Platon – Wissen ist wahre begründete Meinung

Heute möchte ich mich der Definition von Wissen widmen, die ihr alle kennt, wenn ihr mal ein Semester Philosophie studiert habt: Wissen ist wahre begründete Meinung. Das ganze wie immer hier als Video oder darunter als Transkript.

Geltung und Genese

Beim letzten Mal hatten wir Platon darüber grübeln sehen, wie er den Irrtum richtig definieren kann. Zwar führten sämtliche Versuche Platon immer wieder in Sackgassen, aber trotz aller Probleme haben wir den Begriff zumindest strategisch eingekreist und das ist ja auch schon mal was wert. Somit sind unsere logischen Armeen nun in Position und wir widmen uns endlich der eigentlichen These, dass Wissen wahre Meinung ist.

Platons Sokrates eröffnet das Feuer mit dem, was Leibniz später das „Geltung und Genese“-Argument nennen wird: Die Frage, ob wir wahre Meinung auch Wissen nennen können, wenn sie falsch zustande gekommen ist. Sokrates’ Argument ist das griechische Gerichtswesen: Wie wir in den Sokrates-Texten schon sahen, waren rhetorische Fähigkeiten dort das A und O, da sich jeder selbst verteidigen musste. Das, was Ankläger und Verteidiger vor griechischen Gerichten machen, ist Überreden, denn die Richter werden nicht unbedingt mit den besten Argumenten zu ihrem Urteil geführt (also überzeugt), sondern mit den trickreichsten. So kann es kommen, dass die Richter ein gerechtes Urteil sprechen, aber dies geschieht nicht aus Wissen heraus sondern eher zufällig. Es scheint also nicht ganz unwichtig zu sein, wie eine wahre Meinung zustande gekommen ist.

Zur wahren Meinung muss also noch etwas hinzukommen, damit sie Wissen werden kann. Theaitetos fällt auch ein, was das sein könnte und so findet Platon die Definition für Wissen, die noch heute jede Studentin im ersten Semester Philosophie lernt: Wissen ist wahre, begründete Meinung.

Lasst diesen Gedanken mal eine Minute sacken, denn er ist sehr wichtig. Im Internet ist jeder Mensch zu einem potentiellen Massenmedium geworden. Es wimmelt von Meinungen. Aber oft wird zumindest eines der beiden Prädikate vergessen, die aus Meinungen auch Wissen machen. So wimmelt es von Verschwörungstheorien im Internet, die sich schon nach einem ganz schnellen Realitätsabgleich als unwahr erweisen. Beispielsweise wenn pietätlose Menschen behaupten, dass die Jugendlichen Amoklaufüberlebenden aus Florida, die sich jetzt für strengere Waffengesetze stark machen, Schauspieler wären.

Auf der anderen Seite finden sich auf Facebook und Twitter Meinungen, die manchmal sogar wahr sind, denen es aber aufgrund der Kürze und Hastigkeit der Medien an Begründung fehlt. Ein Grund, warum man insbesondere auf Twitter nicht in Diskussionen einsteigen sollte.

Der infinite Regress

War es das jetzt? Ist unsere Untersuchung, was Wissen ist, am Ende? Haben wir eine Definition für Wissen gefunden? Natürlich nicht! Dafür blicken wir mit Platon noch einmal auf die Meinung und fragen, aus was denn Meinungen eigentlich bestehen? Meinungen sind erst einmal Sätze. Die nächste wichtige Frage ist dann: Womit begründe ich einen wahren Satz? Letztlich bleibt mir nie etwas anderes übrig, als einen Satz wieder mit einem anderen Satz zu begründen. Doch dieser andere, zweite Satz, woher weiß ich denn, ob es sich bei dem um Wissen handelt? Denn nur dann kann er ja als Begründung herhalten? Ganz klar: Auch er muss wahr sein und begründet werden. Aber womit begründe ich ihn? Na, mit einem Satz. Und dieser Satz?

Ihr seht, wir haben ein Problem. Und dieses Problem nennt sich der „Infinite Regress“, es ist nicht irgendein, sondern ein riesiges, ein gewaltiges Problem, das uns in der Erkenntnistheorie immer wieder über den Weg läuft. Es verwandelt das Fundament unseres Wissens in Sand.

Dogma

Platons Sokrates versucht einen Ausweg zu finden, indem er von einem Traum erzählt, in dem es ihm erschien, dass es Urelemente gäbe, aus denen unser Wissen abgeleitet werden kann, die aber selbst kein Wissen sind, da sie nur benannt aber nicht bewiesen werden können.

Was zum Henker soll dieser metaphysische Quatsch denn jetzt schon wieder sein? Nun, in der Mathematik kennen wir genau solche Urelemente. Erste Sätze, die uns einleuchten, die wir aber nicht beweisen können und von denen wir dann all unsere mathematischen Erkenntnisse ableiten. Mathematikerinnen nennen sie Axiome.

Beispielsweise lautet die Liniendefinition von Euklid: “Eine Linie ist eine breitenlose Länge“. Dieser Satz ist (in der Euklidschen Geometrie) selbst nicht beweisbar, da er als Grundlage für alle anderen Beweise gilt. In der Philosophie nennen wir so etwas ein Dogma: Um dem Infiniten Regresse zu entgehen, breche ich meine Begründung einfach irgendwann ab und erkläre einen meiner Sätze zum Axiom, von dem ich ausgehen will.

Aber Sokrates weißt uns natürlich auf das Problem eines solchen Dogmas hin: Wenn wir unser vermeintliches Wissen aus unerklärbaren Axiomen zusammensetzen, dann ist es letztlich selbst auch unerklärbar. Aber eine unerklärbare Begründung ist letztlich gar keine Begründung.

Zirkelschluss

Daher nimmt Sokrates einen dritten Anlauf: Man kann etwas nicht nur dadurch erklären, dass man sagt, woraus es zusammengesetzt ist, sondern auch dadurch, dass man sagt, was es nicht ist und es so von anderem unterscheidet. Wer ist Rey in Star Wars? Sie ist nicht Kylo Ren oder Finn oder Hans Solo … und so weiter. Aber wenn ich etwas dadurch definiere, was es nicht ist, dann muss ich auch wissen, worin der Unterschied besteht. Rey ist nicht Finn, da sie Macht-sensitiv ist. Aber sie ist auch nicht Kylo Ren, da sie zur guten Seite der Macht gehört und so weiter.

Blöderweise führt uns das ins nächste Problem, denn wir haben gerade Wissen definiert als wahre Meinung und das Wissen darum, worin sich diese wahre Meinung von etwas anderem unterscheidet. Oder kurz: Wissen ist wahre Meinung und Wissen. Das wiederum ist nach dem Infiniten Regress und dem Dogma die dritte Sackgasse in der Definition von Wissen: Der Zirkelschluss.

Der Ausweg

Zirkelschluss, Dogma und Infiniter Regress nennt der Philosoph Hans Albert übrigens das Münchhausen-Trilemma. Nach Hans Albert wird jeder Versuch einer Letztbegründung scheitern, weil er immer ins Münchhausen-Trilemma führt.

Heiliges Spaghettimonster! Ist euch klar, was das bedeutet? Nichts anderes als: Es gibt kein Wissen – zumindest streng genommen. Was machen wir jetzt? Bleibt uns noch etwas anderes übrig, als uns besinnungslos zu besaufen? Können wir wirklich Trumps alternative Facts nicht widerlegen, weil wir am Grunde unserer Argumentation immer auf das Münchhausen-Trilemma stoßen? Gibt es wirklich gar keinen Ausweg?

Nun, Platon bietet uns einen solchen Ausweg in seinen mittleren Dialogen. Wir haben ihn auch schon hier und da mal gestreift. Allerdings wirft uns dieser Ausweg wieder ganz tief in seine Metaphysik und da stellt sich die Frage, ob wir nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Dennoch werden wir uns beim nächsten Mal diesen Ausweg angucken: Die Anamnesislehre.

Platon – Wissen ist Wahrnehmung

Ich möchte mich ab heute dem nächsten großen Block zuwenden und euch von Platons Erkenntnistheorie erzählen. Ihr könnt das als Video angucken oder darunter das Transkript lesen. Wenn ihr Quellenangaben wünscht, fragt mich in den Kommentaren!

Der Dialog Theaitetos

Die beiden wichtigsten Dialoge zu Platons Erkenntnistheorie sind der Menon und der Theaitetos. Ich werde mich zunächst hauptsächlich auf den Theaitetos beziehen, denn in ihm werden einige klassische Probleme der Epistemologie verhandelt, die noch heute relevant sind. Platons These, wie menschliche Erkenntnis möglich ist, findet sich dann allerdings im Menon. Wir kommen dazu …

Der Theaitetos ist ein spannender Dialog, da er einerseits aus Platons Spätwerk stammt, andererseits aber viele Aspekte eines frühen platonischen Dialogs aufweist, so wird hier ein einzelnes Problem untersucht: Die Frage, was Wissen ist. Außerdem endet der Dialog wie viele frühe Werke aporetisch, also mit einem offenen Ende, ohne konkretes Ergebnis.

Der Theaitetos beginnt auch sehr klassisch. Sokrates, der junge Mathematiker Theaitetos und sein Lehrer Theodoros beginnen ein Gespräch, indem Theaitetos gefragt wird, was Wissen ist und erst einmal eine extensionale Antwort gibt. Er zählt also auf, was alles unter den Begriff des Wissens fällt: Zum Beispiel Mathematik, verschiedene Handwerkskünste, Platons Apfelkuchenrezept oder was zur dunklen Seite der Macht führt.

Natürlich wird Theaitetos als nächstes nicht weniger klassisch von Sokrates belehrt, dass es ihm nicht um diese Aufzählung von Beispielen gehe, wenn er eine „Was ist …?“-Frage stellt. Stattdessen geht es ihm um die Intension des Begriffs, seine Bedeutung oder (verkürzt gesprochen) die Definition.

Die erste Definition von Wissen

Nach einigem Hin und Her gibt Theaitetos dann Sokrates und uns Lesern eine erste Definition für Wissen: Wissen ist Wahrnehmung. Und das ist eine wirklich spannende Antwort. Auf den ersten Blick wirkt sie sehr naiv, besonders wenn man bedenkt, dass Theaitetos Mathematiker sein soll. Dass ausgerechnet ein Mathematiker glaubt, Wissen sei Wahrnehmung, interpretiere ich übrigens als einen kleinen Witz von Platon. Ich kann mir richtig gut vorstellen, wie der alte Mann ihn leise kichernd in seine Wachstafel ritzte.

Aber neben einem Scherz ist diese Antwort zugleich die Begründung einer wissenschaftlich-philosophischen Tradition, die über die britischen Philosophen der Neuzeit und den Wiener Kreis bis heute fortgeschrieben wird: den Empirismus. Zwar ist dieser längst über Theaitetos’ naive Version hinaus und setzt Wahrnehmung und Wissen nicht mehr gleich. Aber die Grundidee, die schon hier im Dialog auftaucht, ist die gleiche geblieben: Auf der Suche nach Erkenntnis müssen wir uns auf das verlassen, was wir wahrnehmen beziehungsweise messen können.

Die Gegenthese ist übrigens der Rationalismus, der wiederum vor allem auf das setzt, was wir denkend erkennen können. Platons oben erwähnter Witz hat die Pointe, dass das Paradebeispiel des Rationalismus’ immer die Mathematik ist.

Der Mensch ist das Maß aller Dinge

Doch zurück zum Dialog: Sokrates erwidert, dass die These „Wissen ist Wahrnehmung“ seiner Meinung nach das gleiche sagt wie der berühmte Satz des Sophisten Protagoras: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“ Dieser Satz von Protagoras, den ihr nicht mit Pythagoras verwechseln solltet, ist wiederum so etwas wie der Artikel 1 einer weiteren philosophischen Strömung: des Relativismus. Der Relativismus ist die schlechte philosophische Angewohnheit, immer alles relativieren zu müssen. Echt ey, nie können wir euch eure absoluten Wahrheiten lassen! Also fast nie. Relativ gesehen.

Der Relativismus sagt, es gibt nicht die eine Wahrheit, sondern jede von uns hat ihre eigene kleine Wahrheit je nach Kontext. Das ist eine sehr spannende These, die mir auch äußerst sympathisch ist, und die unglaublich viele Chancen und noch mehr Risiken mit sich bringt. Aber was hat das mit Theaitetos’ „Wissen ist Wahrnehmung“ zu tun?

Nun, hier steckt der nächste riesige Brocken philosophischer Probleme drin, genauer gesagt die sogenannte Qualia-Debatte. Auch wenn die mitunter eine Qual ist, hat sie mehr mit Qualitäten zu tun. Ihr habt wahrscheinlich noch nie etwas von ihr gehört aber trotzdem kennt ihr sie alle. Denn es handelt sich um die Suche nach der Antwort auf eine der ersten philosophischen Fragen, die sich Menschen als Teenager stellen. Die gleiche Frage, die nachts um drei bekifft in der WG-Küche diskutiert wird: Ist das, was ich als Rot wahrnehme auch für dich rot? Wir nennen es zwar beide so, aber vielleicht sieht dein Rot blau aus. Sokrates bringt hier ein anderes Beispiel: Der Wind, der die eine frieren lässt, ist für die andere eine angenehme Erfrischung.

Wissen ist das Gegenteil von Irrtum

Sokrates fährt fort, indem er Wissen als das Gegenteil von Irrtum definiert. Das ist ziemlich einleuchten, oder? Wenn ich etwas weiß, dann habe ich mich nicht geirrt. Wenn ich mich irre, habe ich kein Wissen. Daraus folgt, dass, wenn Wahrnehmung Wissen ist, dass ich mich dann nicht in einer Wahrnehmung irren kann. Soweit klar?

Bevor Platon mit der Prüfung dieser These beginnt, schweift er dann erst noch einmal kräftig ab und lässt Sokrates viel Zeug über Werden und Gleichbleiben schwafeln, das ich in etwa so spannend finde wie die zweite Staffel von The Wire, sodass ich es hier einfach ganz dreist weglasse.

Als Platon Sokrates wieder auf Spur gebracht hat, lässt er ihn Argumente gegen die These liefern, dass man sich in seinen Wahrnehmungen nicht täuschen kann. Im Traum wisse man zum Beispiel nicht, dass man träume, glaubt aber wahrzunehmen. Meine Wahrnehmung ist also ein Irrtum. Auch Menschen mit Psychosen glauben, Wahrnehmungen zu haben, die aber objektiv betrachtet nicht da sind. Und im kleinere Maßstab hatten wir alle schon mal eine Halluzination und glaubten etwa, etwas zu riechen, wovon in Wirklichkeit kein Duft in der Luft lag. Entsprechend gibt es durchaus diverse Möglichkeiten, sich in seinen Wahrnehmungen zu irren. Soweit ist das klar, oder?

Zurück zum Relativismus

Aber waren wir nicht vorhin noch beim Relativismus und haben diesen dann ganz schamlos bei Seite liegen lassen? Keine Sorge: Für das nächste Argument gegen die These, dass Wahrnehmung Wissen ist, schlägt Sokrates den Bogen zurück zu Protagoras. Wenn Wissen Wahrnehmung ist, die wahrgenommene Welt jedem anders erscheint und obendrein das auch noch richtig und wichtig ist, wie die Bundesregierung sagen würde, dann folgt daraus, dass ich von niemandem sagen kann, dass sie mehr Wissen als eine andere habe.

Das ganze läuft dann nämlich ab wie eine Diskussion auf Facebook: Ich sage, es gibt keine Chemtrails, ich sehe bloß Kondensstreifen. Aber mein Widersacher, nennen wir ihn mal Aluhutträger1984, entgegnet einfach: Das ist falsch, ich sehe doch den Unterschied zwischen normalen Kondensstreifen und gefährlichen Chemtrails. Wenn also Wissen gleich Wahrnehmung wäre, dann ließe sich nicht entscheiden, wer von uns beiden Recht hat. Wir hätten beide Recht, schließlich nehmen wir das ja wahr.

Fremde Sprachen hören und verstehen

Sokrates gibt ein weiteres Beispiel gegen die „Wissen ist Wahrnehmung“-These: Wenn ich eine mir unverständliche Fremdsprache höre oder lese, dann nehme ich sie wahr, aber ich weiß nicht, was sie bedeutet. Theaitetos wendet ein, dass man da unterscheiden müsse: Ich weiß nämlich noch immer etwas – den Klang, bloß seine Bedeutung nicht.

Puh, die Frage ist, ob wir hier wirklich noch von Wissen sprechen können. Denn – vielleicht kennt ihr das Phänomen – wenn ich einen Film auf Englisch sehe und die Menschen sprechen da schnell und womöglich sogar Slang, und wenn ich dann  irgendwann den Faden verliere, dann ist es mir nicht einmal mehr möglich, Wortgrenzen herauszuhören. Erst wenn ich wieder ein mir bekanntes Wort gehört habe, beginnt die Sprache wieder Struktur für mich auszubilden, davor war sie nur Rauschen und ich würde nicht sagen, dass das Wissen ist. Wenn ich mich nachts auf meinen Balkon stelle und Frankfurt rauschen höre, sage ich ja auch nicht, dass ich dadurch Wissen von der Stadt habe.

Theaitetos macht hier den Fehler, zu glauben, dass Hören und Interpretieren zwei getrennte Dinge sind. Aber unser Gehirn strukturiert das, was wir Hören schon vor. Im Studium habe ich zum Beispiel mal gehört, dass es im Finnischen einen Laut zwischen *ü* und *i* gibt, den wir Deutsche nicht hören und entsprechend auch nicht sprechen können. Denn unser Gehirn presst das Geräusch immer in eine der beiden schon existierenden Schubladen, nur so ist Spracherkennung überhaupt möglich. Aber selbst wenn es anders wäre, wäre es äußerst fragwürdig, ob man Hören ohne Interpretation wirklich Wissen nennen könnte.

Der performative Widerspruch

Obwohl die Sache für mich schon längst geritzt ist, hört Sokrates nicht auf, auf der naiven These des armen Theaitetos herumzuhacken und das auch noch ziemlich kleinlich: Wenn ich etwas sehe, dann weiß ich, wie es aussieht. Wenn ich mich später daran erinnere, weiß ich das noch immer, ohne jedoch eine Wahrnehmung zu haben. Dieses Argument geht wirklich nur auf, wenn man die engste und naivste Auslegung von Theaitetos’ These wählt.

Deswegen lassen wir das schnell hinter uns und wenden uns Platons Königsargument zu: Dem performativen Widerspruch. Der performative Widerspruch ist ein Widerspruch, der in dem Moment zutage tritt, wenn ich einen Satz äußere, also einen performativen Akt vollziehe.

Wieder geht es dabei um Protagoras’ Satz: “Der Mensch ist das Maß aller Dinge.” Wenn dieser Satz bedeutet, dass für jeden Menschen das wahr ist, was ihm wahr erscheint, dann muss dies auch für ebenjenen Satz von Protagoras gelten. Wenn ich also sage: “Yo Protagoras, dein Satz ist so falsch wie die Vorurteile der AfD gegenüber Ausländern. Es gibt wohl eine absolute Wahrheit, die für alle gilt.” Dann kann Protagoras dem schlichtweg nichts entgegen, denn, dass ich das so sehen kann, folgt ja logisch aus seinem Satz. Aber das heißt einmal mehr nichts anderes als: Protagoras’ Relativismus kann nicht wahr sein.

Natürlich könnte ich jetzt noch problematisieren, ob der Empirismus des Theaitetos’ immer mit Relativismus einhergehen muss. Aber das spare ich mir, denn die zwingende Widerlegung der These ist ja auch ohne diese Schlussfolgerung längst erfolgt, als Sokrates aufwies, dass ich mich in Wahrnehmungen irren kann und Irrtum nicht Wissen sein kann.

Also wenden wir uns der nächsten Definition von Wissen zu. Im Dialog ist hier übrigens die Untersuchung der ersten Definition noch nicht zu Ende, es werden weitere Argumente vorgebracht und zudem wird das eine oder andere Mal abgewichen. Aber für unsere Zwecke soll das für heute reichen, denn es ist ein sehr rundes Ergebnis und zeigt, wie eine philosophische Untersuchung im besten Falle ablaufen kann. Das nächste Mal setzen wir uns dann mit der zweiten These des Theaitetos auseinander: Wissen ist wahre Meinung.

Platon – Was ist das Gute?

Heute möchte ich heute einen sehr langen Bogen zurückschlagen. Er innert euch: Ich begann meine Platon-Reihe mit den drei Gleichnissen, die uns zu diesem ganzen Mindfuck von Platons  Metaphysik führten. Aber die Frage, die in den Gleichnissen gestellt wurde, war ja – zumindest vordergründig – eine ganz andere. Nämlich: Was ist das Gute? Wie immer habt ihr die Wahl: Oben Video, darunter Text.

Das Gute – ein höchst metaphysisches Konstrukt

Tja, was ist das Gute denn jetzt? Wir wissen vom letzten Mal, dass wir es anstreben sollen und wollen, wir wissen auch, dass wir uns darin irren können, was es  ist. Aber wir wissen noch immer nicht, was es verdammt noch einmal ist, dieses Gute! Schon bei den Gleichnissen hat Platon immer nur um den heißen Brei herumgeredet. Jetzt muss er doch mal sagen, ob es zum Beispiel gut ist, Kriegsflüchtlingen Asyl anzubieten oder, ob es gut ist, die Grenzen zu schützen! Was hat einen höheren moralischen Wert: Das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren eigenen Körper oder das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes?

Aber leider macht Platon es uns nicht so einfach, hier eine definitive Antwort zu geben. Er kommt in all seien Dialogen nie so richtig hinter dem Berg damit hervor, worin das Gute besteht. Wir hatten ja schon am Höhlengleichnis gesehen, dass er die Auffassung vertrat, dass man erst nach einer ausgiebigen Beschäftigung mit Philosophie die Erkenntnis erlangt, worin die Idee des Guten besteht. Sie uns einfach so hinzuschreiben, hielt er sogar für gefährlich, wie wir noch sehen werden, wenn wir uns mit seiner Schriftkritik befassen. Möglicherweise kam er auch nie zu einem abschließenden Ergebnis, was gut ist und was nicht. Fest steht zumindest, dass das Gute für Platon ein höchst metaphysisches Konstrukt ist und nicht in klaren Regeln besteht. Eine Tatsache für die ihn sein Schüler Aristoteles stark kritisiert hat.

Hedonismus und Wissen

Allerdings verschweigt Platon auch nicht vollkommen, was er über das Gute denkt, sondern greift das Thema immer wieder auf. So prüft er zum Beispiel im Dialog “Der Staat” zwei zu seiner Zeit populäre Theorien. Zum einen ist das „Das Gute besteht in der Lust“. Das ist die These des Hedonismus, der zu Platons Lebzeit prominent von Aristippos von Kyrene vertreten wurde. Und zum anderen die These „Das Gute besteht im Wissen“. Das war ja die These, die – wie wir sahen – mehr oder weniger Sokrates vertreten hatte.

Dass Lust das Gute ist, verwirft Platon mit dem ziemlich guten Argument, dass es auch schlechte Lust gibt. Wir hatte schon den Junkie als Beispiel, der sicher viel Lust am nächsten Schuss haben wird. Allerdings dürfte es schwer zu begründen sein, dass dies eine gute Tat ist. Im Dialog “Gorgias” bringt Platon ein noch stärkeres Argument gegen Lust als das Gute. Ich möchte es, das “Ramsay Bolton”-Argument nennen: Ein Mensch, dem es Spaß macht, andere Menschen zu quälen. Während ich beim Junkie zumindest noch argumentieren kann, dass dieser nur sich selbst schadet, wird es jetzt fast komplett aussichtslos, ein Argument zu finden, dass die Lust am Leid anderer etwas Gutes ist. Nicht die Lust kann das Gute sein, stattdessen muss das Gute hinzukommen, damit wir beurteilen können, ob eine Lust etwas Gutes ist.

Aus ganz ähnlichen Gründen scheitert auch die These, dass das Gute im Wissen besteht. Wieder wendet Platon ein, dass nicht jedes Wissen gut ist. Das Wissen, wie ich ein Selbstmordattentat verübe, ist sicher nichts Gutes. Wenn überhaupt ein Wissen als Kandidat um das Gute in Frage kommt, dann das Wissen, um das Gute. Aber diese Antwort ist wieder einmal ein Zirkelschluss: Ich begründe A mit B und B wieder mit A. Was ist das Gute? Wissen. Welches Wissen? Das Wissen um das Gute. Das ist ein logischer Fehler, es ist keine gültige Antwort und daher scheidet das Wissen auch aus im Rennen um die Frage, was das Gute ist.

Relativismus vs. objektiv Gutes

Wenn Platon also nie sagt, was das Gute ist, aber immer wieder betont, was es nicht ist, dann legt das ja den Schluss nahe, dass es das Gute überhaupt nicht gibt. Sophisten wie Protagoras vertraten diese Position. Berühmt wurde der Satz von Protagoras “Der Mensch ist das Maß aller Dinge”, also die Ansicht, dass jede Erkenntnis und jede Moral nur menschengemacht und somit relativ ist. Doch ihr ahnt es schon: In mehreren Dialogen bezog Platon ebenfalls massiv Stellung gegen den sophistischen Relativismus, also dass es kein absolut Gutes gebe, sondern gut und böse für jede Kultur, jede soziale Schicht oder gar jeden Menschen etwas anderes sind. Dagegen spricht ein weiteres berühmtes logisches Argument: Der performative Widerspruch. Wenn ich sage: “Es gibt keine allgemeingültige Moral, daher kann jede machen, was sie will”, dann handelt es sich dabei ebenfalls um eine moralische Maxime, von der ich den Anspruch habe, dass sie allgemeine Gültigkeit hat, obwohl ich gerade bestritten habe, dass es so etwas gibt. Die Performanz meines Sprechakts steht somit im Widerspruch zum Inhalt meiner Äußerung. Wir werden dies wieder aufgreifen, wenn wir uns mit Platons Erkenntnistheorie beschäftigen.

Nein, den Relativismus lehnte Platon stets ab. Seine zentrale philosophische Bemühung, die gesamte Ideenlehre, ist dem Versuch geschuldet, die Ethik auf ein objektives Fundament zu stellen. Aus den Lehren des Sokrates und dann den frühen platonischen Dialogen war ein zentrales Problem hervorgegangen: Eine haltbare Definition des Guten zu finden und auch wenn Platon uns diese nie liefert, so steht für ihn unumstößlich fest, dass es das Gute gibt und dass es etwas objektives ist.

Ein metaphysischer Schauer am Ende

In den Gleichnissen hatten wir verschiedene metaphysische Erklärungen gesehen, worin der Status des Guten besteht. Diese halte ich persönlich allesamt für wenig glaubwürdig und muss sie nicht noch einmal wiederholen. Ihr könnt euch ja die entsprechenden Folgen ansehen. Lediglich die These aus dem Höhlengleichnis ist nicht unplausibel: Dass die Erkenntnis, was das Gute ist, die schwerste von allen ist und sich erst nach langer und intensiver Auseinandersetzung mit Philosophie beantworten lässt. Dies ist die Lehre des Sokrates, die Platon verinnerlicht hat: Philosophie im Allgemeinen und die Suche nach dem Guten im Besonderen ist nichts, was sich einfach in einem Buch nachlesen lässt. Sie muss gelebt werden, erst dann wird dich eines Tages die Erkenntnis mit einem metaphysischen Schauer ergreifen. Und du wirst verstehen, worin das wahre Gute besteht.

Sehr ihr das genauso? Oder ist das für euch nur Geschwafel? Schreibt mir doch mal einen Kommentar! Beim nächsten Mal lassen wir die Ethik ein Stück weit hinter uns und tauchen in Platons politische Philosophie ein.

Platons Ideenlehre

Nun ist es endlich soweit! Nachdem es beim letzten Mal um die Suche nach sicherem Wissen ging, bin ich in meiner kleinen Reise durch Platons Philosophie bei seiner Ideenlehre angelangt. Hier gibt es das Ganze wie gehabt als Video oder darunter als Transkript:

 

Vorbemerkungen zur Ideenlehre

Nachdem ich bis jetzt nur um den heißen Brei herum geredet habe, will ich genau damit weitermachen! Denn zunächst ist es wichtig zu erwähnen, dass es DIE Ideenlehre bei Platon genau genommen nicht gibt. Es gibt von Platon Dialoge über Staatsführung, über das Gute, über richtige Argumentation, über Erkenntnis und sogar über die Liebe. Aber es gibt nicht den einen Ideendialog, in dem Platon dann sagt: Hallo Leute, was ich euch schon immer mal erzählen wollte – ich hab da dieses tolle metaphysische System, das sich die Ideenlehre nennt.

Nein, das, was wir ‘die Ideenlehre’ nennen, muss aus vielen verschiedenen Dialogen zusammengesucht werden und durch Schlussfolgerungen und womöglich sogar Spekulationen ergänzt werden. Es gibt bei Platon nicht das eine zusammenhängende System, das mit dem Stempel ‚Ideenlehre’ versehen ist. Im Gegenteil! In seinen späten Dialogen lässt Platon seine Dialogpartner des Öfteren gegen die Ideenlehre argumentieren und auf Ungereimtheiten verweisen. Das führt dazu, dass verschiedene Platon-Experten meinen, man sollte komplett auf den Begriff Ideen-„Lehre“ verzichten.

An dieser Stelle muss ich außerdem erwähnen, dass Platon eigentlich zwischen Ideen und mathematischen Gegenständen unterscheidet. Wir sahen dies bereits im Liniengleichnis. Allerdings leuchtet mir diese Unterscheidung nicht zu 100% ein. Zum einen sind die mathematischen Gegenstände eines der besten Argumente für den Platonismus, wie wir sehen werden. Zum anderen schreibt Platon den mathematischen Gegenständen so ziemlich alle Eigenschaften zu, die er auch den Ideen zuschreibt. Daher werde ich im Folgenden nur von Ideen sprechen und ihr könnt euch „und die mathematischen Gegenstände“ dann immer dazu denken.

Die Ideenlehre

Aber jetzt kommen wir endlich zur berühmten Ideenlehre, nachdem ich mich solange nicht auf sie festlegen wollte, als wäre ich auf der Suche nach einem SPD-Kanzlerkandidaten.

Platons Grundthese lautet folgendermaßen: Zusätzlich zu unserer Welt – die er die Welt der Erscheinungen nennt – gibt es noch eine zweite Welt, die Welt der Ideen. Die Erscheinungen stehen zu den Ideen in einem Abbildverhältnis. Platon stellt sich das so ähnlich wie das Verhältnis von Schatten oder Spiegelbildern zu Gegenständen vor. Gäbe es die Idee eines Gegenstandes nicht, dann gäbe es auch nicht seine Erscheinungen in unserer Welt. Ferner gibt es eine doppelte Abhängigkeit unserer Welt von der Welt der Ideen: Erstens ist die Idee der Grund für die Existenz einer Erscheinung und zweitens ist sie der Grund für die Erkennbarkeit der Erscheinung.

Puh, das ist schon wieder so ein Satz, der mir einen Knoten ins Gehirn macht. Auf mich wirkt es nämlich doppelgemoppelt, dass Platon diese beiden Aspekte betont. Folgt denn die Erkennbarkeit nicht aus der Existenz? Nun, die Erkennbarkeit ist Platon zumindest ziemlich wichtig, mindestens so wichtig, wie sein Apfelkuchenrezept. Wahrscheinlich, weil er sie braucht, um seine These von der Unsterblichkeit der Seele zu begründen. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Die Begründung für die Ideenlehre

Okay, das ist also Platons These: Es gibt Ideen und Erscheinungen und Erscheinungen sind die Abbilder von Ideen. Ideen ermöglichen sowohl die Existenz als auch die Erkennbarkeit von Erscheinungen. Aber wie ich beim letzten Mal schon sagte, Thesen reichen uns nicht, denn wir sind Philosophen! Was wollen wir? Richtig: Begründungen! Welches Argument hat denn Platon für die Existenz von Ideen?

Eines der besten Argumente ist der Status von geometrischen Figuren. Ein Kreis lässt sich beispielsweise so definieren: Eine zweidimensionale geometrische Figur, bei der alle Punkte gleich weit vom Mittelpunkt entfernt sind. Das Problem ist nur: Wir werden in der Welt (also in unserer Welt der Erscheinungen) nie einen echten Kreis finden. Die kleinste Unebenheit des Untergrundes oder der kleinste Fehler beim Ziehen können ja schon dafür sorgen, dass nur ein einziger Punkt näher am Mittelpunkt ist oder eben weiter weg. Daraus können wir zwei Schlüsse ziehen: Entweder gibt es keine Kreise in der Welt oder die Definition des Kreises ist falsch. Beides ist ziemlich abwegig, denn wenngleich ein gezogener Kreis nie perfekt ist, wird euch jede Ingenieurin bezeugen können, dass unsere unperfekten Kreise ziemlich gute Arbeit leisten. Genauso wird euch jede Mathematikerin bestätigen, dass man mit der Formel Pi x Durchmesser ganz Spitze den Umfang eines Kreises berechnen kann. Also kann hier etwas nicht stimmen: Wir haben irgendwo einen Fehler gemacht. Unsere Schlussfolgerung, dass es entweder keine Kreise gibt oder die Definitionen, die wir von Kreisen haben, falsch sind, muss fehlerhaft sein. Gibt es vielleicht noch einen dritten Schluss, den wir aus den beiden Erkenntnissen ziehen können? Ja, den gibt es: Unsere Definition bezieht sich auf die Idee des Kreises. Und all die fehlerhaften Kreise in der Welt sind eben nur Abbilder dieser Idee.

Platon nimmt aber nicht nur für mathematische Figuren an, dass sie Abbilder von Ideen sind. Er nimmt dies zum Beispiel auch für Werte an, wie zum Beispiel die Idee des Guten, die ja in den drei Gleichnissen die zentrale Rolle spielte. Wenn wir beurteilen wollen, ob ein Mensch gut ist, dann müssen wir ihn oder sie an der Idee des Guten messen, genauso wie wir den Kreis in der Erscheinungswelt an der Idee des Kreises messen müssen. Und genau wie der Kreis so wird in der Erscheinungswelt auch das Gute nie in Perfektion erscheinen, sondern immer nur ein mehr oder weniger fehlerhaftes Abbild sein. Ich werde das in meinen Folgen zur Ethik von Platon noch weiter begründen. Hier nur so viel: Wenn es keine objektive Idee des Guten gäbe, dann würde daraus folgen, dass jeder Mensch sich seine eigene Ethik machen kann. Das heißt, es würde uns jedes Argument fehlen, um darzulegen, dass etwas Mord, Kindesmissbrauch oder sogar der Holocaust eine schlechte Sache sind beziehungsweise waren. Unser Gegenüber könnte immer sagen: Nun, das ist vielleicht deine Meinung, aber ich sehe das anders.

Wie gesagt, zur Ethik kommen wir noch ausführlich. Nun zurück zur Ideenlehre, denn Platon geht noch weiter, indem er sagt, dass es von allen physischen Gegenständen ebenfalls Ideen gibt. Und zwar sowohl von natürlichen Dingen wie Steine, Berge, Pflanzen, Seen etc. als auch von artifiziellen Gegenständen, also solchen, die von uns Menschen geschaffen wurden.

Also das ist doch wirklich crazy shit! Das klingt für mich viel unglaubwürdiger als die Annahme von der Idee des Kreises. Es soll von menschengemachten Dingen Ideen geben? Denn ihr müsst bedenken, für Platon sind die Ideen ewig und schon immer dagewesen. Sie können weder werden noch vergehen. Das heißt, sie existieren zwangsläufig schon bevor die entsprechenden Dinge in der Erscheinungswelt erfunden wurden.

Das klingt total durchgeknallt, ist aber auch gar nicht sooo doof wie es zunächst wirkt, da es ein vieldiskutiertes Erkenntnisproblem löst: Denkt mal an alle Stühle, die ihr in eurem Leben je gesehen habt. Ihr werdet mir sicher zugestehen, dass sie höchst unterschiedlich waren. Aber dennoch konntet ihr sie in der Regel als Stühle erkennen. Oder? Warum ist das so? Was ist all diesen Stühlen gemeinsam? Nicht alle Stühle haben vier Beine. Nicht alle Stühle haben eine Rückenlehne. Es gibt sogar Stühle, die nicht einmal eine richtige Sitzfläche haben. Wieso können wir dann Stühle immer als Stühle erkennen? Platon sagt: Alle diese Stühle sind Abbilder der Idee des Stuhles. Und wir können sie in der Erscheinungswelt überhaupt nur deshalb erkennen, weil es auch die Idee des Stuhls gibt. Die Idee des Stuhls ermöglicht uns seine Erkenntnis. Merkt ihr jetzt, warum er die Erkennbarkeit so betont hat?

Im Dialog Symposion definiert Platon ferner die Idee des Schönen. Er schreibt dort, dass die Idee des Schönen göttlich ist. Sie entsteht nicht und vergeht nicht, sie wächst und schwindet nicht, sie ist immer mit sich identisch und unvergänglich. Sie ist nicht nur in einer Hinsicht schön aber in einer anderen nicht, nicht jetzt schön, aber später nicht mehr. Die Idee ist nicht im Vergleich zu etwas anderem schön, sondern an sich. Sie ist auch nicht bloß die Eigenschaft von etwas anderem, sondern ist an und für sich und für immer schön.

Was fällt euch auf an dieser Definition? Augenscheinlich ist, dass Platon die Idee vor allem darüber definiert, was sie nicht ist: nicht vergänglich, nicht veränderlich, nicht vergleichbar mit etwas anderem und so weiter. Viele ihrer Eigenschaften sind Negationen von Eigenschaften wahrnehmbarer Gegenstände der Erscheinungswelt. Allerdings ist diese negative Charakterisierung der Idee des Schönen auch nicht verwunderlich, denn unsere Sprache entstand ja dadurch, dass wir mit ihr auf Dinge in unserer Welt der Erscheinungen referenzierten. Und diese Welt ist nun einmal dadurch charakterisiert, dass in ihr alles am Werden und Vergehen ist, alles relational und graduell ist.

Aber aus Platons Aufzählung negativer Eigenschaften wird noch etwas anderes deutlich: Wir haben eigentlich keine Ahnung, was Ideen sind. Und das führt uns zu unserem nächsten Punkt: Den Problemen der Ideenlehre. Allerdings werden wir den dann erst beim nächsten Mal besprechen.

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Die Suche nach sicherem Wissen

Endlich geht es hier mit Platon weiter! Nachdem wir beim letzten Mal geklärt haben, was Metaphysik ist, gehen wir heute auf die Suche nach gesichertem Wissen. Wie immer könnt ihr euch hier das Video anschauen oder daurunter das Transkript lesen:

Platon – Der Philosophenkönig – Teil 8

Auf die Suche nach sicherem Wissen begeben wir uns, um die Frage zu beantworten, warum Platon überhaupt versucht hat, seine Ideenlehre aufzustellen. Und die Antwort und damit der Beginn unserer Suche nach dem sicheren Wissen lautet: Platon tat dies aus logischen Gründen.

Denkt noch einmal zurück an Sokrates. Sokrates, der Platons Lehrer war, war sehr skeptisch, ob menschliche Erkenntnis überhaupt möglich ist. Dies kam zum Beispiel in der Apologie zum Ausdruck, als das Orakel von Delphi ihn den weisesten Menschen auf Erden nannte und Sokrates erkannte, dass seine Weisheit darin bestand, sich nicht einzubilden, irgendetwas zu wissen.

Die frühen platonischen Dialoge, die noch stark von Sokrates beeinflusst sind, enden zumeist aporetisch, das heißt, sie werden ohne Ergebnis abgebrochen, weil die Probleme unlösbar erscheinen. Platons Ideenlehre war ein Versuch, diese unlösbaren Probleme zu lösen. Dafür versuchte Platon das menschliche Wissen auf eine solide Grundlage zu stellen und das war ein so brillanter Versuch, dass er noch heute ernsthaft diskutiert wird.

Das Letzbegründungsproblem

In der Philosophie im Besonderen und der Wissenschaft im Allgemeinen gibt es das sogenannte Letztbegründungsproblem. Wir schmieden Ketten aus Argumenten. Aber diese Ketten können noch so stabil sein, wenn sie nicht irgendwo festgeschmiedet sind, ziehen wir sie einfach hinter uns her, sobald wir einmal losgehen. Die Wissenschaft löst dieses Letztbegründungsproblem mit Definitionen. Beispielsweise kann ich beweisen, dass die Lichtgeschwindigkeit 299.792.458 m/s beträgt. Aber ich kann nicht beweisen, dass ein Meter auch wirklich einen Meter lang ist. Die Wikipedia sagt dazu:

“Ein Meter ist definiert als die Länge der Strecke, die das Licht im Vakuum während der Dauer von 1/299 792 458 Sekunde zurücklegt.”

Das ist kein Beweis, da es ein sogenannter Zirkelschluss ist: Ich messe die Geschwindigkeit des Lichts mit der Einheit Meter pro Sekunde und  definiere einen Meter wiederum anhand der Lichtgeschwindigkeit. Mein kleines philosophisches Wörterbuch sagt, dass so ein Zirkelschluss ein fehlerhafter Beweis ist, weil das schon voraussetzt, was er eigentlich beweisen will.

In der Physik spielt das erst einmal keine große Rolle, denn die Scientific Community hat sich darauf geeinigt, wie lang ein Meter ist. Eine Definition ist nichts anderes als eine Übereinstimmung, etwas so und nicht anders zu nennen. In der Philosophie nennen wir soetwas ein Dogma: Ein Satz, den wir benutzen, um andere Sätze zu beweisen, den wir selbst aber als gegeben annehmen.

Aber ein Dogma ist gerade deshalb auch eine sehr schwache Letztbegründung. Denn was, wenn jemand kommt und sagt: “Ich glaube aber, dass ein Meter definiert ist durch die Länge meines Unterarms”? Wir hätten nur schwache Argumente dagegen: “Wir haben uns aber darauf geeinigt” ist jetzt nicht unbedingt der heilige Kral der Begründungen.

Natürlich ist dieses Beispiel Blödsinn, niemand würde das tun. Das wäre ja, als würde ein Mann amerikanischer Präsident werden, der behauptet, dass es keinen Klimawandel gibt, obwohl Kalifornien buchstäblich austrocknet. Als würde er behaupten, die USA würden von Immigranten überrannt, obwohl die Zahl der Einwanderer auf einem historischen Tiefstand ist. Als würde er sagen, Sein Vorgänger hat nichts gegen illegale Einwanderer getan, obwohl Obama mehr Menschen abgeschoben hat als jeder seiner Vorgänger. Oder als würde dieser Mensch behaupten, Mexiko werde für eine Mauer zahlen, die die USA an der Grenze bauen wollen, obwohl die mexikanische Bevölkerung nur kollektiv den Kopf schüttelt. Wenn jemand sich soweit von der Wahrheit entfernt hätte, würde ihn doch niemand mehr zum Präsidenten wählen. Oder?

Die Frage nach dem Wesen der Dinge

Platons Ideenlehre ist der Versuch unsere Wahrheit auf ein stabiles Fundament zu stellen. Sie ist eine konsequente Weiterentwicklung von Sokrates’ „Was ist …?“-Frage, der Frage nach dem Wesen der Dinge. Erinnert euch: Wir hatten auch schon bei Sokrates gesehen, dass dieser und mit ihm natürlich auch sein Schüler Platon zwischen dem Begriffsumfang und der Begriffsbedeutung unterscheidet. In der Philosophie nennen wir diese Unterscheidung auch die von Sinn und Bedeutung oder die Unterscheidung von Intension und Extension.

Die „Was ist …?“-Frage wird in den platonischen Dialogen oft zunächst extensional beantwortet. Also: Was fällt denn alles unter den Begriff? Auf welche Dinge in der Welt trifft der Begriff zu?

Zum Beispiel: Was ist gerecht? Gerecht ist, wenn alle ein gleich großes Stück Kuchen bekommen. Gerecht ist, wenn jemand, der ein Flüchtlingswohnheim anzündet, dafür verurteilt wird, genauso wie jemand, der eine junge Frau in Freiburg umgebracht hat. Gerecht ist, wenn meine Tochter (9) genauso oft Pfannkuchen wie Brokkoli zum Abendessen bekommt. Das sind alles Einzelfälle, die unter den Begriff der Gerechtigkeit fallen. Es ist die Extension oder Begriffsumfang von „Gerechtigkeit“.

Wenn aber Sokrates und Platon fragen „Was ist Gerechtigkeit?“, dann geht es ihnen nicht um diese Einzelfälle, stattdessen wollen sie wissen, was all diesen Fällen gemeinsam ist. Was ist der Sinn von Gerechtigkeit? Was ist die Intension des Ausdrucks?

Die Idee als Antwort

Und diese Frage ist verdammt schwer zu beantworten, daher werden die frühen platonischen Dialoge immer ohne Ergebnis abgebrochen. Gegen Ende seiner frühen Phase und dann besonders in seinen mittleren Dialogen findet Platon schließlich die Antwort: Die Bedeutung von Gerechtigkeit ist die Idee der Gerechtigkeit. Die eine perfekte, wahre, unkorrumpierte Gerechtigkeit. Und alle unsere alltäglichen Vorstellungen von Gerechtigkeit sind bloß unperfekte, immer fehlerhafte Abbilder der Idee der Gerechtigkeit.

Zwei Kuchenstücke können immer nur mehr oder weniger gleich groß sein. Ein Gericht, das einen rechtsradikalen Brandstifter verurteilt, müsste eigentlich auch die geistigen Brandstifter mitverurteilen. Wenn die Tagesschau über den Mord durch einen Geflüchteten in Freiburg berichten soll, dann müsste sie auch über alle 300 Mordfälle berichten, die jedes Jahr von Deutschen verübt werden. Und meine Tochter und ich werden uns niemals darüber einig werden, wann wer wie oft Pfannkuchen oder Brokkoli essen soll. Doch auch wenn wir vielleicht nie wahre Gerechtigkeit erleben, glauben wir daran, dass es so etwas wie echte, objektive Gerechtigkeit gibt, denn sonst könnten wir nicht darüber sprechen, Gerechtigkeit nicht zum Maßstab unseres Handelns machen. Platon war der Meinung, dass diese echte, objektive Gerechtigkeit nichts anderes ist als die Idee der Gerechtigkeit. Und genauso, wie dieser ethische Begriff, so haben alle unsere Konzepte und alle Dinge in der Welt eine Idee, die ihnen zugrunde liegt.

Ausblick

Damit haben wir jetzt geklärt, was der Status oder die Aufgabe einer Idee ist, aber wir haben noch nicht daran gerührt, was denn nun die Eigenschaften der Ideen sind. Was ist eine Idee?  Um diese Frage werde ich mich beim nächsten Mal kümmern. Ich danke euch, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt.

Literatur

 

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Prolog zu Platon

Hier bekommt ihr einen kleinen Prolog zur nun startenden Platon-Staffel meines YouTube-Kanals. Unter dem Video findet ihr, wie immer ein Transkript und die Angaben zu den Bilderquellen.

Na, dachtet ihr schon, ich hätte dieses Projekt aufgegeben? Nein? Gut so, denn ich habe das Gegenteil getan, ich war sehr fleißig und habe für euch 32 Folgen zu Platon vorbereitet. Ja, ihr habt richtig gehört: 32 Folgen und vielleicht ergibt es sich unterwegs, dass ich noch die eine oder andere Folge einschieben muss. Natürlich ist das ein gewaltiger Sprung von vier Folgen zu Sokrates auf 32 Folgen zu Platon. Aber dass muss so, den Platon ist nicht bloß der erste Philosoph, von dem wir fast das komplette Lebenswerk überliefert bekommen haben, er war auch ein verdammtes Genie und ich hatte ihn in der Sokrates-Staffel nicht ohne Grund den „Philosophenkönig“ genannt.

Platons Bedeutung für die westliche Philosophie lässt sich gar nicht überschätzen. Der Philosoph Alfred North Whitehead brachte dies einmal prägnant mit folgendem Zitat auf den Punkt:

“Die sicherste allgemeine Charakterisierung der philosophischen Tradition Europas lautet, daß sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht.”

Platon ist für die Philosophie das, was Pelé für den Fußball war, Michael Jordan für den Basketball, Churchill für den zweiten Weltkrieg, Leonardo da Vinci für die Kunst, Counter Strike für die Egoshooter, Tempo für die Taschentücher oder Sascha Lobo für die Netzgemeinde.

Es gibt Philosophen, die ich lieber mag, aber keinen Philosophen, der wichtiger ist. Einige Fachmenschen schätzen Aristoteles’ Beitrag zur Philosophie noch höher ein, aber niemand kann bestreiten, dass schon Ari viele seiner Theorien nur als Antwort auf Platon entwickelt hat.

Wir werden bei weitem nicht alle philosophischen Themen hier angucken, mit denen Platon sich auseinandergesetzt hat, aber wir werden die wichtigsten Stationen nacheinander kennenlernen und ihr werdet sehen, wie ein ums andere Mal Platons geniale Gedanken der Ausgangspunkt waren für Debatten, die bis heute anhalten.

Ich werde erzählen, was wirklich hinter Klassikern wie dem Höhlengleichnis und der Platonische Liebe steckt, wir werden Platons Beitrag zu den drei großen Disziplinen der Philosophie besprechen: der Erkenntnistheorie, der Ethik und der Ästhetik. Wir werden eingehend die bahnbrechende Ideenlehre von Platon anschauen und ich werde Platons politische Philosophie hart kritisieren. Wir werden sehen, ob es Platon gelingt, zu beweisen, dass die Seele unsterblich ist oder dass Gott existiert, wir werden seine Sprachphilosophie, seine Schriftkritik und sogar so etwas abwegiges wie den Atlantis-Mythos unter die Lupe nehmen. Aber beginnen möchte ich in der nächsten Folge wie schon bei Sokrates mit dem Lebenslauf, denn schon der ist so kurios, dass ich auf eine Verfilmung durch die Coen-Brothers warte.

Bilderquellen

Alle Bilder ohne Quellenangabe sind entweder gemeinfrei oder von mir selbstgemacht.

Sokrates – Der Gamechanger – Teil 3: Die Sokratische Wende

Heute bringe ich meine Sokrates-Serie zu einem Abschluss. Nachdem ich im ersten Teil von Sokrates’ Leben erzählte und im zweiten Teil von seinen Einflüssen und Schülern sprach, stürze ich mich diesmal voll in seine Philosophie. Wir klären noch einmal, was die Sokratische Wende ist, rücken die Mäeutik zurecht und fragen, was Sokrates in der Ethik gelehrt hat. Abschließend stelle ich noch 10 Thesen vor, worin die sokratische Philosophie bestand. Das ganze gibt es, wie immer als Video oder darunter zum nachlesen. Außerdem findet ihr wieder Literaturtipps und die Bilderquellen zum Video auf dieser Seite.

Die Sokratische Wende

Beginnen muss ich mit einem Geständnis. Ich habe euch in den letzten beiden Teilen dieser Reihe ein bisschen aufs Glatteis geführt und zwar mit voller Absicht. Und wisst ihr was, es tut mir noch nicht einmal leid! Stattdessen habe ich einen Metawitz eingebaut und selbst ein bisschen den Sokrates gespielt. Denn wenn ihr einen platonischen Dialog lest, dann werdet ihr feststellen, dass es darin fast immer eine Stufe gibt, in der die Gesprächspartner glauben, zu einem Ergebnis gekommen zu sein und dann lässt Sokrates das Kartenhaus zusammenbrechen. Und genau das habe ich mit euch gemacht. Aber nur ein bisschen … Ich erklär’s euch und hoffe ihr könnt mir verzeihen.

Und zwar geht es um das, was ich die Sokratische Wende genannt habe, oder was auch manchmal die anthropologische Wende genannt wird. Ihr erinnert euch? Cicero, der alte Sack:

“Sokrates hat als erster die Philosophie vom Himmel heruntergerufen, sie in den Städten angesiedelt, sie sogar in die Häuser hineingeführt und sie gezwungen, nach dem Leben, den Sitten und dem Guten und Schlechten zu forschen.“

Und dann habe ich euch erzählt, dass Sokrates sich nicht für Erkenntnistheorie interessierte, so wie die Naturphilosophen, sondern bloß für Ethik. Und jetzt die kleine Gemeinheit, die ich eingebaut habe: Nämlich einen Widerspruch. Auf der einen Seite habe ich euch erzählt, Sokrates habe sich nicht für Erkenntnistheorie interessiert, aber auf der anderen Seite habe ich euch die ganze Zeit mit erkenntnistheoretischen Konzepte und Methoden von Sokrates gefüttert …

Seht ihr es jetzt? „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“, das Verhältnis von Sprache und Welt, die Frage nach dem Allgemeinen, also die „Was ist …?“-Frage, Definition, Induktion und Mäeutik. Das sind alles erkenntnistheoretische Themen, die ich euch untergejubelt habe. Also hat sich Sokrates doch für die Erkenntnistheorie interessiert? Zumindest indirekt. In der Apologie, also seiner Verteidigungsrede, sagt er an einer Stelle, dass er bei seinen Untersuchungen eigentlich immer nur die Sache selbst prüfen wollte, dass es sich dabei aber ergab dass auch sein Gesprächspartner und er selbst geprüft wurden. Die Sache selbst, das sind ethische Probleme, mit denen er sich herumgeschlagen hat. Aber die Methoden, die er dabei anwendete das waren erkenntnistheoretische und so prüfte er automatische seine eigene Erkenntnis und die seines Gesprächspartners mit.

Die sokratische Wende besteht gar nicht darin, dass Sokrates sich nicht mehr für die Frage „Was ist Wahrheit?“ interessierte. Ganz im Gegenteil: Auf gewisse Art und Weise war er mehr daran interessiert, als jeder seiner Vorgänger. Aber er hat sich einer anderen Teilfrage zugewendet. Statt wie die naturphilosophischen Vorsokratiker zu fragen: Was ist die Welt? Fragte Sokrates: Was kann ich von der Welt erkennen?

So, jetzt ist es raus. Ich hoffe, ihr könnt mir verzeihen, dass ich euch an der Nase herumgeführt habe. Jetzt habe ich euch die Wahrheit erzählt, versprochen! Zumindest, bis ich sie das nächste Mal sokratisch zusammenbrechen lasse.

Die Mäeutik

Kehren wir doch, weil es in der Erkenntnistheorie gerade so kuschelig ist, noch einmal zur Mäeutik zurück. Die hatte ich jetzt zweimal angerissen, als wäre sie das Normalste von der Welt. Aber ist die Vorstellung nicht strange, wenn man sie genau betrachtet? Dass wir das Wissen schon in uns tragen und man es im Gespräch zur Welt bringen kann? Wo soll das Wissen herkommen? War das schon immer in uns drin? Oder ist es etwas, das wir mal wussten und wieder vergessen haben?

So esoterisch sich diese Mäeutik auch anhören mag: Wir haben ein ganz ähnliches Konzept. Wir unterscheiden zwischen impliziten und expliziten Wissen. So bilde ich mir ein, dass ich grob weiß, wann ich im Satz ein Komma zu setzen habe. Aber ich kenne nicht alle drölfzigmillionen Kommaregeln der deutschen Schriftsprache. Dennoch könnte man sie mir vielleicht klarmachen, wenn man mich mit der Nase darauf stößt, wann ich wo ein Komma setze. Ein anderes Beispiel sind Fußballspieler und Fußballtrainer. Lionel Messi kann sicher besser Fußball spielen, als jeder seiner Trainer. Aber er verfügt über dieses Wissen nur implizit. Das heißt, er kann nicht unbedingt erklären, warum er wann was auf dem Feld macht. Aber ein guter Trainer kann eben genau das – er verfügt eben über explizites Wissen. Und mit entsprechender Mäeutik, oder eben schlicht mit Training, kann er Messi so helfen, das Wissen zu gebären.

Allerdings weist der Philosoph Bertrand Russell zurecht darauf hin, dass diese Methode ihre Grenzen hat: Sokrates wäre es bestimmt nicht gelungen, einem Arzt der Antike das Wissen zu entlocken, dass es Bakterien gibt, die die Ursache für Krankheiten sind. Für diese Erkenntnis musste zunächst das Mikroskop erfunden werden. Wir scheinen es hier mit einer anderen Art von Wissen zu tun zu haben. Mit Wissen, das wir nur erlangen können wenn wir unsere Hypothesen mit der Welt vergleichen. Und Russell geht noch weiter: Er meint, dass vielleicht genau das der Unterschied zwischen Philosophie und Wissenschaft ist. Dass die Philosophie Fragen beantwortet, die sich mit Mäeutik beantworten lassen und dass die Wissenschaft sich mit den anderen Fragen beschäftigt …

Mit anderen Worten: Philosophen sind Fußballtrainer.

Sokrates’ Lehren zur Ethik

Anyway … Ich hatte jetzt schon zigfach erwähnt, dass Sokrates eigentlich nur Bock auf Ethik hatte, habe aber zugleich bisher fast nur von Erkenntnis gesprochen. Was hat denn Sokrates nun zur Ethik gesagt? Sokrates hat sich anscheinend Zeit seines Lebens mit der Frage herumgeschlagen, was Tugend ist.

Tu-was? Wenn ich mal einen Blick in mein kleines Philosophie-Lexikon werfe, dann stehen da zu Tugend, beziehungsweise zu Arete, dem entsprechenden griechischen Wort so Dinge wie Tüchtigkeit, Vortrefflichkeit, die Tauglichkeit der Seele, innerer Wert, Ehre. Sokrates wollte wissen, was einen Menschen ausmacht, den wir tugendhaft nennen. Er glaubte, dass die Werte Gerechtigkeit, Tapferkeit, Frömmigkeit, Besonnenheit und Weisheit Teile der Tugend sind. Dass also ein Mensch alle diese Werte besitzen muss um tugendhaft zu sein. Daran schloss sich dann für ihn die Frage an, ob alle diese Werte den gleichen Anteil an der Tugend haben oder ob es vielleicht einen Wert gibt, der wichtiger ist als die anderen. Zum Beispiel bist du sicher nicht tugendhaft, wenn du zwar tapfer aber nicht gerecht bist. Aber bist du auch nicht tugendhaft, wenn gerecht aber nicht tapfer bist? Und was, wenn du gerecht und tapfer aber nicht weise bist?

Sokrates’ Antwort lautete ganz klar, dass die Weisheit der wichtigste Wert der Tugend ist. Er hielt die verschiedenen Werte für Formen von Wissen: Wenn ich erkannt habe, was tapfer oder gerecht ist, dann bin ich auch tapfer oder gerecht. So wie der Handwerker sein Handwerk verstehen muss, so muss die Gerechte eben die Gerechtigkeit verstehen.

Klingt ziemlich einleuchtend, oder? Ist aber nicht unproblematisch … Denn das impliziert zum Beispiel, dass ungebildete Menschen per se weniger tugendhaft sind als gebildete, denn sie haben ja weniger Wissen. Aber wenn ich zum Beispiel an meine Oma denke, so war sie sicher nicht der gebildetste Mensch der Welt, aber sie hatte das Herz am rechten Fleck, wie man so schön sagt. Hingegen haben die Zocker in den Investmentbanken oft Abschlüsse an Eliteunis erworben, aber anscheinend kein Problem damit, andere auszubeuten … Ist es nicht so, dass ich wissen kann, was gut und richtig ist, ohne auch danach zu handeln? Sokrates glaubte das nicht, er würde immer sagen, dass zum Beispiel die Investmentbanker zwar gut im Investmentbanking ausgebildet sind, aber nicht nicht gut im Wissen um Gerechtigkeit. Das mag zwar sein, ändert aber nichts daran, dass wir im Gegensatz zu Sokrates in der Regel zwischen Wissen und Handeln unterscheiden. Ich weiß genau, dass Tiere sterben mussten, damit ich mein Steak essen kann. Ich weiß auch, dass diese Tiere Angst und Schmerz fühlen konnten. Dennoch esse ich das Fleisch.

Ihr seht, wie kompliziert diese Ethik ist, entsprechend ist es vielleicht nicht die schlechteste Idee, manchmal eine Debatte mit der unterschätzten aber sehr wissenschaftlichen Antwort abzubrechen: Ich weiß es nicht. Auch das lehrt uns ja Sokrates. Es wäre jetzt sehr sokratisch diese Folge einfach abzubrechen, aber stattdessen möchte ich euch lieber als Round-Up zu Sokrates noch zehn Thesen vortragen, worin seine Philosophie bestand. Diese Thesen habe ich bei Wolfgang Pleger gefunden und anhand dieser Thesen möchte ich überprüfen, ob ich in meinen drei Folgen über den Philosophen auch nichts vergessen habe:

1. Sokrates kritisierte den Mythos

Das hatte ich kurz im ersten Teil angerissen. Sokrates hatte eine klassische Ausbildung genossen und sich unter anderem mit Homer auseinandergesetzt. Und die Griechen lasen die Mythen nicht zuletzt deshalb, um sich an den dort aufgeschriebenen moralische Normen zu orientieren. Die strikten Regeln, die „von den Göttern vorgeschrieben“ wurden, wollte Sokrates aber nicht als gegeben hinnehmen, wie wir ja auch an der Anekdote zum Orakel von Delphi sahen. Stattdessen wollte er jede althergebrachte Regel logisch prüfen.

2. Sokrates wendete sich von der Naturphilosophie ab

Die meisten der ganz großen Vorsokratiker wie Thales, Pythagoras, Heraklit oder Parmenides beschäftigten sich mit der Frage: „Was ist die Welt?“ Wie ich das letzte mal erzählt habe, interessierte sich Sokrates, als er noch jung war, für die Philosophie von Anaxagoras. Kam dann aber zu der Erkenntnis, dass die Naturphilosophie ein unlösbares Rätsel ist und wandte sich lieber anderen Fragen zu. Und diese anderen Fragen sind der dritte Aspekt seiner Philosophie:

3. Die anthropologische Wende, oder wie ich es zuvor schon nannte: Die Sokratische Wende

Pleger betont, dass eigentlich die Sophisten diese Wende schon eingeleitet haben, da sie die ersten waren, die sich mit Fragen der Ethik beschäftigten stattt herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Aber Sokrates hat diese Wende fortsetzt und noch einmal auf ein ganz anderes Niveau gehoben: Er fragte nach den „menschlichen Dingen“, allem voran danach, was die „gut verfasste Seele“ ausmacht, also was den Menschen gut macht. Das ging einher mit der Frage, was wir erkennen können. Dabei legte er den Fokus auf die Beschränktheit unseres Wissens: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.”

4. Kritik an der Politik

Sokrates kritisierte Gesetze und politische Praktiken, wenn sie nur aus Tradition existierten und gegen die Logik verstießen. Er hatte dafür genau die gleiche Motivation wie für seine Kritik am Mythos: Er wollte stets, dass logische Gründe zu einer Entscheidung führen und nicht irgendwelche Mehrheits- oder Machtverhältnisse.

5. Pädagogik

Wie ich auch schon wiederholt erwähnt habe, war Sokrates Lehrer. Er versuchte seine jugendlichen Schüler zu besseren Menschen zu machen. Und für diesen Zweck machte er mit ihnen genau das, womit ich diesen Artikel einleitete: Er erschütterte ihre Gewissheiten. Im Dialog machte er ihnen klar, dass das, von dem sie bisher glaubte, es sei wahr, in Wirklichkeit zumindest problematisch ist. Dann hielt er sie dazu an, sich in Selbsterkenntnis zu üben und für ihre Handlungen aber auch für ihre Überzeugungen Rechenschaft abzulegen.

6. Politisches Interesse

Bei aller Kritik an der Politik, hielt Sokrates sie und den Staat auch für wichtig und fragte, was einen guten Politiker ausmacht. Was einen guten Staat ausmacht und was ein gerechter Staat ist. Sokrates war entsprechend seiner Überzeugung, dass politische Entscheidungen logisch gerechtfertigt sein müssten, ein Gegner davon, Menschen in Ämter zu wählen. Sattdessen war er davon überzeugt, dass der am besten Geeignete, das jeweilige Amt innehaben sollte.

7. Die Frage nach der Sache selbst

Das hatten wir in der letzten Folge: Sokrates wollte immer erforschen, was das Wesen der Dinge ist. Das kommt in der „Was ist …?“-Frage zum Ausdruck. Er bediente sich für diese Frage der Logik.

8. Ethisches Wissen

Das hatte ich eben gerade auch schon angesprochen: Tugend war für Sokrates das Wissen um das was gut (also gerecht, tapfer und so weiter) ist, daraus folgte für ihn direkt die gute Tat. Er glaubte, dass niemand wissentlich Böses tut, sondern dass Menschen, die böse handeln, dies tun, weil sie es nicht besser wissen.

9. Die Dialektik

Das könnt ihr mittlerweile wahrscheinlich gar nicht mehr hören: Der Dialog war für Sokrates der Ort, an dem Philosophie stattfindet. Im Dialog werden philosophische Erkenntnisse errungen. Dabei wird die Sache selbst geprüft, aber auch die Gesprächspartner werden geprüft.

Und schließlich:

10. Das philosophische Leben

Philosophie war für Sokrates eine Lebensweise: Die ständige Suche nach Wahrheit und die Prüfung von allem und jedem an der Wahrheit. Dabei gab er sich aber zugleich nicht der falschen Gewissheit hin, selbst zu wissen, was Wahrheit ist.

Das waren die zehn zentralen Punkte der sokratischen Philosophie. Puh, schwirrt euch jetzt auch der Kopf? Natürlich musste ich alles ganz schön verkürzen. Wenn ihr mehr wissen wollt, findet ihr unten Literaturtipps. Außerdem ist der Wikipedia-Artikel zu Sokrates überdurchschnittlich gut. Fragen könnt ihr natürlich auch in den Kommentaren stellen oder die Kommentare nutzen, um mich zu beschimpfen, weil ich das alles nicht verstanden und total falsch dargestellt habe. Ich freue mich über jedes Feedback.

Wenn euch das hier gefallen hat, dann erzählt euren Freundinnen davon. Als nächstes werde ich mich mit Platon auseinandersetzen und würde mich freuen, wenn ihr mir schreibt, was euch an dessen Philosophie besonders interessieren würde. Enden möchte ich mit einem Sokrates-Zitat aus seiner Verteidigungsrede, in dem es noch einmal um die philosophische Lebensweise geht. Ich sage schon einmal tschüss, vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt und hoffe, ihr schaut mal wieder rein.

Zitat aus der Apologie des Sokrates

Vielleicht aber wird einer sagen: „Also still und ruhig, Sokrates, wirst du nicht imstande sein, nach deiner Verweisung zu leben?“ Das ist nun wohl am allerschwersten manchem von euch begreiflich zu machen. Denn wenn ich sage, das hieße, dem Gotte ungehorsam sein, und deshalb wäre es mir unmöglich, mich ruhig zu verhalten, so werdet ihr mir nicht glauben, als meinte ich etwas anderes, als ich sage. Und wenn ich wiederum sage, dass ja eben dies das größte Gut für den Menschen ist, täglich über die Tugend sich zu unterhalten und über die andern Gegenstände, über welche ihr mich reden und mich selbst und andere prüfen hört, ein Leben ohne Selbsterforschung aber gar nicht verdient, gelebt zu werden, das werdet ihr mir noch weniger glauben, wenn ich es sage. Aber gewiss verhält sich dies so, wie ich es vortrage, ihr Männer; nur euch davon zu überzeugen ist nicht leicht.

Literatur

Als Literaturtipps wiederhole ich alles noch einmal, was ich auch in den letzten beiden Teilen empfohlen habe:

Als einzige neue Quelle habe ich anzubieten:

Bilderquellen

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Sokrates – Der Gamechanger – Teil 2: Der Nichtswisser

Es geht weiter mit Sokrates! Diesmal gehen wir den Fragen nach, warum die Athener von ihm genervt waren, woher wir eigentlich von ihm wissen und was seine philosophischen Einflüsse waren. Unten findet ihr wieder das Transkript für alle, die lieber lesen als sehen, außerdem die Bibliographie und die Bilderquellen.

Pain in the ass

Wenn ihr euch für das Leben von Sokrates interessiert und warum er im Jahre 399 v. Chr. hingerichtet wurde, dann schaut euch doch noch mal meinen ersten Post dazu an. Wenn ihr hingegen erfahren wollt, warum die Athener von Sokrates genervt waren, und woher wir überhaupt von ihm wissen, dann seid ihr hier richtig!

Wir waren stehengeblieben bei der Frage, warum die Athener Sokrates zum schweigen bringen wollten, denn diese Frage führt uns erstmals tief in seine Philosophie. Die Antwort auf die Frage lässt sich wohl am besten verstehen, wenn wir die Anekdote betrachten, die Sokrates selbst zur Verteidigung vorgetragen hatte. Sokrates’ Freund Chairephon, der übrigens ein Demokrat war, soll das Orakel von Delphi gefragt haben, ob es einen weiseren Menschen als Sokrates gebe und das Orakel habe geantwortet, dass es keinen weiseren gebe. In Delphi saß eine Frau, die man die Pythia nannte über einer Erdspalte, aus der giftige Gase strömten und faselte so vollgedröhnt vor sich hin. Die Griechen glaubten, dass diese bekiffte Tante prophetische Gaben hätte und verkünde, was der Gott Apollon ihr einflüstere.

Jedenfalls war Sokrates verwirrt, dass er der weiseste Mensch auf der Welt sein sollte, denn seiner Meinung nach, wusste er eigentlich nichts besonderes. Daher zog er durch Athen und fing an, Männer zu befragen, die allgemein als weise galten, um den Orakelspruch von Apollon zu widerlegen.

Ihr müsst schon zugeben, dass Sokrates eine coole Sau ist: Da ist er unter anderem wegen Gottlosigkeit angeklagt und verteidigt sich vor Gericht mit einer Geschichte, in der er versucht, zu beweisen, dass der Gott der Weisheit sich geirrt hat. Jedenfalls quatschte er nach eigenen Angaben mit Politikern, Dichtern und angesehenen Handwerkern. Doch keiner der befragten, hielt der Prüfung durch Sokrates stand. Denn sie glaubten zwar immer, besonders weise zu sein. Letztlich stellte sich aber heraus, dass sie eigentlich nichts wussten. So kam Sokrates zu der Erkenntnis, dass er tatsächlich weiser war als alle, die er geprüft hatte. Denn zwar wusste er nichts, aber er bildete sich auch nicht ein, zu wissen. Diese Erkenntnis ist berühmt geworden unter dem Sinnspruch: „Der Klügste ist der, der weiß, dass er nichts weiß“.

Doch der Nebeneffekt war eben, dass alle diese Leute, die als besonders weise oder gebildet galten, entsprechend angepisst waren, nachdem sie von Sokrates entlarvt wurden. Denn die Untersuchungen von Sokrates fanden in aller Öffentlichkeit auf dem Marktplatz von Athen statt. Nach allem was wir wissen, stand immer eine Truppe von Sokrates-Schülern und Schaulustigen dabei, wenn Sokrates mal wieder einen wichtigen Mann entzauberte. Daher suchte das Athener Establishment nach einem Weg, ein für alle Mal Ruhe vor diesem Sokrates und seinen nervigen Fragen zu haben.

Zu diesen öffentlichen Bloßstellungen kam noch ein weiterer Aspekt: Ein Hauptthema von Sokrates’ philosophischen Gesprächen war die Suche nach Gerechtigkeit. Dabei wies er konsequent auf Missstände in Athen hin. Und es war für den Athener Staat einfacher, Sokrates durch Gift zum Schweigen zu bringen, als die Probleme zu beheben, die er kritisierte. Das also steckte hinter diesem berühmten Gerichtsverfahren vor 2.400 Jahren. Zu klären bleibt als nächstes, ob Sokrates es denn wert war, dass wir uns noch heute an ihn erinnern oder ob er wirklich bloß irgendeine Nervensäge war.

Die Quellenlage

Doch halt! Vorher gilt es noch zu klären, wie es uns heute überhaupt noch möglich ist, uns mit Sokrates zu beschäftigen. Denn das letzte Mal habe ich ja erzählt, dass Sokrates nie etwas aufgeschrieben hat und die Frage gestellt, wie wir denn dann heute noch etwas von ihm wissen können. Mit der Antwort auf diese Frage möchte ich also fortfahren:

Wir haben im Grunde vier Quellen zu Sokrates und seinen Lehren. Die älteste Quelle ist die Komödie „Die Wolken“, in der Sokrates als Sophist dargestellt wird und in der schon alle Vorwürfe auftauchten, die später beim Prozess von der Anklage wieder vorgebracht wurden. Inklusive des Vorwurfes, Sokrates habe gesagt, dass nicht Zeus für den Regen verantwortlich sei, sondern dass dieser aus den Wolken falle. Was für ein Blödsinn! Man sollte diesen Sokrates zum Schweigen bringen! Ach so, hat man dann ja auch getan.

Jedenfalls sind „Die Wolken“ als historische Quelle problematisch, weil ihr Autor Aristophanes eine ganz klare Agenda hat: Zunächst einmal wollte er seine Zuschauer zum Lachen bringen, dann wollte er auch noch diesen neumodischen Kram, diese Wortverdreherei, die sich „Philosophie“ nennt, kritisieren. Dabei legt er sicher nicht allzu viel Wert darauf, Sokrates korrekt darzustellen. Wenigstens berichten die anderen Quellen, dass Sokrates sich nie für Fragen der Naturphilosophie interessiert habe, sondern immer nur am Menschen interessiert war.

Die zweite Quelle, die wir haben, ist der Sokratesschüler und Historiker Xenophon. Na der müsste doch perfekt sein, oder? Ein Historiker! Von dem können wir doch eine zuverlässige Darstellung erwarten! Nun, das Problem an Xenophon ist, dass er wahrscheinlich nicht die hellste Birne in der Leuchtreklame war, zumindest scheint er sich nicht sonderlich für Philosophie interessiert zu haben. Jedenfalls ist sein Sokrates ein so langweiliger und rechtschaffender Typ, dass es überhaupt keinen Sinn ergibt, dass so jemand vor Gericht gestellt wurde. Ernsthaft: Nach Xenophon hat Sokrates nichts anderes gemacht, als den Leuten zu sagen, dass sie zur Schule gehen sollen oder als Händler ihre Bücher anständig führen sollten. Klingt nicht unbedingt nach großer Philosophie, oder?

Kommen wir entsprechend zur dritten Quelle: dem Sokrates-Schüler Platon. Aber hier müsste doch alles klar sein! Diesen Platon hatte ich als den vielleicht größten Philosophen aller Zeiten beschrieben, der müsste uns doch sagen können, was Sokrates gelehrt hat, oder? Nun, ja und nein. Denn bei Platon gleitet das ganze leider ins andere Extrem ab. Das Problem ist, dass Platon keine Abhandlungen schrieb, sondern uns seine Philosophie in Form von Dialogen hinterließ, in philosophischen Dramen, wenn man so will. Und in diesen Dialogen lässt Platon nun immer Sokrates als einen der Gesprächspartner auftreten. Das Problem ist jetzt, zu unterscheiden, wo die Lehren des Sokrates aufhören und wo jene von Platon anfangen. Immerhin hat uns die Platonforschung dafür einen guten Ansatz an die Hand gegeben. Denn am sich wandelnden Stil und den sich verändernden philosophischen Positionen Platons, kann man sein Werk in drei Phasen unterteilen: den frühen, den mittleren und den späten Platon. Und die frühen Dialoge haben jetzt gewisse Eigenarten, die darauf hindeuten, dass sie noch ziemlich nah an der Lehre des Sokrates sein dürften.

Dafür muss ich mal wieder ein wenig ausholen und euch eine erste philosophische Grundlage verklickern: Die Philosophie spaltet sich in drei Unterdisziplinen: die Erkenntnistheorie, die Ästhetik und die Ethik. Die Erkenntnistheorie stellt die Frage: Was ist Wahrheit? Die Ästhetik fragt: Was ist Schönheit? Und die Ethik schließlich: Was ist gut und böse? Und den frühen platonischen Dialogen ist gemein, dass sie sich nur um diese letzte Frage und ihre Teilbereiche drehen. Das deckt sich mit unserer Erkenntnis, dass Sokrates sich nur für die Ethik interessiert hat. Ihr erinnert euch an Ciceros Worte: “Sokrates hat als erster die Philosophie vom Himmel heruntergerufen, sie in den Städten angesiedelt, sie sogar in die Häuser hineingeführt und sie gezwungen, nach dem Leben, den Sitten und dem Guten und Schlechten zu forschen.“ Denn genau in der Abwendung von der Frage: Was ist Wahrheit? Und ihrer Teilfrage: Was ist die Welt? Und der Hinwendung zur Frage: Was ist gut und böse? bestand die Sokratische Wende von der ich das letzte Mal sprach.

Es gibt noch ein gutes Indiz, dass die frühen platonischen Dialoge echte sokratische Dialoge sind: Ich hatte euch ebenfalls bereits erzählt, dass die wichtigste sokratische Erkenntnis war: Ich weiß, dass ich nichts weiß und dass er den Dialog als das wichtigste philosophische Instrument ansah, in welchem er mittels der Mäeutik, der Hebammenkunst, verborgenes Wissen bei seinen Gesprächspartnern ans Licht bringen kann. Zu diesen Aspekten der sokratischen Philosophie passt nun, dass die frühen platonischen Dialoge meist mit einem offenen Ende abgebrochen werden. Irgendwann meint Sokrates immer: „Oh man, ist das schon spät, ich muss weg!“ Das passt ziemlich gut zu seiner skeptischen Sicht auf die Fähigkeit der Menschen überhaupt Wissen erlangen zu können. So werden in diesen Dialogen immer wieder Thesen zum Beispiel zur Frage: Was ist Tapferkeit? aufgestellt, dann von Sokrates mittels geschickter Fragen geprüft und am Ende wieder verworfen. Im Dialog wird sich Erkenntnis so erarbeitet, aber zugleich im Blick behalten das man die Wahrheit ™ niemals wird erreichen können, weswegen irgendwann abgebrochen wird.

Schließlich haben wir noch Aristoteles als eine Quelle sokratischer Philosophie. Natürlich ist der auch problematisch, denn der alte Ari war ein Schüler Platons und seineszeichens hat er Sokrates nicht mehr kennengelernt, sondern berichtet über ihn schon aus einer philosophiehistorischen Perspektive. Allerdings hat das auch Vorteile: Es gibt ihm eine gewisse Distanz zu seinem Untersuchungsgegenstand, die zugleich nicht so groß ist, wie unsere Distanz heute. Wichtig ist Aristoteles besonders, weil er auf einige Unterschiede zwischen den Lehren von Sokrates und Platon hinweist.

Sokrates’ Erkenntnistheorie

Aristoteles berichtet zum Beispiel, dass auf Sokrates zwei wichtige philosophische Instrumente zurückgehen: Zum einen die allgemeine Definition, zum anderen die Induktion. Viele Dialoge Platons beginnen nach dem gleichen Muster. Sokrates und sein Gesprächspartner kommen nach etwas Vorgeplänkel zum eigentlichen Thema des Dialogs. Dieses Thema fasst Sokrates dann immer in eine „Was ist …?“-Frage, etwa: Was ist Tapferkeit? Darauf antwortet der Dialogpartner dann meist mit einer Reihe von Beispielen: Tapfer sind Soldaten, Feuerwehrmänner, Polizisten, Holzfäller, Whatever … Aber Sokrates will nicht auf diese Sammlung von Einzelfällen hinaus. Stattdessen interessiert ihn stets das Wesen einer Sache, er will eine allgemeine Definition. Und zu der gelangt er eben mit der Induktion. Die Induktion ist neben der Deduktion, der Abduktion und der Analogie einer der vier Möglichkeiten eine Schlussfolgerung zu ziehen: Man schließt von einer Reihe von Einzelfällen auf etwas Allgemeines. Sokrates fragt also, was den Soldaten tapfer macht, was den Feuerwehrmann tapfer macht, was den Polizisten, den Holzfäller etc. Und durch die Entdeckung der Gemeinsamkeiten kommt er so mit Hilfe einer Induktion zu einer Definition von Tapferkeit. Natürlich problematisiert und verwirft er die dann wieder wie ich vorhin das erläuterte, aber das Prinzip steht …

Spannend ist weiterhin, dass Sokrates, wie Aristoteles berichtet, noch keine Semantik hatte. Semantik beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Sprache und Welt und vor Sokrates hatte es durchaus schon Semantiker gegeben. Sokrates ist sogar bei einem in die Schule gegangen, ich komme gleich darauf zurück. Aber Sokrates scheint die Vorstellung abgelehnt zu haben, dass es in unserer Sprache irgendwie verhandelbare Bedeutungen gibt. Er glaubte, dass es die eine, die wahre Bedeutung eines Begriffs gibt: das Allgemeine und dass es nur darauf ankäme, diese mit Hilfe der Mäeutik zu finden. Da möchte ich jetzt noch eine kryptische Bemerkung anhängen, die klarer wird, wenn ich euch von Platon erzählt habe: Laut Aristoteles glaubte Sokrates nicht, dass das Allgemeine eine vom Begriff unabhängige Wesenheit ist. Wie gesagt, merkt euch das einfach mal, wir kommen darauf zurück.

Sokrates’ philosophische Einflüsse

Bevor wir uns weiter damit beschäftigen, was die wesentlichen Aspekte der sokratischen Philosophie sind, möchte ich noch mal einen Blick zurück werfen und euch von Sokrates Semantik-Lehrer und den anderen Vorgängern erzählen, die Sokrates philosophisch geprägt haben.

Zu Sokrates’ Lehrern gehörte anscheinend der Sophist Prodikos. Die Sophistik war eine heterogene skeptische Bewegung, die in der Ethik überwiegend relativistische Positionen vertrat, also dass es keine absoluten Werte gibt und in der Erkenntnistheorie wurden wiederum überwiegend skeptische Haltungen vertraten, also dass echte Erkenntnis nicht möglich sei. Die Sophisten verdienten ihren Lebensunterhalt, indem sie gegen Geld Rhetorik und Logik lehrten. Wie wir ja in der letzten Folge sahen, waren insbesondere vor Gericht rhetorische Fähigkeiten unerlässlich, um vor den Laiengerichten des alten Athens den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Berühmt geworden ist Sokrates’ Kritik daran, dass die Sophisten Geld für ihren Unterricht nahmen. Wie wir aber auch in der letzten Folge sahen, war Sokrates wohl nicht der Ärmste, sodass diese Kritik von einer guten Portion Arroganz zeugt. Prodikos beschäftigte sich neben Rhetorik, also der Kunst des Argumentierens, wohl vor allem mit Semantik, also der Lehre von der Bedeutung der Worte und er war auf der Suche nach eindeutigen Bedeutungen. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau, worin dabei der Unterschied zur Sokrates’ Suche nach dem Allgemeinen steht. Denn diese Suche nach der eindeutigen Bedeutung ist meines Erachtens genau das was mit der „Was ist…?“-Frage in den Sokratisch-Platonischen Traditionsstrang der Philosophie einging. Wie ich ja schon sagte, lässt Platon Sokrates in seinen Dialogen immer auf die Suche nach der Antwort von „Was ist …?“-Fragen gehen: Was ist Schönheit, Was ist Erkenntnis, Was ist das Gute? Falls jemand von euch sich mit Prodikos’ Philosophie auskennt, dann wäre ich über mehr Details sehr froh.

Philosophisch geprägt wurde Sokrates auch noch durch zwei andere philosophischen Schulen: Den größten Einfluss dürfte auf ihn Anaxagoras gehabt haben, mit dessen Schüler Archelaos er einmal nach Samos reiste. Anaxagoras beschäftigte sich wie Thales mit der Suche nach dem Prinzip, das der Welt zugrunde liegt. Im Gegensatz zu Thales glaubte er aber nicht, dass es irgendetwas so banales wir Wasser oder ein anderes Element ist, das sich in der Welt zeigt. Stattdessen war er der Überzeugung, dass alle Dinge der Welt alle Elemente beinhalten, aber in verschiedenen Mischungen.

Aber seine einflussreichste Lehre, die über Sokrates und Platon in den Mainstream der Philosophie eintreten sollte, war der Dualismus von Geist und Materie und dass der Geist die Materie beeinflusst. Das klingt alles unglaublich kryptisch, daher will ich es kurz und weitgehend falsch noch einmal zusammenfassen: Ein Stück Holz beinhaltet nach Anaxagoras alle Elemente, aber zum Beispiel ist relativ viel Feuer (was die Griechen für ein Element hielten) in der Mischung, denn es kann brennen. Ein Stein enthält hingegen eher wenig Feuer in der Mischung. Was ist nun wiederum der Unterschied zwischen einem Stein und einer Pflanze? Letztere hat einen Geist, der sie dazu bringt, zu wachsen. Ehrlich gesagt klingt das ziemlich esoterisch, aber eigentlich steckt da noch immer die gleiche logisch-wissenschaftliche Begründung dahinter, die wir schon bei Thales ausmachten, denn die Theorie basiert auf der Beobachtung, dass Pflanzen im Gegensatz zu Steinen wachsen. Und wenn ihr mal den Begriff „Geist“ durch „DNA“ tauscht, dann sind wir plötzlich bei einer modernen Theorie …

Anyway … Hier geht es nicht um Anaxagoras sondern um Sokrates. Der zweite große Einfluss auf ihn hatte die Schule der Pythagoreer. Der pythagoreische Musiktheoretiker Damon gehörte zu Sokrates Lehrern. Pythagoras kennt ihr wieder aus der Schule. Er hat die moderne Mathematik erfunden, so sagt es zumindest Bertrand Russell. Außerdem hat er die Mathematik aber mit Mystizismus verbunden. Pythagoras glaubte, dass die Welt aus Zahlen besteht, aus irgendeinem Grund war er aber auch der Meinung, dass Bohnen teuflische Dinger sind und sie zu essen eine Sünde. Außerdem durften seine Schüler nichts aufheben, was zu Boden gefallen war, nicht auf Landstraßen gehen und er führte einen unerklärlichen Krieg gegen Schwalben. Allerdings glaubte Pythagoras auch an die unsterbliche Seele und dass der Mensch Philosophie und Wissenschaft betreiben solle, da das gut für die Seele sei. Besonders hoch angesehen war bei den Pythagoreern – wie könnte es anders sein – die Auseinandersetzung mit Mathematik, da dies reines Denken sei.

Es ist nicht bekannt, ob Sokrates Beef mit Bohnen oder Schwalben hatte, aber die Auseinandersetzung mit Logik, der unsterblichen Seele und der Philosophie als Lebensziel waren große Einflüsse für ihn. Natürlich war es eine kritische Auseinandersetzung, sonst hätte er heute wohl kaum den Status, den wir ihm zuschreiben.

Last not Least sollen auch zwei Frauen unter Sokrates’ Lehrerinnen gewesen sein: Aspasia soll ihn in Rhetorik unterrichtet haben, außerdem betrieb sie so eine Art philosophischen Salon, in dem Sokrates wohl mit vielen Theorien in Kontakt kam. Und eine gewisse Diotima soll ihn „über den Eros belehrt haben“, if you know what I mean! Nein? Na ich spreche natürlich von dem, was später mal zur platonischen Liebe werden sollte. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden …

Denn heute ist es schon spät und “es ist Zeit, dass wir gehen: ich, um zu sterben, und ihr, um zu leben. Wer aber von uns beiden zu dem besseren Geschäft hingehe, das ist allen verborgen außer nur Gott.“ Ups, Tschuldigung, da wurde ich gerade mitgerissen von der Apologie, der Verteidigungsrede Sokrates’ Dennoch ist es an der Ziet für heute einen Schlussstrich zu ziehen, bevor wir uns beim nächsten Mal noch einmal richtig in Sokrates’ Philosophie reinstürzen.

Literatur

Wie beim letzten Teil gilt:

Zusätzlich für diese Folge sind noch relevant:

Bilderquellen

Alle Bilder ohne Quellenangabe sind entweder gemeinfrei oder stammen von mir.

 

Irrtümer – Teil 2

Vor einer Weile verbloggte ich hier bereits einige Irrtümer, die wir im Alltag gerne vor uns hertragen, ohne sie zu hinterfragen. Dies ließ mich nicht mehr los und ich spitzte meine Augen und hielt die Ohren offen, auf der Suche nach weiteren Irrtümern…

Einen Anruf zurückverfolgen

A prospos “offen”: Offen muss auch die Leitung sein, um einen Anruf zurückzuverfolgen, oder?
Es gehört zur traditionellen Dramaturgie eines Erpresserkrimis, dass irgendwann der Erpresser anruft und die Erpresste trotz gegenteiliger Forderung die Polizei eingeschaltet hat. Die Polizei versucht dann, den Anruf zurückzuverfolgen. Dafür muss die Angerufene den Erpresser dann möglichst lange an der Leitung halten. Ist ja auch logisch: So ein Anruf geht über verschiedene Verteilstationen und an jeder muss dann nachgeguckt werden, woher der Anruf kam. Legt der Ganxta zu früh auf, gucken die Beamten in die Röhre. Was dann der Harry des Ermittlers meist mit einem geknickten Kopfschütteln zum Ausdruck bringt.

Als mir dieser filmische Code das letzte Mal über den Weg lief, wurde ich stutzig. War das nicht doch ein bisschen anachronistisch? Und ein Blick in die Wikipedia verrät, dass in der Tat bereits in den 70ern die Fangschaltung erfunden wurde. Die Angerufene brauchte nur eine vereinbarte Taste zu drücken und die Post blockierte die Leitung, sodass sie auch nach dem Auflegen offen blieb und die Ermittler sie in aller Ruhe zurückverfolgen konnten.
Doch damit noch nicht genug: Seit der Digitalisierung der Telefonnetze gibt es die Rufnummerübertragung. Die kann man zwar unterdrücken, diese Unterdrückung wird aber erst in der letzten Verteilstation aktiv, sodass die Ermittlerinnen dort ganz bequem die Nummer ablesen können. Und wissta was? Die Digitalisierung der Telefonnetze fand schon in den 1980er Jahren statt…

Spinnen im Schlaf essen

Seit Jahren kursiert die Horrorgeschichte durchs Netz, dass jeder Mensch im laufe seine Leben zehn Spinnen im Schlaf isst. ZEHN. SPINNEN. 10! Ich bin nun wirklich kein Arachnophobiker, aber das ist ekelig! Zum Glück ist es eben nur eine Horrogeschichte und den Spinnen fällt es nicht im Traum ein, nachts in unser Bett zu krabbeln.

Murphy’s Law

„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“

So lautet die populäre Varaiante von Murphy’s Law. Die Sache ist aber: Stimmt halt nicht. Murphy’s Law ist kein Gesetz im Sinne eines Naturgesetzes, sondern ein normativer Satz für Versuchsaufbaue und das Ingenieurswesen, der etwa dem Ingenieur sagen soll: “Obacht! Du kannst das Auto nicht für die Produktion zulassen, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass es explodiert, nur bei 0,001% liegt, denn was schiefgehen kann, das geht auch schief!” Aber Murphy’s Law ist kein Gesetz wie die Schwerkraft, was sich mit zwei simplen Beweisen … nun ja … beweisen lässt.

Erstes Beweismittel, euer Ehren: Bei jedem Prozess ist die Zahl der möglichen Fehler unendlich groß, die Zeit, in der dieser Prozess durchgeführt wird, ist hingegen beschränkt. Also wird nicht alles schiefgehen, was schiefgehen kann.

Zweitens, Ein bisschen weniger abstrakt: eine beliebte Alltagsanwendung für Murphy’s Law ist die Kaufhausschlange. Denn frei nach Murphy müsste man sich ja immer an der Schlange anstellen, die am längsten braucht, weil vorne mal wieder irgendeine Oma mit ihrer Pfennigsammlung bezahlt. Doch hier kommt der Haken: Will Murphy’s Law mehr sein als eine triviale Anekdote, muss es einen allgemeinen Geltungsanspruch haben. Das Licht denkt sich ja auch nicht: “Och, heute fliege ich mal nur 200.000 km/s. Ich hab’s heute nicht so eilig.” Aber wenn alle immer an der längsten Schlange im Supermarkt stehen. Was ist dann die kurze Schlange? Die Schlange hat nichts mit Murphy’s Law zu tun, sondern etwas mit selektiver Wahrnehmung: All die Male, als du an der kurzen Schlange standest, sind dir eben nicht in Erinnerung geblieben…

Bleibt noch die Sache mit dem Marmeladenbrot, das immer auf die Marmeladenseite im Leben fällt. Tja, das liegt einfach an der Höhe unserer Tische

Toastcat

Quelle: Uncyclopedia. Lizenz: fragwürdig.

Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns

Glaubt man einer weitverbreiteten Sage oder eben Luc Besson, dann benutzen wir nur 10% unseres Gehirns und wären voll die Genies, wenn wir lernen würden, mehr zu benutzen.

Wäre das nicht cool? Schade nur, dass halt nichts dran ist an der Legende. Sogar wenn wir nichts tun oder gar schlafen, sind große Teile unseres Gehirns aktiv. Und wenn ein Teil des Gehirns keinen Input bekommt, wie etwa die Sehrinde bei Blinden, dann blubbert sie nicht gemütlich vor sich hin, sondern übernimmt schleunigst andere Aufgaben. Übrigens stammt der Mythos von Scientology

Die rechte und die linke Gehirnhälfte

Und wo wir gerade beim Gehirn sind: Habt ihr auch schon einmal gehört, dass die linke Hälfte für alles analytische und sprachliche zuständig ist und die rechte Hälfte sich um die Emotionen, die Empathie und das ganzheitliche Denken kümmert? Tja, ist ein Irrtum. Der hat zwar einen waren Kern, zum Beispiel, dass die meisten, wenn auch nicht alle Bereiche des Gehirns, die für Sprache zuständig sind, links sitzen. Aber in dieser drastischen Verkürzung, ist es reine Pop-Psychologie, zumal das mit den Emotionen wohl sogar komplett erfunden ist.

Überholen auf der Landstraße

Wer kennt das nicht: Du bist morgens auf dem Weg zur Arbeit und dann hat sich so ein Sonntagsfahrer im Tag geirrt und tuckert mit 70 durch die Kurven, die man locker mit 100 nehmen kann. DER IST SCHULD, WENN ICH ZU SPÄT ZUR ARBEIT KOMME! Also schnell überholen, um die verlorene Zeit wieder wett zu machen. Aber ist das wirklich so?

Gut auf der Autobahn kannst du dir das schnell herleiten: Wohnst du 100 Kilometer von deinem Arbeitsplatz entfernt, kannst du mit 200km/h Durchschnittsgeschwindigkeit(!!!) deine Fahrtzeit gegenüber derjenigen, die mit 100 dahintuckert halbieren. Aber wie ist das auf der Landstraße?

Nun, angenommen, dein Weg zur Arbeit beträgt 20 Kilometer, dann legst du die mit 100 Sachen in 12 Minuten zurück. Wenn du hingegen nur 70 fährst, dann sind es gerade einmal 17 Minuten! Dein Chef muss schon ziemlich kleinlich sein, wenn er wegen fünf Minuten Terz macht. Aber, damit nicht genug: Deutschland ist ein dichtbesiedeltes Land, daher ist es wohl keine allzu steile These, anzunehmen, dass du ca. alle 10 Kilometer eine Ortschaft kommt, in der du auf 50 runtergebremst wirst. Das versaut dir deinen 100er-Schnitt und verkürzt so deinen fünf minütigen Vorsprung schon gewaltig. Und wenn du jetzt noch Ampeln ins Spiel bringst, schmilzt er ganz dahin: Wie lange ist die durchschnittliche Wartezeit an einer Ampel? 2 Minuten? Das heißt, dass spätestens an der dritten Ampel der Überholte wieder hinter dir steht… Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal überlegt, ob die Gerade lang genug ist, für ein entschlossenes Überholmanöver…

Der Hippokratische Eid

Den muss jeder Arzt ablegen, nicht wahr? Wie ging er noch gleich….? Ach ja:

„Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt, und Asklepios und Hygieia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an, dass ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde.

Ich werde den, der mich diese Kunst gelehrt hat, gleich meinen Eltern achten, ihn an meinem Unterricht teilnehmen lassen, ihm, wenn er in Not gerät, von dem Meinigen abgeben, seine Nachkommen gleich meinen Brüdern halten und sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen, ohne Entgelt und Vertrag. Und ich werde an Vorschriften, Vorlesungen und aller übrigen Unterweisung meine Söhne und die meines Lehrers und die vertraglich verpflichteten und nach der ärztlichen Sitte vereidigten Schüler teilnehmen lassen, sonst aber niemanden.

Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.

Auch werde ich niemandem ein tödliches Gift geben, auch nicht, wenn ich darum gebeten werde, und ich werde auch niemanden dabei beraten; auch werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel geben. Rein und fromm werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.

Ich werde nicht schneiden, sogar Steinleidende nicht, sondern werde das den Männern überlassen, die dieses Handwerk ausüben.

In alle Häuser, in die ich komme, werde ich zum Nutzen der Kranken hineingehen, frei von jedem bewussten Unrecht und jeder Übeltat, besonders von jedem geschlechtlichen Missbrauch an Frauen und Männern, Freien und Sklaven.

Was ich bei der Behandlung oder auch außerhalb meiner Praxis im Umgange mit Menschen sehe und höre, das man nicht weiterreden darf, werde ich verschweigen und als Geheimnis bewahren.

Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.“

Quelle: Internet.

Ähhhm, so etwas müssen die Ärzte von heute schwören? Ich frage mich, wie viele ehemalige Profs heute ein Altenzimmer in den Villen der Chefärzte haben… Aber keine Sorge: Laut der Wikipedia muss kein Arzt den Hippokratischen noch irgendeinen anderen Eid ablegen…

Nilpferde sind die gefährlichsten Tiere Afrikas

Habt ihr auch schon mal was darüber gehört, dass Nilpferde die gefährlichsten Tiere Afrikas sind? Die Story packt eigentlich immer irgendjemand während eines Zoobesuchs als nette Anekdote aus: Vergiss Löwen, Krokodile oder Elfanten. Nilpferde sind die wahren Killer! Na ja, immerhin ist die Story nicht komplett aus der Luft gegrifen: Immerhin 500 Menschen gehen jedes Jahr auf das Konto der Dickhäuter, damit lassen sie Löwen und Elefanten hinter sich. Allerdings sind Krokodile und Schlangen dann doch noch etwas gefährlicher, ganz zu schweigen von der Mücke!

Die tödlichsten Tiere
Die tödlichsten Tiere

Blasensprung bei Gewitter

Die letzte Geschichte ist “a tricky one” und ich bin noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen. Kürzlich hörte ich von keinem geringeren als dem Chefarzt der größten Frankfurter Geburtsklinik die Worte, dass bei Gewitter vermehrt Fruchtblasen springen. Das machte mich stutzig, es klang sehr nach der Mähr, dass bei Vollmond mehr Kinder geboren würden, die sich statistisch leicht widerlegen lässt.

Jetzt ist ein Chefarzt ja nicht irgendwer, andererseits nennen böse Zungen Ärzte auch die Zierpudel der Wissenschaft, weil sie ihre Doktorarbeiten gewöhnlich schon während des Studiums in einem oder zwei Semestern schreiben. Alles für den Titel. Ich machte mich also auf Spurensuche…

Leider blieb diese erfolglos. Entweder gibt es zu dem Thema keine Studie oder sie wurde sorgfältig vor dem Internet versteckt. Was auch nicht sonderlich schwer ist, da sich in den Spitzenpositionen der Suchergebnisse SEO-triefende Müttercommunitys und Schwangerschaftsportale tummeln. Dort wird dann stets im Anekdoten-Stil betichtet: “Also bei mir…” oder “Hebammen wissen zu berichten…”.

Aber Anekdoten sind keine Beweise, da uns bei ihnen wieder die selektive Wahrnehmung einen Strich durch die Rechnung macht: Eine Hebamme erinnert sich nicht an die 20 Blasensprünge bei Sonnenschein, aber bei dem einen, der bei einem Gewitter vorkam, springt ihr die Hypothese von dem angenommenen Zusammenhang ins Gesicht. Und ich möchte betonen, dass das nichts mit Intelligenz oder der Kompetenz einer Hebamme zu tun hat, sondern menschlich ist. Es ist sogar sinnvoll, wenn die Hebamme unter einer Geburt auf ihren Erfahrungsschatz zurückgreift, denn sie muss schnelle Entscheidungen fällen und hat keine Zeit, Statistiken zu wälzen.

Aber wenn es uns um Erkenntnis geht, also um die Frage, wie die Welt wirklich ist, dann helfen uns in diesem Fall nur Zahlen. Die Frage, ob bei Gewitter mehr Fruchtblasen springen, bleibt also vorerst ungeklärt. Allerdings spricht gegen die Theorie, dass die Geschichte genau wie alle anderen Irrtümer, die ich hier versammelt habe, im Stil der Anekdote daherkommt…

Das Sein und das Nichts

Gleich zwei Podcasts, die ich höre, haben sich in letzter Zeit mit philosophischen Grundproblemen herumgeschlagen, zu denen ich ein Wörtchen zu sagen habe. Zum einen hat der Soziopod sich mit der Existenzphilosophie auseinandergesetzt. Die Zettelwirtschaft quatschte hingegen den Welt-Nichts-Tag durch. Beide Podcasts wurden dadurch auf Grundfragen der Erkenntnistheorie zurückgeworfen und bemühten sich um Antworten auf: “Was ist das Sein?” und „Was ist das Nichts?“.

Sein und Nichts

Nichts und Sein, was seid ihr? Bild von mir.

Seiendes abseits vom konkret Seienden und die Existenz des Nichts

Das führte sie ins Herz der ungeheuren Schlacht, die die Philosophen nun seit 2500 Jahren schlagen. So fragte Dr. Köbel an einer Stelle des Soziopods, was denn das „Seiende” abseits eines “konkret Seienden” sei. Wie man sich das „Sein” vorstellen kann, ohne sich die Existenz eines bestimmten Dinges vorzustellen, sondern eben das „Sein” an sich! Demgegenüber fragten sich Jens Fischer und Wastl von der Zettelwirtschaft solche Fragen, wie: Was kann ich mir unter dem „Nichts” vorstellen? Gibt es das „Nichts” an sich? Und: Wenn es „Nichts” nicht gibt, wie kann dann nach dem Tod nichts (oder Nichts?) kommen?

Die Ergebnisse, die die vier Herren hinter ihren Mikrofonen erlangen, sind sehr hörenswert. Allerdings habe ich auch noch meinen Senf dazuzugeben. Denn ich hänge einer philosophischen Strömung an, die sich analytische Philosophie nennt. Die analytische Philosophie ist in akademischen Diskursen mittlerweile absoluter Mainstream, wird im Bild, das die Öffentlichkeit hierzulande von Philosophie hat, aber zumeist ignoriert. Das liegt vor allem daran, dass die analytische Philosophie eine angelsächsisch zentrierte Angelegenheit ist und die populärsten kontinentaleuropäischen Philosophen eben keine Analytiker waren.

Die Sprache ist kein Spiegel der Natur

Was macht diese analytische Philosophie nun aus? Die große Gemeinsamkeit ist, dass sie den Linguistic Turn vollzogen hat. Demnach sind alle unsere philosophischen Probleme zunächst einmal sprachliche Probleme, denn nur mit Sprache kann ich die Welt erfassen. Die Sprache ist aber kein Spiegel der Natur, sondern hat eine eigene interne Struktur, die sie der Welt überstülpt. Daher sind die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt.

Glaubt ihr nicht? Denkt ihr, ich verwechsle Linguistik mit Philosophie? Es geht doch eigentlich um existenzielle Fragen und nicht darum, wer was wie sagt?

Nun, viele unsere philosophischen Probleme sind darauf zurückzuführen, dass die Sprache feiert. Wir verwenden Wörter falsch und heraus kommen irgendein Unsinn und Beulen, die sich unser Verstand beim Anrennen gegen die Grenzen unserer Sprache geholt hat. Und „das Sein“ und „das Nichts“ sind zwei hervorragende Beispiele dafür…

Substantivierung, Existenzquantor und Negation

Betrachten wir das „Sein” und das „Nichts” auf einer sprachlichen Ebene, so fällt zunächst einmal auf, dass beides Substantivierungen sind. Das Substantiv „Sein“ ist verwandt mit dem Verb „sein“ und und das Substantiv „Nichts“ ist verwandt mit dem Adverb oder Partikel (je nach Kontext) „nicht“. Es ist nämlich eine Grundregel unserer Sprache, dass ich aus jedem Wort ein Substantiv machen kann: „Das Sein, das Nichts und ihre Kumpel das Und und die Ihre trafen sich auf einen Äppler im Gemalten Haus.“.

Seht ihr? Und niemand kommt auf die Idee das „Und” oder die „Ihre” semantisch derart aufzuladen, wie es dem „Sein” und dem „Nichts” widerfährt. Wenn wir also zu wirklicher Erkenntnis kommen wollen, dann dürfen wir uns nicht um das „Sein“ und das „Nichts“ scheren, denn die sind nur gordische Knoten in der Sprache. Philosophisch fruchtbar wird es erst, wenn wir uns um „sein“ und „nicht“ kümmern.

Machen wir das zunächst mit „sein“. Logisch betrachtet, scheint „sein“ ein Prädikat zu sein: “Daniel ist”. Wir haben ein Objekt „Daniel“ dem schreiben wir eine Eigenschaft zu, nämlich „zu sein“. Genauso, wie wir Daniel auch die Eigenschaft zuschreiben können, ein großer Philosoph zu sein. Aber, hoppelalala, da fällt uns auf, dass sich das „Sein“ schon wieder in diesen Satz hineingeschlichen hat. Das ist aber eine dieser sprachlichen Verwirrungen, denn unsere Sprache braucht ein Bindeglied zwischen „Daniel“ und „ein großer Philosoph“.

Idealsprachlich könnten wir das ganze auch auflösen in:

x = Daniel

x = großer Philosoph

Wir haben also ein x, dem wir die Eigenschaften zuschreiben, Daniel zu sein und ein großer Philosoph zu sein. Die philosophisch wirklich spannende Frage ist, können wir unserem X auch die Eigenschaft zuschreiben zu sein:

x = sein

Das wirkt nicht nur komisch, sondern ist es auch. Und das liegt daran, dass das „Sein” kein Prädikat ist, keine Eigenschaft. Das Sein ist stattdessen die Voraussetzung dafür, das wir überhaupt Eigenschaften zuschreiben können, ein sogenannter Existenzquantor:

E x

Bevor wir von Daniel sagen können, dass er ein großer Philosoph ist, müssen wir erst einmal sagen, dass er existiert. Idealsprachlich muss es also heißen:

E x

x = Daniel

x = großer Philosoph

Es existiert ein X. Dieses X ist Daniel und dieses x ist ein großer Philosoph. Und deshalb können wir nicht über das „Sein“ an sich sprechen, ohne die Sprache zu verbiegen. Denn das Sein ist keine Eigenschaft, die wir einem Objekt zuschreiben können. Sondern nichts weiter als die Feststellung, dass ein ganz konkretes Objekt, dem wir Eigenschaften zuschreiben wollen, auch wirklich existiert.

Können wir hieraus jetzt auch Erkenntnisse für das „Nichts“ gewinnen? Klar!Ihr ahnt es sicher schon:

x = nicht

… ist genauso unsinnig, eine Verwirrung unserer Sprache, denn „nicht“ ist genauso wenig ein Prädikat wie „sein“. Es ist logisch betrachtet einfach eine Negation:

-

Und unsere idealsprachliche Formel ist jetzt endlich komplett:

E x

x = Daniel

x = - (großer Philosoph)

Unser x existiert zwar und es ist ein Daniel, aber Daniel ist kein großer Philosoph.

Zwei Schlussbemerkungen:

1. Das, was dem „Nichts“ noch am nähesten kommt, ist dies:

- E x
Wenn ich also die Existenz von etwas verneine. Das machen wir etwa, wenn wir sagen, dass es kein Leben nach dem Tod gibt:

- E x

x = Leben nach dem Tod

Deshalb: kann es „Nichts“ als Ding nicht geben, aber nach dem Tod trotzdem nichts kommen. Ob das der Fall ist, ist allerdings eine ganz andere Frage. Fest steht jedenfalls: Das Nichts ist kein Ding, sondern die Verneinung eines Dings.

2. Es gibt ein berühmtes philosophisches Problem von Bertrand Russell, auf das wir gerade die Antwort kennengelernt haben: Es gibt in der Logik nur zwei Wahrheitswerte: Entweder etwas ist wahr oder es ist falsch.

Dennoch scheint uns der Satz „Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahlköpfig“ gewissermaßen falscher zu sein, als „Der gegenwärtige Präsident von Frankreich ist kahlköpfig“ und zwar ganz unabhängig vom aktuellen Beziehungsstatus zwischen Herrn Hollande und seinem Haupthaar.

Der Unterschied ist ganz einfach jener zwischen

- E x

und

x = - kahlköpfig

 

 

Ich bin … äh doch noch nicht … raus.

Denn im ersten Drittel des Textes habe ich vier Wittgenstein-Zitate versteckt. Findet ihr Sie?

Literatur:

Bertrand Russell: On denoting. (Hier im Volltext frei zugänglich. Sehr geil!)

Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus.*

Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen.*

Richard Rorty: Der Spiegel der Natur.*

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