Kritik an Platons Staat

Heute schließe ich Platons politische Philosophie ab, indem ich einerseits noch einmal erkläre, was mich an seinem Staatsmodell stört. Andererseits schreibe ich auch, wie Platon auf die Idee zu seinem idealen Staat kam. Hier als Video, darunter als Transkript …

Platons politische Philosophie

Man hat es mir bestimmt üüüüüüüberhaupt nicht angemerkt, aber für mich stellt Platons politische Philosophie den schwächsten Teil des Werks unseres großen Philosophen dar. Warum? Das will ich euch erklären. Doch zuvor stellt sich mir noch eine andere Frage. Eine Frage, die sich direkt an das letzte Mal anschließt, in der wir Platons Vorstellungen von einem perfekten Staat kennengelernt hatten:

Warum das Ganze?

Und diese Frage lautet: Warum? Wie kam Platon zu so einem – hoffentlich nich nur in meinen Augen – unglaublich reaktionären Staatsmodell? Erinnert euch dafür an das, was ich zu Platons Leben gesagt hatte: Platon war enttäuscht von der Demokratie, die Hinrichtung Sokrates’, des weisesten und gerechten Mannes, den er kannte, hatte ihn geschockt. er hatte die Demokratie als ein zutiefst ungerechtes System kennengelernt. Daher wollte er ein durch und durch von Gerechtigkeit und Vernunft geleitetes Gegenmodell entwerfen.

Damit wir Platons Hass auf die Demokratie besser verstehen und nicht komplett als stumpfen Reaktionismus abtun, sollte ich ergänzen: Die Athener Demokratie unterschied sich massiv von unserer heutigen Demokratie. So gab es keine Grundrechte, keinen Minderheitenschutz und nur einen bedingten Rechtsstaat. das System war radikal basisdemokratisch, das heißt, dass das Volk quasi alle Posten und Ämter im Staat wählte und vieles in Abstimmungen beschloss, das wir heute lieber Expertinnen überlassen. Es gab keine Gewaltenteilung: Die gleichen Menschen regierten also, erließen die Gesetze und waren Richter. Außerdem gab es keine sogenannten Checks and Balances – Also Institutionen, die darauf achten sollen, dass die Macht nicht missbraucht wird. Last not least wurden Frauen, Sklaven und Männer, die nicht in Athen geboren worden waren von den demokratischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.

Platon hatte darüber hinaus aber auch den – sagen wir mal – „Gegenentwurf“ der 30 Tyrannen erlebt und von dieser Diktatur einer Gruppe von Aristokraten war er nicht weniger enttäuscht worden. Schließlich hatte er in Syrakus auch noch sehen können, dass ein Alleinherrscher nicht das Gelbe vom Ei ist. Schaut euch das alles am besten noch einmal in meiner Folge zu Platons Leben an.

Platon stellte sich also die Frage, wer denn nun der perfekte Herrscher sein kann, wenn doch alle in er Antike bekannten Systeme Probleme haben. Entsprechend war seine Antwort gar nicht so unvernünftig: Herrschen sollen nur Menschen, die sich eingehend mit so wichtigen Fragen wie „Was ist Gerechtigkeit?“ beschäftigt hat. Entweder müssen also die Philosophen Herrscher werden oder die Herrscher Philosophen.

Philosophen als ewige Regierungskaste

Prinzipiell spricht ja auch nichts dagegen, zu fordern, dass Politikerinnen sich schon einmal mit Moralfragen auseinandergesetzt haben. Aber begründet das Studium der Philosophie deshalb eine ewige Regierungskaste? Ich glaube nicht. Denn es gibt ein großes Problem, eine Tatsache, die für mich Platons System disqualifiziert: Menschen können sich irren.

Selbst jemand wie Platon, der extrem selbstsicher ist, weil er glaubt, die Ideen gesehen zu haben, kann sich irren. Viele der philosophischen Antworten, die Platon gibt, lehnen wir heute als falsch ab. Darüber hinaus sind Fragen der Moral nie ausschließlich Wissensfragen, wie ich schon bei Sokrates darlegte. Moral und Politik sind vor allem die Antwort auf die Frage: Wie wollen wir Leben? Auf diese Frage wurden im Laufe der Jahrtausende immer wieder neue Antworten gegeben.

Die Vorstellung besipielsweise, dass Platons Philosophenkaste von selbst auf die Idee gekommen wäre, die Sklaverei zu beenden, ist äußert fragwürdig, denn politische Systeme tendieren dazu, den Status Quo zu erhalten. Das sieht man auch an Platon: Der Aristokratensohn entwarf nicht ohne Grund ein System, das stark einer Aristokratie ähnelte: Die Macht liegt bei einer privilegierten Gruppe und wird vererbt.

Veränderung als etwas Schlechtes

Platon macht auch gar keinen Hehl daraus, dass er glaubt, Veränderung wäre etwas Schlechtes. Dies geht – genau wie seine Überzeugung, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben – auf seine Metaphysik zurück: Die Idee ist unveränderlich und perfekt. Alle Erscheinungen sind veränderlich und nur degenerierte Abbilder der Idee. Entsprechend muss jede Veränderung in seinem Staat verhindert werden – Was unter anderem zu seinem harschen Zensursystem führt.

Das ist eine sehr konservative Haltung, die im übrigen gerade heute wieder sehr populär ist: Wir sollen unsere Grenzen schließen, denn wir können all die fremden Einflüsse, die andere Kulturen mitbringen, angeblich nicht aushalten. Wir dürfen Minderheiten wie Homosexuellen oder Intersexuellen nicht mehr Rechte geben, denn so wie es jetzt ist, war es schon immer. Wir dürfen Dieselautos nicht verbieten, auch wenn sie uns vergiften, wegen der Armen Menschen, die schon immer mit Autos gefahren sind.

So eine Haltung ist eine sehr bequeme Einstellung, aber auch eine sehr gefährliche. Denn sie geht davon aus, dass die Art, wie wir leben, richtig ist und neue Einflüsse falsch. Und allzu oft in der Geschichte wurden Systeme, die derart verkrustet waren, irgendwann einfach auf die eine oder andere Weise angeschafft.

Auf institutioneller Ebene haben wir daher in der Demokratie die schon erwähnten Checks & Balances. Beispielsweise haben wir Legislaturperioden, damit wir alle vier Jahre die Chance haben, einen begangenen Fehler wieder gut zu machen, indem wir eine schlechte Regierung abwählen oder dafür sorgen, dass die AfD wieder aus den Parlamenten fliegt. Das ist sehr wichtig! Der Philosoph Karl Popper definiert Demokratie nicht als das Mehrheitsprinzip – welches ja auch Platon zum kotzen fand – sondern als die Möglichkeit zum friedlichen Machtwechsel. Die Demokratie ist genauso schlecht und fehlerhaft wie Platons Staat, aber alle vier Jahre können wir auf friedliche Art und Weise zu schlechten Regierungen sagen: Nope, Leute, so nicht. Danke für euren Beitrag, aber wir probieren mal jemanden anderen aus. Platons System sieht diese Möglichkeit nicht vor.

Was ist das Grundprinzip des Totalitarismus?

Und wo ich gerade Karl Popper erwähnt habe: Er und Bertrand Russell gehören zu den schärfsten Kritikern von Platons politischer Philosophie. Sie sagen, dass Platon die theoretischen Grundlagen für einen Totalitären Staat wie den Nationalsozialismus oder den Stalinismus geschaffen hat. Ich will nicht verschweigen, dass diese Kritik ihrerseits auch oft kritisiert wurde. Zum einen konnte Platon natürlich nicht wissen, was über 2.000 Jahre später aus seinen Gedanken gemacht wurde. Zum anderen finden sich wohl viele nitpicky Details, in denen vor allem Popper in seinem Buch „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ Platon falsch auslegt.

Aber insgesamt ist diese Kritik meiner Meinung nach auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Und zwar wenn wir genau das machen, wozu Platon uns auffordert und eine “Was ist …?“-Frage stellen: Was ist das Grundprinzip des Totalitarismus?

Der Gedanke, der dem Totalitarismus zu Grunde liegt, ist: Dass der Staat (beziehungsweise das Volk oder die Partei) etwas größeres und besseres ist als das Individuum und dass sich daher jeder Mensch in den Dienst dieses größeren Plans zu stellen hat, sodass am Ende das Große Ganze davon profitiert. Wenn dafür eine kleine Gruppe leiden muss (Juden, Andersdenkende, Flüchtlinge, Menschen mit Grundbesitz), dann macht das nichts, denn das Totale profitiert. Und das ist im Grunde genau die Philosophie, die hinter Platons Staat steckt.

Alle Menschen sind gleich

Wir hingegen haben gerade als Antwort auf die fatalen Konsequenzen des Totalitarismus nicht den Staat in den Mittelpunkt unserer politischen Bestrebungen gesetzt, sondern das Individuum. “Alle Menschen sind gleich” ist der dahinterstehende Grundsatz. Wichtig ist, dass die Menschen nicht in ihren Talenten oder Neigungen gleich sind sondern gleich in ihrem Status. Diese feine Nuance hat Platon mit seinem Grundsatz “Jedem das Seine” stets übersehen. In Bezug auf Talente und Neigungen ist “Jedem das Seine” eine feine Sache. Aber in dem Moment, in dem ich das Prinzip auf den Status von Menschen ausdehne und verlange, dass Menschen in bestimmte Kasten einsortiert werden müssen, weil das ihrer Natur entspricht, in dem Moment wird das Prinzip totalitär. Nein, im Status müssen alle Menschen stets gleich sein, das ist unsere feste Überzeugung. Der Staat ist nur dazu da, jedes einzelne Individuum zu schützen, keinen als bloßes Mittel zum Zweck des Glückes der anderen zu behandeln. Das kommt in unserem anderen, noch wichtigeren Grundsatz zum Ausdruck: “Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Das soll es von mir gewesen sein zu Platons politischer Philosophie. Da der große Philosoph in diesem praktischen Zweig der Philosophie so episch gefailt hat, wollen wir als nächstes uns anschauen, was Platon zur theoretischen Philosophie zu sagen hat. Konkret: zur Frage, wie Erkenntnis und Wissen möglich sind.

Vorher möchte ich mich aber nochmal mit euren Fragen und eurem Feedback beschäftigen. In diesem Sinne: Schreibt mir einen Kommentar!

Platon – Der Staat

Heute geht es endlich um Platons Staat. Ich stelle euch die Gesellschaftsform und die Institutionen vor, die Platon für seine Utopie vorsah. Ich kläre die Frage, wer herrschen soll und frage mich, warum das jetzt gerecht sein soll. Ihr könnt euch das als Video ansehen oder darunter das Transkript lesen.

Heute möchte ich Platons idealem Staat richtig auf den Zahn fühlen und euch darlegen, wie Platons Vision aussah. Also, blicken wir wieder in den Text:

Das ideale Staatsmodell

Nachdem Platon sich darüber ausgelassen hat, was die passende Erziehung ist und damit vor allem meinte, vor welchen seiner Meinung nach schädlichen Einflüssen es die Kinder zu schützen gilt, wendet er sich nun der Frage zu, wer in seinem idealen Staat herrschen soll.

Platon entwirft in der Folge ein Gesellschaftsmodell mit drei Kasten: Den Herrschern, den Soldaten und dem Stand der Handwerker, Bauern und Händler. Jeder Stand und jeder Bürger hat die Pflicht zum Gemeinwohl beizutragen, indem er das für den Staat tut, was am ehesten seiner Natur entspricht. Remember, remember: Jedem das Seine. Die Bauern, Handwerker und Händler haben die Aufgabe, alles herzustellen, was die Gesellschaft braucht. Die Soldaten sollen den Staat sowohl nach außen schützen, also militärisch, als auch nach innen, also polizeilich. Die Herrscher schließlich sollen, nun ja: herrschen!

Normalerweise wird die Standeszugehörigkeit vererbt, allerdings werden alle Kinder von den Herrschern einer Eignungsprüfung unterzogen und können so gegebenenfalls doch lieber einer anderen Kaste zugeordnet werden. Der Staat plant und lenkt die Fortpflanzung: Er kann sie sowohl befehlen, als auch verbieten zum Wohle der Eugenik und der Bevölkerungsentwicklung. Behinderte oder vom Staat unerwünschte Kinder werden ausgesetzt oder ermordet. Das klingt äußerst brutal und ist es auch, war jetzt aber keine ganz neue Idee von Platon, sondern wurde im antiken Griechenland durchaus so praktiziert. Jedes zweite griechische Drama beginnt mit einem ausgesetzten Kind.

Weiter im Text: Damit sich die Soldaten und die Herrscher nicht gegen das eigene Volk wenden können, ist ihnen der Besitz von Privateigentum verboten, sie haben keine eigene Wohnungen, keine Reichtümer, sie leben in Gemeinschaften und werden vom dritten Stand mit allem versorgt, das sie brauchen. An dieser Stelle möchte ich euch erinnern, dass Platon und seine Kumpel mehrfach versucht hatten, den idealen Staat in Syrakus zu etablieren. Na? Habt ihr eine Idee, warum das gescheitert ist?

Der Verzicht auf Privateigentum soll deshalb davor schützen, dass sich die Soldaten und/oder Herrscher gegen das eigene Volk wenden, weil er die einzelne Soldaten und Herrscher unbestechlich macht. Denn sie könnten nichts mit entsprechenden Reichtümern anfangen. Gute Idee, das muss ich ja mal zugestehen. Quasi die platonische Variante von Transpareny International. Wobei auch das meiner Meinung nach übersieht, wie kreativ Menschen werden können, wenn es um Bestechung geht. Aber unabhängig von Bestechung, hilft diese Maßnahme vor allem nichts gegen einen Putsch, womöglich erhöht sie sogar die Gefahr …

Platon lässt auch Adeimantos den Einwand fomulieren, nämlich dass die Herrscher ihren Job wohl nicht gerade gerne machen werden. Schließlich haben sie den ganze Stress der Regierung, ohne die Früchte zu ernten. Sokrates erwidert, dass gar nicht so klar sei, ob nicht ein derart asketisches Leben am Ende viel glücklicher macht. Klassischer Platon: Askese macht glücklich! Genau! Warum hatten die Griechen noch gleich mit Dionysos einenn saufenden und Sex-Partys feiernden Hippie-Jesus als Gott? Gut: Sex verbietet Platon diesmal nicht.

Aber es komme – so Platon – auch nicht auf das Glück der Herrscher an, sondern darauf, dass am Ende dem gesamten Staat möglichst viel Gutes zukomme. Wenn dafür eine kleine Gruppe zurückstecken müsse, dann sei das vertretbar.

Da drin steckt das Prinzip das ein paar Jahrtausende später vom Utilitarismus aufgegriffen wurde: Der Staat hat für das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl seiner Bürger zu sorgen. Aber natürlich entkräftet dies unseren machtpolitischen Einwand überhaupt nicht: Klar kannst du argumentieren, dass das moralisch hochwertiger ist. Aber ob das die Leute mit den Waffen und die Leute, die die Gesetze schreiben werden, auch so sehen?

Was ist daran gerecht?

Anyway: Das waren sie schon, die groben Züge von Platons Staat. Die Frage ist, was daran jetzt so gerecht sein soll? Platon sagt, dass das Prinzip, welches ich ganz am Anfang dieser Folge erwähnte, die Gerechtigkeit an diesem Staatsmodell ausmacht: Dass jeder Bürger dem Stand zugeordnet wird, der am ehesten seinen natürlichen Neigungen entspricht – der Grundsatz „Jedem das seine“.

Aber dieser Grundsatz wird hier noch weiter gedacht: Indem jeder zum Gelingen des Staates beiträgt, tut jeder seine Pflicht also das Seine. Platon setzt außerdem die drei Stände mit den drei Teilen der Seele gleich, die wir kennengelernt hatten: Vernunft, Gefühle und Triebe. Demnach ist bei jedem Menschen einer dieser drei Teile dominant und er soll dann in die damit assoziierte Kaste kommen: Die Vernünftigen sind natürlich die Herrscher, die Emotionalen sind die Soldaten und die Triebgesteuerten kommen in den dritten Stand.

Wer soll herrschen?

Spannend an Platons Utopie ist für uns noch die Frage, wer in diesem Staat herrschen soll. Wie also bestimmt wird, wer geeignet ist für die Herrscherkaste. Die Antwort kennt ihr wahrscheinlich alle, sie gehört ebenfalls zu den berühmtesten Überlieferungen Platons. Aber selbst wenn ihr sie nicht kennt, so ist sie nicht sonderliche überraschend, sondern verharrt in Platons Egozentrismus: Die Herrscher müssen Philosophen werden oder die Philosophen Herrscher.

Warum gerade die? Nun, abgesehen davon, dass Philosophen bei Platon eh immer am coolsten sind, schlagen wir hier mal wieder den Bogen zurück zum Höhlengleichnis: Nur Philosophen haben die Idee des Guten gesehen und können so nach jahrelanger Auseinandersetzung mit dem Guten weise und gerecht herrschen.

So, das soll für heute reichen. Beim nächsten Mal werde ich Platons politische Philosophie abschließen, indem ich mich einerseits noch einmal frage, wie er auf so crazy shit kommen konnte. Und andererseits werde ich mal ein paar ganz klitzekleine Problemchen von Platons Theorie des idealen Staats ansprechen.

 

Platon – Erziehung und Zensur

Heute beginne ich, mich in Platons politische Philosophie hineinzustürzen. Bevor wir die Verfasstheit von Platons idealem Staat kennenlernen, beschäftigen wir uns zunächst mit den Grundbedingungen. Welche Maßnahmen müssen in der Erziehung getroffen werden, um den idealen Staat vorzubereiten? Das heißt für Platon vor allem eines: Zensur. Ihr könnt das als Video ansehen oder darunter das Transkript lesen.

Der Staat

Wir hatten den Dialog über die Frage verlassen, was Gerechtigkeit ist und werden über diese auch wieder zu ihm zurückkehren. In “Der Staat” werden noch viele klassische Probleme und Thesen der Ethik besprochen: So zum Beispiel die später noch oft vertretene These, dass die Menschen von Natur aus egoistisch sind und sich nur deshalb auf gerechte Gesetze geeinigt haben, um zu verhindern, dass sie selbst einen Nachteil erleiden.

Doch, wie gesagt, für uns wird es nun Zeit, mal langsam in Platons Utopie hineinzuschauen. Also in Platons Vision für einen idealen Staat. Dieser Dialog ist übrigens die erste aller uns bekannten Utopien. Es ist also das erste Mal, dass das Modell einer idealen Gesellschaftsform entworfen wurde. Alle großen Entwürfe der Politikwissenschaft von Aristoteles über Machiavelli, Hobbes, Locke, Montesquieu und natürlich Thomas Morus bis hin zu Hegel, Marx und John Rawls stehen in seiner Tradition. Die Frage ist nur, ist dieser, Platons Staat auch wirklich so ideal? Lasst uns in den Text reinschauen:

Nachdem die Gesprächsrunde in Kephalos‘ Haus nicht so recht vorankommt mit ihrer Untersuchung, was denn Gerechtigkeit ist, macht Sokrates schließlich einen Vorschlag: Manchmal lassen sich Probleme besser klären, wenn man einen Schritt zurücktritt und versucht, das große Ganze zu betrachten. Statt zu sagen, was den einzelnen Menschen gerecht macht, lässt sich ja vielleicht klären, was für einen gerechten Staat wesentlich ist.

Wie das so seine Art ist, legt Platons Sokrates aber wieder einmal nicht gleich die Karten auf den Tisch, sondern dreht eine Extrarunde, ganz als ob er Kilometergeld bekommen würde. Bevor er beginnt, die Institutionen des idealen Staates zu beschreiben, fragt Sokrates sich also zunächst, was denn die Grundvoraussetzungen sind, unter denen ein solcher Staat überhaupt möglich ist. Dabei kommt er ganz schnell darauf, dass man bei Bildung und Erziehung ansetzen müsse, wenn man überhaupt irgendwas erreichen will.

Zensur

Diesen Ausgangspunkt nutzt Platon, um mal so richtig schön tief in die Kiste des Konservatismus zu greifen und auch ordentlich im Regal des Reaktionismus zu kramen. Denn Platon hielt es für problematisch, dass bereits Kinder in den Schulen Griechenlands mit Schundliteratur in Kontakt kamen oder zumindest dem, was Platon dafür hielt. Das erinnert mich übrigens sehr an meine Schulzeit und die Einstellung von so manchem Lehrer. Überhaupt ist es spannend, wie Kulturpessimisten in ihren Argumenten immer wieder zu Platon zurückkehren. Aber das nur am Rande, wir werden in einer anderen Folge darauf zurückkommen. Aus seiner Analyse heraus, dass es zu viel literarischen Schrott gibt, zog Platon jedenfalls die Schlussfolgerung, dass es für die Etablierung eines ideale Staates eine strenge Zensur von Literatur und Musik geben müsse. Mütter, Ammen und Lehrerinnen sollten Kindern nur von der Zensur genehmigte Geschichten oder Lieder vortragen dürfen, um sicherzustellen, dass sie die Erziehung nicht von vornherein versauen. Ich hoffe, euch wird bei diesen Worten ähnlich mulmig zumute wie mir.

Insbesondere die Klassiker von Homer und Hesiod wollte Platon verbieten, weil sie die Götter zu negativ darstellen. Platon lehnte das klassische polytheistischen Weltbild der alten Meister ab. In Griechenlands Vielgötterreligion gab es quasi für jedes Phänomen auf der Erde einen passenden Gott. Platon vertrat hingegen die Ansicht, dass die Götter nur für das Gute in der Welt verantwortlich sind und die Menschen das Schlechte selbst zu verantworten haben. Meinungen zu verbreiten, die davon abweichen, hielt er für schädlich, weswegen Platon Gotteslästerung unter Strafe stellen wollte. Insbesondere war ihm die griechische Vorstellung ein Dorn im Auge, dass der Hades ein schlechter Ort ist. Die Erziehung müsse darauf abzielen, dass sich der Einzelne bereitwillig auf dem Schlachtfeld opfert, weswegen keine Angst vor dem Tod gelehrt werden dürfe.

Diese religiöse Zwecklehre, die Menschen zu Kriegsmaterial reduziert, ist schon schlimm genug, dennoch ist Platon noch nicht am Ende. Er beginnt vollkommen abzudrehen und will alles von der Zensur verbieten lassen, das nicht seinen persönlichen Idealvorstellungen entspricht. Zum Beispiel kritisiert er Homer, der schreibt, die Götter würden lachen. Das muss verboten werden, denn der Anstand verbietet lautes Gelächter! Außer den Regenten soll es ferner jedem verboten sein, zu lügen. Die Regenten dürfen gegenüber Feinden des Staates lügen. Aber die normalen Bürger nicht.

Die Funktion von Sprache

An dieser Stelle muss ich einhaken, meine moralische Empörung mal kurz beiseite legen und einfach mal bitten, euch vorzustellen, wie ein absolutes Lügenverbot in der Praxis aussehe. Sie würde beispielsweise zu folgenden Dialogen führen:

 

“Wie hat dir mein Essen geschmeckt?“

„Es war das widerlichste, was ich je gegessen habe!“

 

„War es für dich so gut, wie für mich?“

„Nein, du bist ein grauenhafter Liebhaber!“

 

„Mein Vater ist gestorben.“

„Zum Glück, der war ja ein Riesenarschloch!“

 

Platon hat hier eine komplett eindimensionale Vorstellung von Sprache. Die Wahrheit ist für ihn das einzige Gut im Gespräch. Dass es auch andere Ideale gibt, dass Sprache zum Beispiel auch eine soziale Funktion hat, übersieht er vollkommen.

Verbotswahn

Aber Platon geht in seinem Verbotswahn noch weiter als selbst ein CSU-Mitglied in der Einschränkung von Bürgerrechten: In der Literatur – so Platon, nicht die CSU – darf keine Textstelle vorkommen, in der jemand einen Vorgesetzten kritisiert, da dies zu ungehorsam gegenüber dem Staat führen könnte. Okay, vielleicht könnte das doch auch von der CSU kommen …

Anyway: Platon war außerdem, wie wir schon mehrfach gesehen haben, ein riesiger Lustfeind. Deswegen gehören Beschreibungen von Trunkenheit und Sex natürlich auch zensiert. Helden in Geschichten dürften ihre Heldentaten nicht gegen Geld anbieten, so fährt er fort, und es darf keine Geschichten geben, in denen der Schlechte glücklich, der Gute aber unglücklich ist.

Zu guter Letzt kritisiert Platon noch direkte Rede in Epen und Dramen. Und ich kann wirklich nur noch WTF sagen! Platon findet die direkte Rede kacke, weil bei ihr nachgeahmt wird. Das ist für ihn schon widerlich genug, erinnert es doch an die Welt der Erscheinungen, die die Ideen nur „nachahmt“. Was für Platon bedeutet, dass sie nicht wahr ist.

Am besten ist es also, wenn auf Nachahmung ganz verzichtet wird, aber wenn sie sich nicht komplett verbieten lassen, dann sollen in Dramen zumindest nur gute Menschen vorkommen, damit niemand in die Verlegenheit kommt, schlechte Menschen schauspielen zu müssen. Die Forderung nach griechischen Dramen, in denen alle lieb und artig sind, ist ungefähr so sinnvoll, als würden wir verlangen, dass heutzutage nur noch Horrorfilme mit einer Altersfreigabe ab 6 Jahren gedreht werden dürfen.

Auch für die Musik, die Justiz, die Medizin und sogar für das Essen hatte Platon ähnlich rigorose Vorstellungen. Aber darauf möchte nicht so detailliert eingehen. Insgesamt entsteht ein Bild von Erziehung und Kultur, mit dem sich auch der IS sehr gut anfreunden könnte. Platons Vorstellungen zur Zensur der Literatur aber finde ich mit am niederträchtigsten.

Die eigenen Existenzbedingungen ignorieren

Und zwar weil ich mich von Platon persönlich betrogen fühle. Denn was er hier tut und was noch viele Philosophen und Autorinnen nach ihm tun werden, ist, seine eigenen Existenzbedingungen zu ignorieren. Er selbst war ein Produkt der liberalen griechischen Kultur. Er selbst konnte seine Philosophie nur betreiben, weil es keine derartige Zensur gab. Und er selbst hatte in Syrakus am eigenen Leib gespürt, was es bedeutet, wenn Freidenker unterdrückt werden.

Dennoch macht er sich massiv für Zensur stark, solange es nur seine Zensur ist. Platon glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Irrtum ausgeschlossen. Im Namen der Gerechtigkeit darf er bestimmen, was andere zu sagen, ja sogar zu denken haben. Platon vertritt einen moralischen Doppelstandard: Das, was er für sich selbst einfordert, nämlich die herrschenden Verhältnisse zu kritisieren, das will er anderen nicht zugestehen, sobald er erst einmal an der Macht ist.

Das ist eine Denkweise, die heutzutage die AfD immer wieder an den Tag legt. Wenn sie die Errungenschaften der liberalen Demokratie wie Asylrecht, Gleichberechtigung der Frau oder ein geeintes friedliches Europa immer und immer wieder in Frage stellt, dann nutzt sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung über die Grenze des Erträglichen aus. Zugleich beschimpft sie die politischen Gegner, sobald diese das gleiche Recht für sich in Anspruch nimmt. Jammert über Meinungsdiktatur, sobald ihr klar wird, dass die Mehrheit in diesem Land anders denkt und will Religionen verbieten, Politikerinnen ausweisen und was weiß ich nicht noch alles.

Platon Motivation freilich war eine andere als der stumpfe Nationalismus der AfD: Er wollte das echte, wahre Gute erreichen und glaubte nur mit diesen Mitteln einen idealen Staat durchsetzen zu können. Aber seine angestrebten Mittel waren dabei die gleichen, wie sie später immer und immer wieder von reaktionären Kräften missbraucht wurden. Platon, der in einem freien Land ohne viel Zensur lebte, wollte die Zensur einführen, wodurch es unmöglich würde, so frei zu denken und zu reden, wie er selbst es tat. Vielen Dank fürs Mitspielen, Herr Platon, aber so nicht!

Platon – Was ist das Gute?

Heute möchte ich heute einen sehr langen Bogen zurückschlagen. Er innert euch: Ich begann meine Platon-Reihe mit den drei Gleichnissen, die uns zu diesem ganzen Mindfuck von Platons  Metaphysik führten. Aber die Frage, die in den Gleichnissen gestellt wurde, war ja – zumindest vordergründig – eine ganz andere. Nämlich: Was ist das Gute? Wie immer habt ihr die Wahl: Oben Video, darunter Text.

Das Gute – ein höchst metaphysisches Konstrukt

Tja, was ist das Gute denn jetzt? Wir wissen vom letzten Mal, dass wir es anstreben sollen und wollen, wir wissen auch, dass wir uns darin irren können, was es  ist. Aber wir wissen noch immer nicht, was es verdammt noch einmal ist, dieses Gute! Schon bei den Gleichnissen hat Platon immer nur um den heißen Brei herumgeredet. Jetzt muss er doch mal sagen, ob es zum Beispiel gut ist, Kriegsflüchtlingen Asyl anzubieten oder, ob es gut ist, die Grenzen zu schützen! Was hat einen höheren moralischen Wert: Das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren eigenen Körper oder das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes?

Aber leider macht Platon es uns nicht so einfach, hier eine definitive Antwort zu geben. Er kommt in all seien Dialogen nie so richtig hinter dem Berg damit hervor, worin das Gute besteht. Wir hatten ja schon am Höhlengleichnis gesehen, dass er die Auffassung vertrat, dass man erst nach einer ausgiebigen Beschäftigung mit Philosophie die Erkenntnis erlangt, worin die Idee des Guten besteht. Sie uns einfach so hinzuschreiben, hielt er sogar für gefährlich, wie wir noch sehen werden, wenn wir uns mit seiner Schriftkritik befassen. Möglicherweise kam er auch nie zu einem abschließenden Ergebnis, was gut ist und was nicht. Fest steht zumindest, dass das Gute für Platon ein höchst metaphysisches Konstrukt ist und nicht in klaren Regeln besteht. Eine Tatsache für die ihn sein Schüler Aristoteles stark kritisiert hat.

Hedonismus und Wissen

Allerdings verschweigt Platon auch nicht vollkommen, was er über das Gute denkt, sondern greift das Thema immer wieder auf. So prüft er zum Beispiel im Dialog “Der Staat” zwei zu seiner Zeit populäre Theorien. Zum einen ist das „Das Gute besteht in der Lust“. Das ist die These des Hedonismus, der zu Platons Lebzeit prominent von Aristippos von Kyrene vertreten wurde. Und zum anderen die These „Das Gute besteht im Wissen“. Das war ja die These, die – wie wir sahen – mehr oder weniger Sokrates vertreten hatte.

Dass Lust das Gute ist, verwirft Platon mit dem ziemlich guten Argument, dass es auch schlechte Lust gibt. Wir hatte schon den Junkie als Beispiel, der sicher viel Lust am nächsten Schuss haben wird. Allerdings dürfte es schwer zu begründen sein, dass dies eine gute Tat ist. Im Dialog “Gorgias” bringt Platon ein noch stärkeres Argument gegen Lust als das Gute. Ich möchte es, das “Ramsay Bolton”-Argument nennen: Ein Mensch, dem es Spaß macht, andere Menschen zu quälen. Während ich beim Junkie zumindest noch argumentieren kann, dass dieser nur sich selbst schadet, wird es jetzt fast komplett aussichtslos, ein Argument zu finden, dass die Lust am Leid anderer etwas Gutes ist. Nicht die Lust kann das Gute sein, stattdessen muss das Gute hinzukommen, damit wir beurteilen können, ob eine Lust etwas Gutes ist.

Aus ganz ähnlichen Gründen scheitert auch die These, dass das Gute im Wissen besteht. Wieder wendet Platon ein, dass nicht jedes Wissen gut ist. Das Wissen, wie ich ein Selbstmordattentat verübe, ist sicher nichts Gutes. Wenn überhaupt ein Wissen als Kandidat um das Gute in Frage kommt, dann das Wissen, um das Gute. Aber diese Antwort ist wieder einmal ein Zirkelschluss: Ich begründe A mit B und B wieder mit A. Was ist das Gute? Wissen. Welches Wissen? Das Wissen um das Gute. Das ist ein logischer Fehler, es ist keine gültige Antwort und daher scheidet das Wissen auch aus im Rennen um die Frage, was das Gute ist.

Relativismus vs. objektiv Gutes

Wenn Platon also nie sagt, was das Gute ist, aber immer wieder betont, was es nicht ist, dann legt das ja den Schluss nahe, dass es das Gute überhaupt nicht gibt. Sophisten wie Protagoras vertraten diese Position. Berühmt wurde der Satz von Protagoras “Der Mensch ist das Maß aller Dinge”, also die Ansicht, dass jede Erkenntnis und jede Moral nur menschengemacht und somit relativ ist. Doch ihr ahnt es schon: In mehreren Dialogen bezog Platon ebenfalls massiv Stellung gegen den sophistischen Relativismus, also dass es kein absolut Gutes gebe, sondern gut und böse für jede Kultur, jede soziale Schicht oder gar jeden Menschen etwas anderes sind. Dagegen spricht ein weiteres berühmtes logisches Argument: Der performative Widerspruch. Wenn ich sage: “Es gibt keine allgemeingültige Moral, daher kann jede machen, was sie will”, dann handelt es sich dabei ebenfalls um eine moralische Maxime, von der ich den Anspruch habe, dass sie allgemeine Gültigkeit hat, obwohl ich gerade bestritten habe, dass es so etwas gibt. Die Performanz meines Sprechakts steht somit im Widerspruch zum Inhalt meiner Äußerung. Wir werden dies wieder aufgreifen, wenn wir uns mit Platons Erkenntnistheorie beschäftigen.

Nein, den Relativismus lehnte Platon stets ab. Seine zentrale philosophische Bemühung, die gesamte Ideenlehre, ist dem Versuch geschuldet, die Ethik auf ein objektives Fundament zu stellen. Aus den Lehren des Sokrates und dann den frühen platonischen Dialogen war ein zentrales Problem hervorgegangen: Eine haltbare Definition des Guten zu finden und auch wenn Platon uns diese nie liefert, so steht für ihn unumstößlich fest, dass es das Gute gibt und dass es etwas objektives ist.

Ein metaphysischer Schauer am Ende

In den Gleichnissen hatten wir verschiedene metaphysische Erklärungen gesehen, worin der Status des Guten besteht. Diese halte ich persönlich allesamt für wenig glaubwürdig und muss sie nicht noch einmal wiederholen. Ihr könnt euch ja die entsprechenden Folgen ansehen. Lediglich die These aus dem Höhlengleichnis ist nicht unplausibel: Dass die Erkenntnis, was das Gute ist, die schwerste von allen ist und sich erst nach langer und intensiver Auseinandersetzung mit Philosophie beantworten lässt. Dies ist die Lehre des Sokrates, die Platon verinnerlicht hat: Philosophie im Allgemeinen und die Suche nach dem Guten im Besonderen ist nichts, was sich einfach in einem Buch nachlesen lässt. Sie muss gelebt werden, erst dann wird dich eines Tages die Erkenntnis mit einem metaphysischen Schauer ergreifen. Und du wirst verstehen, worin das wahre Gute besteht.

Sehr ihr das genauso? Oder ist das für euch nur Geschwafel? Schreibt mir doch mal einen Kommentar! Beim nächsten Mal lassen wir die Ethik ein Stück weit hinter uns und tauchen in Platons politische Philosophie ein.

Platon – Das Recht des Stärkeren

Was ist Gerechtigkeit?

Heute beginne ich mit Platons Ethik, die uns zu seiner politischen Philosophie führen wird. Genauer gesagt, werde ich mit Platons Prüfung des Rechts des Stärkeren anfangen. Zu diesem Zweck blicken wir mal wieder in einen der Dialoge und zwar in keinen anderen als in “Der Staat”. “Der Staat” beginnt mit einer der zentralen Fragen für Platon. Einer Frage, die ihn sein Leben lang umgetrieben hat: Was ist Gerechtigkeit? Wiiiiiiiiiiiieeeee immer könnt ihr euch die Erörterung als Video angucken oder unter dem Video weiterlesen …

Sokrates ist in der Geschichte beim wohlhabenden Kephalos zu Gast und fragt diesen, was der größte Vorteil seines Reichtums ist. Kephalos meint, dass er immer gerecht sein konnte und nie jemandem etwas schuldig blieb. Dies nimmt Sokrates – der offensichtlich sonst keine Hobbys hat – sogleich zum Anlass, den Begriff der Gerechtigkeit zu definieren.

Zurückgeben, was man empfangen hat

Die alte Hebamme erbittet von seinen Gesprächspartnern Kephalos, Simonides, Polemarchos und Thrasymachos einen Vorschlag zur Begriffsbestimmung, was denn bitteschön gerecht ist und erhält diesen auch von Simonides: Gerechtigkeit bedeutet, jedem das wiederzugeben, was man von ihm empfangen hat. Das ist quasi das alttestamentarische Gerechtigkeitsverständnis. Auge um Auge und Zahn um Zahn. Oder in einer positiven Wendung: Wenn du mir etwas gibst, dann ist es nur gerecht, wenn du auch von mir genausoviel zurückerhältst. Das klingt doch ganz einleuchtend, oder?

Ein wenig ungerecht lehnt unser alter Barfußgänger diese Definition aber umgehend ab. Allerdings hat er dafür gute Gründe: Sokrates bringt das Gegenbeispiel, dass jemand mir eine Waffe geliehen hat, doch als ich sie zurückgeben will, stelle ich fest, dass der Besitzer dem Wahnsinn verfallen ist. Wäre es gerecht, die Waffe dennoch zurückzugeben?

An dieser Stelle muss ich gleich mal einhaken. Denn es ist wirklich ungewöhnlich, dass Sokrates ausgerechnet dieses Beispiel als einen Fall von Ungerechtigkeit wählt. Ich würde nicht sagen, dass es ungerecht ist, sondern unverantwortlich. Dass also der Wert des verantwortlichen Handelns hier mit dem der Gerechtigkeit in einen Konflikt gerät. Darüber hinaus ist dieser sehr spezielle Fall auch eine gewaltige Ausnahme. Und als solche zeigt sie doch eigentlich, dass im Normalfall durchaus gilt: es ist gerecht, das zurückzugeben, was man erhalten hat, sofern es nicht triftige Gründe gibt, die dagegen sprechen.

Zugleich fällt mir ein viel besseres Beispiel ein als Sokrates’ spezieller Fall. Ein Beispiel bei dem wir “jedem das wiedergeben, was man von ihm empfangen hat” nicht als gerecht ansehen: Steuern. Reiche Menschen müssen mehr Steuern zahlen als Arme. Aber deshalb halten wir es nicht unbedingt für gerecht, dass Reiche auch mehr von den Investitionen des Staates profitieren, oder? Ich denke, wir können also trotz seiner merkwürdigen Argumentation mit Platon diese erste Definition als falsch ablehnen.

Jedem das Seine

Im Dialog springt Polemarchos Simonides zur Seite und schlägt eine neue Definition vor: Gerechtigkeit ist Freunden Gutes zu tun. Polemarchos zieht weiter den Schluss, dass daraus folge, seinen Feinden Schlechtes zu tun. Denn Feinde seien ja das Gegenteil von Freunden. Finde ich jetzt nicht unbedingt überzeugend, aber ich halte mich mal zurück. Denn Sokrates übernimmt die Schlussfolgerung zunächst einmal und stellt die nächste Definition auf: Gerechtigkeit ist, jedem das zu geben, was ihm zusteht. Diese berühmte platonische Gerechtigkeitsdefinition wird oft mit dem nicht minder berühmten wie unrühmlichen Spruch abgekürzt: Jedem das Seine. Das stand an der Tür des KZ’ Buchenwald. Unser Menschenrecht “Alle Menschen sind gleich” ist ein direkte Antwort auf diese Weltsicht. Doch das war 2.200 Jahre später, kehren wir nach Athen zurück, wo Sokrates erst einmal abschweift.

Denn Sokrates fragt sich als nächstes: Wenn Gerechtigkeit die Kunst ist, Freunden Nutzen zuzufügen und Feinden Schaden, was ist denn dann das Betätigungsfeld dieser Kunst? Zum Beispiel ist das Restaurant dass Betätigungsfeld des Kochens. Aber was ist das der Gerechtigkeit? Sokrates selbst bringt ein anderes Beispiel: Wenn ein Freund krank ist, dann ist es nach unserer Definition gerecht, ihn zu heilen. Aber im Gegensatz zur Kochkunst, die jemand ausüben kann, der sie gelernt hat, kann in unserem Beispiel dem kranken Freund nicht jemand helfen, der Gerechtigkeit studiert hat, sondern Medizin. Der Freund braucht keinen Gerechten sondern eine Ärztin. Was ist denn dann das Betätigungsfeld der Gerechtigkeit? Da der Dialog “Der Staat” heißt, habe ich einen Verdacht, was sich am Ende als das Betätigungsfeld für die Gerechte herausstellen wird.

Allerdings finde ich die Untersuchung des Begriffs bis hier hin noch recht wackelig. Ich würde sie fast schon sophistisch nennen und lasse das nur, weil Platon mich dafür wahrscheinlich zu einem Leben in der Höhle verdammen würde. Denn wieder einmal konstruiert Platon ein Problem dadurch, dass er alle Begriffe über einen Kamm schert. Schließlich müssen nicht alle “Künste” immer gleich zu Berufen führen. Ich habe die Kunst der Radfahrens gelernt, dennoch bin ich von Beruf nicht Radfahrer. Diese Kunst kann mir aber in anderen Bereichen meines Lebens durchaus von Nutzen sein. Ihr Betätigungsfeld ist eben viel größer als das der Medizin. Vielleicht gibt es Situationen, in denen ein Arzt auch gerecht sein muss? Zum Beispiel in der Notaufnahme, wenn sich ihm die Frage stellt, welchen Patienten er als erstes behandeln soll. Oder bei der Frage, ob einer unheilbar kranken Patientin Sterbehilfe geleistet werden soll.

Während ihr über diesen Einwand nachdenkt, lässt Sokrates von diesem Pfad der Untersuchung schon wieder ab und kehrt zurück zur Frage, ob “Feinden Schaden zuzufügen” wirklich  gerecht ist. Platon zeigt hier mal wieder, dass sein Akzeptieren dieser Definition vor allem dazu diente, uns zum Nachdenken anzuregen. Denn auf den zweiten Blick erkennt Sokrates: Wenn man jemandem etwas Schlechtes antut, wird die Person nur noch schlechter. Das leuchtet mir ein: Wenn mir jemand etwas Schlechtes antut, dann reagiere ich oft mit Trotz und denke nicht zuerst über meine eigenen Schwächen nach. Das kann doch wohl nicht im Sinne der Gerechtigkeit sein.

Das Recht des Stärkeren

Als nächstes gibt dann Thrasymachos seine Definition von Gerechtigkeit zum besten: Gerecht sei, was den Stärkeren nützt – also das Recht des Stärkeren. Sokrates gibt sofort zu bedenken, dass die Starken im Sinne von Machthabern in einem Staat sich irren können, was für sie von Nutzen ist. Thrasymachos gesteht dies Sokrates zu und präzisiert, dass gerecht nur das ist, was sie zu Recht als nützlich ansehen und von den Bürgern verlangen. Thrasymachos tappt in Sokrates’ Falle, als er die Analogie zum Arzt aufmacht: Ein Arzt ist nur dann ein gerechter, wir würden eher sagen: guter Arzt, wenn er die richtige Medizin verschreibt, nicht wenn er sich in seinen Anweisungen irrt. Jetzt hat Sokrates ihn am Haken, denn Platons Lehrer spinnt die Analogie weiter und sagt: Jatzt aber mal halb lang, Thrasymachos, der Arzt ist doch nur ein guter Arzt, wenn er dem Kranken hilft und nicht sich selbst. Dann kann doch der Staatsmann auch nur ein guter Staatsmann sein, wenn er etwas für die Bevölkerung tut und nicht nur zu seinem eigenen Vorteil regiert.

Thrasymachos will die Analogie zum Arzt jetzt aber doch lieber nicht mehr gelten lassen und schlägt stattdessen die Analogie zum Hirten vor: Der muss sich zwar um seine Herde kümmern, aber nicht zu deren Vorteil sondern zu seinem eigenen, denn er will ja am Ende durch Wolle, Milch oder Fleisch davon profitieren. Offensichtlich gerät er jetzt in Rage. Denn er redet sich um Kopf und Kragen. Seines Erachtens ist nämlich die Ungerechtigkeit eh viel cooler als die Gerechtigkeit. Das sieht man doch an einem Tyrannen, also einem Diktator. Der muss den Gesetzen, die er anderen auferlegt, selbst nicht folgen und wird dafür noch gefeiert. Das zeigt doch, dass Ungerechtigkeit nicht deswegen gefürchtet wird, weil man anderen gegenüber ungerecht ist, sondern nur weil man selbst Angst hat, Ungerechtigkeiten zu erfahren. Daraus ergibt sich für Thrasymachos das Recht des Stärkeren. Solange du nur an der Spitze stehst, brauchst du keine Angst zu haben und alles, was du machst ist gut.

Gerecht ist nicht Geschäftstüchtig

Nachdem es so aus Thrasymachos herausgeplatzt ist, will er eigentlich gleich den Abgang machen, aber Sokrates meint nur: Moooomentemal! Zunächst wirft er Thrasymachos vor, dass er zweierlei verwechselt: Zum einen den Beruf des Hirten und zum anderen seine Geschäftstüchtigkeit. Der Job des Hirten ist es, sich gut um seine Herde zu kümmern. Und ob er ein guter Hirte ist, das zeigt sich daran, ob es seiner Herde gut gehe. Ganz unabhängig davon ist die Frage zu beurteilen, ob er auch geschäftstüchtig ist, das zeige sich aus dem, was er aus seiner Herde rausholt. Im übrigen sei das ja beim Arzt nicht anders: Ob der Karriere macht, hängt von seiner Geschäftstüchtigkeit ab. Aber ob er ein guter Arzt ist, das zeigen seine Heilerfolgen. Und bei Regierenden sei es auch nicht anders. Die können zwar Geld und Ruhm erwerben, wenn sie geschäftstüchtig sind, aber das sagt noch nichts über ihre Qualität als Regierungschefs aus.

Das ist ein sehr schöner und wichtiger Gedanke, der in unser heutigen Zeit allzu oft vergessen wird, da alles nur darauf ausgelegt ist, möglichst erfolgreich am Markt zu sein, möglichst viel Geld zu erwirtschaften. Ich kann zum Beispiel als Forstwirtin schnell viel Kohle machen, indem ich einfach ganze Wälder abholze oder Monokulturen anpflanze mit Bäumen, die schnell wachsen. Aber das macht mich zwar zu einer geschäftstüchtigen Volkswirtin, jedoch nicht zu einer guten.

Erst wenn ich einen Wald so bewirtschafte, dass ich das ökologische Gleichgewicht erhalte und auch noch in zwei, drei oder zehn Generation der Wald gesund sein wird und die nach mir kommenden Forstwirte davon profitieren. Erst dann bin ich auch ein gute Forstwirtin. Genauso verhält es sich bei der Politik: Deutschland profitiert gerade sehr von seiner strengen Finanzpolitik, die Schulden schrumpfen und der Staatshaushalt wächst. Aber das sagt noch nichts über die Qualität unserer Regierung aus, nur über ihr volkswirtschaftliches Geschick. Ob wir gut regiert werden, zeigt sich darin, wie das zur Verfügung stehende Geld investiert wird.

Selbst Diktatoren müssen gerecht sein

Aber Thrasymachos hatte ja nicht nur das Hirtenargument gebracht, sondern dann sogar gesagt, dass Ungerechtigkeit besser ist als Gerechtigkeit. Gerechtigkeit nennt er eine edle Einfalt. Da seht ihr mal, wie alt die Vorwürfe gegenüber „Gutmenschen“ sind. Aber mit so einem billigen sophistischen Trick ist er bei Sokrates an der falschen Adresse! Sokrates erwidert, dass die Ungerechtigkeit schon deshalb nicht besser sein kann als die Gerechtigkeit, da selbst ein Diktator nicht komplett auf sie verzichten kann: Er muss zumindest seinen Helfern gegenüber gerecht sein. Er braucht die Unterstützung einer Herrscherklasse oder eines Staatsapparats, um sich an der Macht zu halten. Wenn er gegen jeden, sogar gegen die eigenen Verbündeten ungerecht ist, dann wird er schnell soviel Unmut ernten, dass er gestürzt wird. Gerechtigkeit wenigstens einer Gruppe der Bevölkerung gegenüber ist eine notwendige Bedingung für einen stabilen Staat. Das ist ein sehr kluger machtpolitischer Gedanke, merkt ihn euch!

Aber unabhängig davon mache Ungerechtigkeit auch unglücklich. Jedes Ding habe seinen Zweck und der Zweck der Seele sei, gerecht zu handeln. Okay … Dieser Umschwung kam jetzt recht plötzlich. Das Argument, dass selbst Diktatoren nicht komplett ungerecht sein können, war sehr stark. Da hatte die alte Socke mich voll auf seiner Seite. Warum jetzt dieser esoterische Umschwung auf den Zweck der Seele? Nun, das bringt uns zum nächsten Aspekt, den ich beim nächsten Mal besprechen werde: Was ist der Sinn des Lebens?

Literatur

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Platon – Atlantis

Heute soll es hier mal nicht um Philosophie gehen sondern um einen Mythos. Ab dem nächsten Mal werden wir uns Platons Ethik und seiner politischen Philosophie widmen. Das wird ein neuer großer Themenblock. Doch davor möchte ich noch ein kleines und leichtes Thema hier behandeln: Atlantis. Ihr alle kennt sicher den Mythos von Atlantis, der untergegangenen Zivilisation. Aber wusstet ihr, dass das eine Erfindung von Platon ist? Hier ansehen oder darunter lesen:

Die Quellenlage

Es gibt für die Existenz dieser Insel keine anderen Quellen als zwei Dialoge von Platon: Kritias und Timaios. Beide Dialoge stammen aus Platons Spätwerk. Der Timaios befasst sich hauptsächlich mit Platons Naturphilosophie. Auf der erzählerischen Ebene schließt er an den Dialog „Der Staat” an. Die gleichen Gesprächspartner kommen am nächsten Tag wieder zusammen. Nachdem Sokrates im Dialog “der Staat” eben den idealen Staat entworfen hat, möchte er nun prüfen, wie er sich im Kriegsfall bewährt. Allerdings wird dies dann im Timaios zunächst noch zurückgestellt und wie schon erwähnt die Naturphilosophie besprochen. Die Prüfung des idealen Staates wollte Platon stattdessen im Dialog Kritias abhandeln. Dieser Dialog blieb allerdings unvollendet.

Was Platon über Atlantis zu sagen hat

Schauen wir doch einfach mal, was Platon in den beiden Dialogen zu Atlantis zu sagen hat: Er lässt Kritias dort erzählten dass es eine ägyptische Überlieferung gibt, wonach vor damals 9.000 Jahren (also vor mehr als 11.000 Jahren von uns aus betrachtet) sich Athen im Krieg mit Atlantis befand. Als Hintergrund: Das war die Epoche der Jungsteinzeit. Wir wissen heute, dass die Menschen damals erst anfingen, den Ackerbau zu erfinden und so aus nomadischen Jägern und Sammlern die ersten sesshaften Dorfgemeinschaften wurden.

Zurück zu Platon: Die Überlieferung von Atlantis soll Kritias von seinem Großvater erzählt bekommen haben, die der wiederum vom legendären Athener Staatsmann Solon gehört hat, der sie in Ägypten von einem Priester aufgeschnappt hat. Nun, das ist ja nicht unbedingt das, was wir eine sichere Quellenlage nennen würden …

Eine Insel vor den Säulen des Herakles

Atlantis war dem Mythos zufolge eine Insel „vor den Säulen des Herakles“, die aber mittlerweile im Meer versunken ist. Die Säulen des Herakles nennen wir heute den Felsen von Gibraltar und den Berg Dschebel Musa in Marokko – sie fassen die Straße von Gibraltar ein, die Grenze zwischen Mittelmeer und Atlantik. Der Legende nach soll Herakles an ihnen die Inschrift „Nicht mehr weiter“ angebracht haben, um das Ende der Welt zu markieren. Langer Rede kurzer Sinn: Atlantis soll eine Insel im – wait for it – Atlantik gewesen sein! Nein! Doch! Oh!

Kritias erzählt, dass es eine mächtige Seemacht war, die große Teile des Mittelmeers beherrschte, viele Inseln, Westeuropa bis Mittelitalien, das heutige Libyen und Teile Ägyptens sowie des Nahen Ostens. Atlantis habe versucht, auch Griechenland zu erobern, aber den Athenern gelang es, die Großmacht abzuwehren. Ich stelle mir das lustig vor, wie diese große Seefahrernation von einem Haufen Steinzeitmenschen mit Knüppeln und Steinäxten vermöbelt wurde. Anyway … Kurz nach dieser Niederlage sei dann Atlantis binnen nur eines Tages und einer Nacht bei Erdbeben total zerstört worden und im Meer versunken.

Die Insel soll reich gewesen sein und größer als die in der Antike bekannten Teile Nordafrikas und des Nahen Ostens zusammen. Die Insel war fruchtbar und die Atlanten verfügten über eine fortgeschrittene Landwirtschaft. Die Hauptstadt war unglaublich prächtig, supersymmetrisch und wies merkwürdige Ähnlichkeiten mit der griechischen Kultur in Platons Tagen auf. Wie jeder, der in der Antike was auf sich hielt, stammten das Volk von Atlantis natürlich von einem Gott ab, nämlich von Poseidon, dessen Halbgottsohn Atlas der Herrscher in Atlantis war.

Die Niederlage gegen Athen und die anschließende Vernichtung von Atlantis sei eine Strafe der Götter gewesen, da die Atlanten zum einen ihr göttliches Blut mehr und mehr mit dem widerlichen Blut von Menschen vermischt hatten – Also mit Menschen in die Kiste gesprungen sind. Ekelhaft! Zum anderen wollten die Götter auch die Hybris der Atlantisbewohner bestrafen.

Hat es Atlantis wirklich gegeben?

Das ist es im großen und ganzen, was Platon uns von Atlantis berichtet. Was können wir als Philosophen damit anfangen? Und vor allem: Hat es Atlantis tatsächlich gegeben? Nun, Platon lässt Kritias mehrfach betonen, dass es sich um eine wahre Überlieferung handelt. Aber warum ist dann Platon unsere einzige Quelle für dieses sagenumwobene Land? Dieser glorreiche Sieg der Athener über Atlantis wäre doch sicher in Mythen und Legenden überliefert worden genau wie der Sieg über Troja. Platon behauptet, dass verschiedene Naturkatastrophen in Griechenland dazu geführt haben, dass sämtliche Aufzeichnungen vernichtet wurden. Klingt jetzt nicht sooo überzeugend.

Aber der wichtigste Grund, der gegen die Existenz von Atlantis spricht, ist ein anderer. Erinnert euch mal daran, was ich euch in beim Symposion über die Funktion des Mythos bei Platon erzählt habe: Platon erzählt immer wieder Mythen in seinen Dialogen und zwar oft dann, wenn er einen vertrackten Punkt in seiner Argumentation erreicht und von uns Lesern etwas Wohlwollen haben möchte. Nicht ohne Grund lässt er die Geschichte von Kritias vortragen, der sie von seinem Opa hat, der sie von einem Kumpel hat, der sie von einem ägyptischen Priester hat, der sie aus alten Texten übersetzt hat. Das heißt im Rahmen der Platonischen Dialoge nichts anderes als: Nehmt das, was ich euch gleich erzähle, nicht für bare Münze, es ist nur eine Beispielgeschichte. Mit dem Mythos vom Kugelmenschen und dem Höhlengleichnis haben wir auch bereits zwei weitere solche Beispielmythen kennengelernt. Glaubt ihr wirklich, dass Platon der Überzeugung war, dass wir einst Kugelmenschen waren und alle in eine Höhle sitzen? Das sind Allegorien. So wie etwa Matrix eine Allegorie ist und wir nicht buchstäblich Batterien für Maschinen sind … Was BTW überhaupt keinen Sinn macht, da man viel mehr Energie in menschliche Körper stecken muss, als man herausholen kann! Aber ich schweife ab …

Die Frage ist, welche Funktion hatte der Mythos? Dadurch, dass der Dialog Kritias unvollendet blieb, ist das natürlich nicht abschließend zu beantworten. Aber im Großen und ganzen geht es eben um ein Bild für den perfekten Staat und seine Probleme. So wie die Welt der Erscheinungen nur ein fehlerhaftes Abbild der perfekten Urbilder im Reich der Ideen ist, so sind die Staaten zu Platons Tagen nur fehlerhafte Abbilder des perfekten Urstaats Atlantis. Die Frage, die sich direkt hieran anschließt, lautet: Was macht denn diesen perfekten Staat aus? Und darum werden wir uns ab dem nächsten Mal kümmern, denn es ist nach der Ideenlehre der am meisten diskutierte Punkt in Platons Philosophie.

 

Die Quellen sind die gleichen wie bei den letzten 14 Texten zu Platon. 😉

Platons Sonnengleichnis

Platon – Der Philosophenkönig – Teil 4

Nach den vielen Hintergründen zu Platon steigen wir endlich in seine Philosophie ein. Ich beginne mit den Gleichnissen aus “Der Staat”. Der Höhepunkt dieser Gleichnisse ist das berühmte Höhlengleichnis. Aber heute geht es erst einmal um das Sonnengleichnis und die Frage: “Was ist das Gute?”

Wie das hier abläuft, kennt ihr sicher mittlerweile: Ihr könnt das Video ansehen oder darunter das Transkript lesen. Ganz unten findet ihr Literaturtipps und die Bilderquellen. Viel Spaß!

Platons Vorgeplänkel

Lasst uns zunächst über den Elefanten im Raum sprechen, wie man im Englischen so schön sagt, damit wir ihn aus der Welt geschafft haben und uns anschließend den wirklich spannenden Aspekten der platonischen Philosophie zuwenden können: Ihr alle kennt sicher das platonische Höhlengleichnis. Also lasst uns in die Philosophie von Platon eintauchen, indem wir seine Höhle betreten beziehungsweise wieder verlassen, dann wieder zurückkommen aber dann glaubt uns niemand, was wir gesehen haben und … Stopp! Der Reihe nach …

Die groben Eckdaten des Höhlengleichnisses kennen zwar die meisten, auch dass es irgendetwas damit zu tun hat, wie die Welt wirklich ist, aber da endet es dann oft auch schon. Wusstet ihr etwa, dass Platon das Höhlengleichnis in seinem Dialog „Der Staat“ vorträgt? Also im Rahmen seiner politischen Philosophie? Oder wusstet ihr, dass das Höhlengleichnis nur eines von insgesamt drei Gleichnissen ist, die er dort wiedergibt? Schon einmal was vom Sonnengleichnis oder vom Liniengleichnis gehört? Nein? Sag ich ja: Lasst uns der Reihe nach gehen.

Die ganze Nummer mit den Gleichnissen beginnt im sogenannten “sechsten Buch” von Platons „Der Staat” und als Höhepunkt dieser Gleichnisorgie beginnt mit dem Höhlengleichnis dann das siebte Buch. Platon hatte zuvor den Dialog „Der Staat” mit der Diskussion begonnen, was Gerechtigkeit ist, und kam darüber auf die Frage, was der gerechte Staat ist. Mit Abschluss des fünften Buches wurde von unserem Philosophen gerade wenig originell dargelegt, dass in einem gerechten Staat niemand anderes als die Philosophen herrschen sollen. Nun versucht Platon dies zu begründen.

Die Ideenlehre

Platon definiert einen Philosophen als jemanden, der Kenntnis von “den Ideen” hat. Damit kratzen wir jetzt schon hart an der berühmten Platonischen Ideenlehre, denn Platon versteht etwas ganz anderes unter „Idee“ als ihr und ich. Das sieht man schon an dem Satz „Ein Philosoph hat Kenntnis von den Ideen.“ Würde Platon das gleiche unter Ideen verstehen, wäre der Satz in etwa so sinnvoll, wie zu sagen: „Ein Philosoph hat Kenntnis von Brokkoli”. Oder habt ihr etwa keine Ahnung von euren Ideen?

Ich werde Platons Ideenlehre noch ausführlich bei den nächsten Malen aufarbeiten, denn sie ist ohne Zweifel der wichtigste Teil seiner Philosophie. Aber jetzt sei schon einmal Folgendes gesagt: Platon sagt, dass es eigentlich zwei Welten gibt. Zum einen die Welt der Erscheinungen. Das ist alles, was wir wahrnehmen können. Dahinter gibt es aber noch eine zweite Welt, nämlich jene der Ideen. Die Ideen sind grob gesprochen unveränderliche Urbilder aller Erscheinungen. Und der Satz „Ein Philosoph hat Kenntnis von den Ideen.“ bdeutet, dass wir Philosophie betreiben müssen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie diese Urbilder von allem in der Welt, also der Kern oder das Wesen unserer Welt wirklich sind. Alter, das klingt ganz schön esoterisch, was? Eine Welt hinter der Welt?! Nun, die Ideenlehre ist abgefahrener Scheiß und wir werden noch einige Texte brauchen, um uns zu erarbeiten, wie Platon überhaupt auf so eine durchgeknallte Idee *haha* kommen konnte. Aber die Ideenlehre ist eben – soviel teaser ich schon einmal – auch nicht komplett unplausibel, da sie viele philosophische Probleme löst …

Philosophen sind knorke Typen

Doch kehren wir zum Text zurück: Nachdem Platon seinen Sokrates hat darlegen lassen, dass Philosophen knorke Typen sind, hält Sokrates’ Gesprächspartner Adeimantos dagegen: Philosophen sind zur Staatsführung total ungeeignet! Alle, die sich nach der Schule noch weiter mit Philosophie beschäftigen, sind echte Freaks und voll komisch drauf. Sokrates sagt, dass das zwar stimmt, aber dennoch sollen die Philosophen herrschen. Denn das Problem seien nicht die Philosophen selbst, sondern der jetzige Staat. In ihrem aktuellen Zustand wird Politik angesehen als die Kunst, an die Macht zu kommen und sich an der Macht zu halten. Das klingt auch heute noch nicht komplett unplausibel, oder? Aber Philosophen interessiert das nicht, sie interessiert nur, wie man einen Staat richtig leiten muss, damit es ein guter Staat ist. Philosophen streben nicht nach Macht, daher wirken sie zwar komisch, sind aber am besten für Staatsämter geeignet. Es folgt dann wieder eine Auslassung, wie cool Philosophen sind, die wir hier vernachlässigen können.

Denn worauf es ankommt, ist das: Im nächsten Teil legt Platon dar, worin Philosophen ausgebildet werden müssen, um echte Philosophen zu werden. Über diese Darlegung kommt er zu der These, dass die höchste Erkenntnis, die Idee des Guten ist. Und jetzt kommen wir zu des Pudels Kern, der großen Frage, die Platon umtreibt: Was ist denn eigentlich dieses Gute?

Doch die Antwort auf diese Frage führt Platon in eine Sackgasse, denn es gelingt ihm nicht recht, das Gute anders zu definieren, als dass es das ist, was all unser Handeln leitet. Ihm beziehungsweise seinem Sokrates gelingt es einfach nicht, zu sagen, worin das Gute denn nun eigentlich besteht. Was ist die Definition von „gut“? Da Sokrates’ Gesprächspartner im Buch nicht locker lassen, sagt die alte Socke dann irgendwann: Also gut, ich erzähle euch ein Gleichnis darüber, was das Gute ist.

Das Sonnengleichnis

Aber bei einem Gleichnis bleibt es nicht. Es folgen stattdessen insgesamt drei Gleichnisse – das Sonnengleichnis, das Liniengleichnis und das Höhlengleichnis. Platon beginnt das Sonnengleichnis damit, dass er uns zunächst einmal die Ideenlehre ins Gedächtnis ruft, die er in früheren Dialogen schon eingeführt hatte. Er lässt Sokrates sagen: In der Sinnenwelt gibt es viele Dinge, die wir ‚gut’ nennen. Diesen guten Erscheinungen entspricht aber nur eine einzige Idee des Guten. Merkt euch das! Das ist ein wichtiges Prinzip der Ideenlehre, dass vielen verschiedenen Erscheinungen immer eine Idee gegenübersteht.

Platon fährt fort: Während wir die Idee des Guten nur denken können, können wir die Erscheinungen des Guten nur wahrnehmen. Auch das ist ein Grundprinzip der Ideenlehre. Aber auch das erste Mal, dass sich mir latent die Nackenhaare aufstellen. Denn die Frage ist: Stimmt das, was Platon hier sagt? Dass wir die Idee des Guten nur denken können, scheint mir klar. Aber wie sieht es mit den Erscheinungen des Guten aus, können wir die nur wahrnehmen? Der Begriff des Guten ist facettenreich: Wenn ich eine Oma über die Straße führe, ist das gut und wahrnehmbar. Aber wir bezeichnen als „gut“ auch Personen, wie zum Beispiel Gandhi. Gandhi selbst kann ich sehen, aber dann sehe ich nicht das Gute an ihm. Klar, ich kann auch Filmaufnahmen oder Berichte von guten Taten von ihm wahrnehmen. Aber das ist doch noch nicht der Kern dessen, warum wir Gandhi gut nennen. Ich verübe auch manchmal gute Taten, aber niemand würde sagen: Daniel ist so gut wie Gandhi. Dass Gandhi so ein schillerndes Beispiel des Guten ist, liegt eher in der Summe aller seiner guten Taten begründet. Hinzu kommen außerdem seine Motivationen. Merkt ihr jetzt, wie kritisch es ist, wenn wir naiv abnicken, dass wir Erscheinungen des Guten wahrnehmen? Und ich habe noch nicht einmal davon angefangen, wass es heißt, dass Demokratie gut ist oder dass die Todesstrafe abgeschafft ist.

Doch kehren wir zu Platon zurück: Im Text folgt eine Darlegung, dass von allen unseren Sinnen das Sehen der hochwertigste Sinn ist. Denn fürs Sehen brauchen wir ein Medium. Während wir beim Hören etwa nur die Geräuschquelle und das Gehör brauchen, brauchen wir beim Sehen den Gegenstand, das Auge und als Medium das Licht. Das ist natürlich vollkommener Humbug, denn Platon wusste schlichtweg noch nicht, dass der Schall auch ein Trägermedium wie z. B. die Luft braucht und dass im luftleeren Raum kein Schall transportiert wird. Auch wenn wir noch so oft dröhnende Sternenzerstörer auf der Leinwand sehen.

Anyway: Platon vergleicht das Licht daraufhin mit einem Joch – also dem Ding, das beispielsweise zwei Pferde vor einer Kutsche zusammenhält, damit sie im Gleichschritt laufen und so die Kutsche ziehen können. Unsere zwei Pferde sind im diesem Gleichnis das Auge und der Gegenstand, den wir sehen wollen. Platon ergänzt, dass die Ursache für das Licht wiederum die Sonne ist. Hmm … so richtig passt die nicht ins Gleichnis, oder? Egal …

Platon fragt, wie sich das Sehen und das Organ des Sehens, also das Auge, zur Sonne verhalten. Seine Antwort: Das Auge sei zwar nicht die Sonne, aber das sonnenartigste unter den Sinnesorganen. Aha … Aber, mal eine andere Frage: Wollte uns Platon nicht eigentlich erzählen, was das Gute ist? Was hat das alles mit der Idee des Guten zu tun? Platon: So, wie sich die Sonne zum Sehen, zum Auge und zur Sichtbarkeit verhält, so verhält sich das Gute zur Vernunft, zur Seele und zur Denkbarkeit. Das Gute ist also die Ursache dafür, dass wir überhaupt denkend erkennen können. Die Helligkeit, die im Gleichnis das verbindende Joch war, setzt er nun mit der Wahrheit gleich und das Ding, das wir sehen können, steht für die Idee. Verstanden? Nein? Kein Wunder, denn das ist meines Erachtens ziemliches Geschwurbel. Was Platon mit vielen Worten sagen will, ist Folgendes:

Das Gute ist die Ursache dafür, dass es die Wahrheit gibt, die wiederum das verbindende Element zwischen unserer Seele und den Ideen darstellt und so Vernunfterkenntnis ermöglicht. Überzeugt euch das? Mich jedenfalls nicht! Zunächst einmal ist dieses Konstrukt eine metaphysiche Unterstellung. Platon gibt überhaupt keinen Grund an, warum das Gute die Ursache für Erkenntnis sein soll, er behauptet das einfach. Genauso könnte ich behaupten: Brokkoli ist die Ursache für Erkenntnis. Was aber noch wichtiger ist: Platon hat uns überhaupt keine Antwort gegeben, was das Gute denn nun ist. Das Gleichnis ist dafür vollkommen ungeeignet.

Natürlich hatte Platon selbst schon angekündigt, dass er die Antwort nicht geben kann, daher hatte er ja mit einer Metapher geantwortet. Und eine Metapher so zu verwenden ist auch vollkommen legitim. denn wir benutzen immer dann Metaphern, wenn wir uns neue Bedeutungsfelder erschließen wollen, die wir noch nicht ganz greifen können. Das sieht man im Jahr 2016 an der Flüchtlingskrise ganz gut. Wir erleben eine neue Konsequenz der Globalisierung und versuchen uns dem Phänomen mit Metaphern zu nähern wie „Flüchtlingswelle“, „Flüchtlingsschwemme“, „syrische Wurzeln“, „verschärftes Asylrecht“, „Flüchtlingsschlepper“ oder „ein Zaun namens Türkei”.

Aber – das sieht man auch an den genannten Beispielen – es gute und schlechte Metaphern. Eine gute Metapher macht einen komplizierten Sachverhalt greifbar (das war zum Beispiel eine gute, eine greifbare Metapher). Eine schlechte Metapher hingegen ist einfach nur hohl, ersetzt eine Worthülse durch eine andere (und auch das war eine gute, greifbare Metapher). Letzteres hat Platon hier gemacht. Zu sagen, dass das Gute wie die Sonne ist, bringt uns schlichtweg nicht voran.

Platon muss selbst auch gemerkt haben, dass er noch nicht so richtig den Nagel auf den Kopf getroffen hat (Wieder eine gute Metapher, ich bin on Fire – die nächste!). Jedenfalls fährt Platon mit dem Liniengleichnis fort. Aber das schauen wir uns beim nächsten Mal an, denn zumindest mir raucht schon der Kopf.

Wenn ihr mir erklären wollt, was ich am Sonnengleichnis nicht verstanden habe, dann schreibt das in die Kommentare. Ich danke euch, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt.

Literatur

Bilderquellen

 

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Platons philosophische Einflüsse

Platon – Der Philosophenkönig – Teil 3

Bevor wir beim nächsten Mal endlich anfangen, richtig tief in Platons Philosophie einzutauchen, müssen wir hier und heute noch ein letztes Mal Vorarbeit leisten und die Frage klären, welche philosophischen und gesellschaftlichen Strömungen den größten Einfluss auf Platon hatten. Wie immer könnt ihr das entweder euch als Video anschauen, oder darunter das Transkript lesen …

Sokrates’ Einfluss

Ohne jeden Zweifel übte Platons Lehrer Sokrates den größten Einfluss auf Platon aus. Von Sokrates übernahm Platon das Zentrale Thema seiner Philosophie: Die Suche nach dem Guten. Aber auch den Stil des Philosophierens, der für die kommenden zwei Jahrtausende dominieren sollte, hat Platon von Sokrates übernommen. Ich spreche von der Fokussierung auf logische Argumentation – das war eine Entscheidung die bei den vorsokratischen Sophisten noch nicht getroffen war, die dann aber ausgehend von Sokrates über Platon und Aristoteles zu philosophischem Mainstream wurde.

Das Kernstück von Platons Philosophie ist seine Ideenlehre. Und diese Ideenlehre ist ebenfalls eine direkte Antwort auf Sokrates und seine „Was ist…?“-Frage. Wir erinnern uns: Sokrates war stets bemüht, allgemeine Definitionen zu liefern und endete letztlich immer (natürlich vollkommen bewusst und absichtlich) in Aporien, also im ergebnislosen Abbruch seiner Untersuchungen. Platons Ideenlehre ist ein Ausweg aus diesem sokratischen Dilemma. Wir werden darauf zurückkommen.

Pythagoras

Neben Sokrates hatten Pythagoras und die Pythagoreer einen großen Einfluss auf Platon. Ich erwähnte ja schon, dass Platon in Italien mit ihrer Philosophie in Kontakt kam und dass er seine Akademie nach ihrem Vorbild gründete. Aber auch inhaltlich hatten sie großen Einfluss auf Platon. Die Pythagoreer kombinierten Mathematik und Logik mit sehr viel Mystizismus. Diese eigenwillige Kombination übernahm Platon direkt von ihnen. Aber der folgenschwerste Einschlag der Philosophie von Pythagoras ist die Theorie von der unsterblichen Seele. Pythagoras hatte den Glauben an die unsterbliche Seele auch nicht aus dem Nichts geboren, sondern von der religiösen Sekte der Orphiker übernommen und Platon übernahm ihn dann wiederum von Pythagoras. Platon sollte es aber nicht bei einem Glauben belassen. Denn wir sind Philosophen: Wir glauben nicht – wir beweisen! Entsprechend versuchte auch Platon zu beweisen, dass die Seele unsterblich ist. Ob ihm das gelungen ist, werden wir sehen.

Heraklit und Parmenides

Als die letzten großen philosophischen Einflüsse sind schließlich noch Heraklit und Parmenides zu nennen. Von Heraklit kennt ihr sicher alle den Poesiealbum-Spruch: „Alles fließt“. Dahinter steckt die philosophische Theorie, dass die Welt in einem stetigen Wandel ist. Ihr wisst schon:

„Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen“.

Platon übernahm all das, beschränkte es in seiner Theorie aber auf die Welt, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können und kombinierte das dann mit Parmenides. Parmenides war der LSD-Fan unter den Vorsokratikern, denn seiner Meinung nach müsse die Welt aus logischen Gründen unveränderbar sein, weswegen all unsere Sinneseindrücke bloße Täuschungen sind. Platon sollte es gelingen, mit seiner Ideenlehre diesen Widerspruch zwischen Heraklit und Parmenides aufzulösen.

Sparta

Zu guter Letzt darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Stadtstaat Sparta und seine Verfasstheit großen Einfluss auf Platons politische Utopie hatte. Ausgerechnet Sparta! Die Typen, die Platon dereinst in die Sklaverei verkauft hatten. Die ganzen – nun ja – spartanischen Aspekte an Platons Staatsmodell und überhaupt Platons Ablehnung von sinnlichen Freuden sind ein direkter Einfluss des spartanischen Gesellschaftsideals.

So, nun haben wir aber wirklich den Bauplatz freigeräumt und sind bereit auf ihm Platons phantastischen Philosophie-Palast zu errichten. Da ihr alle das Höhlengleichnis kennt werde ich damit natürlich … nicht anfangen. Denn das Höhlengleichnis ist eigentlich nur eines von drei Gleichnissen, die Platon in seinem Dialog Der Staat vorträgt. Daher beginne ich beim nächsten Mal mit dem Sonnengleichnis.

Vielen Dank dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt. Wenn das hier euch gefällt, dann erzählt doch euren Freundinnen davon.

Literatur

Bilderquellen

Alle Bilder, bei denen keine Quelle angegeben wurde, stammen entweder von mir oder sind gemeinfrei. Die anderen Bilder stammen von:

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Platons Leben

Platon, der Philosophenkönig – Folge 1

Nun geht es endlich richtig los mit Platon. Und um diesen großen Philosophen richtig einordnen zu können, beginnen wir mit seiner Biographie. In dieser finden sich zum Beispiel viele Hinweise, warum Platons politische Philosophie so antidemokratisch ausfiel. Wie gehabt findet ihr neben dem Video hier ein Transkript, Literaturtipps und die Bilderquellen. Viel Spaß!

Platons Jugend

Hallo, mein Name ist Daniel und ich möchte euch von Philosophie erzählen, genauer gesagt von Platons Leben.

Platon wurde entweder 428 oder 427 vor Christus geboren, genauer wissen wir das nicht. Das waren die ersten Jahre des Peloponnesischen Krieges, der noch bis zu Platons 24. Lebensjahr fortgeführt werden sollte. Stellt euch bitte mal kurz vor, dass euer Land in den ersten 24 Jahren eures Lebens Krieg geführt hätte. Aber, auch wenn das sicher nicht spurlos an ihm vorüberging, dürfte der Krieg Platons Leben auch nicht allzu schwer gemacht haben, denn er stammte aus einer alten und reichen Athener Adelsfamilie und es fehlte ihm wohl an nichts.

Es gibt die Legende, dass „Platon“ urspünglich nur sein Spitzname gewesen sei, der aber im Laufe der Zeit zu seinem Rufnamen wurde. Demnach leitet sich Platon vom griechischen Wort für breit ab und kam daher, dass Platon als Jugendlicher Ringer war und eine außergewöhnlich breite Brust hatte. Wie gesagt, das ist eine unbewiesene Legende, aber ich fand sie so schön, dass ich sie euch nicht vorenthalten wollte. Wir wissen, wie auch schon bei Sokrates, hingegen mit Sicherheit, dass Platon eine gute Schulbidung genoss, zu der sicher auch Sport und somit auch Ringen gehörte.

In jungen Jahren soll sich Platon als Dichter versucht haben. Er habe später aber alle seine Dichtungen verbrannt. Letzteres geschah sicher, weil er mit zunehmenden Alter zum harschen Kritiker der Dichter wurde. Allerdings sind seine philosophischen Texte formvollendet und rein literarisch ohne Rücksicht auf den Inhalt schon ganz große Kunst.

Doch zurück zum Krieg: Der junge Platon scheint die Demokratie für die Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg verantwortlich gemacht zu haben. Dies war wohl der Samen, aus dem eine lebenslange Feindschaft dieser Regierungsform gegenüber erwuchs. Mehrere seiner Verwandten gehörten dann den 30 Tyrannen an – von denen ich euch schon bei Sokrates erzählte – und diese Verwandten forderten auch den demokratiekritischen Platon auf, sich an der Diktatur zu beteiligen. Dies lehnte der Sokrates-Schüler allerdings ab, weil er das Regime der 30 für verbrecherisch hielt.

Platons Ausbildung

Platons erster Philosophie-Lehrer noch vor Sokrates war ein gewisser Kratylos, dem er auch mit dem nach ihm benannten Dialog ein Denkmal gesetzt hat. In diesem “Denkmal” wird Kratylos natürlich von Sokrates komplett in den Schatten gestellt. Im Alter von 20 Jahren wurde Platon dann allerdings schon ein Schüler von Sokrates und blieb es bis zu Sokrates’ Tod. Platon war während Sokrates’ Prozess anwesend und wollte ihm wohl auch bei seiner Hinrichtung beistehen, konnte aber nicht kommen, da er krank war. Diese Hinrichtung nannte Platon später den:

“Wendepunkt in meinem Leben”

Platon radikalisierte die Tatsache, dass das demokratische Athen seinen Lehrer hingerichtet hatte, weiter und führten Jahre später zu seinen antidemokratischen Forderungen an einen für ihn idealen Staat. Vorerst hatte er jedoch die Schnauze voll von Athen und begab sich auf eine mehrjährige Reise. Das machte er nicht zuletzt auch weil in Athen das Pflaster für Sokrates-Schüler wohl gerade sehr heiß war und Platon noch nicht selbst an einem Schierlingscocktail nippen wollte.

Die erste Sizilien-Reise

Platon soll Ägypten, Kyrene (im heutigen Lybien), Unteritalien und Sizilien besucht haben. In Italien kam er in Kontakt mit den Pythagoreern, die nach Sokrates den nächsten großen Einfluss auf ihn ausüben sollten. Die Pythagoreer hatte ich ja auch schon im zweiten Sokrates-Teil erwähnt: Das war so eine Art Community von Mathe-Hippies, die in einer Art Kibbuz lebten, sich vor Bohnen fürchteten und Schwalben umbrachten. Platon hat das so begeistert, dass er nach diesem Vorbild Jahre später seine berühmte Akademie aufbaute. Zumindest mehr oder weniger …

Auf Sizilien blieb Platon eine Weile im Stadtstaat Syrakus: Man könnte sage, er war Hofphilosoph von Dionysios I. Und lernte dort auch einen gewissen Dion kennen, der ein lebenslanger Freund werden sollte und Platon zugleich immer wieder in die politischen Intrigen von Syrakus verwickeln sollte.

Jedenfalls lief die Nummer mit dem Hofphilosophen für Platon nicht ganz so, wie er sich das wahrscheinlich vorgestellt hatte. Er glaubte, Dionysios verklickern zu können, was gerechte Herrschaft ist. Aber Dionysios war ein Tyrann, ein Alleinherrscher mit absoluter Macht und war es nicht gewohnt, dass man ihn kritisierte, weswegen er Platon das ein oder andere Mal zurechtwies. Das wiederum war Platon nicht gewohnt, sodass da zwei Holzköpfe so lange aufeinander prallten, bis Platon letztlich in Ungnade fiel und das Land verlassen musste.

An dieser Stelle ist nicht ganz klar, was als nächstes geschah. Manche behaupten, Dionysios habe den nervigen Athener an die Erzfeinde aus Sparta ausgeliefert. Andere sagen, es war nur ein dummer Zufall, dass Platon auf seiner Heimreise nach Athen in die Hände der Spartaner fiel. So oder so, die Spartaner machten mit Platon das, was sie mit jedem Athener machten: Sie verkauften ihn als Sklave. Aber Platon hatte Glück, sein Sklavenhalter erwies sich wohl als knorke Typ, der ihn anständig behandelte und letztlich sogar in die Freiheit entließ. Jetzt hatte Platon aber wirklich die Schnauze voll vom Reisen und kehrte nach Athen zurück, um dort seine eigene Philosophen-Hippie-Kommune zu gründen.

Die Platonische Akademie und die zweite Sizilienreise

387 vor Christus gründete Platon die Akademie. Es war übrigens die allererste Bildungseinrichtung die diesen Namen trug und der Name “Akademie” leitet sich vom Namen des Waldes oder Parks ab, in dem sie lag. Als Vorbild dienten, wie gesagt, die Pythagoreer und über der Tür soll auch sowas gestanden haben wie “Du kommst nicht vorbei! … Solange du Geometrie nicht beherrschst”. Jedenfalls lief die Nummer mit der Akademie ganz gut an und Platon hätte es sich eigentlich gemütlich machen können als Philosophielehrer.

Jedoch, ihr ahnt es schon, es kam anders: Und zwar meldete sich Dion wieder bei Platon und meinte so: Jo, Alter stell dir vor, der Dionysios I ist tot und sein Sohn Dionysios II, der jetzt regiert, ist voll anders drauf. Du hast da doch noch dieses Konzept vom Philosophenkönig in der Tasche. Wie wär’s? Komm doch mal rüber und verklickere dass unserem König.

Tja, Platon ließ sich tatsächlich darauf ein und reiste 366 wieder nach Syrakus, bestimmt weil er den ersten Trip in so guter Erinnerung hatte. Spaß beiseite, der Grund war, dass Platon hoffte, dort eine Philosophenregierung errichten zu können. Überraschenderweise hatte Dionysios II daran aber überhaupt kein Interesse. Ich werde Platons Staatsentwurf mehrere Folgen widmen und dann werdet ihr verstehen, dass wohl kein Alleinherrscher sich je auf dieses Konzept eingelassen hätte.

Auch diesmal lief es für Platon nicht so spitze in Syrakus. Erst versuchte Dion gegen den Tyrann zu intrigieren und ihn so zu stürzen. Aber, weil das fehlschlug wurde er verbannt. Als dann Platon ohne Dion keinen Bock mehr auf Syrakus hatte, wurde ihm diesmal die Ausreise verboten und nur befreundete Pythagoreer schafften es, Dionysios umzustimmen, sodass Platon 365 wieder abreisen konnte.

Die dritte Sizilienreise

Kaum war Platon weg, fing Dionysios II wieder an ihn zu bezirzen, wie so ein Alkoholiker, der verspricht, niiiiie wieder zu saufen. Er meinte, dass das doch alles nicht so gemeint gewesen sei. Und dass Platon doch zurückkommen soll, man könne doch über alles reden, zum Beispiel auch über die Verbannung von Dion.

Tja, und ob ihr es glaubt oder nicht: Platon ließ sich tatsächlich darauf ein. 361 reiste er ein drittes Mal nach Syrakus. Freunde von ihm drängten Platon, er solle reisen, damit er sich für Dion einsetzen könne. Platon hoffte neben Dions Begnadigung wohl auch noch immer auf seinen Philosophenkönig. Aber als Platon dann da war, lief natürlich auch ein drittes Mal alles schief. Dionysios erwies sich als arrogant und glaubte er sei schon längst der Philosophenkönig und statt Dion zu begnadigen beschlagnahmte er auch noch Dions Vermögen.

Platon platzte jetzt endgültig der Kragen und er fing selbst an mit der Opposition zu konspirieren. Um ein Haar wäre er wieder in Gefangenschaft geraten, aber sein Freund Archytas verhalf ihm zur Rückkehr nach Athen.

Dion versuchte übrigens später noch einmal einen Umsturz in Syrakus, um dort selbst zum Philosophenkönig zu werden. Anfangs lief dieser sogar erfolgreich, doch dann wurde Dion ermordet, bevor er Platons Staat realisieren konnte. Wie gesagt: Platons Staatsmodell ist sehr radikal. Kein Establishment damals wie heute konnte Interesse daran gehabt haben, da es auf seine Entmachtung und Enteignung hinauslief.

Platons Tod

Platon jedenfalls hatte nun endgültig die Nase voll von Politik und beschränkte sich für den Rest seines Lebens aufs Lehren und Forschen. Er starb 348 oder 347 vor Christus im Alter von 81 Jahren und seine letzten Worte sollen gelautet haben: „

Ich bin ein Schwan, der von Baum zu Baum fliegt und damit den Jägern viel Sorge bereitet, weil es ihnen nicht gelingen will, mich zu fangen.“

… Ähm, ja! Genau!

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wenn euch das hier gefallen hat, dann erzählt doch euren Freunden davon und schaltet auch das nächste Mal wieder ein, wenn ich euch erzähle, warum Platon Dialoge schrieb.

Literaturtipps

Bilderquellen

 

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Der Satz vom Widerspruch

Ich dachte, ich wäre durch mit Sokrates. Aber dann brachte meine Tochter (8) auf etwas Aufmerksam. Daher gibt es noch diesen Epilog. Noch einmal zur Zusammenfassung, dies waren die anderen Teile, der Sokrates-Staffel:

Und diesmal geht es also um den Satz vom Widerspruch. Wie immer folgt unter dem Video das Transkript für alle Suchmaschinen und Menschen, die lieber lesen, als Videos gucken, danach kommen Literaturtipps und die Bilderquellen-Angaben zum Video. Viel Spaß!

Ich steckte mitten in dieser Staffel zu Sokrates, da machte mich meine achtjährige Tochter auf etwas aufmerksam. Einerseits bin ich sehr stolz darauf, dass sie mit ihren acht Jahren schon so logisch denken kann, andererseits war es mir auch superpeinlich, dass ich nicht selbst darauf gekommen war. Und wenn ich superpeinlich sage, dann meine ich superpeinlich: So peinlich, als wäre “das Sommermärchen” gekauft gewesen. So peinlich, als würden deutsche Polizisten fordern, einen Zaun zwischen Deutschland und Österreich zu bauen. Auf den Berggipfeln der Alpen. So peinlich, als würden die amerikanischen Republikaner versuchen, jemanden zum Präsidentschaftskandidaten zu machen, der immer einen toten Hamster auf dem Kopf trägt. Aber so ist das manchmal in der Philosophie: Man sieht die Wahrheit vor lauter Wissen nicht.

Es geht um den Satz “Ich weiß, dass ich nichts weiß”. Die Erkenntnis, dass Sokrates weiser ist als alle anderen, da er sich im Gegensatz zu ihnen nicht einbildet, etwas zu wissen, kommt in Platons Apologie des Sokrates in vielen verschiedenen Formulierungen vor. Aber eine Formulierung kommt nicht vor: “Ich weiß, dass ich nichts weiß.” Warum ist das so? Nun, wie es meine Tochter ausdrückte:

“Aber wenn er weiß, dass er nichts weiß, dann weiß er doch etwas und nicht nichts.”

In der Philosophie suchen wir nach Gewissheiten. Und je genauer diese Suche wird, desto mehr brechen uns diese Gewissheiten weg. Aber es gibt einige Tatsachen, die so fest sind, wie der Fels in der Brandung. Und eine dieser Tatsachen, eine absolute Gewissheit ist der Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch, oder einfach: der Satz vom Widerspruch.

Der Satz vom Widerspruch besagt, dass nichts zugleich der Fall sein kann und nicht der Fall sein kann. Es kann zum Beispiel nie wahr sein, dass es regnet und nicht regnet. Entweder passt Jack noch auf die Tür oder nicht, aber nicht beides zusammen. Entweder gibt es die Matrix oder nicht. Aber beides gleichzeitig geht nicht. Entweder fällt mir beim Döneressen die Häfte auf die Schuhe oder … Okay, vergesst den letzten Punkt. Denn der Punkt ist, das macht uns Aristoteles klar: Jede, die den Mund aufmacht, muss automatisch den Satz vom Widerspruch akzeptieren. Denn ihn nicht zu akzeptieren, heißt letztlich nichts zu sagen. Wenn ich sage, es regnet aber es regnet nicht. Dann sage ich nichts anderes als +1 -1 und das ist bekanntlich null.

Wenn jetzt also Sokrates gesagt hätte: “Ich weiß, dass ich nichts weiß”, so hätte er einen Widerspruch erzeugt. Denn er weiß ja etwas: Eben, dass er nichts weiß.

Wenn ihr nicht gerade Philosophen seid, dann solltet ihr an dieser Stelle laut aufschreien: “ABER SO HAT ER DAS DOCH NICHT GEMEINT! Er meinte doch bloß, dass er sehr wenig weiß.” Und da habt ihr vollkommen Recht. Und wir werden uns ausführlich mit dem Verhältnis von Sagen und Meinen beschäftigen, wenn wir eines fernen Tages zur Analytischen Philosophie kommen. In der Mathematik könnt ihr auch nicht sagen: “So habe ich es doch nicht gemeint!”, wenn ihr behauptet Pi wäre genau 3,14 und nicht, ähm ja, also diese andere superlange Zahl, die nie endet. Und genauso müsst ihr in der Philosophie genau auf eure Worte achten, denn die Sprache ist euer Teleskop, euer Elektronenmikroskop, euer Lackmustest, euer Jedischwert, euer Fluxkompensator, eure Tardis. Und die meisten Widersprüche oder gar Paradoxien kommen nicht so banal daher wie „Ich weiß, dass ich nichts weiß”, sondern sind komplizierter, zum Beispiel:

  • Ich Lüge euch jetzt gerade an.
  • Ich behaupte, dass es keine absolute Wahrheit gibt.
  • Es regnet, aber ich glaube es nicht.
  • Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahlköpfig
  • Der Friseur rasiert alle Männer, die sich nicht selbst rasieren. Rasiert der Friseur sich selbst?

So, das war es jetzt aber endgültig von mir zu Sokrates. Die nächste Staffel wird sich um Platon, den Philosophenkönig, drehen. Haltet mir die Treue, denn ich werde mich für eine ganze Zeit in mein Kämmerchen verziehen und Texte wälzen, damit ich euch keinen Blödsinn erzähle. Ich habe auch schon eine ganze Reihe an Ideen, aber die muss ich jetzt noch ausarbeiten:

  • Platonische Liebe
  • Das Höhlengleichnis
  • Die Ideenlehre
  • Das Universalienproblem
  • Der Staat
  • Platons Schriftkritik
  • Platons Apfelkuchenrezept

Vielen Dank, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt und bis zum nächsten Mal.

Literatur

Bilderquellen

Weitere Bilderquellen folgen, das Baby schreit.

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