht, dass wir das auch sollten. Aus der Tatsache des Klimawandels kann man nicht zwingend darauf schließen, dass Umweltschutz erstrebenswert ist. Dies ist eine ethische Entscheidung, die wir treffen müssen. Die Antwort auf die Frage, wie wir leben wollen, die jeder Ethik immer zugrunde liegt. Wir könnten auch sagen: Fuck it! No Future! Mir sind meine Mercedes S-Klasse und der Wochenendtrip nach Malle wichtiger!

Aber auch wenn Ethik immer etwas Kontingentes ist (das bedeutet, nur eine von mehreren verschiedenen Möglichkeiten), so ist sie dennoch nicht willkürlich, sondern in unserer Geschichte, unserer Gesellschaft, unseren Wünschen und Zielen begründet. Schauen wir uns also mal an, woher die Idee kommt, dass Klimaschutz etwas Erstrebenswertes ist.

Die Argumente für Fridays for Future

Der Klimaschutz ist eine Unterkategorie des Umweltschutzes. Und auch der war wieder eine Idee, die im Zuge der Industrialisierung entstand, als das Leben in den Städten durch Umweltverschmutzung teilweise sogar lebensgefährlich wurde. Alleine in London kam es bis 1952 immer wieder zu Smogkatastrophen, bei denen die Abgase aufgrund der Wetterlage nicht mehr aus der Stadt abziehen konnten und es im Zuge dessen zu zahlreichen Todesfällen kam.

In der Romantik kam es zu einer — nun ja — Romantisierung der Natur, in Zuge der sie mehr ins Zentrum der menschlichen Aufmerksamkeit geriet. Die Nazis machten sich diese Mode zu eigen mit ihrem Blut und Boden Schwachsinn. Wahrscheinlich war das auch ein Grund dafür, dass das Thema nach dem Zweiten Weltkrieg erst einmal wieder hintan gestellt wurde. Erst in den 1960er Jahren kam es wieder im Zuge der links-progressiven Jugendbewegungen zurück auf die Tagesordnung. Hier oftmals mit einer stark antikapitalistischen Haltung, bei der Umweltschutz und Kapitalismus als etwas Konträres gesehen wurde. In den 80ern schließlich, als in Deutschland alle Angst vorm Waldsterben hatten, sprangen dann auch die Konservativen mit auf den Zug. Sie kamen auf den Trichter, dass sich Umweltschutz hervorragend religiös begründen lässt: als Bewahrung der Schöpfung. 1994 wurde der Umweltschutz schließlich sogar ins Grundgesetz der BRD aufgenommen. Übrigens unter einer CDU-Regierung, der von Helmut Kohl.

Soviel zur Geschichte. Aber warum ist Umweltschutz so wichtig, dass er sogar offizielles Staatsziel der BRD ist? Warum steht nicht zum Beispiel das Recht auf gesunden Salat im Grundgesetz? Ist Umweltschutz einfach ein Wert an sich, weil Blumen und Kaninchen so schön sind? Oder lässt sich dieser Wert aus einem anderen herleiten? Ich denke, letzteres ist der Fall. Es geht schlicht und einfach darum, dass dieser Planet, so wie er ist, ziemlich ideal für Menschen ist, um darauf zu leben. Eine Erwärmung des Klimas hingegen könnte das Überleben wesentlich schwerer machen. Das Recht auf Leben aber gehört zu einem der ganz wenigen Werte, auf die sich so ziemlich alle Menschen als erstrebenswert einigen können. Denn mal ehrlich: Leben ist schon ziemlich geil, oder?

Ein anderer Wert spielt hier aber noch mit hinein, denn ich und meine Generation können wahrscheinlich pupsende Kühe essen, bis wir umfallen, wir werden nicht mehr erleben, dass unser Planet zum Mad-Max-Fanclub wird. Dieses Schicksal trifft die nachfolgenden Generationen. Der Wert, der also noch zu Umweltschutz und Recht auf Leben hinzukommt, ist die Generationengerechtigkeit. Ich hatte vorhin schon den Gesellschaftsvertrag erwähnt. Dessen Ziel ist soziale Gerechtigkeit. Er versucht zu erreichen, dass es keinem Teil der Gesellschaft so richtig kacke geht. Diese Idee lässt sich jetzt natürlich nicht nur auf die derzeit lebenden Menschen anwenden. Man kann auch noch die Menschen miteinbeziehen, die noch gar nicht geboren sind. Wenn wir sagen, wir wollen nicht, dass zukünftige Generationen unter dem Scheiß zu leiden haben, den wir verbockt haben. Dann ist das Generationengerechtigkeit.

Und jetzt wird es richtig absurd. Denn ihr habt bestimmt schon einmal was von der schwarzen Null gehört. Das ist die Idee, dass sich Deutschland nicht immer weiter Verschulden soll, damit zukünftige Generationen auch noch genug Spielraum mit den Staatsfinanzen haben. Diese Idee ist nichts anderes als Generationengerechtigkeit. Und absurderweise wird sie am vehementesten von den Parteien vertreten, die beim Umweltschutz auf Generationengerechtigkeit scheißen: CDU und SPD. Schon ein bisschen inkonsequent, oder?

Der Wertekonflikt am Grunde von Fridays for Future

Damit haben wir unseren Wertekonflikt beisammen: Wir haben also auf der einen Seite Werte wie die Schulpflicht, den Gesellschaftsvertrag, die Chancengleichheit, das Verbot auf Kinderarbeit und das Recht auf eine Kindheit. Demgegenüber stehen die Werte des Umweltschutzes, der Erhaltung der Schöpfung, die Generationengerechtigkeit und vor allem das Recht auf Leben.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber wenngleich beide Seiten gute Argumente haben, so habe ich dennoch eine eindeutige Antwort, welcher Wert bei dieser Abwägung am höchsten zu gewichten ist.

Das Mittel zum Zweck von Fridays for Future

Denn wir müssen noch die Frage beantworten, ob das Mittel, das FfF gewählt hat, das richtige ist. Zunächst einmal steht außer Frage, dass die Schüler*innen ein Recht auf die Demos haben. Die Versammlungsfreiheit steht in Artikel 8 des Grundgesetzes. Es ist eines der Grundrechte, der höchsten Rechte, die man in der BRD hat.

Doch müssen die unbedingt während der Schule demonstrieren? Sie könnten das doch auch Samstags machen. Diese gemeinen Schulschwänzer nennen ihre Demos „Streik“. Was ist denn das, ein Streik? Das Wort kommt vom englischen „strike“ und leitet sich wohl ursprünglich von „to strike sails“ her, also „die Segel streichen“. In diesem Satz steckt auch schon die Essenz eines Streiks. Denn dabei nutzen Arbeiter*innen die einzige Macht, die sie ihrem Arbeitgeber gegenüber haben: Die Verweigerung der Arbeitskraft. Doch, Moment: Schüler*innen haben keine Arbeitskraft, die sie durch ihren „Streik“ verweigern können. Wenn sie nicht zur Schule gehen, schaden sie damit niemand anderem als sich selbst.

Nein, „Streik“ ist eigentlich das falsche Wort. Hier ist etwas kategorial anderes im Gange. Die Schüler*innen demonstrieren deshalb während der Schulzeit, um dadurch die Öffentlichkeit auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Und wenn ich mir die Reaktionen von konservativer Seite angucke, funktioniert das auch ganz wunderbar! Dieses Konzept ist nicht ohne Vorbilder: Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King und die indische Unabhängigkeitsbewegung um Mahatma Gandhi haben das Konzept weltberühmt gemacht: Was die Schüler*innen hier durchziehen, ist ziviler Ungehorsam.

Bei zivilem Ungehorsam begeht man einen kalkulierten Regelbruch: in diesem Fall wird die Schulpflicht gebrochen. Dies geschieht aber nicht als Selbstzweck wie beim Schulschwänzen, sondern als Mittel zum Zweck: Um auf ein höheres Gut aufmerksam zu machen. In diesem Fall auf das Recht auf Leben. Wesentlich für zivilen Ungehorsam ist, dass er gewaltlos abläuft, dass die Bestrafung für den Regelverstoß wissentlich in Kauf genommen wird und dass er aus einer Position der Schwäche gegenüber der Staatsmacht geschieht, da den zivil Ungehorsamen kein anderes Mittel zur Verfügung steht. All dies trifft auf FfF zu. Und die Geschichte zeigt, dass ziviler Ungehorsam ein legitimes Mittel sein kann, wenn das Anliegen gewichtig genug ist: Etwa bei der Segregation, der Besetzung Indiens oder eben beim Klimawandel.

Damit haben wir es, oder? Das ist sie, die Philosophie von Fridays for Futur. Ich hoffe, ihr konntet ein bisschen was mitnehmen …

Die Sokratische Wende

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Daniel
examiniert sein Leben

Sokrates – der Gamechanger – Teil 3

Heute geht es schließlich darum, was wir über Sokrates‘ Philosophie wissen. Worin bestand denn diese sokratische Wende? Und hat der alte Sokrates sich tatsächlich nur für Ethik interessiert?

Den Text zu Folge gibt es hier.

Epilog zu Platon

Hier geht s heute zum letzten Mal um Platon. Also wahrscheinlich, eventuell,  vorerst vielleicht. Ganz sicher ist hingegen, dass ihr entweder das Video sehen könnt oder den Text lesen.

Lasst uns noch einmal zurückblicken, was wir alles über Platon erfahren haben. In den letzten drei Jahren habe ich euch in 32 Teilen von Platon erzählt. Ihr hättet lernen können, dass er ein Schüler von Sokrates‘ war. Dass er ein spitzenmäßiges Apfelkuchenrezept hatte und dass Platons Philosophie in drei Phasen aufgeteilt wird: den frühen, mittleren und den späten Platon. Ich habe mich hier zumeist auf den mittleren Platon konzentriert, denn es ist der Platon der großen Entwürfe.

Der Platon der großen Entwürfe

Der größte der großen Entwürfe ist Platons Ideenlehre, die bis heute für die theoretische Philosophie von Relevanz ist, auch wenn sie natürlich oft und hart kritisiert wurde. Neben der Ideenlehre ist Platon für seine Ethik bekannt, wo er, wie wir sahen, hart für eine universalistische Auffassung  des Guten eintrat. Die Staatstheorie, die er daraus folgerte, ist zwar nicht minder berühmt, darf aber meines Erachtens getrost auf dem Müllhaufen der Philosophiegeschichte entsorgt werden gleich neben Hegels Weltgeist und Heideggers … was auch immer Heidegger gemacht hat. Ganz im Gegenteil etwa zur berühmten platonischen Liebe und seiner Definition von Wissen, die noch immer awesome sind.

Neben diesen Kernthemen habe ich noch zahlreiche andere angesprochen und dennoch – wie könnte es anders sein – habe ich nur einen kleinen Teil der gesamten platonischen Philosophie angekratzt, als wäre sie ein zu tief gefrorenes Kratzeis. Peter Adamson vom schönen Podcast „The History of Philosophy without any Gaps“ sagte mal, für ihn stehe ohne jeden Zweifel fest, dass er auf eine einsame Insel die gesammelten Werke Platons mitnehmen würde, denn mit ihnen kann man sich problemlos ein Leben lang beschäftigen. Und auch ich kann nur empfehlen, euch mal einen frühen platonischen Dialog zu schnappen, euch damit am besten in eine altehrwürdige Bibliothek zu setzen, den Dialog zu lesen, mit dem Einschlafen zu kämpfen und darüber nachzudenken. So habe ich meine Liebe zur Philosophie entdeckt.

Platon und die Schönheit

Eine von all den vielen Sachen die ich weitgehend ausgelassen habe, war ein der drei philosophischen Kerndisziplinen. Wir hatten uns mit den beiden philosophischen Bereichen beschäftigt, die Kant in einem berühmten Zitat aus der Kritik der praktischen Vernunft wie folgt zusammengefasst hat:

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.“

Der olle Königsberger spricht hier von der Erkenntnistheorie und der Ethik. Aber es gibt eben noch einen dritten Zweig am philosophischen Baum: den der Ästhetik und den habe ich bei Platon fast komplett ausgelassen. Das liegt daran, dass Platon so seine Probleme hatte mit der Untersuchung der Schönheit. Gewiss im Symposion blitzt sie im Zusammenhang mit der Liebe gewissermaßen notgedrungen auf. Ich hatte die dort gegebene Definition der Idee der Schönheit im Rahmen der Ideenlehre wiedergegeben. Doch insgesamt war Platon skeptisch, was Schönheit anbelangt. Umberto Eco schreibt in seiner Geschichte der Schönheit, dass Platon meinte, sie lenke von der Wahrheit ab.

Platons Skepsis gegenüber dem Schönen und der Kunst zeigte sich zum Beispiel im Liniengleichnis. Hier stellte Platon die Abbilder auf die unterste Stufe der Erkenntnis. Zwar sprach er auch über natürliche Spiegelungen und Schatten, doch spätestens in der Wirkungsgeschichte wurden vor allem die gefertigten Abbilder verstanden. Auch der ganze Zensurapparat im Staat zielt darauf hin, die Macht ästhetischer Werke zu beschränken und lediglich pure Erkenntnis den Bürgern zugänglich zu machen. Interessant daran ist, dass Platon mit diesen Maßnahmen implizit eingesteht, dass Kunst wirkungsmächtig ist, dass sie einen enormen Einfluss auf unser Leben und unsere Sicht der Welt hat. Und genau aus diesem Punkt ist sie auch ein wichtiger Gegenstand zukünftiger Betrachtungen in dieser meiner Reihe.

Blick nach vorne

Damit bin ich bei der Frage, wie es hier weitergeht. Und darauf kann es nur eine Antwort geben: mit Aristoteles. Mit Platons Schüler schließe ich die großen Drei der Antike ab: Sokrates, Platon und eben der gute alte Ari. Aristoteles hat sich übrigens im Gegensatz zu Platon ausführlich mit Ästhetik beschäftigt, wie er überhaupt das ein oder andere Feld aufgriff, das Platon mit Missachtung strafte, zum Beispiel die Rhetorik. Ich werde in meiner Aristoteles-Reihe daher immer wieder darauf zurückkommen, wo Aristoteles explizit oder implizit sich von seinem großen Lehrer abhebt und ihn kritisiert. Ihr seht, ihr werdet Platon nicht los.

Aristoteles wird natürlich nicht der einzige bleiben, der seine Philosophie in einer Auseinandersetzung mit Platon begründet. Ein letztes Mal haue ich euch noch Alfred Whiteheads Zitat um die Ohren:

„Die sicherste allgemeine Charakterisierung der philosophischen Tradition Europas lautet, daß sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht.“

Platon war für die europäische Philosophie ein Fluch und ein Segen zugleich. Ich weiß, dieser Satz ist ein Klischee, aber erst ist auch so wahr wie der nächste, der nicht weniger ein Klischee ist: Platon war ein Genie. Er hat so viele Dinge vielleicht nicht zum ersten Mal gedacht, aber zumindest aufgeschrieben und uns so überliefert, dass er Wege ebnete, die die Philosophie von da an gehen konnte. Aber wo immer er eine Tür geöffnet hat, blieben natürlich auch andere verschlossen, durch die er genauso hätte gehen können.

Der vergessene Platon

Bei diesem enormen Einfluss, den ich im Detail ja in den letzten 32 Teilen immer wieder ansprach, ist es erstaunlich, dass es Phasen in der Philosophiegeschichte gab, in denen Platon fast vergessen war. Wenn man Bücher zur Geschichte der Philosophie liest, gewinnt man leicht den Eindruck, dass nach Platon und Aristoteles ein bisschen Mittelalter lag und dann gleich Descartes kam. Dass zwischen Platon und der philosophischen Neuzeit knapp 1.900 Jahre lagen, verliert man leicht aus den Augen.

Platon hatte seine Legacy selbst eingeleitet mit der Gründung der Akademie, die auch unglaubliche 300 Jahre fortbestand, doch spätestens 87 v. Chr. kam der Unterricht zum erliegen, als die Römer Athen eroberten und die Akademie verwüsteten. Es gab noch ein paar Versuche, die Tradition aufrecht zu erhalten, doch ca. 44 v. Chr. war dann endgültig Schluss.

Platons Lehren gerieten in weiten Teilen der philosophischen Welt in Vergessenheit, lediglich in Ägypten wurde die Flamme am Leben erhalten. Von hier aus brachte dann Platons Lehren der Philosoph und Namens-Remix-Begründer Plotin ca. 280 Jahre später nach Rom und die Epoche der Neuplatoniker wurde begründet. Der Neuplatonismus breitete sich nach Konstantinopel, Syrien und erneut Ägypten aus. Auch wenn der Kirchenvater Augustinus von Hippo Platons Lehren weitgehend christianisierte, hatten im Christlichen Europa die meisten Schriften Platons einen schweren Stand und im 6. Jahrhundert kam diese Tradition dann zum Erliegen. Teile des Platonismus wurden mit der Christlichen Philosophie weitergetragen und auch in Konstantinopel und Baghdad wurden seine Lehren wohl bis ins 11. Jahrhundert hier und dort am Leben gehalten. Doch schließlich wurde es still um den alten Philosophen.

Erst vierhundert Jahre später erlebte Platon mit der Renaissance in Italien auch seine Wiedergeburt und spätestens seit dem Beginn der Neuzeit gehört eine kritische Auseinandersetzung mit dem Philosophenkönig zum Standardrepertoire der Philosophen.

Ende

So, das war es. Das war, was ich euch zu Platon zu erzählen hatte. Gemessen an seinem Werk war es nicht viel und mein Anspruch ist bescheiden,  ich hoffe lediglich,  dass, was ich sagte, halbwegs stimmt.

Wir gesagt, es ist bestimmt kein Abschied für immer. So lange dieser Blog bestehen bleibt, so lange wird uns der erste große Philosoph immer wieder begegnen. Für mich ist es jetzt aber Zeit, voranzuschreiten. Weit muss ich dabei nicht gehen, denn schon als Platon noch selbst in der Akademie unterrichtete, saß da ein wissbegieriger Schüler in der ersten Reihe und sollte ein nicht minder großer Philosoph werden: Aristoteles.

Haltet mir die Treue, es wird ein bisschen dauern, bis ich mit dem Wälzen der Texte von und zu Ari fertig bin. Damit euch nicht langweilig wird, werde ich hier die eine oder andere Text für euch zu philosophischen Themen droppen. Doch am Ende gebe ich Platon selbst das Wort. Mit den letzten Zeilen aus dem Dialog Protagoras:

Da sagte Protagoras: Lieber Sokrates, ich lobe deinen Eifer und deine Durchführung des Gespräches. Glaube ich doch, auch sonst kein schlechter Mensch, am allerwenigsten aber neidisch zu sein, und so habe ich mich denn auch über dich schon gegen viele dahin ausgesprochen, daß ich von allen denen, mit welchen ich in Berührung komme, dich am meisten hochschätze, vor allem unter denen, die gleichen Alters mit dir sind; und so erkläre ich denn auch, daß es mich nicht wundern sollte, wenn du einst unter den Männern genannt werden wirst, denen ihre Weisheit einen berühmten Namen erwarb. Aber über diese Gegenstände wollen wir, wenn es dir recht ist, ein andermal sprechen! Jetzt aber ist es Zeit, uns auch einmal zu etwas anderem zu wenden.

Gut, sagte ich, so wollen wir es machen, wenn du meinst. Denn auch für mich ist es schon längst Zeit, dahin zu gehen, wovon ich sprach, und nur dem schönen Kallias zu Gefallen bin ich hier geblieben.

Nachdem wir so mit einander geredet und einander zugehört hatten, trennten wir uns.